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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-16 · Heft 2299 (16.7.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2299 (16.7.1925)
Date
1925-07-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette S Wien, Donnerstag Wiener Moeaettzettuns. ' ' -_16. Juli 192» Nr. SM Beteiligt Euch an der Aktion der Wiener jüdischen Kaufmannschaft zugunsten des Keren Kajemeth! Spendet aus Eurem Warenlager für den Kongreßbasar/ Spendenanmeldungen werden entgegengenommen; Bureau de» Keren Kajemeth, /.. Kärntnertiraße 23, Telephon 77-4-85, 77-4-86 Spendenanmeldungen werden entgegengenommen; Bureau de» Keren Kajemeth, /.. Kärntneretraße 28, Telephon 77-4-85, 77-4-86 Ben - Z-wi gab Aufklärungen über die wirtschaftlichen Bestrebungen der Arbeiterorganisation, die entschlossen sei, konstruktive Arbeit .zu leisten und mit dem übrigen Teil der jüdischen Bevölkerung an der Errichtung des jüdischen Nationalheims und dem Aufbau des Landes gemeinsam zu arbeiten. Diesem Bericht folgte eine lange, eingehende Aussprache. Die Vertreten des Waad Leumi berührtet: auch diesmal die in der ersten Audienz vorgebvachten Beschtverden wegen der Zurücksetzung der Jude» bei der Polizei Und in den öffentlichcn Aemtern. Kolonel Symes antwortete, daß er gleich nach der ersten Aussprache mit den Herren des Waad Leumi sich über den Stand der Angelegenheit informieren ließ und gab die Versicherung, daß binnen kurzem die Gründe der Beschwerden, deren Wichtigkeit er anerkenne, a l l m ä h l i ch b e s e i 1 i g k sein werden. Am selben Tage empfing der Kolonel Symes den Oberrabbiner K u k, Rabbiner Frank und Sekretär W eb e r, die den neuen Generalsekretär begrüßten und der Hoffnung Ausdruck gaben, daß Kolonel Symes auch auf seinem neuen, erweiterten wichtigen Tätigkeitsgebiet seinen bewährten Rechtssinn werde walten lassen. Kolonel Symes gab in seiner Antwort die Erklärung ab, daß die Politik des Rechtes und der Gerechtigkeit, von der sich Sir Herbert Samuel stets habe leiten lassen, auch in Zukunft das Leitmotiv der Verwaltung von Erez Israel bilden werde. Er tverde von dieser Politik niemals abweichen. Sie Wahle« in die jüdische Nationalversammlung von 8rez Israel. . Aus Jerusalem wird uns berichtet: Der vereinigte Zentralrat für die Wahlen in die Assesath Haniwcharim (Nationalversammlung), dem auch das Exekutivkomitee des, Waad Leumi.(Nationalrat) Mhehört, beschloß .einstimmige die Wahlen für das ganze ÄH am 19."Juli durchzu^ führen. Die e r st e Sitzung der neugowÄhlten Assefach' Haniiwcharim wird am 27. Juli stattsinden. , '' Herbert Samuels Pläne. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Bor feiner' Abreise aus Palästina machte Sir Herbert Samuel am : 29. Juni den Bureaus der Zio ritz frische« Pal ä st i n a e x e k u t i v e, «wie berichtet, - einen Abschieds-" besuch. Ter High Eommisstomr 'hatte eine längere Unter-- redüng mit den MitMiedern der Exekutive, die dem Aus- - tausch von Informationen zwischen dem Oberhaupt 'bet' palästinensischen Verwaltung und den verantwortlichen- Leitern des zionistischen Aufbauwerkes diente. . ..Am letzten Sabbat seiner-Anwesenheit in Palästina gab.der High Commissioner in einer Ansprache in der. Ehurva-Synagog-e seine Absicht kund,-nach Jerusalem zurückzukehren. Er betonte indessen, daß er als P r i v atme un in Erez Israel leben wolle «und daß man hoffentlich keine öffentliche Wirksamkeit-von ihm erwarten werde. Er hoffe, die nötige Ruhe zu finden, für eine Botschaft, die er.der Welt iuber die Mi-ss-ion Pal ä st i n a s zu. bringen habe. - ' Set siebente arabische Kongreß. .Das in Jaffa erscheinende arabische Blatt „Al Gezirah" befaßt sich in mehreren Artikeln mit der Dringlichkeit der Einberufung des siebenten Kongresses. In einem dieser Aufsätze führt das Blatt im wesentlicheil aus: „In den nächsteil Tagen schon wird der neue Oberkommiss ä r unter uns weilen. Die.Bevölkerung wird ihn mit anderem Gesicht empfangen wie seinerzeit Sir Herbert -S amue l. Zweifellos wird er. die Worte der vor ihm erscheinenden Persönlichkeiten anhören und uns sie so beantworten, wie es seinem Regierungssystem entspricht. Nun wissen wir aber, daß es in Erez Israel zwischen den Parteien und Verbänden Meinungsverschiedenheiten und Zwistigkeiten gibt, und cs ist daher klar, daß die Gespräche mit dem Oberkommissär sich nicht in einer auf ein gemeinsames Ziel gerichteten Linie bewegen werden. Es ist sogar nicht ausgeschlossen, daß selbst während dieser Empfänge der Hader ausbricht, was für die arabische Sache von großem Schaden sein müßte. Deshalb ist es unerläßlich, daß der Kongreß unverzüglich ein berufen werde, um dort alle schwebenden Fragen von vornherein zu lösen. Unsere Lage macht den sofortigen Zusammentritt des Kongresses zur Wicht." . .. Sonderbarerweise erklärt das Blatt die vorangegangenen Kongresse für ungesetzlich, warnt vor den Fehlern in der Vergangenheit und schlägt die Einberufung einer Vorkonferenz vor, in welcher jede Fraktion durch einen Delogierten vertreten sein und di« Tagesordnung des großen Kongresses gemeinsam.festgesetzt wechey M, Sie Eteiger-AMre. Me die Untersuchuni geführt wird. Lemberg, 15. Juli. Der fünft« VerhandlnngStag im Prozeß Kornhaber, Mi k it in und Genossen brachte aufsehenerregende Mitteilungen Mikintins über die Art, wie die Untersuchung in dem mit dem Attentat auf den . Staatspräsidenten zusammenhängenden Anklagen gefiihrt «wurde. Bei Beginn der Verhandlung gab zunächst Mikitin über Befragen des Vorsitzenden Auskunft über die Geldsummen, welche er erhalten hatte. Es waren insgesamt 920 Z l o t y, 'davon vom bau Inspektor Sawicki ungefähr 400 Zloty, von Jägev gegell 200 Zloty, von dem Warschauer Polizei- -mspektor Piatkiewicz 32V Zloty. Mikitin bittet dann um das Wort zu einer Erklärung und legt dar, daß laut der Anklage er von Kornhaber beruhigte worden sei, jndem dieser.ihm gesagt habe, die Inden. j.vü rden be i G e r ich-t zu ihm halten. Diese Angaben der Anklage erklärt Mikitin als unrichtig, und. kommt 'dan n auf. die Drohbriefe der „ukrainisch-militärischen Organisation": sation" zu sprechen, welche er nach -der Anklage an den Lemberger Gerichtspräsidenten H a w e l, an die Redaktiondes jüdischen Tagblattes „Chwila", an den Metropoliten Szepticky und andere gesandt -haben soll. Mikitin erklärt, er lhabe die Briefe überhaupt nicht gekannt und erst vonl Deputierten Rosmarin erfahren, daß solche Briefe vorhanden seien. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, daß MM'm in der Aussage : vor dem Untersuchungsrichter erklärt -habe, er habe von Kornhuber den Text dieser Briefe in Polnischer Sprache erhalten und sie dann ins Ukrainische übersetzt/ er-1 klart Mkittn' dezidiert, 'daß' er diese Briese nie ges'ch r i eb e n habe und daß er/alKähm Deputierter Rosmarin von der Existenz der Briefe Mitteilung .machte, anworiete, die Griefe müßten gefälscht sein, «weil' ihm, Mikitin, vonder Existenz, einer, derartigen Ukrainischen Orgauisadron nichts bekannt sei. Erst vom Deputierten Rosmarin habe, cr erfahren, daß solche Briefe noch zwei Monate vor dem Attentat auf den Staatspräsidenten dom Metropoliten Szepticky und dem Lemberger Gerichtspräsidenten Hawcl zuge-. kommen seien. Auf den Einwand des Vorsitzenden, daß. Mikitin in der Untersuchung eingestanden ' habe, alle. Briefe, auch die oben erwähnten ersten, geschrieben zu . haben, erklärt Mikitin: „Als man mich als Beschuldigten verhörte, haben der Untersuchungsrichter Rudko und der Schriftführer Plot r o w s k i mir zügcredet, ich möge äussagen, Ätz ich die Briefe geschrieben habe. Piotrowski d rohte mir, ivcnn ich dies -nicht eiugestünde, würde ich zwanzig Jahre schweren Kerkers bekommen. Der Untersuchungsrichter und sein Schriftführer suchten mir i-mnl-er zu suggerieren, daß ich die Briefe geschrieben, und daß die I u d e n sie Verse Ilde t haben. Ich «weigerte mich, cm solches Geständnis, das den Tatsachen widerspricht, zu machen, doch der Schriftführer Piotrowski hat mir so lange zug-e setzt, bis ich sagte, was cr wollte. Alls meinen Ein-tvand, daß ich den T e x t der Briefe nicht ken ne, antwortete mir der Schriftführer, er werde mir die Briefe zum Durchlesen geben, so daß ich ihren Text genau können lernen kann. Er gab mir vier Briefe: an die „Chwi-la", an den Präsidenten Hawol, an Dr. Grek und einen Brief nach PrzemySl. Hierauf fragte er mich, wen -ich als Absender >dcr Briefe bezeichnen «werde. Ich antwortete, ich würde mich angeben. ' .. Darauf sagte -er Schriftführer, es sei für imch vorteilhafter, zu sagen, daß die Inden die Briefe abgesendet hatten. Würde ich dies nicht tun, - so werde, nran mich als Kommunist in Haft behalten. Ich erklärte, daß ich dies nicht sagen könne, da die Juden die Briefe nicht abgesendet haben. Der Schriftführer Piotrowski fragte mich auch, w e r m i ch zur Polize t g-cf ch ickt habe, os es die Juden. gewesell seien oder ob ich fÄbst gega-ngen sei. Ich erklärte, daß „nich die Inden nicht zur Polizei geschickt hatten, und wies auf meine Informationell an -den Polizeckom-- misiär Kajdan hin. Da mir aber PiotvpwM. immer mit einer Strafe für meine frühere Zugehörigkeit zur kommunistischen Organisation drohte, habe ich seinem Wünsche gemäß ansgesagt, daß die Juden mich zur Polizei, geschickt haben. Ms dann der Untersuchungsrichter Rudko beim Verhör ins Zimmer trat, erklärte chm Piotrowski: Mikitin hat sich überzeugen lassen. Rudko und Piotrowski wollten, daß meine Aussagen so gefärbt seien, daß es heiße, bereits etliche Monate vor dem Attentat hatten die Lemberger Juden eine Verschwörung gegen den Staatspräsidenten in Szene gesetzt." Die Mitteilungen Mikitms' riefen allgemeine Uoberrafchung -hervor. Der Verteidiger Dr. Grek stellte nun i-m Namen der gesamten Verteidigung der Ang-eklagien den Antrag, daß mit Rücksicht auf die Aussagen Mkitins über die Rysie .pcs . Schriftführers Piotrowski während der . Untersuchung, dieser. S^iftführer, der seine FunMhü-Mich jetzt bei der Pechandlung auÄübt, dieser enthoben -werde, um so mehr, als er und der UintersuchungSrichter Rudko im Prozeß als Zeugen vechört Sverden müßten. Trotz des Widerspruches des Gtaatsaniwaktes beschloß das Gericht, «lvährend der' Aussage Miki-tms den Schriftführer Piotrowski seiner Funktionen zu entheben und an seine Stelle Dr. Miedz'inski als SchviWhrer zu berufen.- Nach der ^lnswechslung der Schriftführer Wiederholte Mikitin feine Anssage. Überdies führte er darüber Bcschlverde, daß chm bei einer Revision in seiner Gefängniszelle wi chtig.e Schriftstücke weggenommenworden seien. Er vermute, daß diese Revision keine ordnungsgemäße geüvesen sei, da am, ersten. Tage der. Berhandlung ihn: der 'Schriftführer Piotrowski, als er >'m den GcrichtSsaal'gefilhrt ivutde, im Vorbeigehen zuvief: ,Halte dich wacker!" Da er sich nun im Sinne Pi-ott'vtvSkis ni-cht wacker gehalten habe, so vermute er, daß die Revision und foiie Beschlagnahme der Schriftstücke von diesem veranlaßt fei. Die Äüssagen Mkitins haben in Lombevg uugc-. h e u r e s Ä u f s e h e n erregt. Man sieht der Ko nf r o n t a t i o n Mikitins mit dom Untersuchungsrichter Rudko und dem Schriftführer Piotrowski Mit größter Spannung entgegen. Hussein, Absetzung. Jerusalem, 15. Juli. Der muselmanische B c rb a nd in Haifa sandte an das Mnisterium des Aeußern in London die folgende Depesche: ,-Seitdem das arabische Volk den Bund mit England geschlossen hat, ist es noch nicht in so große Verwunderung versetzt worden, als jetzt durch die Vertreibung Husseins aus seinem selbständigen Lande üud durch die Angliedening eines Teiles dieses Landes an das unter der Mandatsmacht stehende Gebiet. Der muselmanische Verband bringt seinen Schmerz über diesen Gewaltakt zuni Ausdruck, den er als einen Dolchstoß in das Herz der Araber jm allgemeinen und der Muselinanen im 'besonderen empfindet... Mische Parlamentsmitglieder ln Libanon. Jerusalem, 15. Juli. Laut einer Meldung aus Beirut wurden bei den letzten Walen in die gesetzgebende Körperschaft für den Libanon die Herren Abraham Salonwn Räwijah, Abraham Ehakim und Astlron Far e t i als Vertreter der Judenschaft getvähkt. Sevntletter vrünbanm ln Me«. Gestern ist Abgeordneter G r ü n b a u m, von Erez Jsiael kommend, tu Wien eingetroffe»». Er setzte noch am Abend die Nets« nach L o n d o n fort, wo er an d»n Beratungen de» Zionistischen A ktionSkomtteeS teilnehmen wird. Verbannung von arabischen Rotabeln l« Lranriordanlen. Jerusalem, 15. Juli. Die Regierung von Ostjordanien ve rban nie acht arabische Notabeln nach dem Hodschas. Unter ihnen befindet sich auch Abdallah Pascha, ein naher Verwandter des Emirs Abdallah. Die übrigen Verbannten gehörerr gleichfalls der nächsten Umgebu-ng deS Emirs an. " Andre Sbirer Mission in Rnmsinien. Bukarest, 14. Juli. (I. T. A.) Die -offiziöse rumänische Agentur Rador teilt «nt: Den -in Rumänien weilenden Franzosen Tludre Spiro und Kaminka, die die Älufgabe haben, Juden nach iFrankre-ich zjwecks Koilonisiarullg der verwüsteten Gebiete zit bringen, wird übem-ll großes Eutgcgenkolnnlen beiwissen. Bis jetzt ha-ben sich mehr als hundert junge Juden aus Beßarab-ien und dev Bukowina ge»nel-det. Das französische Konsulat ifoi Kischinvw hat mit den Formalitäten der Ausfölgimg der Gmigrationspapiere begonnen. Kutkeler enthaftet. Berlin, 16. Juli. (W0W.) Die Strafkammer hat den, Haftbefehl gegen den ehemaligen Generaldirektor der Steinbank Iwan K « t t 8 l e t auf Grund eines medizinischen Gutachtens aufgehoben uud doubetz^ Stellung einer Kau tio-n Ab stand genommtu, Ü 67

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