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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-12 · Heft 2295 (12.7.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2295 (12.7.1925)
Date
1925-07-12
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8_Men. Sonntag - Wiener MorOevzeMns* IS.'Misse R«.SLS» Dem erzürnten Dichter entgeht es natürlich, fcwjj er selbst ein vorzügliches BühneiMjet ist. das allerdia>gs bereits in Wedekinds „Kammersänger" escheint. In der Gestalt des - MnsrLpwfessors, der mit einer Opcrivpntitur beim Sänger außtritt: ,Marum sterben Sie denn nicht endlich, schreibt mir jeden Tag mein Verleger, damit ich Ihre Oper anffuhren kann?" -Das verkannte ©eitic wind die Wahrheit dieser Groteske nie verstehen: Sicherlich hat ein unter Aussehen der OesifentlichLeit verhungertes Genie mehr Aussicht ans eine en-snite-AniWiihruidg als das lebendige. Unter allen Genies ist haute eiires sicherlich davor geschützt, verkannt zu werden — das kaufmännische. Und so mag der klagende, vom Burgtcheatcr so anerkennend i^id wohlwollend nicht ausgofichrte Dichter — obgleich vieles dagegen spricht — ein verkanntes Dramatikergenie sein: seine kommerzielle Begabung ist dadurch ibcstimmt, daß er das Ansgleichsangebot von hundert Schilling ablehnte. Und cs bleibt fraglich, ob ein Dramatiker, der die hantige Walt so mißversteht, für ein Theater schreiben kann, das schließlich in der Gegenwart leben muß. Einige Tage später erschien ein zweiter „Dichter" im Gerichtssaal«. Und zwar ein echter, ein hundertprozentiger Dichter — nämlich ent Lyriker, der sich merkwürdigeriveife nicht zu verantworten hatte, weil er Bevse schrieb, sondern weil er als Versicherungsagent sich Unredlichkeiten zuschulden kommen ließ. Er war wogen „Größenwahnsinns" aatf dem Steinhof interniert, obgleich er sich keineswegs für Schiller oder Goethe hielt, sondern sich im Gegertteil genierte, seine Dichtungen der „beschränkten Oeffentlichkcit" des Gerichtssaales vorzutragen, wozu ihn der Vorsitzmde offenbar deshalb einlud, um aus den Dichtungen zu entnehmen, ob der Dichter an der von ihm abgölou.gneten Geisteskrankheit litt. Wobei der Herr Präsident nur übersah, daß speziell ein Dichter durchaus irrsinnige Verse schreiben und dabei geistig völlig normal sein könne. Die Uelberprüsimg des literarischen Geisteszustandes ist nämli'ch Sache des LÄerctten und Kritikers und nicht der Aerzte. Und wenn von den Aerztan behauptet wird, seine „größeren Werke" wären „unklar", so ist damit keineswegs gesagt, daß sie einem modernen Kritiker nicht durchaus verständlich wären (nnd umgekehrt). Für die geistig normale Veranlagung des Angeklagten spricht jedenfalls, daß er von dem Ertrag seiner Verse nicht Men wollte, sondern dazu die Prämien der Versicherten benützte. Ein in diesem Strafprozeß gewiß relevanterer Umstand als die Qualität der Verse, die der Angeklagte verbrach. e Das Urteil der zahlreichen Kunden des bestbekannten Warenhaufes Bruder Schiffmann, 2. Bez., Taiborstraße 48, lautet übereinstimmend: „Verläßlich gute Qualitätsware — außerordentlich billige Preise." Den besttn Beweis für die besondere Leistungsfähigkeit und Konkurrenzlosigkeit dieses führenden Unternehmens der Leopoldstadt liefert die unumstrittene Tatsache, daß trotz der immer schwächer werdenden Kaufkraft des konsumierenden Publikums täglich viele neue Käufer den Wog zu Bruder SchMna-nn finden. Wer einmal kaust, kommt immer wieder und empfiehlt diese gute und billige Bezugsquelle seinen Freunden. Besonders reißenden Absatz finden Kleider-Voile in allen Dessins und Farben zum Sensationspreis von nur 98 Groschen pro Meter. Wegen vorgerückter Saison besondere Gelegenheitskäufe in sämtlichen Badeartikeln, Crepe de chine, Crepe marocaine und sonstigen Sommerwaren. Prima Regenmäntel in reichhaltigster Auswahl nur Schilling 19.80. Keinen, Gradl. Weben, Hans- und Leibwäsche aus nur allerfeinsten Leinenwaren zu beispiellos billigen Preisen. Niemand versäume die Besichtigung der zahlreichen Schaufenster sowie die an jedem Sonntag zu sehende Innendekoration, welche besonders bei starker Abendbeleuchtung sehr schön wirkt. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesehtes E gekennzeichnet. Wien, 16. Juli. * Das tägliche Erdbeben. Aus Nvw-Aork wird gemeldet: Gestern abends wurden im Südwesten des Staates Montana Erdbeben verspürt. Die angerichteten Schäden sind unbedeutend. * Das Wetter. Die Lage ist unsicher. Gestern war es etwas wärmer. Die Voraussage meldet veränderliches Wetter mit Gewitterneigung. jE Ein idealer Aufenthalt ist die Hotel-Pension „Rudolfslhöhe" in Bad Ischl. Schönste Lage, von herrlichen Nadelwaldungen umgeben. Täglich Künstlerkonzerte. Mäßige Preise. E Schlammbad Pisthan. Utträftige Bäder gegen Rheuma, Gicht, Ischias. — Schlamm für Hauskuren und alle Auskünfte: Pisthanbureau, 9. Bez., Alserstraße 32. * Die LebensmittÄmärkte. Die verminderte Aufsnahmsfähigköit des Konsums, die sich gewöhnlich bei Bei ginn der Reisesaison einsteltt, kam gestern auf den meisten - ^provisionievungsgebieiten zum Ausdruck. Namentlich in , der Großmavkchalle ließ der Besuch zu wünschen übrig. Der Verkehr war zwar lebhafter als während der ganzen Woche, allein wesentlich schwächer als an einem sonstigen Samstag. Gegenüber der Vorwoche haben sich unter dem Drucke der >. ungünstigen Wsatzverhältnisse Rind- und Kalbfleisch um i.20 Groschen per Kilogramm im Preise verbilligt. — Der Näschmavkt wurde aus allen Gebieten mit Gemüse ein- : heimischer und auswärtiger Herkunft über Bedarf beliefert. . Mit Ausnahme von grünen Erbsen, die mäßig im Preise j ungezogen haben, zeigten alle anderen Gemüsesorten siu- > kende Tendenz. Auch hier hielt sich der Absatz in mvttelmäßigen Grenzen. Die Kirschenzufuhren sind saisongsmäß! im Äbnehmen, hingegen versorgen die Ankünfte in Marillen,? namentlich aus Ungarn, konstant die aufsteigende Richtung. ^Geflügel' lvurde weniger gefragt. Eier weiter steigend, ^während die Buttevpreife nachgeben. iE Gratiskarten zu dem äußerst interessanten jüdischen 1 Film „Der Handschlag" für das Jfa-Palast-Kino erhält jede Kunde schon beim Einkauf von nur 10 Schilling und überdies , 3 Prozent Rabatt im WirkwarenhauS H v r o W i tz, 2. Bez., Taiborstraße 6. * Personalnachricht. Der zionistische Mandatar, Herr Adolf Tarier, wt^vde vom Handelsgericht zum beeideten Sachverständigen und Schatzmeister im Handel mit Strick-, Wirk- und Wollwaren ernannt. E Im altbekannten TapezierermSbelhans M. Weih, 2. Bez., Darwingasse 39 (Ecke Nordbahnstraße), kaufen Sie erstklassige Ottomanen, Eisen-, Messing-, Patentmöbel usw. in erstklassiger Ausführung zu außerordentlich billijgen Preisen. * Einstellung der passiven Resistenz in den Landesirren, anstalten. Die Verhandlungen der niederösterreichischen Landesregierung mit dem Pflegepersonal der Landesirrenanstalten sind gestern abgeschlossen worden, worauf die passive Resistenz in den Irrcuaustalten eingestellt wurde. E Hygiene. Ansteckende Krankheiten werden am leichtesten durch Wanzen und anderes Ungeziefer übertragen. Radikalste Vertilgung mit „Salforkose". Garantiert wirksam, daher billig. Ohtte Sachbeschädigung in möblierten Wohnungen. Erstes Wiener Reinigmtgsinstitul ,Ka Generale". 1. Bez., Hogelgasse 9. Tel. 72-4-86 und 72-9-31. * Ein Postoffizial, der Briefe beraubt. Der Postaffizial Robert P a a r, der iin Hauptpostamt bedienster ist, hat, wie erhoben wurde, seit längerer Zeit Spo liier ungen an Ausländsbriefen, die er heimlich auf die Seite räumte, vorgenommen. Er hatte es besonders auf D o l l a r s ch e ck s abgesel-cn. die er an andere Personen pit Verkauf wei bergab. Das Verfahren ist eingeleitet. * Jüdisch als Unterrichtssprache in einer Berliner Schule. Enre Frage von prinzipieller Bedeutung beschäftigte die Repräsentantenversannnlung der Berliner jüdischen Gemeinde. Die „Talmud Thora ez chajim" waüdte sich an die Berliner jüdische Gemeinde um Subvention ihrer von 200 Schülern besuchten Schule. In dieser Schule wird der Unterricht, der sich auf die jüdischen Disziplinen schränkt, zum Teil in jüdischer Sprache erteilt. Gin Teil der liberalen Fraktion tvollte die Subvention nicht bewilligen. Für die Subvention traten die Konservativen und mit besonderem Nachdruck die Vertreter der jüdischen Volkspartei ein. Deren Fvakt'ionsvorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, führte aus, jedes Kind habe Anspruch auf Religionsunterricht in seiner Muttersprache. Würde die sephardische Gemeinde in Berlin an die Gemeinde herantreten, um Subvention für in spanivlischer Sprache erteilten Religionsunterricht zu fordern, so sei dies ebenso zu genehmigen wie im vorliegenden Falle. Die Einseittgkett, mit der die preußische' Regierung des Ancien Regime den Polen Religionsunterricht in polnischer Sprache verweigert habe,, dürfe die Berliner jüdische Gemeinde nicht nachahmen. Der Liberal« Dr. Sonnetifeld, bekanntlich der erste Vorsitzende der soeben stattgehabten preußischen Landesvevsammlung jüdischer Gemeinden, schloß sich der Ansicht Dr. Klees an, indem er der Erbitterung gedachte, die er in seiner Jugend in Oberschlesien wogen der Verweigerung des Religions-untevrichtes in polnischer Sprache Mitevle'bt habe. Die Subvention wurde von der Repräsentantenverfammlung mit Majorität bewilligt. Dem Beschluß ist der Äemeindevorstand beigetreten unter besmilderer Berücksichttgung der Notlage der erwähnten Talmud-Thora-Schule. * Kongreßmitglied Perlman in Warschau. Das Mitglied des Kongresses der Bereinigten Staaten, Nathan D. Perlman, ein führender Jude aus New Dort, ist am 6. IM in Warschau eingotlroffen. Zusammen mit dem amerikanischen Konsul studiert er die Lage der Emigration, um dann dem Kongreß Bericht zu erstatten. Mitteilungen aus dem Publikum. . JOB Wieder zu haben! ' Orig. fraoLZIgareltcnpaplBr Bureau: Wim. VIII. Skodagasse 19/2 Möbelfabrik J. 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Bom Vater bekommt er die ersten Themen, vom weltfremden Menschen/ in dessen Anschauung es keinen Sinn hat, nach der Natur zu zeichnen, die Natur, das Werk Gottes, das schon vorhanden, zu kopieren. Die Phantasie soll alles geben und der Knabe zeichnet und malt nach der Phantasie. Das selbständige Denken, die selbsttätige Vorstellungskraft wird geschult. Hierin liegen bei allem Negativismus die ersten Keime der späteren Entwicklung. Was Dwinsk, das Städtchen, bieten kann, ist bald aufgesogen: Der Drang nach Arbeit fordert ein neues Milieu. Zwölfjährig, ohne Wissen des Vaters, fährt der Knabe nach Wilna, dem Hunger preisgegeben, aber voller Phantasien. Mit den letzten drei Kopeken kauft er eine Korrespondenzkarte, auf welcher er den Vater um Hilfe bittet, er wirft sie in den Briefkasten und erinnert sich zu spat, daß er die Adresse zu vermerken vergessen habe. Fremde Hilfe bringt ihn (nicht in die Wilnaer Kunstschule). in eine lithographische Anstalt, wo er das Handwerklich-Technische lernt, aber unbefriedigt bleibt. Frühgereist kehrt er nach Dwinsk zurück, der Vater, das Talent des Knaben erkennend, schickt ihn nach Wien. Hier wiederholt sich das Wilnaer Schicksal. Ohne Geld im Sack ist er der Tücke der Großstadt ausgesetzt. Der fremde Staatsbürger wandert als Obdachloser in den Arrest, wo er drei Tage Zeit hat, über die Dinge der Welt nachzudenken, dann wird er nach Rußland abgeschoben. Jetzt, sechzehnjährig, tritt erindieOdessaer Kunstschule ein, wo er zu systematischer Arbeit gelangt. Hier schafft er sich die Basis für sein zeichnerisches Können, das ihm, später die Möglichkeit freier Kompositionen gibt. Sic; Früchte seiner Arbeit bleiben nicht aus. Abel Pann be-! kommt Preise, absolviert auch mit großem äußeren Erfolg die Schule und begibt sich dorthin, wohin alle Kirnst-> ler gravitieren — nach Paris. Hier lernt er die Ausläufer des Impressionismus kennen, hier sieht er das Ringen um bk Befreiung von der alten Mal- und Sehweise, die Bemühungen um die Rückkehr zum sogenannten; „klassischen" Stil, aber auch die Gefahr, die das. Hin-! neigen zum Modischen in sich birgt. Das Problem der Lust tritt mit zarter Vorahnung künftiger Krisen an ihn heran. Noch ist es nicht reif. Ein; Jahr Palästina offenbart ihm neue Möglichkeiten der Licht-! und Farhenbehandlung, doch es bleibt vorerst bei Eini drücken .und Wünschen, die erst ein Jahrzehnt später sich er-; füllen sollen. Denn Paris hält ihn noch immer gebannt. Die; Blütezeit des Impressionismus ist noch nicht völlig ab-! gestorben. In den Salons, die auch Abel Pann beschickt,; tummeln sich die Nachfolger Manets und Renoirs, im Hintergrund lauern Les deeadents, um im geeigneten; Augenblick nicht nur die Gesinnung des Publikums/ sondern auch den Markt zu erobern, mich schon pochen die > Vorläufer des Kubismus energisch an die Pforten der Kunstsalons. Zurück nach Paris (wo auch das malerische Handwerk einen goldenen Boden besitzt, wo jeder nach seiner Fasson selig werden kann), mit dem ersten palästinensischen und jüdischen Impressionen im Auge und im Herzen! Das Luxembourg kauft Abel Pann ein Bild ab/ er ist geaicht. Die ersten Kriegsjahre 1914 bis 1916 sehen! Lyoner Seidenhaus I. KOHI.MESSBRQA3SE 7 (vis-a-vis Hotel Metropole) m 2000 m echt Mn. Shantung, ln allen Modefarben* 1000 m Rohseide, gestreift und caro ..... ,. aj _ SOOm Reiwi.Um-Bour.tt... ** Sjaezialhauc für edle Arten Seidenschale* — Detailverkauf zu Original-Engrospreiecn. Sommer Okkaslonsyerkauf! 8JO 6.—j 400

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