Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2299 (16.7.1925)
- Date
- 1925-07-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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' Ur. MS..Mett, Donner'slag .. i, .. JUWELIER MORIZ OESTERREICHER I. Wlppllngerttraß« 99 Steter Eingang besonders preiswerter Juwelen und Silberwaren Set Marollolrieg. Rückzug der Fraqzosen bei Fes. Paris, 16. Juli. Nach ans Fcs vorliegenden Berichten Wer die Lage an der Front ist in den letzten Tagen die f r a nzSsischeLinie nördlich dieser Stadt etwas -urückgeitonimen und zu einer festen Verteidigungsstellung ausgebaut worden. An diesem Teile der Front ebenso wie im Osten des Abschnittes von Taza herrscht vLNge Ruhe. Nur im mittleren Abschnitt setzen die Rtfleute ihre Angriffe fort. Eine 30V-Kiloine1er-Gchlacht. Paris, 16. Juli. Nach privaten Meldungen aus N a b a t ist an der ganzen 300 Kilometer langen Front Wieder eine lebhafte Schlacht im Gange, in der fast alle augenblicklich verfügbaren Kräfte eingesetzt sein sollen. Aus den bisherigen Meldungen gehe hervor, daß Abd el Krim der Stadt Taza bedenklich nahe gerückt sei. Es sei auch bemerkenswert, daß die Stämme überall, wo es nur irgendwie möglich sei, zu Abd el Krim übergehen. Die palästinensischen Araber für Abd el Krim? Berlin, 16. Juli. Wie der Jerusalemer Korrespondent der »Bossischen Zeitung" seinem Blatte zu berichten weiß, haben die Araber Palästinas S a m m l u n g e n für Abd el Krim eingeleitet. In der Omarmoschee werden Predigten für e i n e n S i e g über Frankreich gehalten. Re Fuden in der Artel. Kairo, 15. Juli. In einem Artikel über die National ifierungsaktionen in derTürkei schreibt das Blatt der ägyptischen Araber ,Achram" unter anderem r Die türkische Regierung stellte den Juden ein förmliches Ultimatum, sich entweder ganz zn .ottomanisieren, die türkische Sprache und Kultur anzunehmen, oder das Land zu verlassen. Unterrichtsminister S « b e t i Bei habe die Führer der türkischen Judenschast zu sich geladen und ihnen nahegelegt, auf die Juden in der Türkei einzuwirken, daß sie diespaniolischeSprache aufgeben, die türkische Sprache erlernen und in der türkischen Nationalkultur aufgehen. Die jüdischen Vertreter hätten, so berichtet das arabische Blatt, namens der gesamten Judenschaft der Landes z«gesagt. (?) _ Gin Kabinett kolyn in Holland. Haag, 15. Juli. (WM.) Die Königin hat den Führer der SUÜrevolutionären Partei und bisherigen Finanzminister C o l y n mit der B i l d u n g d e s n e u e n K a b i n e t t s beauftragt. Colhn hat den Auftrag noch nicht endgültig angenommen, sondern sich seine Entscheidung Vorbehalten. Fm Hungerstreik gestorben. Die Freiheit in Sowjetrutzland. Riga, 14. Juli. (I. T. A.) Einer der Führer der funMonl.stlfchien Bewegung in Rußland, namens Salomon Feldman, der wegen feiner zionistischen Betätigung mach N a r i m, im äußersten Sibirien, verbannt worden war, trat im dortigen Gefängnis in einen Hungerstreik, den er so konsequent durchführte, daß er chm erlegen ist. Bericht über eine Palastinareife.*) Bon Otto Abeles. 8. T e l - A w i w, 24. Juni. Ein Gittertor und jene schattige Allee hochragender Gipfel, welche dem Publikum der europäischen Propagandaftlmaufiflihrungen wohlgefällt, laden zum Besuche der landwirtschaftlichen Schule und Farm Mikweh- Jsra e l ein. , Weniger einladend war der Empfang, den uns die Leitung der Anstalt bereitete. Der stellvertretende Direktor ließ uns von einem Zögling zu einem Lehrer geleiten, der weder Zeit hatte, -unseren höflichen Gruß zu erwidern, noch Lust, uns Mikweh-Jsrael zu zeigen. Wir «ivußten chm später -für seine Unfreundlichkeit Dank. Der Knabe nämlich, den das Verhalten seines Erziehers sehr in Verlegenheit setzte, übernahm kurz entschlossen selbst die Führung. Zweckmäßiger und klüger hätte man Gavtenkultur und Getreidebau, Hühner- und Bienenzucht, Baumschule und Versuchsfelder, Stallungen und Werkstätten, Beioä ssernilgsnin ß nah men und lZierpflanzenbeete, das ganze Areal von 2617 Duuam gemischter Wirtschaft bestimmt nicht erklären können, als es dieser Knabe tat. Der 15jährige Mikweh-Jsrael-Schüler kvar das Helle Entzücken meines trefflichen Reisebegleiters, eines Zionisten aus der Tschechosloivakei, der sehr viel Verständnis für Fragen der Bodenkultur hat. Unser jugendlicher Mentor versäumte es nicht, seine Gäste zürn Grabe des edlen Charles Netter zu bringen, der vor 55 Jahren die Anstalt gründete. Das Grabdenkmal steht aus einer Anhöhe. Man überblickt hier die tiefgrüne, von Palmen, Zypressen, Eukalyptus überschattete Oase in der Saud- und Stein-wüste, den reichen, hundertfältige Frucht tragenden Garten der Jugend, wie ihn der Schöpfer anlegte, um ein krankes, entwurzeltes Geschlecht an die *) Siehe „Wiener Morgeiizeitniig" vom 17. und 24. Juni, 2., 3., 4. und 9. Juli. Wiener MoEEttEßl. zwiespült in der tschechoslowakischen RegiermMloaUNon. Wegen des BntlknnkonMkts. — Demission des Eisenbahüminislers. — Erledigung der Wuhlreform erst im Herbst. Prag, 16. Juli. (Tschech. P.-B.) Wie gemeldet wird, haben hinsichtlich der sachlichen Behandlung -des Bat i-- kankon striktes, wie dies übrigens auch aus dem amtlichen Communique über die Beratung der koalierten Parteien hervovgeht, auch die tschechoslowakischen Sozialisten den gemeinsamen Richtlinien, die Dr. Benesch und Ministerpräsident Svehla für die weitere Behandlung der Angelegenheit ausgestellt haben, zugestimmt; dagegen konnten sie bei den anderen Koalitionsparteien ihre Forderung nach Behandlung des Falles im P kenn m des Hauses nicht durchsetzen, wa's dem Eisenbahnmimster Stribrny den Anlaß zur Einreichung seiner Demission gab. Der zweite nationalsozialistische Vertreter im Kabinett, Ernährungsminister Franke weilt derzeit in P a r i s. Ob die Demission Stribrnys zu dessen tatsächlichem Rücktritt führen wird, bleibt vorläufig abzn warten. Jedenfalls wurde infolge dieses mehr formalen Zwiespaltes unter den koalierten P a r t e i e n die S e f s i o n beider Häuser, betreffs welcher man ursprünglich angenommen hatte, daß sie erst mit Abschluß dieser Woche beendigt -werde, bereits heute geschlossen. Dadurch wurde auch die Möglichkeit genommen, die W a h l g e s e tz n o v e l le zu. verabschieden, deren Erledigung nunmehr auf den Herb st verschoben wird. Me Mmpse um Stresemanns AnßenpoNtik. Die Antwortnote an Frankreich vom Ministerrat genehmigt. Berlin, 16. Juli. Wie das WoWche B-ureau erfährt, wird der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages den Ausschuß auf den 17. I u l i vormittags etnberufen. Die Ministerpräsidenten der Länder sind für Freitag nachmittags nach Berlin geladen. Das Reichskabinett ist heute vormittags zu'der angekündigten Beratung derAntwortaufdiefranzöfische Note vom 16. Juni betreffend den Abschluß eines Sicherheitspaktes zusammengetreten. In der Sitzung, die bis gegen zwei Uhr nachmittags andauerte, hat sich das Reichskabinett auf einen Entwurf der A n t w o r t geeinigt. Die Schlußredaktion wird nach Fühlungnahme mit dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages und de» Ministerpräsidenten der Länder erfolgen. Letzte Kurse. New-Yorkex Devisen. New-Bork, 15. Juli. (Tel.-Komp.) Berlin 33.80, London Kabel 4.86V«, London Scheck 4.819/«, Amsterdam 40.06, Paris 4.71V«, Brüssel 4.65, Rom 3.72. Madrid 14.52, Zürich 19.42. Stockholm 26.85, Oslo 17.82, Kopenhagen 20.75, Men 0.14, Budapest 0.14, Prag 2.96'/«. Belgrad 1.76, Athen 160, Buenos Aires 40'/«, Rio de Janeiro 11.20, Bukarest 0.48. Amerikanische Getreidemarkte. New-Bork» 15. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 168, Weizen hart Winter 173, Mais 121'/., Hafer 54'/., Roggen 112'/,. Chikago, 16. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 164'/,. September 152, Dezember 152'/.; Mais per Juli 105, September 106'/., Dezember 88; Hafer per Juli 44'/„ September 46'/., Dezember 48'/,; Roggen per Juli 98, September 100, Dezember 103'/«. rettende Scholle zu binden. Der begeisterte Erzieher jüdischer Jünglinge zur Landwirtschaft wurde von der zehrenden Kraräheit bitterer Enttäuschung befallen, die in Palästina grausamer am Leobens mark nagt als die Malaria. Bevor man ihn hieher trug, mußte Netter erleben, daß für den größten Teil seiner Schüler Mikweh-Jsrael eine Episode war. Sie blieben nicht bei der Stange und kehrten zu den Berufen zurück, aus denen er sie für das Volk erretten wollte. Weit mehr als die Erinnerung an sein Pionierschicksal beiwegt uns beim Anblick der blühenden Farm und ihrer gegenwärtigen Bepflanzer der Gedanke, daß er die Renaissance von Mikweh-Jsrael nicht schen durfte. Der Junge, der uns zum Grabe führte, die neue Generation der Kolonistensöhne, die hier eine dreijährige Ausbildung genießen, find von Retters Geist befruchtet. Sie kamen ein wenig verspätet, die echten Netter- , Schüler. Herzls Geist hat sie hieher gebracht und sie fanden nur mehr Retters wohlgepflegte Gruft vor. Diese Anstalt der Alliance Jsraelite Universelle ist für den neuen Jifchuw wichtig geworden. Neben den 140 ordentlichen Schülern (es sind einige Araber unter ihnen) «werden jetzt auch 80 ausgewählte Ehaluzim praktisch unterwiesen. Hier ergänzen sie ihre europäische Lehrzeit durch die nötige Kenntnis der Besonderheit Palästinensischer Landwirtschaft. Eine wichtige Bereicherung von Mikweh- Jsrael ist das interessante (übrigens herrlich duftende) Tabakmagazin. Bisher sind ans verschiedenen Kolonien 26.000 Kilogramm ausgesuchter -und gepreßter Tabakblätter eingeliesert worden. Fachleute übernehmen die Fechsungen, ordnen sie nach Jahrgang und Provenienz, schützen sie durch richtige Lagerung u-nd Behandlung vor Entwertung. Als wir aus dem kühlen Gewölbe traten, wimmelte der Wirtschaftshof von tätiger Jugend. Sie kamen von Garten und Feld, versorgten das Vieh, wuschen sich — alles in jenem freudigen, beschleunigten Tempo, tvelches junge, gesunde Menschen einlegen, wenn die Mahlzeit winkt. * '16. M «eHe« ..GUMMISCHUHE. Gummimäntel, Spielbälle und Gummi-! twirtn aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN ft HOROWITZ Wien, II. Bez., Taborstrasse Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 j Die politische Aussprache. Berlin, 15. Juli. (Tel.-Komp.) Die deutsche Antwortnote bezüglich der Paktfrage wird aller Voraussicht nach S a m s t a f nach Paris gesandt werden. Ihre Veröffentlichung ist sü Montag oderDienStag der kommenden Woche zr erwarten. DiepolitischeAuSsprache im Reichstag, derer Termin von den Linksparteien so heftig umstritten wurde und zr deren Erzwingung vor Absendung der Note die Sozialdemokrater eine Interpellation im Reichstag eingebracht haben, wird danr am Mittwoch oderDonnerstagder nächsten Woch« beginnen. _ Set schimpfende Pinie. Haeckels Nachfolger. Der Zoologe der Universität I c n ci, Professor L. Plate, der Nachfolger Ernst Haeckels, veröffentlicht m der „Deutschen Zeitung" einen wütenden Artikel gegen die Deutsche Liga für Menschenrechte, die in einem Rundschreiben an die Universitäten sich des wegen seiner pazifistischen Gesinmmc vom Senat der philosophischen Fakultät in Jena verfolgten Privatdozenten G u m b e l angenommen hat. Professor Plate, der bekanntlich seine Vorlesungen über Zoologie zu antisemitischen K n n d >g e b u n ,g c n gestaltet, sicht auch hier überall nur Juden. Er schreibt: „Gumbeil ist Jude und in der Liga sitzen eine Menge Juden (allein im Vorstand die Herren Professor Einstein. M miste r ialdiroktor Hugo F r e n n d, Rudolf Goldschei d, Professor Julius Hi rsch, Karl R i e r s, die wchl alle zur jüdischen Rasse gehören), die natürlich für ihren angegriffenen Rassegenossen eintreten. Nun wenden voraussichtlich namentlich jüdische und demokratische Professoren sich äußern, n-nd zwar für Gumbel . . ." Plate beschuldigt die Liga des Mangells an Nationalgosühl, sondert, daß die Universitäten die Jugend zu idealer Gesinnung, Charakterstärke und Vaterlandsliebe erzichen und schließt: „Dazu werden Juden im allgemeinen nicht fähig sein, und deshalb hat auch der so glänzend vevlcmsene zweite Akademikertag in Elbe rfeld einstimmig die Forderu-ng beschlossen, daß Juden in Zukunft nicht mchr als Lchrer an unseren Hochschulen zugelassen werden." Sie Affenkomödie von Dayton. Di« politischen Ziele. New-Aork, 14. Juli. Der Prozeß von Dayton, de» bisher hauptsächlich lächerlich war, beginnt langweilig zu werden, da daS amerikanische Gerichtsverfahren in seiner formalistischen Art naturgemäß ermüden muß. Dies zeigt sich auch darin, daß der Andrang deS Publikums zur Verhandlung merklich n a ch g e l a s s e n hat. Dagegen zeigen sich immer deutlicher die Ziele derjenigen Kreise, welche sich um den Prozeß gruppieren nud ihn für ihre politischen Zwecke ausnützen. B r y a n, der eine besonders lebhafte Propagandatätigkeit für die göttliche Abstammung des Amerikaners entfaltet, hat angekündigt, daß er eine große Bewegung für die Religion einleiten will. Er schlägt vor, die christliche Religion in d e r V e r s a i s u n g der Vereinigten Staaten zu verankern und sie zur S t a a t s e i n- Mtkweh-Jfrael ist ein lebendes Bild aller Pflanzen, die im Lande gedeihen oder bei richtiger Pflege gedeihen rnüssen, aller Nutztiere, die das Klima vertragen oder bei zweckmäßiger Wartung, Ernährung und Kreuzung vertragen werden. — Es fügte sich gut, daß ich unmittelbar nach diesem Ausflug ein anderes, ergänzendes lebendes Bild in der Rochschrldstraße sah, das Museum für heimische Produktion (Tozereth-Haaretz).. Der Fachmann muß diese permanente Ausstellung besuchen und der Laie erst recht. Was erzeugt der neue Jifchuw in Erez Israel und welche Industriegebiete werden sich in nächster Zukunft erschließen? Herr Agr. S. J o f fe, der das Institut leitet, bemerkt vor Antritt unseres Rundganges, daß dieses Museum nicht bloß zur Information der Neueinwandernden und Touristen diene. Man müsse die Palästinenser dazu erziehen, die heimische Produktion zu bevorzugen, soweit sie bereits vorhanden ist. Die Fülle und Buntheit der Erzeugnisse, die in Vitrinen übersichtlich angeordnet sind, ist tatsächlich überraschend. Besonders günstig entwickeln sich viele Zweige der Lederindustrie. Alle Sorten von Taschnerwaren, aus inländischem Leder gearbeitet, sind hier zu sehen, femer Strapaz- und Luxusschuhe in allen Ausführungen. Es wurde mir mitgeteilt, daß die Palästinensische Schuhindustrie den Inlandsbedarf heute schon bis zu 80 Prozent decken kann. Ausgezeichnete Präparate belehren darüber, wie verschiedenartig die Qualität und Eignung des Eukalyptusholzes ist, je nach dem Boden, auf den: der Baum gepflanzt wurde. (Der Eukalhptusstamm findet für Erzeugung von Telegraphenstangen, als Founierholz und für Zündhölzchenifabrikation Berlvendung.) Erfreulich, daß es bereits eine Pflugfabrik im Laude gibt, und Eisengießereien, in welchen aus Altmaterial insbesondere Wasserpunvpen und Mühlettbestandteile angefertigt werden. Ich will jetzt kunterbunt wie ein' Marktschreier herzählen, tvas der Jndnstriefleiß des neuen Jifchuw ausstellt: Schuhbänder und elektrische Taschenlampen samt Batterien, Fensterjalousien und Eiskästen, Zwirne (aus ausländischen