Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2301 (18.7.1925)
- Date
- 1925-07-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Sette S Wien, Gamstag Wiener Margenzeitung. 18. Juli 1!M Ü. M/Ü; Rti SsSCH Aktion dOr Wiener jüdischen Kaufmannschaft iiinnniiiiiiittnniiiiimiirouniwiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniii!iiiiiiiiiii«*iiii*ii*iiiiiiiiiiiU,Hiiiiiiii!iii*|iiHiii!*iii*iiiiiiHi,iiiiiiiniiii*iini!i,iiiiiiw*iniiii!ii!iii!t!ii Die P. T. Firmen werden eingeladen, durch Spenden aus ihrem Warenlager den groß angelegten Kongreßbasar im Kursalon der Stadl Wien zu fördern // Das Reinerträgnis fließt dem Keren Kajemeth zu Spendenanmeldungen wurden 6ntg*gengenommen: Bureau des Kenn Kajqmeth, /, Kärntnaratraßa 28, Tel0jßhon^77^SS^77^86^ Im Berlanf dieser Szenen wurden neun Personen durch zerbrochene Glaser verletzt. Die Retttmgsgesellschaft mutzte ausrücken und die Verwundeten, Meist Kellner des Restaurants, verbinden. Diese widerlichen Szenen dauerten etwa eine halbe Stund«, bis M« Gast« das Restaurant verlassenhatten nutz der Stadtpark leer lag. Stach getaner Arbeit formierten sich die Eindringling« uuter Absingung des Hitler-Liedes wieder zu einem geschlossenen Zug, der unbehelligt von der Wache, auf die Ringstraße marschierte und dort die Exzesse fort setzte. Wieder kam es zu schweren Zusammenstößen mit Passanten und zu argen Saufereien. Die Hakenkreuz!« sielen jeden an, der ihnen auffällig erschien. Aus dem Schwarzenbergplatz trat ihnen endlich die Wache ln ausreichender SErke entgegen und sprengte den Zug auseinander, unterstützt von Straßenbahnarbeitern, die von den Zedenten beschimpft worden waren. Einzelne kleinere Trupps drangen in verschiedene Ringstratzencafes ein und es kam immer wieder zu Raufereien. Erst gegen 'halb 11 Uhr konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Bei den Exzessen wurden dreizehn Verhaftungen vorgenommen. Drei Verletzte mutzten durch ein Rettungsauto abtransportiert werden. „Rur ruhig verleumden!" Hakenkreuz-Enthüllungen über den Zionistenkongreß. Das Wiener Trvgesorgan der Ritualmordpavtei hatte am Mittwoch früh geheimnisvoll in auffallender Schrift augekündigt, daß es am Freitag Enthüllungen über Machenschaften der Zionisten veröffentlichen werde. Diese Zusage ist denn auch gestern eiugölöst worden. Das Blatt schreibt unter der Marke igö—" «men drei Spalten Langen. Artikel, der behauptet: ' 1. Daß die Wiener Zionisten mit führenden politischen Kreisen der Tschechen seit scher zu antideutschen Zwecken in Verbindung stchen. 2. Daß die Führer der Wiener Zionisten anläßlich des kommenden Zionistenikongreffes mit offiziellen tschechischen Kreisen neuerlich in Verbindung getreten sind und mit ihnen Bereinibarnngen getroffen haben, über.der en Natur bisher, noch nichts bekannt ist. 3. Daß der Zionismus, besonders aber der Wiener Zio, nistenlkongreß, mit tschechischen Geldern unterstützt wird. 4. Daß führende Männer d?x Wiener zionistischen .Kreise auch im Auftrag der Kongreßleitung vor kurzem in Prag weilten und mit den Tschechen verschiedene Asbmrachungeir trafen. 5. Daß die Kongveßleitnng vor kurzem offiziell mit der Stadt Prag Fühlung genomnren hat, um ein 'Anbot auf lieber-. siedlnng des Kongresses von Wien nach Prag zu provozieren. Ueber das Resultat dieser .Bemühungen fft noch nichts bekannt. * Das sind die Enthüllungen, für die sich ihre Erfinder poci Tage Zeit gelassen haben. Wir wollen diesem Gemisch von Lüge und Ignoranz die cin-sache und bündige Erklärung entgegensetzen, daß die Behauptungen samt und sonders, vorn Anfang bis zum Errde, im Wort und im Inhalt erstunken und erlogen sind. Sie halten sich aus der Linie der vor einigen Wochen von dieser Partei aus-gegebenen Parole „Nur ruhig vevlennüden!" und wir werden ihnen nicht die Ehre des Gegenbeweises antun, Nnttonalsozäalistenkrawalle in Ruvolfsl^eirn. Nach einer nationalsozialistischen Versammlung, die Donnerstag abends beim Weigl in Meidling abgehalten wurde, kamen etwa 50 jugendliche Versammlungsteiluehmer auf dem Sparkasseplatz in Rudolfsheim mit Sozialdemokraten in Streit. Wache schritt ein und nahm eine! Verhaftung vor. Der Eskorte zum Kommissariat folgten die Gesinnungsgenossen des Arretierten und verlangten lärmend seine Freilassung. Daraufhin nahm die Wache weitere vier Verhaftungen vor. Ein Hilfsarbeiter, der verdächtig schien, einen Schuß abgegeben zu haben, wurde angehalten. Alle Arretierten wurden nach Feststellung ihres Nationales-und Einleitung der Strafamtshandlnng wieder entlassen. fite sram'üslscher Pogromift. Paris, 17. Juli. (Tel.ätomp.) Der Chefredakteur der »Action francaise", Charles M a u r r a s, wurde heute zu zwei Zahzen Gefängnis und 1000 Franken Geldstrafe verurteilt. MaurraS hat 1» seinem Blatte vor einiger Zeit einen offenen Brief an de« Minister des Innern Schrame! gerichtet, worin er dem Ministe, d e n T o d androhte, wenn er die royattstischkn Kolporteure nicht gegen Uebersälle schütze. MaurraS war bei der Urteil-Verkündigung nicht zugegen. > Gin preußischer Hakenkreuz-Abgeordneter. Larmszenen im Landtag. Berlin, 17. Juli. Bei der Fortsetzung der zweiten Beratung über die Milderung der Personailabbauberordnunp in der heutigen Reichstagssitzung ereigneten sich wüste Lärmfzencn, als der hakenkrcnzlerische Abgeordnete Fr ick München) scharfe persönliche und beleidigende Angriffe gegen den Miitisder Severing und andere Perfönlichkeiteu der Linken richtete. Im Hanfe erhob, sich aus der Linken, namentlich bei den Sogialdenwkraken, außerordentlich großer Lärm, als Frick verlangte, daß die sogenannten Rcvolntionsbeainte n abgeb au>i werden müßten Md seine Ansdrucksweise zu Bvinerkungen wie „Kreatur Severing" und „charakterlose R e v o l u t i o n s b e a m t e" steigerte. Präsident L o e b e mußte jhn.nrvd eine ganze Zahl von anderen Abgeordneten rügen und Ordnungsrufe erteilen. Zu stavken. Hetterkettsausbrüchen kam cs, als der Redner mi: nrehrfach falfcheim Pathos sich auch gegen die jüdischen Reichs- und Staatsbeamte n wendete. Die Reichsregierung und die Zentralstellen des Reiches bezeichnete er als verjudet. Der Demokrat Sch ul dt erklärte namens der ganzen deutschen Beamtenschaft, daß die Beamtcnfchaft von solchen Verächtern der heutigen Staates und solchen Aufhetzern der Beamtenschaft wi>e dom Vorredner geschlossen abrücke. - Gilt Zndenantrag In Thüringen. Weimar, 17. Juli. Tie Hakenkreuzpartei im thüringischen Landtage brachte verschiedene Anträge ein, die unter änderen den A b b a u der Ware n- und Kaufhäuser fordern. Ferner verlangen sie, daß den Juden in Thüringen der Vieh- und Gctre ide Handel verboten werde. Die seit 1914 cmgewandertelr Ostjuden sollen ausgewioDt und ihr Vermögen .'beschlagnahmt werden. Die Landesuniverfität Jdna sei für die Juden zu sperren, Kindern jüdischer Elter n sei der Besuch der öffentlichen thüringischen Schulen zu verbieten, da.sie durch Anschauung, Sittenbegrrffe 'stjUWustW Higentümlichkeiten ihrer Raste sowie durch ihre.Frühreist die deutsche Jugend Wich Md gesundheitlich , schädigen. Tumulte Im Leutscheu Reichstag. Berlin. 17:'Juli. Wblff.) Der Raichsdag fetzte haute die vor einigen Tagen begonnene erste Beratung des GesetzeMtwunses über das Recht zum Tragen einer Uniform fort. Hierbei führte der völkische Abgeordnete v. R am % n aus, die Frage des Tragens der alten Uniformen dürfe nicht M einer \ parteiagitgtorischen BehaiMing führen. Er bezeichnete di« Haltung der Republik als hündische Unterwürfigkeit Mgenüber dem äußeren Feinde »und tvandw sich gegen die von den Sozialdemokraten ausgestellte Bchanptung, daß die politischen .Meuchelßnövder Ratheu au s, Erzvergers und anderer aus dem Offiz ie r skö rpe r hervorgegangen seien. Er persünilich .lehne den politischen Mord ab; olbcr die SoziMomoDrätdn hätten durchaus nicht immer den'politischen Mord verabscheut. Sie hätten noch ihr Mitglied Adler in Oesterreich, und tvährond der Revolution seien durch sie dreißig Offiziere in Berlin erschossen worden. Großer Lärm links. Ruse: Lügner! Vizepräsident Bell gibt das Glockenzeichen. ' Es ist ihm jedoch nicht ,noglich, den Lävm, der durch gegenseitige beleidigende Zuvuse iimmer größer Wird, zu durchdrmgen. Schließlich wird die Sitzung ans fünf Minuten -unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung beantragte der domokratische Abgeordnete Rönnetburtz die Vertagung des Hauses, da kamn die Gelvähr dafür gegeiben sei, die. BechaMnug in würdiget Form sortzusetzen. Nach wetteren bewegten GoschästsovdnuniMeibatten ivalrde die Weiteribevainnig , auf Dienstag nachntitlags verschoben, >.! Sie deutsche Antwortnote.; Btrlitt. 17. Juli. (Tel.-Ävinp.) Im auAvilrllgen Aus- ) schuß des Reichstages, dessen Vorsitz an Stell« des erkrankten Abgeordneten Hergt der sozialdemokrat-ischö^ Abgeordnete 'Müller -Franken übernommen hatte, brachte heute nach-! mittags Reichsaußennrinister Dr. Stress m a n n in einer jausfi'chrlichen Rede die deutsche Änttvort auf die Note Briauds sin der Paktfrage zur Keüittms, Gleichzeitig knüpfte er daran ^Darlegungen über die außenpolitische Lage >m einzelnen und -die Paktfrage tm besündssren. \ . In der sich anschließenden Debatte nahuren die Mgeordlntzten aller Parteien das Wort. Die Anssprache ergüb schließjlich> daß der auswärtige.-Ausschuß in .überwiegender iM ehr heit dem Grundgedanken der deutschen AnÄvortnvte 'zustimmte. V Holisndih'UM 14 Die Note wird bereits morgen durch einen Kurier nach Paris gebracht und Montag von: deutschen Botschafter der französischen Regierung überreicht worden. Die Veröffentlichung der Note wird gleichzeitig in Berlin und Paris Dienstag früh erfolgen. In parlamentarischen Kreisen wird erklärt, .daß durch die Zustimmung der Führer der politischen Parteien und des ausdvärtigeu Ausschusses in der Paktfrage die Regierung eine feste parlmnentarische Grundlage für die weiteren Verhandlungen in dieser Frage erlangt habe, die bei der bevorstehenden großen politischen Debatte im Reichstag noch weiter in Erscheinung treten wird. Die Ergebnisse der Verhandlungen des auswärtigen Ansschnsses und der Parteiführer mit. dom Reichskanzler und dem Außenminister lasten sich dahin zrrsammenfassen, daß alle Parteien mit Llnsnahm« der Kommunisten und Dcutschvölki' schon von der Notwendigkeit eines Mschlustes eines Sichorheitspaktes überzeugt sind und daß die deutsche Note als «ine geeignete Grundlage fiir weitere Verhandlungen angesehen werden kann, . __ r Die Mumilng de« Rnhrgeblete». Düssetdors, 17. Juli. (Wolf.) Nach einer amtlichen Mitteilung des Oberbefehlshabers der alliierte« Besetzungstruppen Generals G u i l l a u m a t an den Regierungspräsidenten in Düsse ld orf haben die ftanzösische und die belgische Regierung beschlossen, die seit dem 1. Jänner 1923 auf dem rechten Ufer des Rheins besetzten Gebiete zu raumem Am 20. d. vor Mitternacht werden geräumt sein: 1. b ä 8 gesamt« b e lgi sich e BesetzungSgehi et und 2.d a S fra« zöfische B e s e tz u n g s g e b i e t, soweit eS in der Provinz W e st f a l e n liegt. Am 31. d. vor Mitternacht wird auch der Rest des ftanzösische« Besetzungsgebietes geräumt sein. Die paliiftlnenstschen Slsenbahnen. Große Betriebsüverschüste, ^' 7 Wie die Palästtnenfifche Telegmpihonagentnr' crscihrsi wird demnächst <ms London eine Reglermtgseommistion eintrcffen, mn die Lage des palästinensisch en Eis endahnwefens gu nntersuchem Die Eisenbahnvorwaltung in Paläfti'na hatte im Finanzjahr 1924-26 566.000 äghpt. Pfund Einnahmen und 390.000 ägypt. Pfund Ansgqiben, erzielte also einen Uebevschuß von 168.000 agypt. Wind. Bon diesem Uederschuß wurden der Finanzkanmrer Palästinas, da die Eisenbahnen der PaWtinavegierung selbist. Zehorech 124.000 Pfund tzugewiesen. Fm Jahre 1922 >weilte in Palästina ein Sachverständiger der Krlegslicsnidierungsko.mnnstion! der. englischen Regierung, um den Wert der von der britische): Armee erbauten Eisenbahnen und der sonstigen, zugunsten des Landes geleisteten Arbeit und der Jnvestiernngerl ahzufchätzen. Der auf diese Weife fixierte Betrag wurde a l s Schuld Palästinas an die Reichsregierung gebucht. Diese Schuld sollte, je nach der Lage ides Landes,, in Raten ghgezcchlt lverden. ' . Die Hltachduth-Kouferem In Polen. Warschau, 17. Juli. Die Konferenz der Hitachdnty hat die bekannten Beschlüsse der Konferenz von Tel-Awiiv als für ihre Kongreßdelegierten bindend angenoMneu. Nach diesen Beschlnsten sttnrmt die Hitachdnth der Erweiterung der Jewbjh Agency unter solgertd'en Bodingnugen zu: Garantie der EntlvicÜung der hebräischen Kultur; die Kolonisation. Palästinas muß eine nationale, bleiben; der Nationalfonds bleibt das Instrument der Bodenpolitik; das Prinzip der jüdischen Selbstarbett muß geioahvt werden. Einige Redner gingen über diese Forderungen hinaus und verlangten: entweder Weltkonferenz. oder Zionistische Organisation. Bei der Abstimmung wurde die Plattform von Del-Awiw angenommen. Nach Annahme der weiteren Beschlüsse wurde ein Zentvalkvinitee, bestehend au's den Herren Govdon, Gorin, Hast, Taza, Abgeordneten Lowinsohn, LiMn, Schichur unid Ingenieur Schaschkes sowie ein 'Zentralrat aus 26 Mitgliedern gewählt. Lar grak-Parlament. Dir erste Sitzung. Bagdad, 17. Juli. (Wolff.) KönigFa isul hat gestern das erste verfassungsmäßig gewählte Par l a m e n t eröffnet. In seiner Ansprache wies er auf die Beziehungen des Irak zu G r o ß b r i t a n N i e n sowie darauf hin,' daß ftemde Länder die Neigung zeigen, diplomatische Beziehungen zum iFraik herzustellen, was ein loertvolles Merkmal für die Unabhängigkeit des -Landes.sei. Das Regierungsprogranmr umfaßt eine große Anzahl Politischer und kommerzieller Maßnah m e n in Verbindung mit den von der diplomatischen 7