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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-19 · Heft 2302 (19.7.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2302 (19.7.1925)
Date
1925-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Soskin (Berlin): Probleme der Kolonisation. Samuel Kantor (Wien): Ein Risiko auf gut Glück. Dr. Julius Dohanh (Zagreb): Ein Vorschlag zur Lösung der politischen Probleme. Der Konflikt zwischen der Tschechoslowakei «nd dem Barikan. Die Tschechoslowakei beruft sich aus die gesetzliche Geltung dev Hus-Feievn. Prag, 18. Juli. (Tsch. P.-B.) Im Ministerrat wurde unter anderem der Konflikt der tschechoslowakischen Regierung mit dem Vatikan wegen der Hus-Feierlichkeiten behandelt. Nach einem Berichte des Ministerpräsidenten Svehla erörterte Minister des Aeußevn Dr. Benesch die Verhandlungen, die sich zwischen dem Vatikan und der Tschechoslowakei abspielten. Aus seinen Mitteilungen geht hervor, daß schon während der Vorbereitungen zu den Hus-iFeierlichkeiten in Prag der päpstliche Kardinalstaatssekretär Gasparri beim tschechoslowakischen Vertreter beim Vatikan, P a llier, gegen die Teilnahme des Präsidenten Masaryk und des Ministerpräsidenten protestiert, diese für eine B eleidiguug erklärt und mitgeteilt habe, daß aus diesem Grunde der Nuntius nicht in Prag bleiben könne .und voraussichtlich abreisen werde. Als ich darüber, sagte Dr. Benesch, telegraphischen Bericht erhielt, traf ich sogleich alle Vorkehrungen, um möglichst bald mit dem päpstlichen Nuntius M a r m a g g i zu sprechen. Am 3. Juli beriet ich mit ihm über diese Frage und klärte ihn über den Standpunkt der Regierung auf, die im Sinne des angenommenen Gesetzes über den Gedenktag H u s' vorgehe. Ich betonte weiters, daß die Intentionen der Regierung dahin gehen, . - tolerant gegen alle zu sein und die Gefühle sowohl der Katholiken als auch der Nichtkatholiken voll zu respektieren. In einer neuevlichen Unterredung mit Nuntius M a rmaggi, die am 6. Juli stattstmd, wies Dr. Benesch abermals darauf hin, daß die Tschechoslowakei keine Konflikte Hervorrufen und gegen niemand Manifestationen unternehmen wolle, und machte nochmals den Nuntius auf die ernsten politischen Folgen des Schrittes des Vatikans aufmerksam. Der Nuntius teilte Dr. Benesch mit, er habe aus Rom ein Telegramm mit der Weisung erhalten, beim Außenminister gegen die Teilnahme des Präsidenten der Republik und des Ministerpräsidenten an der Hns-Feier mündlich zu protestieren und daß er dann Prag verlassen solle. Das Vorgehen des Vatikans, schloß Dr. Benesch, hätte dazu berechtigt, daß die Regierung sofort zumindest reziprok vorgehe. Sie beschränkte sich indessen auf das Notwendigste und wollte die bisherige Linie ihres Vorgehens beibehalten. Der Ministerrat nahm die Mitteilungen Dr. Benesch' zur Kenntnis und beschloß eine Erklärung, in der es heißt: „Durch die Abreise des päpstlichen Nuntius .wurde das Verhältnis unseres Staates zum Vatikan getrübt, das die Negierung aus eigener Initiative korrekt so zu lösen bestrebt war, daß die Regelung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche ohne Kantps gelöst werden könnte. Die Regierung, die in der ganzen Angelegenheit zufolge ihres vollen Rechtes und ihrer Pflichten, aber auch mit der vollen Schonung der Gefühle der katholischen Bevölkerung der Republik vorgeht, wartet die weitere Entwicklung der Ereignisse ab. Dabei muß die Regierung bei den Verhandlungen mit dem Vatikan die Garantie haben, daß die Festlegung des Hus-Tages als staatlichen Gedenktages weiterhin als durch ein geltendes G efe tz geregelt angesehen wird und daß über den Charakter und die Art der Feier dieses Tages unter Teilnahme des Staates als über eine innerpolitische. Angelegenheit ausschließlich und lediglich die gesetzlichen Vertreter des tschechoslowakischen Volkes entscheiden werden." Der Mannesmut des Antisemiten. -y. Wien, 19. Juli. Es ist bereits berichtet worden, daß der Deutsche Reichstag ohne Debatte den Bericht entgegengenommen hat, daß für den Zusammenbruch der deutschen Kriegsmacht eine Schuld im kriminellen Sinne des Wortes nicht festgestellt werden konnte. Bezüglich einer moralischen oder historischen Schuld konnte im Ausschuß eine Einigung nicht erzielt werden. Während die Mehrheit hier anlog der kriminellen Frage sich entscheiden, also kein Schuldurteil annehmen wollte, beantragten vier Mitglieder des Ausschusses, die Heerführer Hindenburg und Ludendorff mit moralischer und historischer Schuld zu belasten. Der Reichstag kam, wie gesagt, zu keinen: Resultat, versuchte es aber auch nicht, ein solches zu erzielen. Mit gutem Grund wohl, denn die Nerven der deutschen Oeffentlichkeit hätten eine Belastung dieser Art nur schwer ertragen. Die politische und wirtschaftliche Situation Deutschlands, wie sie heute ist, stellt ja die Wirkung der moralischen und historischen Schuldmomente dar, und diese Wirkung äußert sich derart stark, daß ihre Einzelsymptome an sich bereits zu schwerwiegenden Problemen ausgewachsen sind, die die Urteilskraft aller Beteiligten und Betroffenen voll absorbieren. Bemerkenswert an den dem Reichstag gemachten Mitteilungen ist aber doch ein Detail, das die vergangene Zeit und damit Mch die aktuellenKrisen beleuchtet. Der Ausschuß hatte das ihm vorgelegte Material dem Marschall Ludendorff zur Aeußerung übersendet. Ludendorff lehnte die Einsichtnahme ab, die ja unbedingt dazu hätte führen müssen, daß er sich gegen die Beschuldigungen rechtfertigt. Ludendorffs Kriegsführung war ja nicht bloß von politisch-parlamentarischer Seite, sondern weitaus gründlicher und sachlicher von seinen militärischen Fachkollegen unter Kritik genommen worden. General Schönaich nannte ihn zusammenfassend einen größenwahnsinnigen Kadetten. Ludendorff erkannte, daß Vorsicht der bessere Teil der Weisheit ist, und flüchtete sich aus der Pflicht der Rechnungslegung. Er äußert sich nicht. Er ist mit seinem politischen Rezept fertig. Nicht er hat den Krieg verloren, sondern der Parlamentarismus, die Demokratie, der Pazifismus, der Sozialismus, alle die Strömungen, die dann Ludendorff als geistiger Borkänrpfer des germanischen Kriegsgottes in dem Sammelnamen „die Juden" vereinigte. Ludendorff ist ein General und die militärische Erziehung lehrt ihre Jünger nichts über die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge. Ein Soldat lernt nur schießen, marschieren, aber nicht denken. Er ist eine Maschine, ein Ding, das von dem draußen lebenden Volk, von den wirkenden Kräften durch die himmelhohen Kasernenmauern, durch den Hochmut der Waffe und des Kleides und durch ein eigenes Strafgesetz geschieden ist. Die Organisation einer Armee ist eigentlich die Anwendung des kommunistischen Prinzips, das so und so viele Menschen unter einen einheitlichen, willentötenden Befehl stellt. Ludendorff ist die Inkarnation dieses Molochs. Bricht seine Befehlskraft, sein Willen und sein Plan zusammen, dann hat er nichts mehr. Nicht einmal den Mut des Mannes, offen und ehrlich seine Schuld zu bekennen. Er hat bloß die Juden, und die gesamte nichtswürdige Hetze, die in Deutschland gegen das Judentum inauguriert wurde, geht von diesem Punkt aus, von der Feigheit der Militaristen, die die Verantwortung von sich auf das jüdische Kollektivum abwälzen wollen. Sie greifen auch auf die Vergangenheit zurück. Die Juden haben die Niederlage verfchuwet, aber sie haben auch noch den Krieg erzeugt. Man bedenke nur, daß in allen Rüstungsstaaten die parlamentarische Demokratie nur eine dumme, kraftlose Farce war, daß überall das Wort HÜBNER'S KURSALON DER STADT WIENk HEUTE GASTSPIEL DER BERÜHMTEN ERIK GEHRSEN BAND EINTRITT FREI BESTE KAPELLE WIENS EINTRITT FREI

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