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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-18 · Heft 2301 (18.7.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2301 (18.7.1925)
Date
1925-07-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2301 Men, Samstag Wiener Morftenzeitung 18. Juli 1925 Seite 3 Der Lemberger Mentatsprozeß. Mttttin belastet Wetter dle Unterfuchuugrbehörde. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeltung".) Lemberg, 17. Juli. Int weiteren Verlaufe de's Verhörschildert Mi kitin anssühvlich die Art und Weise, wie seine Aussagen beim Untersuchungsrichter durch den Protokollführer Piotrowski nicht nur beeinflußt, sondern von ihm direkt vorgeschriebe« wurden. Untersuchungsrichter Rudka und der Schriftführer Piotrowski halben Mikitin sogar einen Brief vorgelegt, den er als seinen eigenen Brief unterschreiben und wegschicken sollte. Durch diesen Brief sollte sich Mikitin selbst beschuldigen, die Verschwörung vorbereitet zu haben, damit Steiger das Attenitat ausführen könne. Untersuchungsrichter Rudka habe MMt'm einen guten Posten «in Aussicht gestellt, tvenn er seine Rolle mutig, ohne Zittern, zu Ende führen werde. „Rudka sagte mir," — erzählt Mikitin — „daß ich mir nichts daraus machen solle, wenn die Angeklagten leugnen werden, denn das Gericht werde i h n e n nicht glauben. Sie selbst (Mikitin) brauchen überhaupt keinen Verteidiger, denn Ihr bester Verteidiger wird der Gerichtshof selbst und der Staatsanwalt sein." Schriftführer Piotrowski fügte dieser Erklärung des Untersuchungsrichters noch die Worte hinzu: „Die Verteidiger mögen reden, wieviel sie wollen, sie werden kein -Gehör finden, weil der Gerichtshof sein Urteil schon vorher vorbereitet hat." Aus eine weitere Frage des Vorsitzenden gibt Mikitin ferner bekannt: „Schriftführer Piotrowski belehrte mich, daß für den Ml, als die Verteidiger mich bei der Gerichtsverhandlung fragen sollten, warum ich manche Einzelheiten nicht schon vor den: Untersuchungsrichter angegeben habe, erklären soll, >daß ich das Wohl auch dort angegeben hätte, doch sei es nicht, protokolliert worden. Rudka und Piotrowski drangen jedesmal in mich, so auszusagen, wie sie mir es vorschreiben und vorsagen, da die Juden mich chw ermorden würden als mir für meine Erklärungen Geld zu geben. Ben dem Tage an, als ich den von Rudka und Piotrowski entworfenen Brief aus mich genommen habe wurde mir eine auffallend gute Behandlung zuteil. Auch meine Braut wurde von Piotrowski belehrt, was sie in der Verhandlung auszusagen und zu verschrie igen habe und daß sie vor allem dabei bleiben müsse, daß ich ihr erzählt hätte, daß die Juden mir für die falschen Zeugenaussagen 5000 Dollar versprochen hätten." Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, daß >die von ihm diktierten und unterfertigten Protokolle im Gegensatz zu seiner heutigen Aussage stehen, erklärt Mikitin, daß er kein einziges der Protokolle diktiert noch .durchgelesen habe. „Hingegen verlangte Untersuchungsrichter Rudka jedesmal, daß ich schriftlich erkläre, die Protokolle diktiert zu haben." Die in den Protokollen vorkommenden antisemitischen Ausdrücke habe er in seinen Aussagen nie gebraucht, sondern sie wurden vom Protokollführer Piotrowski selbst hineingeschriebell. Infolge der schlechten Behandlung und der D r o h u ng e n durch den Untersuchungsrichter habe er alles unterschrieben, um nur nicht den furchtbaren Disziplinarstrafen zu verfallen. Untersuchungsrichter Rudka habe ihm bei jedem Verhör von neuem milgeteilt, .daß die Juden «ihn, Mikitin, ermorden wollen und ihm deshalb nahegelegi hätten, sein Testament zu machen. Untersuchungsrichter Rudka war während des ganzen Verhöres bestrebt, den Juden eine möglichst große, schwere Schuld aufzulasten. Der Vorsitzende vertagt hierauf die Verhandlung auf morgen. Ae WarfchauerMkerbundlonserenz. Pvka-PrvnyK Behauptung über Dumba unwahr. *. f Wir erhalten die folgende Zuschrift: Die ,/Wiener Morgenzeitung" bringt m .ihrer heutigen Nummer 2300 -eine Meldung, wonach -das Mitglied der ungarischen Delegation bei der Plenarversammlung der Internationalen lUnivn der Bölkerbundligen in Warschau, Herr Doktor v. Poka-Pivuy, im „Poster Lloyd" erklärt habe, daß die Vertreter der (allgemeinen) österreichischen Bölkerbundl»ga auf diesem Kongresse, vor allem der Präsident der österreichischen Völkerbundliga, Herr Botschafter a. D. Dr. Dumba, allein den Standpunkt der ungarischen Delegation in der Frage des Numerus clausus im Plenum der Versammlung geteilt hätten. Demgegenüber stelle ich in Uebeveiustimmung mit meinen, von der ,-Wiener Morgenzeitung" in ihrer Ausgabe vom 15. d. veröffentlichten Mitteilungen über diese Dagung seist, daß, bei der Abstimmung über das n^rgarische Amendement, -das das Regime -des Numerus clausus in Ungarn mit sozialpolitischen Gründen rechtfertigen ivollte, lediglich die Vertreter der russischen Emigranten für den ungarischen Antrag gestimmt haben.! Dr. Oskar!Karba ch, Vorstandsmitglied der Jüdischen Völkerbundliga für Oesterreich, Delegierter beim Warschauer Kongreß. Ae Wische Bölkerbundliga für Sesterreich. Die 9. Plenarversammlung der Internationalen Union der VöUerbund'igen, etc in der zweiten Juliwoche >'n Warschau unter außergewöhnlicher Anteilnahme aller Schichten der Bevölkerung abgehalten wurde, hat zum zweiten Male die Vertreter der Jüdischen Völkerbundliga für Oesterreich in ihrer Mitte gesehen. In weit höherem Maße wie 1924 in Lyon sind diesmal Fragen jüdischen Interesses (Numerus olaufes, Staatenlosigkeit, Verfahren und Publizität in Minderheitsfragen, Emigrationn uifw.) im Mittelpunkt der Beratungen gestanden. Die Mischen Vertreter hatten Gelegenheit, ihren Standpunkt vor einem der bedeutendsten internationalen Kongresse darzulegen und in wichtigen Fragen durchzufetzen sowie mit Prominenten Repräsentanten nahezu aller Nationen der Erde neuerlich persönliche Fühlung zu nehmen und unter unerreicht günstigen Bedingungen aüfklärend zu wirken. Durch Anteilnahme Mischer Ligen an den Arbeiten der Union wirb in wirkungsvollster Weise die Existenz einer lebendigen jüdischen Volksgemeinschaft und ihre Bereitwilligkeit, sich in Ausübung ihrer nationalen Rechte an den großen Werken internationaler Kooperation zu beteiligen, deutlich dokumentiert. Anläßlich de8 14. Z i o n i st e n k o n g r e s s e s wird in Wien eine Tagung sämtlicher jüdischer BölkevbluMigen unter Teilnahme von Vertretern des Generälsekretariates der Union mch des Comite des delegations juives statffmden, die den: Ausbau dieser. toichtigen Orgauisationen dienen soll. Stellt doch die Union heute das einzige Inte v n atio n a l e Forum dar, vor welchem jüdische Fragen von gleichberechtigten jüdischen Delegierten zur Sprache gebracht werden können. Die Jüdische Bölkerbundliga für Oesterreich, deren Präsidium bekanntlich Herr Oberrabbiner Professor Dr. Chajes inne hat, lädt hiermit zum Beitritt ein, damit diese Liga, die als evstikonstituierte in der Union schon heute einen allgemein anerkannten Platz einnimmt, weitgehend ausgebaut und in den Stand gesetzt werden kann, ihren wichtigen Funktionen würdig zu entsprechen. Beitrittserklärungen sind an das Generalsekretariat, Wien, 1. Bez., WollzeÄe 3, zu richten. Der Marotto-Krieg. Madrid, 17. Juli. (Tel.-Komp.) Marschall Petain ist heute morgens 7 Uhr imFlugzeug in Barcelona angekommen. Er erklärte Pressevertretern, sein Auftrag bestehe darin, diefranzösischen Verstärkungen auf dem marrokanischen Kriegsschauplatz zu verteilen. Er werde schon bet der Ankunft dieser Verstärkungen in Marokko zugegen sein. Ueber das Datum seiner Rückkehr nach Frankreich wollte der Marschall keine Auskunft geben. Abends um 6 Uhr traf der Marschall in Rabat ein. Es verlautet, daß Marschall L i a u t h e y abberufen und durch einen Zivilgouverneur ersetzt werden wird. Der Oberstkommandierende in Marokko, General N o u l i n, ist heute nachmittags um 4 Uhr nach Marseille abgereist, wo er sich nach Casablanca einschiffen wird. Vor seiner Abreise hatte er noch eine längere Unterredung mit Painleve und Briand. Der bisherige spanische Friedensunterhändler in Marokko, der Grubenbesitzer E ch e v a r i e t a, .ist zu einem längeren Aufenthalt nach dem Auslande gereist. ES wird bestätigt, daß Echevarieta an den Unterhandlungen mit Abd el Krim nicht teilnehmen wird. ■_ Lschktscherln Wer Me DokumentenfSlfchung. Moskau, 17. Ju«bi. (Rufs. Del.-Mgent.) In einer Unterredung mit einem Vertreter -der Russischen Telographenagentnr behandelte Außenminister Tschitscherin ausführlich die Enthüllungen über die Fälschung von Dokumenten öiUim Zweck der Kompromittiernng der Sowjetrogievung. Der Volkskommissar bezeichnete diese Fälllschungen als eine der -typischen Erscheinungen der im gegenwärtigen Augenblicke verschävften a n t i sowjet it st i s ch e n Aktion. Dschitschevin zählte eine Anzahl solcher Fälschungen auf. Wenn diese systematischen FAschunigen, fuhr Dschitscherm fort, den Zweck verfolgen, die öffentliche Meinung über das Wesen der Sowjetpolitik irrezuführen, so dient dom gleichen Zwecke das Totschweigen enthüllter Fälschungsun terneh>m e n. Im geigenwärtigen kritischen Augenblick, wo die reaktionären Glenmtte verschiedener Länder einen Kronzzug Letzte Kurse. New-Yorker Devisen. New-Dork, 17. Juli. (Tel.-Komv.) Berlin 39.80. London Kabel 4.86%,. London Scheck 4.81'/,», Amsterdam 40.14, Pari- 4.71'/,, Brüssel 4.63'/,, Nom 9.71. Madrid 14.81, Zürich 19.42. Stockholm 26.83, Oslo 17.92, Kopenhagen 31.18, Wien 0.14, Budapest 0.14, Prag 3.96'/., Belgrad 1.74»,., Athen. 160%, Buenos Aires 40»/-,. Rio de Janeiro 11.20, Bukarest 0.48'/..' Amerikanische Getreiderniirkte. Netv-NorK» 17. Juli. (Tel.-Komv.) Weizen rot Winter 169%, Weizen hart Winter 178%, Mais 123»/., Hafer 88%, Roggen 118%. Ehikago, 17. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 163, September 187%, Dezember 168%; Mais per Juli 100, September, 107»/.. Dezember 90%; Hafer per Juli 48»/., September 46%. Dezember 4Y%; Roggen per Juli 100%, September 109'/,, Dezember 106%. 0170 0770 Zur Ausübung meiner Tätigkeit habe loh mieh in Berlin niedergelassen und behandle in dem ärztlich geleiteten TeL Bism. 3030 G. m. b. H. Tel. BUm. 3033 Berlin, Kurfürstendamm 62 Behandelt werden mit ärztlich nachgewlesehen Erfolgen selbst angeblich hoffnungslose Erkrankungen psychogener Art, wie: GemtttS'Lelden Spradi-Lelden äexuetsiOruutfen PUtsenäst Ifdilas / Neuralgie Neurosen Nerrfise Kopffchmerzen Lähmunüen u«w. Voruntersuchung durch ärtzl. Autorität täglich *on 10—1 Uhr Meine Broschflre „Die Heilung der Seele* 1094 ist zum Preise von M. 2.— bei obiger Adresse beziehbar gegen die Sowjetunion fordern, hat mau allen Grund, die Berätlentllchuug auL solchen Krorsen stammender neuer f c n f <jtioneller Fälschungen zu e-rwarten. Alle Anhänger einer friedlichen Schlichtung der internatioualen Gegensätze und der Liquidierung kriegeriiischer Absichten sollten wissen, daß solche Dokumente, die zum Zwecke der Evleichtevung der Herstellung einer antisowjetistischen Eiüheitsfvont erfunden tvevden, von B e r u s s f ä l s ch e r n stammen. Me römische Börse. Rom, 17. Juli. An der heutigen Börse gingen die Industritzpapiere neuerlich stark zurück, so daß Commerciale von 1438 aus 1410 zuvückging und gegen den 8. d. 100 Punkte verlor, ebenso Credito Jtaliano ans 865 gegen 923 am 8. d. und Banca d'Jtalia auf 1690 gegen 1765 am d. Man begründet den Rückgang mit der Liquidierung starker spekulativer Positionen. Die Lira blieb stationär. Pafir und Radic. Belgrad, 17. Juli. (U. T.--K.-B.) Nachdem die Regierung formell dem ifs i o n ie r t hat, verständigte Ministerpräsident P a s i c von dieser Tatsache die der unabhängigen demokratischen Partei augchörenden Minister durch besondere Schreiben. Da der Ministerpräsident zur Bildung der neuen Regievung u n b e!s ch r ä n,k t e Vollmachten erhaAen hat, legte er den Ernennungsuikas bereits dem König vor. Die Rogierungsliste ist amtlich noch nicht verlautbart.worden. Radic empfing mittags die der Radic-Partei angehörenden neuen Minister und richtete an sie eine Ansprache, worin er ihnen ans Herz legte, sie mögen mit den Avußerungen im Einklang bleiben, die sie der Skuptschtina abgegeben haben. Er drückte die Hofisnung aus, daß das nunmehrige Zusammenwirken denr ganzen Staate zum Wohle gereichen werde. Paul Radic begrüßte im Namen Stephan Radic' den Ministerpräsidenten, der hierfür dankte und Paul Radic ersuchte, seinen Gruß dem Führer der, kroatischen Bauernpartei zu übermitteln. Man erwartet allgemein, daß Stephan Radic noch im Lause der nächsten Woche aus freien Fuß gesetzt werden wird, nachdem der König den gegen ihn geführten Hochverratsprozeß aboliert hat. Stephan Radic wird sich sodann sofort nach.Belgrad begeben und aktiv an den Arbeiten der Skupschtina teilnehmen. Re Nststandruuterftützuug der Ausgesteuerten. Im Parlanrent wird noch immer über das Arbeitsprogramm verhandelt. Die Hauptstreitfrage, die Verlängerung des Bezuges der außerordentlichen N o t st a it d s u nt e r st ü tz u n g an die ausgesteuerten Arbeitslosen, ist noch nicht ganz gelöst. Strittig ist vor allem der Zeitramn, für welchen die Weiterbezal>lun,g der Unterstützung zugefichert werden soll. Von christlichsozialer Seite wird angeregt, anläßlich der Novelliernng des Arbeitslosenversicherungsgesetzes auch die Altersgrenze für die Bezugsberechtigten h'inaufgufetzen, wodurch eine größere Anzahl jugendlicher Arbeitsloser aus ' dem Unterstützungsbczng ausscheiden würde. Eine weitere Forderung der Mehrheitsparteien geht dahin, die Arbeitslosen nur für 25 Tage im Monat sowie die Bollarbeiter zu entlohnen. Vertagung des Aleinrenlnergefetzer auf den Herbst. Da die Soizialdemokraten eine Souderbchandlung der Leibrenten verlangten und die gesetzliche Regelung dieser Materie aus dem Kleinrentnergasetz ausgeschieden wissen wollten, hatte man die Entscheidung den Parteiklubs zugeschoben. Gestern teilten nun im Kleinrentnerausschuß die Mchrheitsparteien mit, daß sie mit dieser Sonderibehandluug nicht einverstanden seien, während die Sozialdemokraten ihren Widerstand gegen die Vorschläge des Referenten Schumacher noch verstärkten und die Erklärung abgäben, daß diese Entwürfe in das sommerliche Arbettsprogramm nicht mchr einbezogen werden dürfen. Unter diesen Umrständen vertagte sich de' Kleinrentnerausschuß bi's zum Herbst. Reorganlsatio« der Bundesbettiebe. Der gestrige Ministerrat befaßte sich mit der Frage detz Reorganisation der staatlichen Betriebe. Es besteht die Absicht, Wöllersdors, Fischamend, Blumait und das Arsenal einer einheitlichen Leitung zu nnterstellen, wobei ntan daran denkt, den früheren Evsparnngskommissär Doktor Hornik mit der Oberaufficht über diese Betriebe zu betrauen. Bemevkt sei jedoch, daß sich gegen die Bestellung Doktor Horniks namentlich in deutschnationalen Kreisen starke Widerstände geltend machen.

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