Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2302 (19.7.1925)
- Date
- 1925-07-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2300 Wien, Sonntag Wiener Moraenzettrrira 19. Juli 1925 Seile 3 vbftmMon der tttraiuer und Weißrussen im polnischen Seim. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Warschau, 18. Juli. Die gegenwärtig vom polnischen .Parlament behandelten Gesetze über die Ag ra rr < f o r m werden von den u f r a i tt i s ch e n und w «i ßrussischen Abgeordneten o b st r u i e r t. In den letzten Tagen wurden Mischen der R egierung und den Parlamentarischen Vertretern der ukrainischen und weiß ru ssischen Minoritäten Verhandlungen geführt, um ein Ende dieser Obstruktion zu erreichen. Die Verhandlungen führten jedoch zu keinem positiven Ergebnis, hauptsächlich deshalb, weil die Forderung der Deputierten der beider: erwähnten Minoritäten, daß die Bestimmung des Agrarreformgesetzes abgeändert werde, rvonach in den Randgebieterr Boden in erster Reihe ausgedienten Soldaten der polnischen Armee zugewiefen werden solle, von der Regierung nicht akzeptiert wurde. Nunmehr firrdeu zwischen der s o z i a l d e m o k r a t ischeu Fraktion im Sejnr u-nd der vom Deputierten Witos, dem harrptsächlichen Verfechter der Agrarreform, geführte P i a st - Gruppc BerhaMungen statt, welche ein gemeinsames Vorgehen gegenüber der Obstruktion der Weißrussen und Ukrainer bezwecken. * . Bau-Lose Em. 1986 Jährlich 2mal je I Haupttreffer von K 1.000,000.000 (eine Milliarde Kronen) Jedes Los gewinnt Preis eines Loses S 10 — Sämtliche Gewinste vollkommen abzugslind EINKOMMENSTEUERFREI gwek neue Sowjetrepubliken. Die Politische Korrespondenz iitclbet: Mit dem 13. Mai 3. I. traten ztvei neue sozialistische Sowjetrepubliken als voll- und gleichberechtigte Mitglieder in den Sowjetbund eilt. Es handelt sich um die Sowjetrepubliken T u r k m e n ista n und Usbekistan. Die Zentralexekutivkomitoes der früheren Sowjetrepubliken Buchara und Khoresme haben gegen Ende des vergangenen Jahres die Beendigung des staatlichen Lebens dieser beiden Republiken beschlossen. Auf ihren Territorien, vermehrt uni das des alten russischen Tnrkestan, haben sich sodann die eingangs genannten Sowjetrepubliken von Turkmenistan und Usbekistan gebvldet, welche sich der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken angoschtosfen haben. Sie ormrnischen Flüchtlinge. Ansiedlnng durch den Völkerbund. — Nansens Reise. Moskau, 18. Juli. (Wolfs.) Fritjof Nansen ist von seiner a r n> e»t i sch e n R c i s e zurückgekehrt und äußerte sich stchr befriedigt über deren Ergebnisse. Es sei die Möglichkeit vorhanden, 15.0 0 0 A r m e n i e r in -der Umgebung von E r i w a u a u z u s i e d e l u, wo sie im Tabak- und Meinbau eine Existenz finden würden. Die Finanzierung habe sich der Völkerbund Vorbehalten. ■■ >> A Ser Streit um Mossul. Genf, 18. Juli. (Tel.-Kon>P.) Das Dölkevbunidsekretariat veröffentlicht heute im Wortlaut den Notenwechsel, der sich an die Beschwerde der türkischen Regierung über das Regime der britischen Behörden im M o s s u l gebiet anschloß. Das türkische Beschwerdeschreiben bringt eine ganze Anzahl von Einzelfällen, so Bombardements durch englische Flieger, wobei zahlreiche Personen ums Leben kamen. Die britische Antwort geht aus die von England getroffenen Maßnahmen ein und begründet diese mit der Unruhe unter der Bevölkerung, die die öffentliche Ordnung gefährdete. _ ‘ Sie chinesische Bewegung. Handel und Politik. London, 18. Juli. (Tsl.-Komp.) Nach einer Meldung aus Schanghai haben die ausländischen Firme n beschlössen, die sogenannten 13 Forderungen der chinesischen Negierung privatim anzunehm e n, um zu vermeiden, daß der Handel Schanghais weiter lahmgelegt werde. Chinesenunruhen auf Sumatra. ' Amsterdam, 18. Juli. (Wolfs.) In Makafser und Me den (Sumatra) sind unter der chinesischen Bevölkerung ern st eUn ruhen ausgebrochen. Es wurden Flugzettol verteilt, in denen die Chinesen aufgefvvdert werden, den Polizeibehörden Widerstand zu leisten, bd 'sie mit den Unterdrückern Chinas im Bunde stehen. Zwischen Polizei und Chinesen kam es zu Z u s a m m e n ft ö ß e n, bei denen es auf beiden Seiten Verwundete gab. Äiä&XCÄ?'.. -— ' . ...;i. Stlnnes Ende. Köln, 18. Juli. (Wolfs.) Nach der „Kölnischen Zeitung" greift der Abbau im Stiunes-Konzern nunmehr auch auf die russischen Unternehmungen von Stinnes über. Die Firma ist damit beschäftigt, ihre Engagements in Rußland aufzulösen. Auch die Stinnessche GeneraldirMon für russische Angelegenheiten in Berlin wird am 1.. September abgebcmt. Die MaroNottise. Neue schwere Angriffe Abd el Kvlms. — Die Stratze nach Fes von den Rifleuten behetrricht. — Ernste Situation bei Taza. ' Paris, 17. Juli. lieber die Lage in Marokko wird folgendes amtliche Communique verbreitet: Die Riftabhlen haben unseren Posten von Ued Har in und unsere Stellung bei A i n Maat in mit großer Heftigkeit a ngegr ifseu. In beiden Fallen konnten sie unter schweren Verlusten zurückgefchlagen werden. Der Feind flüchtete in die Berge. Der heutige Tag bedeutet eine beträchtliche Besserung der Lage. Nach privaten Zeitungsmeldungen aus Marokko v e rstärkt sich der Druck der Rifkabylen auf Fes immer mehr. Man erwartet, das; Abd el Krim mit aller Macht seine Ofsensivbewcgungf ortsetzen wird. Aus dem Gebiet von Uezzan wurde gestern abends eine Besserung der Lage gemeldet. In der Nacht von: 16. auf den 17. erneuerte der Gegner seine Angriffe gegen die Stellungen von A i n A ischa und A i n M a at u f. Die Angriffe, die weniger heftig als die vorhergehenden waren, wurden zurückgeschlagen. Wie „Daily Mail" aus Fes meldet, haben die Rifleute die Straße Fes—Ain Aischa auf einer Länge von 6 Kilometer a b g e s ch n i t t e n. Nach spanischen Meldungen r ä n m e n die Franzosen weitere Stellungen bei T a z a, so daß die Stadl sehr bedrängt ist. Die Opfer des Marokkokrieges. Die vor einigen Tagen veröffentlichte Meldung des „Petit Journal", wonach sich bis zum 30. Juni die Zahl der T o t e n u n d B e r m i ß t e n a u s 14 7 5 und die der Verwundeten auf 2725 beläuft, wird heute o f f i z i e l l b e st ä t i g t. Letzte Kurse. New-Borker Devisen. New-Bork, 18. Juli. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.86%,, London Scheck 4.81'/,, Amsterdam 40.13, Paris 4.72, Brüffdl 4.64, Rom 3.73, Madrid 14.51, Zürich 19.42, Stockholm 26.83, Oslo 17.90, Kopenhagen 21.15, Wien 0.14. Budapest 0.14, Prag 2.96-/., Belgrad 1.76-/., Athen 160, Buenos Aires 407/,,, Rio de Janeiro 11.20, Bukarest 0.48-/,. , Amerikanische Getreidemärkte. '' New-Voek» 18. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 168, .Weizen hart Winter 177, Mais 124, Hafer 53V», Roggen 1131/2- Ehikago, 18. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 160, September 156. Dezember 156; Mais per Juli 103V», September 106, Dezember 87-/,; Hafer per Juli 44-/„ September 45%, Dezember 483/*; Roggen Per Juli 98-/«, September IOIV2, Dezember 105-/». Was man auch immer spricht und schreibt, 3igavetoPAPIER „OLLE SC HAU“ bleibt s Mose den Maimon. Zur deutschen Ausgabe seines „More N'bokhim". Bon S. Meisels. Damals in Spanien, als uuter den omojjadifchen Kakkfen die ariavische Kicktrir in höchster Blüte staub, da war den Mohammedanern der Koran, den Juden die Schrift und beiden die Philosophie das edelste Gut, das sie geistig bewirtschafteten. Ar über »md Juden »vetteiferten damals miteinander, die gwei Mächte Glauben u»»d Wissen zu einer einzigen großen gcistlbeherrschenden Macht zu vereinen. Tie waren bestrebt, die Religion durch die Philosophie zu stützen, die Philosophie durch die Religion Ml rechtfertigen, und sprachteir als den cdcilsten Schößling ihrer wissenschastlicherl Triebe die Religions- Philosophie hervor. Der Zweck der RcligionMMosoPhi« war nicht, wie man es öfter bildlich darzustellen beliebt, Religion und Philosophie in ein Verhältnis von .'pevriu und Atvgd zu bringe»!; ihr Zlveck war vielmehr, jeglichen Schriftwortes ersten Sinn an der Weisheit letzten Schluß zu kette»» und solcherart Beweis aus Beweis zu türme>1, daß Glauben ui'.d Wissen, Offenbarung und Berivnnft wohl nicht gleichermaßen, aber doch gleicherweise Quelle»» des Göttlicher» erschließe»». Es ist Aar, daß dergleichen BinÄnirgen nicht ganz ohne Gewaltsamkeit vor sich gehe»». Geistige Gewa>ltisan»keite>» aber erzeugen vielfach Jrrm»>gen und Wirrungen, verursache»» gar oft ein Schwanke»» u»»d Schütter»» der Seele. So gab cs de »in auch unter de»» Inden jener Zeit der Schwankenden trüb Irrenden, gar viele, denen ein sicherer Führer »ratlar. Ein solcher Führer und Seelenarzt erstand ihnen in — MoscS den Maimon. -h Maliuonides, ailch Mairr»'»»,»»», hebräisch Rabbi Mose bei» Mailnou (abgekürzt „Niamibam"). arabisch Ab»» J»l»ran» Must» den Ataiiriun» Obeid Allah geheißeu, war die markantest« Erischeinnng -»»llter der» arabisch-jndisch-e»» Philosophen des Mittelalters. Ein Soh»» ^l>»dalusiens, m dessen alter Ha»»pl'ftadt Cordova er a»n 14. Nissan» 4705 (30. März 1135) das Licht der Wellt erblickte, >»nd ein Sproß aus beut berühmten Fürstengeschlecht des Jähuda Hanass-i, zählte Riainmni zu je»»«,» geistigen Grande», die z»» dem ererbte»» de»» cige»»ell Zldel fügen. Kraft feiner Persöltlichkeit erivarb er sich Ruhm »u»d Attischen. Sem Weinte wur der berühr.»teste unter, d.'»» Äe>lchrten seiner Zeit, sein Werk das einftußreick-ste. unter den Litcraturerzeug- :Eeu »einer Wo.che. In der Lauterkeit der Gestunnng und im Hochstug des Geistes Aich er jenen wahrhaft Großen in Israel, die ihr-e Gelchvtheit nicht -um Spaten machten, u,m zu eigenem Nutz damit zu groben, u>nd nicht zur Krone schmiedeten, um in GiEe.it damit das Haupt zu schmücken. An jene Danaiten, die tagsüber ein Haudwerk ansübten und nachts in der Lchre forschten, wird man unwillkürlich erinnert, wenn man in den Aiaimnui-Biographier» liest, daß Maimuni, der gwße Maimvrrides, der Schöpfer des monuurentallste»» Werkes in der vabbinifchen Literatur, seine Lawfbahn als JuwelerchänAlor begann. Zusammen mit seinem Bruder betrieb Mammni das Jikiwolengöschäft z,r eirrer Zeit, als er bereits als Gelehrter berühmt und als raVbmische Autorität anerkannt war. Im Jahre 1-168 kam Maimur»» nach Fes in Marokko. Fes war damals die Hauptstadt des Almohadenreiches, wo unter der Rlogierrmtz Abdillmnmens dia llnduldsamkeit und der GlaubensZjwang am stärkster» wirksam waren. Ein großer Teil der in Nordafvika le>be»»>dei» J»»de»» uüterwarlf sich dem Glaubenszlvang zun» Scheu», bekan»»te sich äußerlich zum Islam, bliclb jedoch innerlich von» angestammten Glaüben trau. (Die vor» Carmoly, Munk arn-b Grätz als Tatsache vevzeichnete Behauptung, auch Mose ben Maimon sei in Fes Scheiulmohamnleda>»er gewesen, ist erwielsonermaßert i»r das Reich der Fäbel zu verweisen. Zwei arabische Schriftsteller, Jbn Abi Oseibija und Mist», setzten dieses Gerücht in die Welt, mm .den berühmten Maimonides für den Islam zu reklamieren. Sehr einleuchtend weist Wolf Weiß daraus hin, daß bei dem Charabter Mose ben Maimo»»s und senior strengen Berrrrtollung jeder Reservatio u»e»»talis es ganz unde»»lkbar sei, daß er in> Glaubenssache»» auch mir den Bruch teil einer Sekunde eine Doppelrolle gespielt hätte. Die Nnglaubwüodigkeit dieser Fabel werde a»»ch dadrrrch bewiesen, daß Ma»m»m»s Gegner, die gegen seine Werke einer» leidenschaftlichen Kampf führten, es sich gewiß nicht hätten entgehen lassen, sein Scheiübelenntnis zum Islam als Hauptlboweis gegen seine Rochlcjläublgkeit zu benützen. Uebrigerrs liegt eine eigorre dle-nßerung Mainuln>is vor, di«' dieses Gerücht voMomlinen entikrästetsie findet sich in einem Bericht über die Seereise und lalltet toöEich: - „Wenitzalti min haschmad." („Ich wirrde vor denr GlaubenWvang bewahrt.") In Fes erweiterte Aiaimonides sein wissenschaftliches Stoffgebiet, indmr er nunmchr auch Heilkunde »md Philosophie eifrig trieb. Fünf Jahre währte der Ause»»thalt Maün>»mis in dep Hauptstadt der Alnrohaden, dann ging er »rach Mo, hielt sich kurze Zeit in Jerm/sälanl auf, begab sich hi-erauf nach Alexandrien n»»d ließ sich schließlich in Fvstat bei Kchira »»jeder. Hier vermählte er sich mit einer Schwester des WuVmabi, der bei der Mutter des Sultans Mafdhcvl das Amt eines Geheimschre»bers versäh. Da bei einem SchiffKungNck seine garrze Habe verloren gegangen War, mußte sich Maimonides mit einen Neuen Erwerb umsehen. Er wurde praktischer Arzt. Die Gemeinde in Kahira ernannte ,ihn zu ihrem geistlichen, Oberhaupt. Nun hat« Maimonides einen doPPÄten Wirkungskreis, aber er vernachWigte darob nicht jene höheren Wissenschaften, die den Menschen aus ErkenntNisweigen zu immer höherer Vollkommenheit führen. Und das War der große Moise ben Maimon: Arzt von Bev»»s, Rabbiner im Ehrenamt, Philosoph ans Neigung. - Ws Arzt genoß Maimonides hohes Ansehen. Der Großwesir Al-Fadhil ernannte ihn zu seinem Leibarzt, der Sultan Saladm und sein« Angehörigen bedienten sich seiner ärztlichen Kunst. Berufsu-nd Zeitgenossen MaimMnis versichern, daß sein Ruf als Arzt weit Aber die Grenzen Ägyptens drang. Cs wird berichtet, daß Richard Löwerrherz ihn zu seinem Leibarzt machen wollt«; Maimorrides lehnte ab, er wollte den i>hm lickbgewordenen Wirkungskreis in Kahira nicht aufgeben. Dieser Wirkungskreis war gwß und würde ansonsten den ganzen Mann ausgesullt haben, wenn es nicht gerade Mos« ber» Maimon »gewesen wäre, dessen Geisteskraft uud Wirkfähigkeit schier unbegrenzt waren. Man glaubt ein Wunder übermenschlicher Leistnngskraft zu erleben, wenn man sich so einen Arbeitstag des Arztes Wkaimuni vergegenwärtigt. Mose den Ataimon selbst gM davon in einem Briefe a>n seinen Nebevsetzer Sanmäl Jbn Tibbon, der ihm seinen Geisuch irr Mt-Kahira in Aussicht stellt«, ein anschauliches Bild. So sehr es mich auch freuen würde," schreibt er an Jbn Tibbon, „dich in meinem Heim zu begrüßen, so muß ich dir dennoch abraten, die weite Seereise zu unternehmen. Der einzige Gewinn deines Besuches wäre, mich gesehen zu haben u»»d von mir in allen Ehren empfangen worden zu sein. Aber ich könnte dir nicht einmal eine Stunde vertraulichen Beisamrnenseins widme»:. Ich will dir meirre Lebensweise schildern: Ich wohne in Fostat und der Sultan wohnt in Kahira; beide Orte sind ztvei Sabbatwege von einander entfernt. Ich habe nun beim Sultan eilten überaus schweren Die»»st zu versehen. Täglich bei Tagesanbruch mutz ich ihn besuchen. Gar oft, wenn er sich selber leidend fühlt oder eines seiner Kinder oder eine seiper Frauen oder einer seiner Hofbeamter» erkrankt ist, komme ich aus Kahira nicht fort. J»n gürlstigsten Falle, wenn »ri.chts .Besonderes Vorfälle komme ich erst nachmittags .nach D^/.73D