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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-19 · Heft 2302 (19.7.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2302 (19.7.1925)
Date
1925-07-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite S Wiener Morze 4zeitunq. Wien, Sonntag 19. Juli 1925 Är. 2SÖ3 I -V rSPIELBXLLE-, Gummischuhe, Gummimantel und Gntnmiwaren aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN & HOROW1TZ Wien, II. Bez., Taborstrasse Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 Die Untersuchung im Steiger-Prozeß. Der UntersuchungrrWer unv sein Schristskhrer verfaffen Briese der zeugen, respeNiv« Angeklagten Mikitin. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) der Generäle, die außerhalb der Kritik standen, mit absolutistischer Kraft herrschte; sie dirigierten die Gesetzgebung. sie beeinflußten die Schnlcrziebnng der Jugend und ihre Erfüllung mit dem patriotischen Geist. Aber das, glauben sie, ist vergessen, und sic stellen sich selbst als arme blinde Hündchen hin, die an ,dcr Leine einer jüdilAen Geheinnnacht zappelten. Aller Stolz ist dieser Sorte Menschen verloren gegangen, die.die Aufrichtigkeit und Honorigkeit in Pacht genomnten hatten. Ludendorfs ist einer der typischesten Vertreter dieser Kaste. Er leugnet alles, die Schuld an der Niederlage, das Manifest an die Inden in Polen. Er leugnet, daß er oder irgendein dcutschblütiger Soldat jemals von Juden etwas Gutes erfahren hätte. Die vielen Deutschen, die während der russischen Okkupation Galiziens in den jüdischen Häusern gepflegt und gekleidet wurden, die Tausende deutscher Verwundeter und Kriegsgefangener, die nur durch jüdische Menschlichkeit bewahrt wurden, sind in den großen Strom.des Bergessens geraten. Ludendorff weiß nichts mehr. Er weiß nur von der jüdischen Weltverschwörung, vom jüdischen Krieg. Er hat darüber sogar ein Buch geschrieben und schreibt darüber in den chauvinistischen Kloakenblättern. Nur von dem einen weiß er nichts, von seiner Schuld. Und er ist der Feigling, der rticht einmal der Untersuchungskommission Rede und Antwort stehen will. Er ist die Verkörperung der Iudensresserei, der größten Feigheit der Geschichte. Las Kongreßvrogramm der Zionisten in Pole». Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Polen erläßt seine Programmthesen für den 14. zionistischen Kongreß, denen wir die folgenden wesentlichen Punkte entnehmen: 1. Die Föderationen hören ans, als unnritteillbare Bestandteile der allweltlichen Zionistischen Organisation zu besteihen. Die Zionistische Organisation besteht in Zukunft ausschließlich aus territorialen Landesorganis a t i o n e n, welche alle Zionisten des betreffenden Landes ohne Unterschied der Richtung umfassen. Es steht jedoch jeder zionistischen Richtung frei, sich zum Zweck der Propaganda für ihr Programm zu organisieren. Es wird ein allgemeiner Schekel für alle Zionisten eingesührt. Der NatianaiHonds, der Keren .Hajessod, das Palastiuaamt und auch der .Hechaliuz unterstehen in den einzelnen Ländern der Kontrolle der betreffenden einheitlichen territorialen Landesorganisation. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation wird von der Kongreßmehrheit auf Grund einer einhe itlichcn Arbeitsplatiform gewählt; . 2. Die Exekutive der. Zionistischen Weltorganisation hat einen zweifachen Ausgabenkreis: a) die nationalpol i t i s ch e F ü h r u n g der zionistischen Renaisiancebvwogung und b) die Regulierung der wirtschaftlichen Aufbauarbeit. Die Wahl jener Mitglieder der Exekutive, denen die Leitung wirtschaftlicher Ressorts anvertraut wird, darf ausschließlich nur vom Gesichtspunkt der sachlichen Qualifikation der zu Wählenden erfolgen. Der Finanz- und W ir t fchasts rat wird aufge- I ö ft und seine Aufgaben gehen an die Exekutive über. Die Exekutive der Zionistischen! Woltorgauisation wird nach Erez Israel verlegt. 3. Die Exekutive verteidigt mit aller Energie die Rechte, welche dem jüdischen Volk in der Balfour- Deklaration, in dem Palästinamandat und in den Beschlüssen von San Remo zugosichert wurden und kämpft für ihre Verwirklichung. Die Exekutive widmet besondere Aufmerksamkeit den politisch-wirtschaftlichen Forderungen von Erez Israel und ganz besonders der Durchsetzung einer entsprechenden Z o l lu nd S t e u e r- Politik, welche geeignet erscheint, die Produktion des Landes zu entwickeln und seine .Handelsbeziehungen mit dem Ausland zu begünstigen. -1 Bei der Finanzierung bereits bestehender Kolon isa lionspunkte muß auf ihre Rentabilität durch Sel bsterhaltung hingewirkt werden. Bei neu entstehenden Kolon isa tionÄpunkten ist das Hauptaugenmerk aus die Unterstützung solcher kleiner Besitzer zu richten, welche ihre eigenen Mittel in die Laud.virtschast Lemberg, 19. Inli. Am achten Verhandlungstage des Prozesses gegen Koruhabcr, Mikitin und Genossen wurden die Protokolle verlesen,, welche mit Steiger ivährend der Untersuchung ausgenommen wurden. Bor Beginn der Verlesung wurde über Antrag der Verteidigung die Ludmilla P a st e r n a k, Hauptzeugin im Steiger-Prozeß (sie ist die Hauptstütze der Anklage, daß Steiger die Bombe gegen den Staatspräsidenten Wojciechowski geworfen habe. — Stunt, d. Red.), welche sich, obwohl sie in dem jetzt stattfindenden Prozeß ebenfalls als Zeugin vernommen werden soll, im Z u s ch a u e r r a u m befand, aus dem Saal gewiesen. Sodann wird in die Protokollverlesung emgetreten. Bei jedem Absatz gibt der Angeklagte Mikitin an, ob das, ivas protokolliert ist, mit seinen in der Untersuchung gemachten Angaben übereinstimme. In den meisten Fällen erklärt Mikitin, daß das ProtokoÜ nicht richtig ist und gibt auch an, wie die Protokolle zustande'kamen: Der Schriftführer P i o t r o w s k i stellte dem Mikitin Fragen und schrieb, ohne eine Antwort abzuwarten, eine solche nieder. Ferner habe ihm der Untersuchungsrichter Rudka in suggestiver Weise vorgehalten, daß P a n c z y s z y n, den Mikitin stets als Attentäter bezeichnet hat, keine B o m b e geworfen habe, sondern eine Zigarettenschachtel mit Blumen. Bei der Verlesung jener Stellen int Protokoll, in welchen sich Mikitin aus Briefe an Panczyszyn und an Fräulein Pasternak beruft, in denen er seine Beschuldigungen gegen Panczyszyn und seine Widersprüche gegen- UWEL1ER MORIZ OESTERREICHER I. WlpplIngerstraBtt 29 Steter Eingang besondere oreiswertcr Juwelen und Silberwaren Grosses Uhrenlager ' 6112 Eigenes Atelier investieren. Diese durch Kredite zu gewährende Unterstützung soll durch die Gründung einer Agra ru n d einer Farmbank ermöglicht werden. Für die Kolonisierung neuer Elemente muß vornehmlich die nationale Notwendigkeit der Ueberführung von Teilen des Volkes aus dom städtischen Jischuw in Eroz Israel aufs Land maßgebend sein. Aus diesem Grunde nmssen die Gelder des Keren Hajessod und der Boden des Nationalfonds für die breitesten Schichten der Einwanderer verwendet werden. Aus den Mitteln des Keren Hajessod müssen entsprechende Beträge zur Vergrößerung de r jüdischen B o d e n r c s e r v e verwendet werden. 5. Ta Erez Israel nicht ausschließlich als Agrarland, sondern auch als ein Land städtischer Kpldnisation betrachtet werden muß, sollen im Lande die fehlen d en Industrien geschaffen und der Handels- und Handswerkerkredit durch Gründling oder Unterstützung entsprechender Finanzinstitttte möglich gemacht werden. Ferner muß eine große Aktion zum Zwecke der Schaffung ausländischer Absatzgebiete bcsonders im nahen Orient, in die Wege geleitet werden. Zur Vermeidung der Bodenspekulation soll die Bodenrcserve vergrößert und die Schaffung einer Vereinigung aller großen und soliden Gescllschasten, welche sich mit Bodenkarff in Erez Is-rael befassen, in Slugriff genommen werden. Die Tätigkeit dieser Gesellschaft ist unter öffentliche Kontrolle zu stellen. 6. Bei Behandlung der Auswanderung nach Erez Israel muß hauptsächlich berücksichtigt werden, daß Erez Israel heute das einzige Land einer großen jüdischen Ein- Ivanderung ist. Demi zufolge muß-die gcgentvärtige Mafsenwandernng (die vierte Alijäh) den besonderen Schutz der Zionistischen Organisation genießen. In diesem Sinne müssen die Palä st i n a ä m t e r entsprechend reforntiert werden. D i e Sl r b e i t ö a b t c i l u n g e n bei den Palästina amte nt werden a nfgel öst. Die Qualisizierung der Pälästinawaudcrer und die Verteilung der Zertifikate erfolgt durch das Palästinaamt mit Hinzuziehung einer speziellen Qualisikationskommijlston, in welcher Vertreter von Fa ch o rga n i sa t i o n e u Platz ha'ben nmssen. Tie Vorbereitung des Menschenmateriäls für die SbuSwanderung nach Erez Israel muß über den Aussagen der Pasternak zurückzieht (es heißt unter anderem an einer Stelle des Protokolls: „Erst jetzt erkenne ich die jüdische Gemeinheit"), kommt es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen dem Vorsitzenden und den Verteidigern, da diese durch Fragen an Mikitin seststellen wollen, ob er die im Protokoll evlvähnten Briefe tatsächlich geschrieben habe. Als der Vorsitzende nach längeren Einwänden diese Fragen zuläßt, erklärt Mikitin, er habe die Briese n i e g eschriebeu. Diese Briese habe ihm der Untersuchungsrichter Rudka v o r g e l e g t und er habe sich nur deshalb zu ihnen bekannt, weil er unter dem Eindruck der Lektüre des Buches „Die Seele der Juden im Spiegel dcs Talmud", welches ihm der Untersuchungsrichter geliehen hatte, einen großen Zorn gegen die Juden hatte. Der Schlußpassns der Briefe lautet, daß Mikitin bedaure, Panczyszyn und Fydlk beschuldigt zu haben, wozu er von den Juden a u g est i f t e t worden fei. Mikitin erklärt dazu: „D e it j anzen Passus über d ie Re n'e hat der Herr Schriftführer verfaßt. Verteidiger Dr. Landau stellt fest, daß die Verteidigung keine Möglichkeit gehabt habe, in diese Briefe vor der Verhandlung Einsicht zn nehmen. Die Briefe seien dem Akt nicht beigelegen; es scheine, das; sie dnrch dieselben Einflüsse aus den Akten entfernt wurden, welche veranlaßtcn, daß dem Mikitin solche Briefe vorgelegt werden. Am Schluß der Verhandlung verlas der Vorsitzende den Beschluß des O b e r st e n G e r i ch t s h o f e ä in Warschau, durch den der Antrag der Verteidigung, den Prozeß aus Lemberg zu v e r l e gen, abg e I e h u t wird. , die breitesten Kreise umfassen und auf völlig u nparteiischer Grundlage organisiert werden. 7. Das B u d g e t f ü r E r e z I s r a e l muß gründlich revidiert werden, wobei alle Arbeitsgebiete und alle Einwondererschichten berücksichtigt werden müssen. Ein bedeutender Teil des Budgets muß für I n v c st i t i o n e n gesichert werden. Es wird ein o b o r st e r K o n trollrat geschaffen, der vom Kongreß gewählt wird und diesem über die Verwaltung und die Finanzen der Organisation zu berichten hat. 8. Das Schn l n e tz in E r eZ Is rael und daß Budget hierfür muß vergrößert werden, wobei auch die Bevölkerung des Landes zur Deckung des vergrößerten Schnlbndgeis herangezogen werden soll. Zum Schluß spricht sich das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Polen für die Erw eitern n g d e r I e w i s h A g e n c y aus. ökrztznski in Amerika. Aeusierungen des polnischen Außennnursters über die Juderifrage. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Washington, 18. Juli. Der polnische Außenminister Skrzynski, dem zu Ehren der Prälsiden-t der Bereinigten Staaten, Coolidge, ein Dejeuner gab/ in dessen Verlaus eine Aussprache über die europäischen Probleme stattfand, gewährte u. a. einem Vertreter der Jüdischen Telegraphenageintnr ein Interview über die jüdisch-polnischen Beziehungen. Der Minister erklärte u. a., er sei überzeugt, daß dank der Polnischjüdischen Verständigung der Antisem i t i sm us in P o l e n merklich Nachlassen tverde; seiner Mei- N'mrg nach sei die antisemitische GträMmg ein Fehler. Auf die Frage des Jniterviewers, wodurch die Röchle^ der Juden in Polen garantiert sein würden, antwortete der Minister, daß diese Rechte den Juden nicht in Frage gestellt werden würden, so lange sie an den vereinbarten, Bestlnmmngen sesthalten. Slu!f die Frage, warum die polnisch--jüdischeBereinbarnngen mit dem Parlament vorgelcgt wurden, unt sie ans dem gesetzlichen Wege zu verankern, crlniberhe SkvzyuÄki, dies ändere nicht den Stand der Dinge; deivn Recht u n d G e s e tz s e i e n elastisch und könnten, verschieden ausgelegt ivcrden. Ueber die Revision der Monopvlkonzefsi-vllen, gegen die die jüdischen Deputierten einen energischen Kampf geführt haben, älcherte sich der Minister zu dein Interviewer dahin, daß diese Slngelegenheit nicht bloß die Inden betreffe. Die P* T, Firmen werden eingeladen, durch Spenden aus ihrem Warenlager den großangelegten Kongreßbasar im Kursalon der Stadt Wien zu fördern // Das Reinerträgnis fließt dem Keren Kajemeth zu Spendenanmeldungen werden entgegengenommen; Bureau des Keren Kajemeth, l, Kärntnerstraße 28, Telephon 77-4-85, 77-4-86 Aktion der Wiener jüdischen Kaufmannschaft l!lillllllllllll!llllllllllllllllllllllUllllillllilllllllllllllllllllllllllll|llllllllllllllll!lllllllll||||lll||l||||||l!llill|||||||||||||||lilllllllll|||||ill|||||||||||||||||il||||||||||||||

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