Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-07-18 · Heft 2301 (18.7.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2301 (18.7.1925)
Date
1925-07-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981386--23371-3010882
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

| Polen: 20 flrosgy 1 Wien: Zum Abholen in der Expedition, DL Taborstr. 1-S. oder fn einer verschieisstelie (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Go! dach mied, I„ Wollzelfe 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mott. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei P r e i , erhOhnngen Vorbehalten Nr. 2301 Wiener Heute IFA-PAL AST-KINO!!. Taborstrasse 1 Der Handschlag to mron f, Ifi. 9 Uhr M n, v unr oMMstttUNS m Wien. Samstag. 18. Sali 1928 iptmU. 20 «I England: Mon. 4 Schilling* Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien rMon.IOOLewi. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. S Redaktion, Administration: Wien, 11. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Das Dolchftoßmiirchen. Re Feststellungen des Reichstagsausschnstes Wer de« Zusammenbruch Häuserverwaltungen VERWALTUNGSREVISIONEN übernimmt uoi Berliner Bank für Handel u. Grundbesitz A G. Berlin C 2, Kaiser Wilhelmstr. 56 (Ecke Spandauerstr. 9) Tel.: Mercur 2335/6, 2595 6, 1876/7 Bank des organisierten Berliner Hausbesitzes Imtnobllienabteliung / SMmtl. Banktransaktionen / Hypothekenabteilung Ungarn am Pranger. I<r. Wien, 18. Juli. Der Warschauer Kongreß der Union der Völker-, bundligen Hai neben vielen theoretischen Auseinandersetzungen und Anregungen zwei positive Leistungen von höchster politischer Bedeutung vollbracht, deren Wirkung nicht ausbleiben kann. Von dem richtigen Standpunkt ausgehend, daß die Völkerbundligen nur dann dem Völkerbundgedanken gerecht werden, wenn sie die Ausschaltung des Hasses und der Verfolgung der nationalen und konfessionellen Minderheiten in ihren Ländern anftreben und durch Herstellung des nationalen und sozialen Friedens im eigenen Lande den allgemeinen Völkerfrieden erleichtern, hat der Warschauer Kongreß zum erstenmal zur Frage des Antisemitismus und des Numerus clausus in offener, klarer Form Stellung genommen. Beide, Antisemitismus und Numerus clausus, wurden als verwerfliche Friedenshindernisse festgestellt und als Angelegenheiten von internationaler Bedeutung anerkannt, denen gerade die Völkerbundligen, die ja die Schrittmacher für die allgemeine VMerverföhnung' sein wollen, unausgesetzt ihre Aufmerksamkeit widmen müßten. Konkrete Maßnahmen gegen den Antisemitismus und besonders gegen den Antisemitismus der Regierungen und Behörden der einzelnen Staaten konnte die Union der Völkerbundligen auch auf ihrer Warschauer Tagung naturgemäß nicht beschließen. Aber der Warschauer Kongreß faßte den nicht zu unterschätzenden Beschluß, das authentische Material über die antisemitische Bewegung, wo immer sie. den behördlichen Schutz genießt, zu sammeln und dem Völkerbund zur Verfügung zu stellen. Mit diesen: .Beschluß wird eigentlich ausgesprochen, daß der hemmungslose Antisemitismus, der sich in Rechtsraub, in offener oder verhüllter Rechtsungleichheit den Juden gegenüber kundgibt, nicht mehr als interne Angelegenheit eines einzelnen Staates angesehen werden dürfe, sondern wie jede Volkskrankheit mit internationalen Mitteln bekämpft werden müsse, damit er nicht — wie die Erfahrung lehrt —von einem Land auf das andere übergreife. Als erstes Mittel hierzu soll zunächst die Publizität, gewissermaßen der Pranger, in Anwendung kommen. Bei der Behandlung der Frage des Numerus clausus konnte der Kongreß der Völkerbundligen schon in konkreterer Form Stellung nehmen. Er konnte über den Schuldigen zu Gericht sitzen, er konnte ihm.die Mißbilligung, man kann füglich sagen, die Entrüstung darüber ausdrücken, daß er mit einer unglaublichen Verstocktheit aufdem traurigen Ruhme beharrt, der einzige unter den Staaten zu sein, der die Schande der Vertreibung der schutzlosen jüdischen Minorität in eine Gesetzesformel gebracht hat und diese Schande nicht abznschütteln wagt. Dieser Staat ist Horthy-Ungarn, das gleichfalls seine Delegierten Mm Kongreß nach Warschau entsandt hatte. Nicht etwa, unr sich wegen all der vielen Verbrechen, die' die Regierung dieses Landes seit Jahr und Tag an Juden und Arbeitern begangen hat und noch immer begeht, zu rechtfertigen, auch nicht, um zu erklären, daß die ungarische Regierung in Anbetracht der angeblich bereits eingetretenen Rechtsordnung im Lande nunmehr auch auf den Numerus clausus verzichten wolle. Nein, die Vertreter Ungarns hatten die Kühnheit, als Ankläger gegen andere Regierungen aufzutreten und den Numerus clausus als politische. Notwendigkeit für Ungarn hinzustellen. Dieser unerhörten Kühnheit hatten sie es zu verdanken, daß ihr Land, einstimmig angeprangert, die Rüge der gesamten friedlich gesinnten Gruppen der zivilisierten Welt einstecken mußte. Es war Berlin, 17. Juli. (Wolfs.) Im Reichstag erstattete der d e u t schii a t i o n a l e Abgeordnete Dr. Philipp Bericht über die Ergebnisse der Untersuchung betreffend die Ursache des deutschen militärischen Zusammenbruches im Jahre 1918. Der Ausschuß sei demnach einmütig zu der Feststellung gekommen, daß von einer kriminellen Schuld in keinem Falle die Rede sein könne. Hinsichtlich der moralischen oder historischen Schuld sei die Mehrheit des Ausschusses zu -dem Urteil gelangt, daß keine Fest-, stellnngen erfolgt seien, die es rechtfertigten, nach irgendeiner Seite hin zu einem Schuldurteil zu gelangen. Namens des Ausschusses bat der Referent, auf eine Aussprache über den Bericht zu verzichten und die Stellungnahme Fachmännern und Politikern a u ß e rh a l b-d e s Reichstages zu überlassen. Der Reichstag hat den Bericht ohne Debatte zur Kenntnis genommen. * Dieser Bericht und seine Annahme sind von sehr großer politischer Bedeutung. Die Rechtsparteien und ihre Generale chatten jahrelang in dem Bestreven, sich von der Verantwortung für die Kriegskatastrophe zu entlasten, alle Schuld auf das Hinterland geschoben. Diese sehr weitreichende Propaganda bemühte sich, in der Dolchstoßerzählung den Nachweis zu führen, daß -die. Demokratie, und ganz besonders das Judentum, den Siegeswillen in Deutschland ertötet hätten. Das Märcherr fand in den nationalistischen Kreisen des deutschen Bürgertums den stärksten Auklang, weil hierin die Möglichkeit lag, alle Kriegshetze, die Siegfviedlerei und die Umtriebe der Annexionisten einfach abzuleugnen und Deutchland als -das Opfer einer internationalen jüdischen Verschwörung hinzustellen. Der Reichstagsausschuß, der vor vier Jahren mit der Prüfung ldes Materials betraut wurde, mußte schon in seinen ersten Sitzungen das totale Versagen der Obersten Heeresleistung und ihres Kriegsplanes feststellen. Die Ludendorff-Generale hatten das Menschenmaterial ihres Reiches und der Bundesgenossen bedenkenlos, ohne Einvernehmen über die strategischen und politischen Ziele aufgeopfert und durch ihren Terrorismus jeden Widerstand der Regierungen unterdrückt. S^hon der Beginn des Feldzuges hatte in der ersten Marneschlacht den Verlust des Krieges gebracht. Auf keinem Teil des über die ganze Welt ausgedehnten Kriegstheaters war nach einem einheitlichen Gedanken vorgegangen worden. Dies zeigte sich am unheilvollsten in Obevitalien und auf dem Balkan. Besiegelt wurde das Unglück durch die entsetzlichen Stöße gegen Verdun, wo sich das deutsche Heer für den Größenwahn des bereits geschlagenen Ludendorff verbluten mußte. Die Flotte wurde nicht eingesetzt, der Unterseebootkrieg, mit unzulänglichen Mitteln geführt, hatte keinen anderen Erfolg als den Eintritt Amerikas zu provozieren. Die müde und ausgebrannte Armee würde von den Rekruten der Bereinigten Staaten und von ihrer wirtschaftlichen und technifchen Ueberlegenheit in Stücke geschlagen. nur eine logische Folge der Unaufrichtigkeit der ungarischen Politik, daß ihre Klagen über angebliche Verfolgungen der Magyaren in den Nachfolgestaaten von vornherein mit Mißtrauen aufgenommen wurden. Die Ankläger verließen als verurteilte Angeklagte das Tribunal der.Union der Völkerbundligen. " Die ungarischen Delegierten haben nach ihrer Rückkehr dem Reichsverweser Horthh über ihre Erfahrungen Bericht erstattet. Sie haben ihm auch nicht verschwiegen, daß es ungarischen Delegierten immer schwerer wird, bei internationalen Tagungen die. Interessen Ungarns und der Volksgenossen im Auslände mit Nachdruck zu vertreten. Das noch immer bestehende Gesetz vom Numerus clausus macht ihnen die früher den Atem verloren und Oesterreich-Ungarn stürzte in die Revolution, deren evften Akt die Dynastie selbst durch die Uebergabe der Flotte an die Südflawen erngeleitet hatte. Alle zusammen waren mißbraucht und gedemütigt worden und alle Opfer waren vergeblich gebracht. In der Festung herrschte der Hunger und die Not. Nur der rascheste Friedensschluß konnte das letzte, den konzentrischen Einmarsch der Sieger vechindern, und Ludendorff selbst mußte im Hauptquartier zu Spa die nötigen Anträge stellen. Er verschwand dann aus der Heeresleitung, unr später die Dolchstoßleglende selbst zu erfinden und weiterzutragen. Der deutsche Reichstag hat nun einen Bericht augehört, in welchem jede kriminelle, moralische oder. historische Schuld in Abrede gestellt wird. Das will sagen, daß Deutschland geschlagen wurde und daß es den Krieg verloren hat. Ein Eingeständnis, das sehr spät kommt, aber dock) noch zur rechten Zeit, um der feigerr Legende von der Schuld des verhungerten Hinterlandes und von der jüdischen Verschwörung den Boden abzugraben. L'udendorff hat den Zusammenbruch verschuldet. Das ist die einzige Wahrheit, an feiner Hand find Oesterreich- Ungarn und ferne Tr-eubundgeuossen mit Deutschalnd ins Elend gegangen. .__ Wieder Halenlreuzkratvalle im Stadttmt. Wüste Raufereien auf der Ringstraße Gestern abends haben sich die Szenen, die einige Tage lang am Kai aufgeführt wurden, in den Stadt park und auf die umliegenden Straßen verpflanzt. Hakenkreuzlerbanden durchzogen die Gassen, fielen Passanten, Frauen und Kinder an und mißhandelten sie. Cs wird uns über diese Vorfälle berichtet: Nach 8 Uhr abends marschierte ein geschlossener Trupp von etwa 100 bis 160 jungen Burschen, Hochschülern, Gymnasiasten, Volksschülern und Lehrbuben vom Schiller haus, wo sich das Heim der Hakenkreuzler befindet, in den Stadtpark ein. Die Leute trugen Stahl st öcke und K n ü ttel, viele waren mit Schlagringen ausgestattet, die sie offen an der Hand trugen. Die Manifestanten schlugen unter den Rufen „Saujuden!" „Jüdische Bagage!" auf die promenierenden Personen los, warfen viele zu Boden und traten auf ihnen herum. Es entstand eine arge Panik. Flauen und Kinder wurden niedergestoßen und von den nachstürmenden Hakenkreuzlern mit den Stöcken und Knütteln mißhandelt. DiePolizeivesetzung, die sich am Ort befand, erwies sich als zu schwach und leistete keinen Widerstand. Am ärgsten ging es vor dem Restaurant zu. Die Exzedenten überfielen die dort sitzenden Gäste und bewarfen sie mit Sesseln und Glasern. Der Lärm war kaum zu beschreiben. Viele Frauen bekamen Weinkrämpfc und sielen in Ohnmacht. Die Gäste setzten sich zur Wehr und es entstand eiine allgemeine wüste Rauferei. Teilnahme an internationalen Kongressen zu einem förmlichen Spießrutenlaufen. Es ist kaum anzunehmen, daß die ungarische Regierung aus dem Urteil des Warschauer Kongresses so bald die erwarteten Konsequenzen ziehen werde. Ministerpräsident Bethlen läßt aus Gödöllö, wo er im königlichen Lustschloß. als Gast Horthys seinen Erholungsurlaub verbringt, bloß verkünden, daß er noch im Sommer nach Genf fahren Iverde, um beim Völkerbund gutzumachen, was in Warschau verdorben wurde. Aber in Genf wird nicht nur der Warschauer Beschluß, sondern.auch .die Anklageschrift des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris vorliegen. Wenn Bethlen, wieder nach Genf geht, wird er Farbe bekennen müssen. Deutschland und seine Bundesgenossen waren eine belagerte Festung gewesen und hatten das Schicksal einer solchen erbitten. Noch -während der Kämpfe um Verdun brach Bulgarien zusammen, die Türkei hatte schon viel MH Sämtliche Badeartikel wegen vorgerückter Saison zu nachweisbar tlei reduzierten Preisen im Warenbaut in Schiffmann II. TaborstraBe 48 Telenhon 47-1 »78 iw gro» Bn dtipW

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.