Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2297 (14.7.1925)
- Date
- 1925-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 1 Polen?HO flroml Wien: Zum Abholen in der Expedition, 1L Taborstr. 1-3, oder ln einer Verschleisstelle Trafik) monatt. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma O o 1 d Schmied, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheeho'Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nadiaahlaageti M Frei* erh6htingea Torbehalfea Wiener Heut« IFA.PALAST.KINO M Taborstrasse I Der Handsctilas *■. ',.8. 9 t'hr orgemenung fm England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Ure: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.IOOLewr. Schweix und das übrige Ausland monatlich Frcs. S Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei!g. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rk. 2297 Wien. Lienstag. 14. Juli 1928 7. Jahrgang Jugoslawien und Sesterreich. Sin «ene» Anschlußverbot. - Segen die Propaganda für Grenzberichtigung gegen Jugoslawien. Belgrad, 13. Juli. (Avala.) In Beantwortung einer Interpellation des Abgeordneten Smedej erklärte honte Minister für Acnßeres Nincic folgendes: Nach dem Text des Artikels 88 des Vertrages von St.-Germain, des ersten Genfer Protokolls und des Artikels 80 ides Vertrages von Versailles wäre jeder Anschluß Oesterreichs an Deutschland, der sich nicht im Sinne der Vorschriften dieser Verträge vollzöge, eine schwere Verletzung dieser Vertrage, und unser Staat könnte natürlich gegenüber einer solchen Verletzung nicht gsleichMig bleiben. Unter Standpunkt deckt sich hierin mit dem aller uniserer Freunde und V e r b ü n d e te n, die der Ansicht sind, daß eine Verletzung des in den Verträgen'begründeten Statuts nicht nur die guten Beziehungen, sondern darüber hinaus wahrscheinlich den so teuer erkauften europäischen Frieden in Gefahr brächte. Was die von geiwissen alp e n l ä nd if che n Kreisen geführte Bewegung zugunsten des Anschlusses slowenischer Gebiete, das heißt des Drautales mit Marburg, an Oesterreich anbelangt, so'kann ich nur sagen, daß ich diese Bewegung nicht ernst nehme. Sollte sic jedoch einen bedeutungsvolleren Charakter annchmen, so würde sie eine Verletzung jener Politik gutnachbarlicher Beziehungen mit sich bringen, die unseren Wünschen und dem allgemeinen internationalen Bedürfnis entspricht, in die Beziehungen der ouropäifchen Staaten mehr Aufrichtigkeit und Vertrauen zu bringen. Wir wären dann gezwungen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den Frieden'und die Sicherheit unserer Bevölkerung zu gewährleisten. Was die Möglichkeit einer Z u st i m nt u n g der inieressiericu .Hauptmächte zum Anschluß Oesterreichs an Deutschland anbelangt, so kann ich nur antworten, daß es schwer ist, sich vorzustellen, daß hie wichtigsten interessierten Mächte, die im Völkerbund vertreten sind, diesem Anschluß zustimmen könnten. Bezüglich der kommerziellen Verhandlungen Mischen Oesterreich und dem S. H. S.-Staat erklärte der Jer Berliner Besuch des ungarischen Unterrichtsminifter». Ein jüdischer Protest gegen Klebelsberg. Berlin, 13. Juli. (I. T. A.) Der preußische Kultusminister hat den ungarischen Kultusminister Grafen Kuno Klebelsberg eingeladen, nach Berlin zu kommen und hier einen Bortrag zu 'halten. In der letzten Nummer des Organs des Zentralverciue's deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wird nun gegen diese Einladung protestiert und unter anderen: ausgeführt: Gras Kuno Klebelsberg ist Il-nterrichiSminister Ungarns, also eines derjenigen Länder, die die I u d e n E n g l a n d s v o r d a s H a a g e r Schiedsgericht laden. Ungarn nimmt unter den Staaten, die von den Inden Englands als der Mitgliedschaft in der Gesellschaft der Nationen als für unwürdig erklärt iverdeu, eilten besonderen Rang ein; es schreitet nämlich an der Spitze dieser Nationen. In Ungan wäre der Numerus clausus schon lange verschwunden, ivonn nicht gerade die Regierung an dieser Einrichtung s c ist halten würde. Graf Kuno Klebelsberg ist der Mann, der sich heute der Aufhebung des schändlichen Numerus olausus für jüdische Studenten in Ungarn in den Weg stellt. Er ist der einzige Politiker auf verantwortungsvollem Posten, der es wagt, den Numerus elausus öffentlich und eindeut i g z u v e r t e i d i g e n. Er ist eS, 'der die völkische Presse Ungarns, die nunmehr unter Ausschluß der Oefsentlichkeit erscheint, durch allerhand Transaktionen am Leben erhält. Die Gelder für diese dunklen Geschäfte entnimmt e-r ausgerechnet dem — Kirchenfonds . . . Minister, das Ziel der Verhandlungen sei, den Handelsverkehr zwischen den beiden Ländern zu fördern. Selbstverständlich könne ein Abkommen nur auf der Grundlage einer Befriedigung der gegenseitigen Intereslse.n zustande konnnen. Keine Belgrader Regierung könnte in den Abschluß eines Abkommens eimwilligen, das die Fortdauer ertragbringender Arbeit und die harmonische Entwicklung aller wirtschaftlichen Kräfte des Landes in Gefahr zu bringen geeignet wäre. Die Regierung werde darüber Wachen, daß die Interessen der Produzenten und der Konsumenten Jugoslawiens 'bei diesen Verhandlungen nicht außer acht gelassen werden. Der Minister schloß mit der Versicherung, daß die jugoislaiwische Regierung den Ereignissen, die sich in den Nachbarländern abfpielen, wachsam folge und daß sie nicht gleichgültig zusehen würde, wenn die nationalen Interessen in irgend einer Art und Weise bedroht würden. Die Nadic-Partei votiert dev Negierung das Vertrauen. Belgrad, 13. Juli. (Tel.-Komp.) Nach dem Außenminister ergriff der Interpellant Dr. Smodej das Wort. Er stellte schließlich einen Mißtrauensantvag gegen die Regierung. Zur großen Uebervaschung der Skupschtina erhob sich nach Smodej der Abgeordnete Paul Radic, um die Haltung der Regierung zu verteidigen. Paul Radic teilte einen Beschluß der kroatischen Bauernpartei mit, in welchem sich.die Partei gegen den Anschluß - Oefterve-ichs an Deutschland ausspricht und hinzusügt, Jugoslawien, möge, soweit es feine eignen Interessen gestatten, aus wirtschaftlichem Gebiete die Wünsche Oesterreichs erfüllen, 'damit Oesterveich keinen Grund habe, sich an Deutschland anzuschließen. Das Haus schritt sodann zur Abstimmung über einen Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung. .Hierbei stimmten die Abgeordneten der Nadic-Partei geschlossen mit den Radikalen für diesen Antrag, der ein . Vertrauensvotum für die Reigienmg darstellt. Es war das erstemal, daß die Radic-Partei sich öffentlich als Regierungspartei bekannte. Der neue SberkommWr. Ankunft Pluirrers in Erez Israel am 18. Juli. Jerusalem, 16. Juli. Laut ,^Haarez" soll der neue High Commissioner von Palästina, Lord P l u m e r, früher, als ursprünglich geplant, und zwar bereits am 18. d. in Palästina eintrefsen. (Auch „Jewish Chro,nicke" gibt dieses Datum an.) Ci ne Million Dollar für das Ruthrnbeva- Werk. Warschau, 11. Juli. Wie dem „Hajnt" aus London berichtet wird, soll Baron Edmond de Roths ch i ld während seines kürzlichen Besuches in Palästina Ingenieur R u t h e n b e r g eine halbe Million Dollar für den Ausbau seines Elektrizitätswerkes zur Verfügung gestellt haben. Auch Felix W a r b u r g soll laut einem Telegramm an Dr. W c i z m ann eine halbe Million in das Rnthenberg-Werk investieren. Flugpostverkehr Haifa—Bagdad Jerusalem, 16. Juli. Der palästinensischen Bevölkerung steht seit kurzem neben der Haisa-Bag'da'd-Ueberland- Post ein neuer Flugpostwcg über Beirut, und Bagdad zur Benützung offen. Die Post soll Montags uni ü Uhr von Beirut abgehen und am folgenden Mittwoch in Bagdad eintroffen. Lie Wahlen lm Groblibanon. Beirul» 13. Juli. (Havas.) Die Wahlen zum repräsentativen Rat des G r v b l i b a n o n sind in voller R u h e ■ verlaufen. Sie ergaben einen vollständigen Sieg der Anhänger' des französischen Mandats. Das gesprengte Kartell. —y. Wien, 14. Juli. In Paris sind Kanuner rmd Senat gestern nach einem aufregenden parlamentarischen Zwischenspiel in die Ferien gegangen. Die Regierung hat ihr Budget und ihre Marokkokredite und sie wird von ihren Peinigern in den Parteien nach wütenden taktischen Couloirgefechten befreit. Die Krisen sind überwunden. Aber es ist bei diesem Abschluß der Session eine weitaus ernstere Krise zutage gekommen, deren Auswirkungen den -Herbst und Winter beherrschen werden. Das Kartell der Linken, dev Zweckverband der demokratischen Parteien, ist in die Brüche gegangen, die Sozialisten votierten in der entscheidenden Abstimmung gegen das Budget. Sic entziehen der Regierung das Vertrauen, treiben sie nach rechts, nach der Seite der internationalen Reizungen und isolieren sich selbst. Die neue Freundschaft der Kommunisten empfinden wohl alle sozialistischen Gruppen als . Demütigung und eine Kooperation wird wohl kaum eintreten können. Die Frage, die Mischen ihnen steht, ist dieselbe, die die Sozialisten aus der Regierungsmehrheit treibt. Es handelt sich um den Krieg in Marokko, in dem riesigen Kolonialreich, in dem die französische Macht jetzt aufs letzte engagiert ist. Der Vorhang, den die militärische Zensur iiber den wahren Stand der Tinge ziehen wollte, mußte von Painleve selbst gelüftet wer' den, und sein scharfes Dementi der Bedrohung des wichtigen Ortes Taza hört sich ganz so an wie 'die Mitteilung des k. n. k. Armee-Oberkommandos, daß Lemberg noch in österreichischem Besitze sei. Der Mi msterprästdent gab zu, daß die Lage sehr, sogar sehr ernst sei, forderte jedoch Vertrauen. Die /Sozialisten nahmen nicht, wie dies von ihnen zu erlvarten gewesen wäre, gegen das Prinzip des Krieges Stellung. Sie ließen durch Leon Blum erklären, daß sie die Kviegskredite bewilligten, weil ein Mißlingen des Feldzuges die Ermordung aller Franzosen im Kolonialgobiet zur Folge haben würde- Das ist eine Motivierung, gegen-die sich schlechterdings nichts einwenden läßt. Aber während die Kommunisten, die sich aller' dirrgs frei von jeder Verantwortung wissen, diese Kredite ablehnten und danrl folgerichtig auch zur Ablehnung des Budgets kamen, mußten die Sozialisten erst ja und dann nein sagen. Der Zusammenbruch des Kartells, der damit gegeben war, ist auch ihr Zusammenbruch. Aus dem großen Damm, den sich die Wähler gegen die internationale Reaktion gebaut hatten, bröckelt wieder ein großes Stück ab. Die Entwicklung übergeht in Frankreich ans das gleiche Geleise wie in England. Der Sozialismus hat in Frankreich ein Opfer des Prinzips gebracht. Er hat dem Militarismus den kleinen Finger gereicht und konnte dann die Hand nicht nrehr zurückziehen. Er wagte es nicht, als es noch an der Zeit war, den Generalen in den Arm zu fallen, die ohne ersichtlichen Anlaß die Grenze überschritten und in den spanischen Kriegsraum eindrangen. Damals haben die Sozialisten ja gesagt und sie mußten nun amen sagen, und dieses Amen ist, wie ihnen der Kommumst Cachin spottend zurief, das „De profundis" für das Kartell. Aber für mehr als für diese Parlamentarisch-taktische Vereinigung. Es ist eine Niederlage der Demokratie und es wird in den vom Nationalismus verheerten Landstrichen mit doppelter Kraft wirken. Frankreich muß in Marokko die Fremdenlegionen, die unzuverlässig geworden sind, zurückziehen und durch Truppen seiner eigenen Stammbezirke ersetzen. Von diesen sind auch die Negerkontingente kaum zu brauchen. Sie fürchten den Feind und stehen ihm psychisch sehr nahe. Sie sind seiner Agitation sehr zugänglich. Bleiben also die weißen Truppen. Damit greift Frankreich an seine eigene Volkskrast. Das rft für den deutschen Rachegeist, der in solchen Dingen bekanntlich sehr sachverständig, ist, ein willkommenes Signal, und tatsächlich ist auch bereits in Deutschland eine von den nationalen Intransigenten inszenierte Krise der Erfülsnttgspolitik im Gange. Parallel damit ist auch Jeder weiß es daß man Stoffe, Wäsche, Strick- und Wirkwaren, Regenmäntel, Volle, Etamine, Leinen, Gradl etc. In grosser Auswahl billigst kauft Im Warenhaus ' Schiffmann II. Taborstraße 48 Telephon 47»l»78 En tjros En detail s L 31