Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2297 (14.7.1925)
- Date
- 1925-07-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981382--23336-3010843- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mh t Wta» Wmttofl_Rfeitte i«. Fu« 1B2C »t. an Beteiligt Euch an der Aktion der Wiener jüdischen Kaufmannschaft zugunsten des Keren Kajemeth! Spendet aus Eurem Warenlagerfür den Kongreßbasar! Spendenanmeldungen werden entgegengenommen: Bureau des Keren Kajemeth, /., Kdmtneretraße 28, Telephon 71-4-85, 77-4-86 der russische Militarismus in Bewegung gekommen, und der Generalissimus Frunse hat auf dem letzten Sowjetkongreß sehr eindrucksvoll mit dem Säbel gerasselt. Der Raufradikalismus mit seinem Fehderecht fühlt sich. Dieses Jahr Hai ihm viele Geschenke gebracht, von dem Zusammenbruch des Genfer Protokolls angefangen bis zu dem Sicherheitspakt, der keiner ist. Am Abschluß dieses Stadiums steht einstweilen die Front von China bis MvroKo. Die Demokratie und der Sozialismus versagen auf allen Punkten, weil sie nicht die innere Kraft des WDerstandes besitzen. Der französische Sozialismus tritt in den Winkel der Opposition und zwingt Männer wie Caillaux und Painleve zum Kompromiß mit den Nationalisten, Royalisten und Militaristen. _ §ln Wim-Abkommen? England, Japan und die Vereinigten Staaten. Lorchon, 13. Juli. (Havas.) „Daily Expreß" berichtet aus Tokio, daß zwischen England, Japan und den Bereinigten Staaten von Amerika ein geheimes Abkommen über die Aufrechterhaltung der Einheitsfront in China abgeschlossen worden sei. Der amerikanische Standpunkt. London, 13. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Washington: Staatssekretär Kellogg, der Ende vorige Woche eine Konferenz mit Coolidge gehabt hat, gebe bekannt, das Leitmotiv der amerikanischen Politik gegenüber China werde sein, daß China seine vertraglichen Verpflichtungen in vollem Umfange beobacht» und das Leben der Ausländer schützen müsse. Boykott und Streik. London, 13. Juli. Wie das Reutersche Bureau ans Hankau erfährt, hat die dortige chinesische Handelskammer beschlossen, finanzielle Maßnahmen gegen die b r i t i sch e n B a n k e n zu treffen. Ferner soll die Kammer beschlossen haben, die Handelsbeziehungen pt englischen Firmen obzubvechen und die m britischen Geschäften angeftellten Chinesen zum Ausscheiden aus ihren Stellungen zu veranlassen. Nach einem Reuter-Telegramm aus Tschangscha traten dort die Kulis am 10. d. in den Streik. Man befürchtet, daß am 14. d. ei» allgemeiner Streik ausbrechen werde. China will verhandeln? London. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Peking begab sich der chinesische Außenminister gestern in alle europäischen Gesandtschaften und ersuchte die Gesandten um Wiederaufnahme der Unterhandlungen über die Zwischenfälle in Schanghai. Ehamberlains Bilanz bet Kämpfe in Kanton. London, 13. Juli. (Tel.-Komp.) In der heutigen Unterhaussitzung erklärte Chamberlain aus die Anfrage eines Abgeordneten der Arbeiterpartei, daß die englische Regierung die genaue Zahl der Opfer bei den jüngsten Zwischenfällen im Europäerviertel in Kanton nicht kenne. Man habe von 30 Toten und 60 Verletzten auf seiten der Chinesen gesprochen, doch sei es möglich, daß deren Zahl größer sei. Die Verluste aus seiten der Europäer seien bekannt. Es sei ein Fran z o se getötet und vier Engländer und ein Franzose verletzt worden. Auf eine weitere Anfrage erklärte Chamberlain, daß die englische Regierung nicht die Absicht habe, Truppen nach der Tangerzone zu senden. Amerikas Mverrungsvolitik. Keine Einwanderungserlei chlerungen. Aus New-Pork wird uns berichtet: Vor kurzem fand hier die 16. Jahresversammlung der Mischen Einwandererhilfsorganisation Hebron Jmmigrants Aid Society (Hias) in Anwesenheit von 500 Delegierten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten statt. Der Einwanderungsminister Davis ließ sich durch seinen Sekretär Husb a n d vertreten. Mr. Husband hielt eine längere Rede, in welcher er den Standpunkt des Einwanderungsamtes abermals Präzisierte: „Unsere Ansichten über das Einwanderungs- Problem gehen Wohl stark auseinander, aber darin ist auch die Regierung mit Ihnen einig, daß die Interessen der Einwanderer, die das Recht besitzen, ins Land hereingelassen zu werden, sowohl bevor sie hierher komuren als auch nach ihrer Lündung hier mit allen Mitteln geschützt werden müssen. Ich weiß es aus meiner langjährigen Erfahrung in Amerika und in den verschiedenen Ländern, daß ein ganzes Heer von Schwindlern, A b e n t e u r e r n und Ausbeutern auf die Opfer unter den Auswanderern lauert. Selbst in Wakbinatop baben wir Leute, die vorgeben, daß sie die Macht hätten, den Einwarckerern dienlich zu sein und sich für gute Dienste, die sie jedoch nicht zn leisten vermögen, gut bezahlen lassen. Eine unnachsichtliche Arbeit der Hias zum Schlitze der jüdischen Wanderer gegen alle diese Schwindler wird auch von der Regier u n g als segensreiche Tätigkeit begrüßt und gefördert." Mr. Husband erklärte in seinen weiteren Ausführungen, daß keine Hoffnung vorhanden sei,' daß in naher Zukunft Erleichterungen in der Einwanderungsfrage Platz greifen iwürden. Die Bewohner Amerikas müssen sich daraus gefaßt machen, daß sie noch lange Zeit ihre Verwandten irr Europa werden unterstützen müssen, damit diese dort bl eiben können, wo sie gegenwärtig sind. Mr. Husband gab schließlich der Hoffmrng Ausdruck, daß nach Durchführung des netten Systems, welches die Untersuchung der Einwanderer in den Answandedungsländern Vorsicht, das Einiwanderungsamt in Ellis Island ganz werde ausgelassen werden können. Der Bericht der Hias-Geitung wurde zustimmelld zur Kenntnis genommen und dem Vorstand das Absolutorium erteilt. Di« ausscheidenden Mitglieder des Direktoriums, Morris Oschowski, Josef Barondes, Josef Boskun, Aaron Benjamin, Joses I. Jron, Harry Fische!, Abraha m Hermann, Rev. Philipp I a ch a s, Alexander Kahan, Max P i n e und Mttharr Rogen, wurden auf drei Jahre wiedergewählt. Louis Marshall kommt nach Kuropa. New-Aork, 12. Juli. (I. T. A.) Anfangs IM begab sich «der Präsident des amevAanisch-,jüdischen Komitees und Vorsitzende des. Rettungskomitees für jüdische.Flüchtlinge (Emergency. Committee), Mr. Loui's M a r s h a l l, an Bord des ,Majesiie" auf M Reise nach Europa. Marfhall wird sich zunächst nach Gens begeben, und zwar in der Angelgenheit der jüdischen Flüchtlinge. Dann reist Marshall nach Paris, wo in einer Konferenz mit dem Präsidenten der amerikamsch-,Mischen Immigranten - Hilfsgesellchaft ,-H i a s", Mr. John L. Bernstein, den Vertretern der Jewish Colorcksatio« Association (Jca) und dem jüdischen Em igrativnSdirektorium die dringenden Flüchtlingsfragen behandelt werden sollen. Ne gewish Ageactz. Der Parteirat 'der Bnkowinaer ZiomPischen Landes, organifation hat in feiner nur 17. Juni abgchaltenen Sitzung in bezug auf die Erweiterung der Jewifh Agency die folgenden Beschlüsse gefaßt: Die Heranziehung aller zur aktiven Arbeit «n Palästtnaausbau auf dem Boden der Balfour-DeUaration bereiten Teile des Mischen Volkes darf nur mtter Wahrung nachstehender Gesichtspunkte erfolgen: 4. Führung einer zielbewutzten nationalen PoliÄ und entschiedene Zurückweisung aller Versuche zn einer Abs ch wach ung der Balsonr-Dek l a r a t i o n. 6. Sicherung der nationalen Prinzipien des PalästinaauMues und Bekämpfung aller Versuche 'der Einführung eines philanthropischen Kolon isat io ns sh sie ms, Sicherung 'der Hebraisierung des palästinensischen Judentums durch den Ausbau und die Förderung des hebräischen Schulwerkes. 3. Es können nur solche Gruppen in die Jewish Agency ausgenommen werden, von .denen zu erwarten ist, daß sie die Verantwortung für die Deckung eines Teiles des Paläst inabudgets übernehmen werden. _ La» ..Schwarzbuch" über Mauen. Aus K o w n o wird uns berichtet: Die jüdische Fraktion im litauichen Landtag 'hat soeben die Sammlung von Dokumenten über die Behandlung der Frage .der Autonomie der Juden in Litauen abgeschlossen. Die Aktensammlung wird demnächst in Form eines „Schivarzbuches" der Oeffenttichkeit übergeben werden. An diesem Schwavzbuch haben auch die gewesenen Minister fiir jüdische Angelegenheiten in Litauen, Dr. Rosen bäum und Doktor S o l o w e i t s ch i k, mitgearbeiiet. Gegen die bolschewistische Propapanda. Genf, 13. Juli. (Schweiz. Dep.-Ag.). Die internationale Elltente gegen die dritte Juternatioanate richtet in einem Memorandum, das von den Vertretern von 21 europäischen Staaten angenommen wurde, all die europäischen Regierungen, an die der Bereinigten Staaten und Japans die dringende Aufforderung, die Initiative. zu ergreifen, zur Herbeiführung eines Uebereinkommens Unter den verschiedenen Regierungen $u dem Zwecke, gemeinsam gegell die Propaganda uub revolutionäre Tätigkeit der dritten Internationale auMt roten. ..Annäherung." Avschrveichuna per «nnbifchen Opposition. Bon Pierre van Paasser». Den nachfolgenden Artikel ftnden wir im letzten Heft des New-Aorker „New Palestine". Wir hatten die Ausführungen des Autors für bemrkenSwert genug, nm sie wiederzugeben, wollen aber betonen, daß die politische. Beweisführung in vielem den Grundanschanungen des Zionismus widerspricht. Nach meiner Auffassung bestehen die zwar Wünsche einer reellen zionistischen Politik in folgendem: erstens in der Pflege guter Beziehungen mit den Arabern in Evez Israel und zweitens in der Erhaltung einer günstigen öffentlichen Meinung in England, weil das der einzige stützende Machtfaktor des ganzen zionistischen Experiments ist. Um aber eine solche Politik engerer Cooperation und ,-Annäherung" mit den Arabern zu erreichen, muß man die Ziel« doS arabischen Nationalismus verstehen und feststellen, ob und in welchen Punkten der arabische Nationalismus zur Errichtung eines Mischen Nationalheimes in Gegensatz steht und ob die Opposition bloß aus die an- «säsisige arabisch Bevölkerung beschränkt oder .in Wirklichkett einAusfluß des PanarabiSmns ist. Bei der Untersuchung dieser Frage muß man sich vor Allgen halten, daß der Charakter des Panarabismus hellte vollkommen verschieden ist van dem der gleichnamigen Bewegung vor etwa zwölf Jahren. Denn der Pa-narabisntus ist jetzt eine weltliche Bewegung, weltlich zum erstenmal seit den Tagen der großen Kalifen. Mich die arabische Welt ist voll von sozialen Gegensätzen und stellt ein Gebiet reich an Höhen und Niederungen dar, ans dein alle Schichten zu finden sind, vom philosophischen Universalismus bis herunter zn Bevölkerungsklassen, die in denkbarst tiesster menschlicher Erniedrigung, in Elend, ohne Hoffnung in die Zukunft leben. Die letztgenannten Klassen sind in Erez Israel vorherrschend. Die Geischichte ist wich <m Farben! und Nuancen, in Wahrheit wird jedoch ihr Lauf durch wirtschaftlich c Bedingungen bestimmt. Deshalb muß sie auch nach wirtschaftlichn Gesichtspunkten beurteilt und erläutert werden. Das heißt, daS wir bei Behandlung der arabischen nattonalistsschen Bestrebungen vor allem nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der untersien Schichten der arabischen Gesellschaft forschen müssen. Ans Grund einer Reihe von Befprechltugeu, die ich jüngst in Amerika mit Mtellektmllen Arabern hatte, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß die Gerüchte von einer rein arabischen Gegnerschaft Är Erez Israel stark üVertrieben sind und die Schürer der Bewegung nicht durch- Wegs der arabischen Nationalität angehören, sondern Emissäre des französischen Religi on s i ni p er.ialism«- ««b syrische Christen sind. Die Situation erscheint mir eher <ü& ein Nachwehenzustand aus den ersten Tagen unmittelbar nach der Befreiung Erez Israels vom Joch des oktomamschen 'Reiches, als die Verwaltung des besetzten feindlichen Gebietes mit ehemals türkischen Beamten und syrischen Christen überfüllt 'war, welche ihre Stellung zu fortgesetzten Politrs chen Intrigen und zur Schüvuing der Gegnerschaft gegen >den 'Zionismus benützten. Das war jene Zeit, in der die Offiziere in Pailäsiina als Antisemiten bekannt waren, da alles Jüdische rmd cHebräiifche sabotiert wurde und das heilige Lmch «ine BMtstätte für syrische und ägyptische Jnkrigen und Komplotte war. Es «war die Zeit, >da der arabische Gutsbesitzer die angestrengtesten Versuche machte, seine despotische .Gewalt über die Bauern zu retten. Eine Besserung der iZusiände trat erst . ein, als die Zionisten Männer als Führer in den Vordergrund stellten, die «den Respekt der britischen amtlichen Kreist, der öffentlii'chen 'Meinung und in Konsequenz bcffeit den Respekt und das Bertmuen der militärischen rcud admiutstrativen Chefs in Erez Israel selbst erzwv'Ugen. Die Erfolge des Zionismus in Erez JsmÄ werden auch in Zukunft zum großen Teile davon aMngen, ob seine Führer das B e rtrauen der Vritischein Regierung besitzen und mit ihr in enger Fühlung sichen. Man darf nicht glaube», daß Britannien in erster Reihe zu größeren^ Ruhm Gottes dder zur Verwirklichung irgend eines großartigen utopiistischen EvneuevllugZtrau'Nles in Palästina ist. T a t s a ch e i st, d a ß E n g l a. n d l il P alästina isi, weil sein Leben da ra n hängt, da ß es dott sei. Es ist ein Teil seines Progranunes für die Beiherrschung der Welt. So lauge die Zionisten Mäuuer haben, ans die nmn sich hinsichtlich einer Cooperation mit den britischen Interessen verlassen kauu, ist der Zionismus im Aufstieg. Ist das wicht der Falt, sv wird sich England anderswo nach Männern umschen, mit den«« es in der Lösung des ewige» PrMems im nahen Orient beraten und arbeiten kann.