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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-15 · Heft 2298 (15.7.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2298 (15.7.1925)
Date
1925-07-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wien, Mittwoch Wiener Mornemeitung. 1Z. Mi 1926 SeiteS 44 „Friede und Freiheit. Die Sffentliche Bersammwn» l« Anarbruck verboten. Kr. SS8S Ae billige «eisevepLüverfichermg im Luchlaubenhof Telephon 87-2-08 Telephon 67-8 08 krminifter Klotz rum Senator gewShlt. Paris, 14. Juli. Der gewesene Minister Klotz kviltvde in: Wahlkreis La Sonrme, den er in 'der Kammer vertritt, auch in den Senat entsendet. Damit ist die Zahl der jüdischen Senatoren inr Palais Luxembourg auf sechs gestiegen. Die jüdischen Mitglieder des französischen Senats find: C r e n: i e u x, R a p h a c l - G e o r g e s, Le v y, LiZboune, Lazare Weiller und Klotz. Der gewesene Generalsekretär beim Ministerrat int Kabinett Herriot, Alexandre Israel, ist seirtem früheren Chef ins Palais Bourbon gefolgt. Er wurde ijytMtt Kabinettsdirektor des Kammerpräsidenten Herriot ernannt. Ferner wurden ernannt: Ter Auditor erster Klasse beim Staats rat, Reue Mayer, zum Kabinettschef des Ministers für öffentliche Arbeiten, N. Wormser zum Ministerialrat im selben Ministerium, Armand Zitves zum Kabincttschef des Staatssekretärs für die 'befreiten Gebiete und Strauß zum Attache im selben Ministerium. Dr. Mossinson beim Pröstdenten der Republik Chile. London, 12. Juli. Dr. Mossinson, der Leiter der KeDen-Hasessod-Kanlpagne in Südamerika, ist in Santiago (Chile) eingetroffen, wo er vom Präsidenten der Republik, der welchen: er durch den britischen Gesandten eingesührt worden ist, empfangen wurde. Präsident Alessandri bewies in seiner Begrüßung sein tiefes Interesse für den Zionismus «und Versicherte Dr. Mossinson feierlich der unbedingter: Unterstützung des Zionismüs durch Chile beim Völkerbund oder wo sonst sie vonnöten sein sollte. Dr. Mossinson machte im Lause seiner Kampagne aus die jüdische Bevölkerung Chiles einen außerordentlich liefen Eindruck. Es gelang ihn:, für den Keren Hajessod 2000 Pfund aufznbrillgeii. §ine Föderation der Wischen Kolonisten Argentiniens. Buenos Aires, 10. Juli. (I. T. A.) Auf einer Kon. feKttj von Delegierten aller -von ver I c a gegründeten jüdischen Kolonien in Argentinien wurde beschlossen, eirie F ö d e r a t i o « zu bilden, die alle -jüdischen Kolonisten Argentiniens vereinigt. Die Konferenz behandelte auch da's Problenr der Kolon i s i, >e r nt n g der Söhn e der jüdischen Farmer, die Gründung. einer K r e d i t b a n k, die Beziehungen zur Jca nsw. und nahin entsprechende Beschlüsse an. Unter anderem würde die Gründung eines K o lo n isa tio n ssvnds beschlossen, der, auf den Prinzipien des Jüdischen Nation« Iso nds basierend, für Landaukauf zwecks Ansiedlung von Kotonisterlsöhner: verwendet Werder: soll. kin neues Kulturunternehmen für ValMna. Von Dr. Radia Ornstein (Toronto). Mohr als man sich's irr der Regel vergegenwärtigt, leiden unsere Pioniere in Erez Israel unter kultureller Jsoliermrg. Der Kontakt mit dem geistigen Leiben, das Wissen mn die kulturelle Entwicklung der außerpalästinensischen Welt, die T.eilr:ahn:e an den Fortschritten in Kunst und Wissenlfchast, all diese den Reiz des Daseins erhöhenden Werte gehen denr Chalnz zrun größten Teil verloren, sobald er sich einer der Reiner: Siedlungen im Innern des Landes erngliedert. Die Möglichkeit, sich aus Büchern und Zeitschriften zu unterrichten, ist für ihr: auch sehr gering. Selbst stvenn, er sich diese leichter und regelmäßiger beschaffen könnte, als es der Fall ist, so isf er doch des Abends nach einem Tage anstrengender Arbeit meist viel zu müde, um viÄkfach auch noch bei schlechter Beleuchtung und in ungeeigneten Räumlichkeiten Ausdauer zur Lektüre zu finden. Der Chalnz ist aber durch Vererbung und Studium geistig zumeist leidenjschaftlich interessiert rurd er c&cuu: bei bloß inranueller Beschäjftigung sich ivic erlöst fühlen, soviel religiöse Weihe die gröbste Arbeit in Palästina heute auch unrgibt. Nrrn bieten ihm zwar die sozialeil Probleme, die in derr Sivdtmrgsgemeinschastert und inr gesarnten Aufbaulbauwerk Palästinas ständig zrrr Disknssiorr stehen, unerschöpflichen Stoff, zum DerEerr mch der Elan, nrit dom er sich in die Debatten, zu ihrer Klärung wirft, beweist, wie gierig er diese Gelegenheit zur geistiger: Aktivität ergreift, aber das ist auch der einzige geistige Anreiz, der sich ihm bietet. An derr großen Feiertagen allerdings ftvänteu die Chaluzirn in die Städte, und wenn sie auch zuweilen Tag und Nacht wandern müssen, so lassen sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen, ein Konzert zp hören, eilt Theaterstück zu sehen oder einen: berühmten Redner zu lauschen. Doch das ssmh Mygere Untechrechungen eines eintönigen, harter: Innsbruck, 14. IM (Korr. Herzog.) Die für heute abends in Mssicht genommene zweite öffentliche Versammlung des hier stattfindenden Kongresses 'der Internationalen Fvanenliga sü r Re cht und Freiheit, in der vier Römer, darunter die Präsidentin des Kongresses, D u ch e n, über „Wissenschaft und Frieden" sprechen sollten,. wurde von der Landesregierung mit der Begründung verboten, daß die Befürchtung bestehe, daß sich die gestrigen Unruhe:: in verstärktem Maße wiederholen und sich ernste Zusammenstöße ereignen könnten. Der Führer der Deutschfreiheitlichen, Stadtrat Dr. Pembauer, «Märte gegenüber 'dem Innsbrucker Vertreter der Korrespondenz Herzog unter anderem: Die Franenliga, die in Innsbruck eine öffentliche Versammlung abhielt, setzt sich aus verschiedenen Damen zusammen, von denen einige, wie 'besonders d i e englisch sprechenden, von dom besten Willen für den Frieden der Menschheit beseelt sein möge::. Unsere Abneigung richtet sich lediglich gegen die reichsdeutschen Mitglieder dieser Liga, vor allen: geger: Frl. Lilli I a n a s ch, die ein Buch, ,/Deutsche Kriegsgreuel in Belgien", verfaßt hat. Diese sogenannten internationalen Tanren deutscher Sprache stellen sich aus der: Standpunkt, Deutschland habe allein die Schuld am Weltkriege, und arbeite.« mit französischem Gelbe in ihrem Berlage „M e n s chheit" in Wiesbäden unter dem Schutze der französischen Besatzung lediglich in französischen Diensten. Bezeichnend für die traurige Tätigkeit, solcher die deutsche Nation schwer schädigenden deutschen Frauen iist die Tatsache, daß diese Kommunistinnen wie Frl. Janasch nicht allein von den gesamten Prot estantischen und katholischen nationalen Frauen- Vevbän'den Deutschlands schärfftens verurteilt werden, sondern daß auch die sozialdemokrattsche Partei an vielen Orten diese Frauenarbeit deutscher Selbstbeschmutzer entschieden äblehnt. Um so bedauerlicher ist c's, wenn unsere Tir.oler Kreise diesem inter- Letzte Kurse. New-Borker Devisen. New-Bork, 14. Juli. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.86*/„, London Scheck 4.81?/,, Amsterdam 40.06, Paris 4.70, Brüssel 4.64'/,'/., Rom 3.69, Madrid 14.52, Zürich 19.41, Stockholm 26.86, Oslo 17.94, Kopenhagen 207/s, Wien 0.14, Budapest 0.14, Prag 2.96»/., Belgrad 175-/«, Athen 160»/„ Buenos Aires 0.407/18, Rio de Janeiro 11.20, Bukarest 0.48. Amerikanische Getreidemärkte. New-Borb» 14. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 1727/s, Weizen hart Winter 173V», Mais 124»/., Hafer 55»/4, Roggen 114»/*. Ehikago, 14. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 157»/4, September 1537/», Dezember 154»/3; Mais per Juli 10672, September 108»/4, Dezember. 893/g; Hafer per Juli 45»/„ September 47. Dezember 493/8; Roggen per Juli 98, September lOl3/«, Dezember 105. . und entbehrungsreicher: Daseins, und der Chaluzim, der früher einmal in geistigen Interessen aufging, trägt schwer, wenn auch resigniert an seinem kulturellen Exil. Er nimmt es schweigend hin als eines der dielen schmerzlichen Opfer, die sein Pionierdasein von ihn: fordert. Es langt ja nicht zu der: dringendsten und nottvendigsten Verbesserungen in seiner Siedln ngsge me ms chast. Wie dürfte er da Luxus- Wünsche nach geistiger Anregung laut werden lassen? Und doch, wie leicht wäre hier abzuhelfen! Wie leicht wäre es, diese geistige Not zu mildern und unseren Chalnzim eine Quelle edelsten Genusses zu eröffnen! Leber: wir nicht in einem Zeitalter, das eine Meisterschaft darin erreicht hat, das isolierte Individuen: an allem teilnehmer: zu lassen, tvas irgendwo im Weltall vor sich geht? Karu: der einzelne heute, still in einem bequemen Sttchle lehnend, auf einem Stück beleuchteter Leinwand r:icht die geheimsten Naturvorgänge an sich Vorbeizivhen lassen, die der Gelchrte in feinem abgefchiodenen Laboratorium unter dem Mikroskop nur miihsam verfolgt, kann er nicht rrtttleben, was mächtige Menschenmassen ar:f einen: entfernten Kontinent irv Erregung versetzt, karm er nicht die verborgensten Schönheitert fremder Länder bestaunen, die oft rrur des Forschers Fuß betrat? Halter: Photograph und Kiuematograph nicht bis auf Farbe arnd Rhythmus getreu für ihn fest, tvas sich zwischen Erde und Himmel abspielt? Unsere kapitalistische Welt hat es freilich verstanden, auch diese rnwergleichliche Erfirrdung, die wie keine andere Kulturzwecken zu dienen vermöchte, in ihr Gegenteil zu verkehren, urrd selbst in den Palästinensischen Städten werden heute schon dieselben Schundstücke gespielt, die in den Borstadtikirros Europas und Amerikas Charakter und Geschmack des Publikums verderben. Aber es gibt glücklicherweise einige wenige gerneirtnützige Unternchmungen, die der wahren Funktion des Films gerecht zu werden trachten. Was die Urania vor: Wien und Berlin tut, un: die erzieherischen Möglichkeiten, die irr: Filu: liegerr, ausznbertter:, das zeigt die Richtung, in der in Palästina erfolgreich gearbeitet iverden könnte. Technische r:nd nairrrwissenschaftliche, larrdnationalen Verbände. ihre Teilnahme widmen, in dem solche Mitglieder wie Frl. Janasch ihre Tätigkeit ent. falten können. Im übrigen ^hat diese Frauenliga wohl gegen den Krieg und für die Abrüstung gesprochen, kein Wort aber gegen die U n t e r d r ü ck u n g der Deutschen in den widerrechtlich geraubten Gegenden übrig geihabt, die darin besteht, daß Recht und Wahrheit, Freiheit und Frieden für alle Völker durch bezahlte Lüge ersetzt wird. * Diese famose Erklärung trifft nicht das Wesen de: 'Sache. In der Innsbrucker Versanrmlung wurde kein Wort gegen dieses Fräulein .Janasch gesagt, die Aricrin ist, wohl aber unaufhörlich: „Pfui, Juden!" geschricn. Das ist das einige Argument, das der deutsche Nationalismus kennt. Damit erschöpft sich sein politischer Inhalt. In Innsbruck rveiß mar: übrigens sehr genau, daß sich die Hitlerei mit Italien über Südtirol verständigt hat. Was soll also das Gefasel dieser Dcutschfreiheitlichen von Wahrheit und Recht? Wie man so was amtlich meldet. Aus I n n s b r u dt wird unterm 14. d. amtlich gemeldet: Die für heute abends angesagte zweite öffentliche Versammlung der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit ist vor: der Landesregierrlng aus Gründen der öffentlichen Sicherheit verboten worden, da zu befürchten stand, daß sich die gestrigen Zwischenfälle in v e r st ä r k t e n: Maße wiederholen würden. Außerdem sei, wie es heißt, die geplante Abhaltung der Versammlung polizeilich nicht v 'v r s ch r i f t smäßig gemeldet gewesen, so daß auch aus diesem Grunde ein Verbot hätte ergehen müssen. Abends hatten sich vor den: Bersammlungsloka'l zahlreiche Nationalsozialisten und Sozialdemokraten eingesunden. Die Wache hatte entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Es ereignete sich kein Zwischenfall. Der Vorstand der Frauenliga beabsichttgt, für morgen eine aus Einladungen lautende Versammlung einizuberusen. Ein Zwischenfall durch aufdringliche Kolportage von Hakenkreuzliteratur. Auf dem Franz-Josefs-Kai gab es gestern abends einen kleinen H a k e n k r e uzl e r r u m m e l. Schon seit mehreren Tagen war bei der Schwede nbrücke vor dem Cafe S i l l e r eine gesteigerte Kolportage von Hakenkveuzblättern' zu konstatieren. Gestern entfalteten an dieser Stelle gleich sechs bis acht solcher Verkäufer ihre völkische Tättgkeit. In ihrer Umgebung hatten sich in Gruppen von drei bis vier Personen ungefähr 40 mit Stöcken ausgerüstete Häkenkreuzträger postiert. Die Kolporteure und ihre Begleitmannschaft begannen am Abend die Passanten zu haranguieren, indem sie ihnen in provokartter Weise ihre Schmierblättchen anboten. Es kam zu Wortgefechten und Beschimpfungen. Die Wache schritt ein. Eine Perfor: wurde auf die Wachstube geführt. Mehrere wurden angehalten. Die Nan:en und Adressen jener Beanständeten, die nicht zu den Völkischen gehörten, wurden von Hakenkreuzlern' gleichfalls notiert. Um 8 Uhr herrschte das gewohnte Straßenbild. wirtschaftliche und geographische, literarische und hygienische Filme, Filme aus dem Kunst- und Sport- und dem politischen Tagesleben, begleitet von erläuternden Vorträgen, musikalischen und TanzvvrfU)vungen, zu denen die Siedlungen selbst die Miitwirkendei: stellen könnten, das wäre die Art der Unterhaltung und Belehrung, die au>f eine enthusiastische Aufnahnre bei unseren Pionieren rechnen könnte. Wenn solche Eingelvorträge und -Vorführungen auch nienmls fystematische Lektüre ersetzen können, so find fk doch unübertroffen darin, dernjenigen, dem Zeit und Kraift zu eingehenderen Studien sthlt, ein wunderbar anschauliches und eindrucksvolles Bild aus den fremdesten Gebieten der Forschung zu vermitteln und ihn über Kulturereignisse aus dem Laufenden zu halten, die vielfach für sein Schicksal entscheidend «werden körrner:. Wr die jüdiifchen Kinder aber, die heute in einem Winkelchen des schrnaler: Landstreifen Palästina arffwachsen und die weder den internationalen Hintergrur:d kennet:, auf dem ihre Eltern groß geworden sind, noch auch die Bildungsmöglichkeiten haben, die jenen zugänglich warer:, würden diese Filmvorsührunger: erst richtig das Weltbild eröffnen, wie es ein Mensch des zivanzigsten Jahrhrmderts in seiner Seele tragen soll. Und erst dann, «ivenn sie sich als Teil und Bürger des Universums erkennen werden, werden sie es verstehen, ihr Wirken rrnd Sein in: beschränkten Umkreis zu einer Bedeuttlng für die Welt zr: erhebe::. Das große Ku>lturur:terr:ehmer:, das die Gründung einer Urania für Palästina tväre, lkörutte ganz bescheiden beginnen als ein wanderndes Kino. Ein Apparat, ein Vortragender, e: n -Operateur urrd ein paar Dutzend sorgfältig gervählter Filme, die die Runde durch alle Siedlungen nrachen würden und in: Winter im geschlossener: Raum, im Sommer irr: Freien gespielt tverden könnten, würden schon kostbarste Kulturbotschaft überall hintragen. Allrnählich könnte diese Wanderorganisation — vielleicht als eir: Teil der Hochschulen — zu einer umfassenden Polksbildullgsirlstitutior: ausgestaltet tverden mit einem Apprat in jeder Siedlung, «nt einen: zentraler: Bevlei-

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