Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2298 (15.7.1925)
- Date
- 1925-07-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Sfr. 9m Mir«. MihmH Set 3ud' und fein Mörder. Die Geschwornen haben den Portier Georg Kleibl fveigesprvchen. Er hat, wie ihr Verdikt besagt, den Ratenhändler Rischeles erschaffen und damit das Verbrechen deS Mordes begangen (11 ja, 1 nein), aber er hat in Smnesvevwirrung gehandelt (8 ja, 4 nein). Der Ermordete hinterläßt eine Frau und sieben Kinder. Die Tat selbst iist eingestandcu, in allen Einzelheiten auf- -eklärt und nichts dunkel. Es kam auch nichts zutage, was eine besonders Harde Behandlung des Kleibl durch den Ratenagenten hätte beweisen können. Der Mann benahm sich höchst zuvorkommend und wollte dem Schuldner von den drei Millionen, die er zu zahlen hatte, zwei erlassen, wenn er nur eine bekäme. Allerdings wurde Kleibl sekkiert, aber von meinem Maschinenhändler, einem bodenständigen Germanen. Den warf er einmal aus der Wohnung hinaus, nachdem er ihn geohrfeigt hatte. Gegen Rischeles konnte nichts, gar nichts vovgebvacht werden. Dagegen ist dieser Kleibl eine ganz 'besondere Nummer. Sr war erst Bäcker, dann Maler, dann Hausdiener. Nach dem Umsturz Bolkswehrmann, spater Gendarm im Bürgewland, wo er sich selbst neun M e d a i l l c« an die : Holde nbrust heftete. Seine Frau betrog er und schoß bei , einer Eifersuchtsszene auf sie. Die Wohnungseinrichtung versetzte er (nicht bei Rischeles), den Lohn in der Fabrik hat er versoffen. Als die Frau ihm Vorwürfe machte, beschloß er, in die Tschechoslowakei d u r ch z ugeh e n. Bocher schoß er den Rischeles nieder. Das ist also nach -dem Wahrspruch der Geschwovnen Sinnesverwirrung. Bor Gericht zeigt sich der Mann im Besitze seiner vollen Urteilsfähigkeit. Er leugnet das in der Untersuchung gemachte Gostaittmis der Dötungsäbsicht ab. Was die Witwe seines Opfers aussiagt, ergänzt sein Charakterbild. Er ist zu Rischeles gekommen, um von ihm «ine Bestätigung zu erhalten, daß er ihm nichts schuldig sei. Das ist im Lichte der wtt folgenden Tat ein Erpressungsversnch. Also alles in allem: Taugenichts, Aufschneider, Schuldenmacher, Ehebrecher. Schließlich Mörder. Frau RischÄe's sagt: „. . . d e r H e r r Mörder , < Die Geschwornen erkennen aus Sinnesverwirrung. jA Iud' war'Ä _ Sie Gerichtssaaloverette in Monketzville. Dvn Konrad Ward. So wie wir ans an Braltislava und Oslo, bic, wie noch Erümecklich omanal Pveßbnrig, neifpektive Chrlistiania hießen, vils ,geographische Bogrifse gewohnt haibw, worden wir uns auch noch Mit der Noenenklaiur einer Stadt Moukeyville zurechffmden müssen. Nicht zu verwechseln mit CovnMlle, eine .Stadt, die auch den Staff zu einer längst vom Sonntagnächmittagsprogromn: der Singspioltheator ohgeisetzben Operette obigalb, soaldevn die Stadt heißt iMonkehivAle, zu doutsch Affenstodt. Moukehville veete Dayton, Denneffee U. S. A. Bon der Existenz der Stadt Daytvn evstlhr der DurchschnittSwiener erst in der Zeit des ranzigen Specks und der Comed-beof-Widomli'e durch aufmerksames Lesen des Aufdrucks aiuif KondensnMchdojsen, auf denen ovläuternd hinzugefügt war, daß sich diese Stadt i'in Staate Tennessee beisindet — Pcvvdon, befand. Mer MoNkeyville ist, wie alle frlilsch Getauften, scheinbar sehr stolz aus seinen neuen Namen. Das ist recht so, denn hier wird seit einigen Tagen die zugkräftigste Operette aufgchühvt, aber sondererbavarweise Hu einem: Gerichtssaal. Diese 'Affenstadt ist heute vollbepackt mit Professoren, Rechtsa'Mvälten, «Photogvaphsn, Farmern und VhakigeMeidÄen Auslftügjlern aus aller Herren Gegenden. MoiM-Ville-Dahtons Hotels sind plötzlich überfüllt und das anständigste ist, wie dar Name sagt, das „Hotel Aqua". Hier ist auch der amierikanlische Richter Raulston mit Frau und gitwi Töchtern ahgestie>gen. 'Gr präsidiert in einen: Prozeß, den der amerikanische Staat gegen den SchMeihrer Soopes ans dem Grunde führt, weil der junge Lehrer es wagte, die Darwvnische Theorie van der Abstamnnrng des Menschen seinen Schülern vorzuitvagen. Diese Lehre stünde im schroffen Gegensätze z>n der in der Bibel ge'treulüch berichteten Geschichte der Schöpsimg. Eine solche HaiMu>ng, helißt es Wetter in der Anklage, ist geeignet den Frieden u>nd die ösferMche Ruhe iur Lande zu gesährden. Zum lleberflusse veribietet in Amerika das neu erlbassene, sogenannte Asfengssetz ausdrücklich die Bertbreitning solcher ilmveligliäser und antiisozialler Anschauungen. Der die AMage vertratende Staatsanwalt Brhan erklärte auch gleich bei Beginn der Verhandlu>ng, daß er die volle Rüstung des Herr,» angelegt habe, um solche iNebektäter unschädlich zu machen. Aber auch der Mchter Raulsto n, der mit einer großen Bibel unter dem eine,: und den: schwerer: Band eines Konversa>t.ionÄexikons amter dein andern Avn: den GerichtssM betrat, sing gleich am Anfang der Gerichtssitzung damit an, den Herr«: uu: seine Mitwirkuingli bei dieser Komödie zu ersuchen. „Möge die uwsehDarv Hand desjenigen, welcher der Urhsber aller Erkenntnis 'ist, eine jede Einer amtl'ichen HaiMunigen während dieses Prozesses ülberlloachen," sagte der Richter. Daraus sagte ein aniloesender .Pastor: „Amen." Dann begann Iudge Raulston, nachdem er den Preß- und Kinophotographen mit einen: Bnmd Kornähren in der Hand Modell gestarchon hatte, die Geschichte der Schöpfung aus der Bibel vorzuleisen. Dau:it wurde der erste Vormittag der Berhairdlung auSgesnttt. In der Mittagspause zeigte ein ZeitungSkaoNatupisl dein g'.etnttltig lächelnden StaatSawoallt Mr. Bryan sein Porträt als Ätenschenaffe. Woraivf der Gerichtshof sich in die Restauvanträninlichkeiten begab, nn: Erftischungen Nicht Moholischer Art einznuchimn. Bald sing die gartze Gesellschaft, WSUmt MveftMMkUAßl. OTTO OTTO Zur Ausübung meiner Tätigkeit habe loh miah In Berlin niedergelassen und behandle In dem.ärzttich geleiteten Tel. Bfsm. 3636 O. m. b. H. Tel. Blsm. 363$ Berlin, Kurf Urttendamm 62 Behandelt werden mit ärztlich nachgewieeehen Erfolgen sdlbst angeblich hoffnungslose Erkrankungen psychogener Art, wlet QemQit* Leiden Sprach-Leiden SexualstSrungen Ifsfelas / Neuralgie Neurosen Nervöse Kopffdtmerzen Voruntersuchung durch ärtzl. Autorität täglich von 10—1 Uhr Meine Broschflre „Die Heilung der Seele* 1094 ist zum Preise von M. 2.— bei obiger Adresse beziehbar einschließlich des zweijährigen Buben, der zu Beginn der Berhandluny aus einer Kiste die zwölf Geschworenen ansgolost hatte, und de.n: öffentlichen Ankläger Mr. Brhan, an, zur Begleitung der Drehorgelln einiger am Ort erschienener blinder Bottelnvulsikanten Kirchenlieder anzustiinmen. Während sich in den Korridoren PubWum nitd Anwälte in hitzigen theologischen Debatten ereiferten, zeigte sich, der vngöklayte Lehrer als der nnbeikmnmevteste Mann in Monkeyville. Er roste dtlrch die Stadt zur Verhandlung in einem: blauen He»nd ohne Hut in eine»:: Kleünau'to in Gesellschaft eiiver jungen Dame mit einen: Bubikopf. Sie erklärte den Reportern, daß es ihr zieinlich gleichgülttg sei, ob die Vorfahren ihres Bräutigams Affen oder Kaulquappen waren... * Der weitere Verlauf der Affenkomödie. Ucber bei: weiteren Verlauf des Affenprozesses in Dahton wenden aus New-Aork die erbaulichsten Dinge de- «richtet: Dahton ist zun: .Zentrum 'Mer möglichen religiösen Soktieror, vorwiegend aber Schwi.ndlcr geworden, die mit der Religion Geschäfte machen. So sieht die religiöse Morctl der Amerikaner aus, die sich zu deren Schutze Antientwicklu'ngsgesetze machen. In Dahton läuft jetzt ein Prediger herum, der sich bezeichnonder-vei'se ,ß ibelchan: pio n" nennt, und mach: sich öffentt-ich orlbötig, gegen Erlag von 4V Dollar jedermann die MÄiche Gnade und Erlouchtiung zu vermittln. Er findet ebenso reichlichen Zulauf lv'ie die Sekte der ,-iveißen GvangÄisten", gegen die sich aus Konkurrenzgründen bereits eine Sekte der „schwarzen GvangÄisten" gebildet hat. In diesem Hexensabbat von religiösem Wahnlsiml und Geschäft konbmen geradezu heidnische Formen vor: so verrichtet «ine Sekte der „heiligen Roller" ihre Andacht unter ohrenbetäulbendem Lävm nnd Primitivem: Tanzchythnms vor einen: mit Lumpen behängten, einer rieisigen Vogelscheuche ähnlichen Vaum. / - Es gilbt, erbitterte Streitigkeiten und Kämpfe. Um die Hochhaltnng des Aatientwicklnnigsgosetzes des Staates Tennessee bemüht sich alles, was in den Bereinigten Staaten reaktionär ist. Der ,-freiwiMge" Staatsanwalt Bryan ist ein Typus jener der europäischen Roaiktim: Ebenbürtigen nnd verblü.ffend ähnlichen anierikanischein Spezies, die in Siiwlairs^ „Pavadnnarsch" als völlig dongruent der WWÄiminischen Aera geschildert wird. Die Hauptstützen der „bedrohten Ruhe des Staates" sind die Leute vom Ku-Klux-Klan, die das ihnen in der letzten Zeit zieinlich stark abgMabene Terrain wiebvvgÄvinnen »vollen. Der Prozeß von Datsion soll für den Ku-Kilux-Klan anscheinend ein Art Bovspiel für die große „Heerschau" bilden, lve'lche d'iche Terrororgauisation an: 8. August in Washington äbhalten will und bei der es tvahrscheinttch zu blutigen Zusonvmenstößjen komnien .dürste. Der Kn-Ktttx-Klai:: Hut übrigens zu . dieser WaihingtEr Parade den Präsidenten Cool'idge eingÄaden, mit der Begrü'ndnng, daß der Präsident jüngst einer kaitholischen Tagung boigelvolhnt und dadurch die Katholiken bevorzugt habe. Ein Anttvort ist vom Weißen Haus noch nicht eingeilangt, aber schon jetzt regnet es Proteste der Katholiken, die bekanntlich, ebenso wie die Juden, vom Man verfolgt werden, gegen eine etwaige Teilnahme EoolidgeS an dieser Demonstration. \ Der eigentliche Prozeß >in Dahton wird in der u>ntM-rdigsten und läppischesten Form: geführt. Nach dem Mlichen Gebot, welches den Beginn jeder BorhaiMuwg oinleitet, wird eine Pause von 20 Mimiten gemacht, im: den Photographeu und Filmleuten Gelegenheit zu Ausivahmen zu geben. Me RechtAbolichvuug für die Prvzeßführung war eine derartige, daß jede sachliche Bühandlung des Prozeßgegenstan-dez uuinöglich wird, zuimal den Geschworenen (von denen ülbrigens kein oinziiger weiß, tvas der Inhalt der DarwinMMrie ist) erklärt wurde, sie hätten mir z:: entscheiden, oib das Antientwicklungsgejsetz dos Staates Tennessee durch Vorträge über die MstamnmngKlehre verletzt wurde oder nicht. Die Berieidigung des angoklagten Lehrers Scopes konzentriert ihre Boinühungen darauf, nachzuwoiseu, daß die Anklage den Grundgesetzen der amerikanischen V c t* fas snng, welche die Rede-, Lern- und Lehrfreiheit getvährleisten, widerspricht. Der Hanptvevteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Da r r o w, ist täglich Insulten und B e» ifchimpfungen ausgesetzt. 'Der Eindruck des Datstoner Prozesses ist kläglich. Er wird ,wch dadurch verjchärst, daß in der übervöWerten Kleinstadt durch Außerachtlassung der hygienische:: Vorschriften der T h p h >u s ausgebrochen ist. Was aber die Daytoner Geschästsiloute, welche dick verdienen, und die verschiedenen religiösen WuSmacher, Ivel che n:it der göttlichen Gnade Handel treiben, in ihrer guten Laune nicht stört. En: Mammut-Skandal in den: Land der Maiimint'-Zisfern! _15. Juli 1925_gete 5 Sie „Radelladuftrie" in Rew-Bork. Aus New - Nork wird m,s goschvieiben: „Ncedle WvBr«, wie die Schiröidarindustrie in Amerika genmrnt wird, wurde von jüdischen EiMvanderern in Anrerika eingesiihvt und besold ders in New-B-ork zu ungeahnter Mute gebracht. Die auierikani. eschen Blätter verzaichnen die Meldmvg, daß schon in der >ilächsten Zeit in New-Aork West, 42. Straße, ein Wolkenkratzer n:it zweiundvierzig Stvcktverken ausschließlich für Zwecke der Nvidalmdustrie erbaut worden soll, dessen Baukosten mit zehn Millionen Dollar veranschlagt wurden. Das ist ini'inerhin ein Beweis, daß die in den letzten Monaten verbreiteten Gerüchte von einen: Niedergang der jüdischen Industrie" in New-Aobk unbegründet sind. Das gcht übrigens Mich ans den jetzt herauLavge-i'.nen aurttichen statistischen Daten ans dom Jahre 1923 hervor. Hiernach gab es in: genannte-n Jahre in New-Aork 7288 (tut Jahre 1921 7487) Firmen für Fabrikation van »Herren- und Frauenkleidevn. In diesen Fabriken ltvaren 140.037 Personen lgegen 144.283 iflt Jahve 1924) beschäftigt. Das ergibt einen Aibfall von über 4000 Arbeitern. Demgegenüber weifen die erzielten Lohne «line 'bedeutende Steigerung auf. In: Jahre 1921 verdienten die Nadelapbelter in allen Falbriken zusanrinen 210^88.171 Dollar, während ihr Verdienst im Jcchre 1923 trotz verrinigerter Arbeitorzahl 212,873.289 Dollar betrug. Am intorcssantüsteu ist der Wertzuwachs der erzeugten Fabrikate der Nadöiindustvie. Im Jahre 1921 livurde der Wert der Produktion int Schneidergiwerbc mit 1.178,74,1.388 Dollar beziffert; in: Jahre 1938 belief sich der Wert der Produktion der „jüdischen Industrie" in New-Dort schm: auf 1.036,329323 Dollar, also nur oine halbe Billion inrohr als ttn Jahre 1924. Seiehrte als Verbrecher. Der »Fall des Dr. Gougra t in Marseille, von dem hier jüngst ausühr'ljch die Rede war, weckt die Erinnerug an eine andere Gestalt aus der glücklicherweise nicht schr zahlreichen Galerie der aus wissenschaftlichen Kreisen stammenden Verbrecher. Vor genau 75 Jahren erregte ein Fall, der sich in Amerika, und zwar in Boston, .zugetragen hatte, allgemeines Aufsehen. Cr führte später zu dem ,terü>hnrten Mordprozeß W e b st e r - P a r k m a n n, der einen erschütternden Einblick in die Seele eines geistig hochstehenden nnd allgolnein geachteten Gelehrten gewährte, der gleichwohl, ebenso wie jetzt der Arzt Bongrat, zum gemeinen Mörder herabsank. Der Sachv>erhalt, den Dr. F. M. Fctdha-us in einer lesenswerten Vioröfstntlichung schildert, war damals folgender: Am 23. November 1849 verschwand in Boston Doktor Parkmann, ein wegen feiner Humanität äußerst >beliebter Bürger. Parkiuann war Professor an der Havvard-'Universität in Boston. Die Nachforschungen >offe:Ä>arten die furchtbarste Bestialität 'bei einem sonst als liebenswürdiger Gesellschafter nnd bescheidener Mann bekannten Menschen. Dr. Webster, ebenfalls Proseffor «der Chemie an der Universität, schuldete Parkniann eine ,namhafte Summe nnd iwar überhaupt stark verschuldet, denn obgleich ein bedeutender Gelehrter, schätzte er die materiellen Lebensfreuden doch am höchsten, wie auch seine Briefe aus 'den: Kerker ibis zuletzt durchsetzt sind von Wünschen nach Effen, Trinken und Wohlbehagen des Körpers. Um die Schuld loszuwcnden, bestellte er, nachdem er alles bedacht nnd eingesädelt hatte, Parkmann am 23. November 1849 in fein Zimmer und erschlug ihn. Um die Spuren zu verwischen, gerftückÄte er die Leiche nnd verbrannte sie; znm Teil warf er große Stücke in >den Abtritt, andere Teile wurden, in Zinnkästen verpackt, gesitnden. Das Gericht erkannte ihn als des Mordes an Parkmann schuldig. Er wurde zum Tode verurteilt und am 30. August 1850 in Bbston Pngcrichtet. Wie konnte Webster so tief sinken? Cr war in vieler Hinsicht für die Wissenschaft von Bedeutung. Als Professor der Chemie und Geologie hakte er hervorragerrd an der Lösung dr Frage gearbeitet, wie die äußere Gestalt der Erdoberfläche von der Art nnd Lagerung der Geibirge abhänge. Ueberraschend und aufsehenerregend waren Websters elektrische Be rstärkungssyste me durch Dvahtwindungen. Statt die Drähte mit Seidendraht zu umspinnen, dichtete er sie nrit Siegellackfirnis ab und konstruierte starke Elektromagnete. Ein solcher Eisenmagnet trug ein Gewicht von 112 Pfund noch 21 Stunden, nachdem die Metallplatten von der Säure entfernt und vollkommen trocken >waren. Als Chemiker beschäftigte sich Webster, wie danrals sehr viele, nrit der Untersuchuirg der Meteorsteine. Auch eine Analyse des Meerwassers hat er vovgenommen nnd ist den heutigen Resultaten schon sehr nahe gekommen. Kurz, er war nicht bloß ein geistig fahr regsamer und bedeutender, sondern auch ein sehr vielseitiger Mensch: Chemiker, Physiker, Geologe, Mineraloge, Techniker, Ingenieur und leistete auf allen Gebieten Hervorragendes. Und dann ging er hin UlNd mordete. Die 75 iJahre, die seitdem verflossen sind, haben das Rätsel dieser Seele nicht zu lösen vermocht und nur neue Rätsel hinz:tgefügt. Wir wissen noch immer sehr wenig voneinander. __ Baden-Baden. Baden-Baden, das große Weltbad des Schwarzwaldec', liegt in einem besonders gesegneten Talkessel, der fast südländische Vegetation aufweist. Die Romantik des Oostales wird von den Erholungsreisenden in der ganzen Welt seit Jahrhunderten geschätzt, während die Baden-Badener Thermalquellen (gegen Gicht, rheumatische Erkrankungen und Katarrhe) schon von den Römern zu Heilzwecken benützt wurden. Diese außergewöhnlich natürlichen Vorzüge Baden Badens haben zu einer stetig steigenden Freqnenzzisfer ge-