Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2299 (16.7.1925)
- Date
- 1925-07-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i Polen: 20 aroigy j Wien: Zum Abholen in der Expedition, 1L Taborstr. 1*3, oder in einer Verschlelsstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol d sch mied, I„ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei P r e i «* erhfihnngen Vorbehalten Wiener Haute IFA*PALAST« KINO II. Tabontrasse 1 Oer Hantfscniua 90 N-'SN 6, •/*«» 9 Uhr orgenflilung Rk. 2299 Wien, Sonnentag, 16. gnli 1928 unrnn England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien-Mon.lOOLewr, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien,II.Tabor»tr.l Telephone: 44-0*38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Di uckerei lg. Steinmann) Oesterrelchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Fahrgang König Amerika. -y. W i e it, 16. Juli. Der französischen Krise entspricht «die deutsche. Sie stehen in innigster Verbindung miteinander und leihen eine von der anderen die Anknüpfungspunkte. Es ist auffallend, wie gerade an diesem Beispiel der Zusammenhang aller Bedingungen der politischen Entwicklung zu ersehen ist, und wenn man die Politik Deutschlands und Frankreichs ein Jahrhundert lang zurück prüft, wird man inne, daß sie Zug um Zug einander beeinflussen und daß immer aus diesem Verhältnis die allgemeine Lage Europas bestimmt wurde. Nicht zum Guten, wie das die letzten Jahre gezeigt haben, und auch heute ist nichts zu verzeichnen, was die nächste Zukunft in freundlicherem Lichte erscheinen ließe. Der deutsche Kurs steuert wieder scharf nach der Seite des Zusammenstoßes. Die Note Deutschlands, die das gesamte diplomatische Zwischenspiel seit denr Beginn dieses Jahres einleitete, wird jetzt in Deutschland von den Nationalen angefochten und als ein persönlicher Schritt des Außenministers ausgeschrien. Bisher galt sie als Akt der Gesamtregiemng und wurde in der Oeffentlichkeit, auch der deutschen, als solcher behandelt. Die Bedenken, die zuerst der deutschnationale Minister Schiele und nunmehr Graf Westarp, der Führer der Konservativen, äußern, sind urplötzlich aufgetaucht und sie sind nichts als der Versuch, die großen Schwierigkeiten der französischen Staatstrise im Sinne des Revanchegedankens auszunützen. Das ist der Zusammenhang der in Paris und in Berlin auftretenden Komplikationen. Wieder liegt das böse Wort vom „Erbfeind" in der Debatte und dies als Antwort auf den Vevsöhnungsaufruf der hundert französischen Intellektuellen. Unleugbar ist, daß Frankreich sich in einer bitteren Situation befindet. Der Krieg in Afrika ist in eine sehr gefährliche Phase getreten. Gelingt es Frankreich nicht, seine Stellung zu halten und zeigt sich dies nicht sehr bald, dann steht für Frankreich, aber auch für alle Kolonialstaaten mehr auf dem Spiele, als man für gewöhnlich anzunehmen bereit ist. Für den kriegführenden Staat aber ist die Verschlimmerung schon jetzt augenfällig. Der Krieg wirft das Budget um und auch die sorgsam ausgetüftelten Ziffern Caillaux' sind heute nicht mehr wahr, und es ist sicher, daß das Defizit von drei Milliarden Franken bereits eine Erinnerung ist. Das Vertrauen des Landes ist erschüttert, die kommunistische Agitation findet ein reiches Feld und neben ihr regt sich auch der klerikale Royalismus. Das ist das Bild der inneren Lage. Nach außen muß Frankreich, das um die Rettung seines Geldes kämpft, auch noch mit Amerika über die. Rückzahlung der Kriegsvorschüsse und mit Deutschland über den Sicherheitspakt verhandeln. Seine militärische, finanzielle und moralische Kraft ist bis zum Reißen angespannt. Es ist freilich nicht allein in Not. Seine Freunde in London und Rom kränkeln ebenfalls. England sieht die Zahl der Arbeitslosen ansteigen, kämpft mit einer scharfen kommunistischen Agitation in seinen Bevgwevksdistrikten und steht in China fast isoliert dem Sturm der Revolution gegenüber- In Italien kaschiert der Faszismus nur mit Gewalt und mit mehr oder minder schönen Reden den Bankrott. Nur Amerika freut sich feiner beherrschenden Stellung, die ihm die ganze Welt als willenlosen Sklaven vor den Thron' des Dollars legt. Der Pflicht, unter diesen Verhältnissen Europa zur Einigkeit und zum Frieden zu zwingen, ist sich Amerika nicht bewußt. Es geht vielmehr die gleichen Wege des Nationalismus. Die innere Politik Amerikas vollzieht sich konsequent nach der Linie der Abkapselung. Amerika sammelt seine Kräfte für den Augenblick, in dem es die Herrschaft auch politisch über die Welt anfrichten kann. Deshalb unterstützt es den reaktionären Geist in Europa und deshalb macht es von seiner Macht nicht im Sinne des Friedens Gebrauch. Die Krisen Europas werden von Amerika so kontrolliert wie Eisenbahnen oder Bergwerke. Europa wird eine Eingeborenenkolonie unter der Fuchtel der Dollarprinzen werden. Es ist selbst Schuld daran, daß es so kommt. Mandat und Araberfrage. Kn Interview mit Sokclow. Der Warschauer Berichterstatter der Danzrger ^attischen Presse" hatte ein längeres Gespräch mit dem Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Herrn Nahum Sokolow. Seinem längeren Referat entnehmen wir die folgenden Stellen: Sokololv berührte zunächst die bekannte Erklärung des polnischen Außenministers Skrzynski über die Unterstützung der zionistischen Ziele. „Die Ansicht des Ministers", sagte Solkolow, „steht vollkommen im Einklang mit der H a b tung Englands, Frankreichs, Italiens und der anderen Länder, die seinerzeit identische Erklärung e n zu dieser Frage abgaben." „Hat sich die Haltung der Mächte seit jener Zeit nicht verändert?" fragte der Interviewer. „Diese Annahme ist absolut ausgeschlossen, obwohl ich zugeben muß, daß die europäische Presse Notizen dieser Art gebracht hat. Seit dem Jahre 1919, als die Balfoür- Deklaration veröffentlicht wurde, hat die englische Regierung sich mehrfach verändert. Bon der alten Koalition war sie zu einer neuen übergegangen, von der neuen Koalition zur Labour Party und von der Labour Party zu den Konservativen. Jede dieser englischen Regieruntzen hat jedoch in feierlicher Form die Erklärung abgegeben,!daß sie unerschütterlich auf dem Boden der Deklaration Balfours steht." ,Macht sich in letzter Zeit nicht eine Wendung zu ungunsten des Zionismus bemerkbar?" . - „Nach meiner Ansicht entsteht dieser EMmck bei manchen Zeltirngslesevn infolge der hier und da veröffentlichten polemischen Artikel der vereinzelten Interpellationen in den Parlamenten/die nicht ein getreues Abbild der wirklichen Tendenzen der Regierungen oder der öffentlichen Meinung geben. Natürlich müssen infolge der Realifierung der zionistischen Bestrebungen in Palästina verschiedene Fragen über die Ausführung, das Tempo der Emigration, der gesetzgeberischen Arbeiten ufw. sich ergeben. Mer all dieses betrifft nur Einzelheiten, im Prinzip stehen Volk und Regierung Englands auf dem Boden des Mandats und werden nicht von dem einmal gewählten Wege abschwenken. ' ,Mie steht es in Frankreich?" „Dasselbe kann ich von dem zweiten großen politischen, Faktor in Europa, von Frankreich, sagen. Obwohl Frankreich 'das Mandat über Palästina nicht. erhalten hat, war doch die Meinung der französischen Regierung in der Anfangsphase der internationalen Regelung dieser Frage maßgebend. Ich betone ausdrücklich, daß Frankreich auch gegenwärtig einen großen Einfluß in dieser Richtung ausübt. Auch die französischen Regierungen haben im Laufe der letzten sieben bis acht Jahre vielfach gewechselt. Jede Regierung hat aber ohne Rücksicht auf die Partei, die sie vertrat, die Balfour-Deklaration bestätigt. Unlängst ist sogar ein Mitglied des französischen Kabinetts, M. de M o n z i e, so weit gegangen, der großen Synrpathre der französischen Regierung für das Werk der Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina Ansdruck zu geben." „Was halten Sie von der Zukunft des Mandats?" „Die Mandatsfrage ist eine Frage von allgemeinem Interesse. Das Mandat wurde ohne bestimmte Z e i t b e g r e n z u n g erteilt. Aber es scheint mir nicht für ewige Zeiten. Auf jeden Fall halte ich eine Veränderung oder Beseitigung des Mandats für die Frage einer f e r n e n Z u k u n f t." Bezüglich der jüdisch-arabischen Beziehungen führt Herr Solkolow aus: „Die arabische Frag« wurde auf der Konferenz von San Remo und' Paris in günstigem Sinne gelöst und die Rechte und Bestrebungen der Araber anerkannt. Die Araber haben das gr o tze Mesopotamien erhalten, wo sie unbegrenzte Entwicklungsmöglichkeiten besitzen. Wir waren und sind auch fernerhin überzeugt, daß das arabische Volk diese glänzenden Beziehungen auszn nützen verstehen wird, Ivel che es infolge der Veränderung der Politischen Lage im nahen Osten erreicht hat. Früher oder später wird der Moment kommen, wo die arabisch-jüdischen Beziehungen auf politischem Gebiet sich in einer Weise gestalten werden, daß eine g e m e i ns a m e große Arbeit an dem Wiederaufbau des Ostens für gemeinsame Ziele und Zwecke geleistet Werder: kann. Das ist die Lösung der arabischen Frage in ihrer ganzen Bedeutung." „In der Erklärung Balfours ist vorgesehen, daß bei denr Bau eirrer nationalen Zentrale für die Juden in Palästina nichts vor sich gehen solle, was in irgend einer Weise den Interessen der nicht-jüdischen Gemeinden schaden könnte." Darauf antwortet Herr Sokolow: „Die Zionistische Organisation Mt sich streng an diesen Grundsatz. Wir haben den Arabern nicht einen Fußbreit Bodens genomnren und verdrängen sie durchaus von keiner Stellung. Wenn wir in Palästina Land 'taufen, so zahle:: «wir für jeden Quadratmeter hohe Preise, von denen sich die Araber vorher nicht einmal träumen ließen, und wenn wir 'die Sümpfe tvockerrlegen oder Elektrizität einführen, dann schaden wir nicht nur nicht den Arabern, sondern die nichtjüdische Bevölkerung und - insbesondere die echten Araber, die sogenannten Landwirte, nützen dam:, wie die Erfahrung gelehrt hat, unsere Arbeit aus, erhalten höhere Preise und ahmen mit Erfolg sogar unser Beispiel selber nach. Wir bedauernsehr, daß trotz alledem Vorurteile immer noch ihren Ausdruck iy Protesten finden, die hie und da veröffentlicht werden. Wir sind sicher, daß mit dem wachsenden wirtschaftlichen Fortschritt diese anfänglichen Schwierigkeiten verschwinden und die ganze ortsansässige nichtjüdische Bevölkerung solidarisch und friedlich mit den zionistischen Kreisen zusammenarbeiten wird." m . ,/Werwen denn nun die.jüdisch-arabischen Kämpfe a ufhorerr und wird es kern Opfer mehr geben?" „Wo ein Kampf existiert und wo man sich verteidigen muß, da waren immer Opfer. Ich habe Väter und Mütter gesehen, die mit Stolz von ihren Söhnen sprachen, die während'der Kämpfe ihr Loben haben lassen müssen." Empfänge bei Kolonel Symes. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Kolonel Shwes, der während des Interregnums bis zur Ankunft Lord Plurners die Agenden des Oberkommissärs versteht rmd nach Amtsantritt desselben als Generalsekretär die ZivilverwMnng van Erez Israel leiten wird, ist bestrebt, durch Fühlungnahme mit den einzelner: Gruppen und Körperschaften in möglichst kurzer Zeit den, ganzen Komplex seines nouen TäitMitsgebietes kennen zu lernen. Es vergeht daher kein Tag ohne Empfänge und Aussprachen mit den in Betracht kommender: Führern. Ueber den -ersten Empfang der Leitung des jüdischer: Nationalrates haben wir schon berichtet. Dieser Tage empfing nun Kolonel Symes die Herren Ben-Zwi, Kalwariskh und Dr. I. Thon vom Waad Leumi zum zweiten Male. Dr. Thon berichtete über die Wahlvorbereitungen des Waad Leumi auf Grund der Beschlüsse der letzter: Ta» gung Afsefath Haniwcharim. Laut den einüÄanfenen Berichten dürfte die Zahl der Wähler im ganzen Lande 55.900 erreichen, wobei zu bemerken sei, daß eine beträchtliche Anzahl von Wählern aus technischen Gründen sich nicht in die Wahllisten eintragen lassen konnte. Dr. Thon unterrichtete den Generalsekretär auch über die Sezession eines Teiles der Delegierten aus der letzten Versammlung urrd über die Beinühungen verschiedener Kreise zur Beilegung des Konflikts. Kolonel Symes stellte verschiedene Frager: über die Beziehungen der verschiedenen Strömungen in der Judeyschaft des Landes zu einander und besonders Mischer: den Arbeiterorganisationen und den religiösen Gruper: und schließlich über die Möglichkeit eines Zusammenarbeitens der Arbeiterklasse mit den übrigen Ständen. Sämtliche Badeartikel wegen vorgerückter Saison zu nachweisbar tief reduzierten Preisen im Wirtshaus in Schiff mann II. TaborstraSe 48 Telephon 47*1-78 Sn gras Bit ditail