Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2295 (12.7.1925)
- Date
- 1925-07-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. E890 Men, Sonntag Wiener DrorgenzettunA. ir-. .JlUtl 1Ä>Ly ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■»■■■■■■■■■■■■■■■ HAUSBESITZER!! ny^tutut zerbrechen Sie sich den Köpf, wo Sie 3 " OTUTfl die Mittel zur Instandsetzung Ihrer 3 Grundstücke hernehmen? B Sie nicht wissen, dass wir Ihnen diese I " Sorge abnehmen 8 iliy* setzen Ihr Eigentum in kurzer Zeit reell und 1 W Ir gewissenhaft instand, wir bewahren Ihr 8 Eigentum volle 6 Jahre weiter vor sonstigen Schäden 8 und Sie zahlen an uns in monatl. Raten den verein* 3 barten Betrag zurück ■ II Gesellschaft für Hflasefinstandsetzungen ■ Berlin W.35, KurfUrstenstr. 50, an der Qenthlnerstrasse 8 Tel.t Kurfürst 5311, Kollendorf 5170 1000 3 Ae Mare Steiger. Der Prozeß gegen Kornhaber, Jäger, Glasermann, Mikitin und Dwornitzki. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 10. Jnli. Belni heutigen zweiten Verhandkungskag wurde der urkraimsche Student M i k i t i n vernommen. Dieser, der Bräutigam einer in der Lemberger Drogerie Mintz beschäftigten Hilfskraft, hatte feinem Chef und dem heute angeklagten Kornhaber mitgeteilt, er wisse, wer der Attentäter fei, 'denn er «habe ihn während des Attentats auf den Staatspräsidenten gesehen. Steiger sei es nicht. Mikitin, der ursprünglich feinen Namen nicht nannte, hatte feine Aussage dem Kornhaber. Jäger, Glasermaun und dem Drogisten Mintz in Anwesenheit des heute ebenfalls angeklagten Privatdetektivs Dwornitzki wiederholt, ebenso später vor dem Abgeordneten R o s m a r i n und dem Polizeinnterinispektor Sawitzki. Er hatte angegeben, daß der Ukrainer Panczhfzhn und Dimitr Fidhk, beide Mitglieder der Kommunistischen Partei, nach Lemberg gekommen seien, um das Attentat auf den Staatspräsidenten zu verüben. Mikitin, der selbst Mitglied der kommunistischen Organisation war, hatte später als Polizeikonfident der politischen Polizei in Lemberg Dienste geleistet. Die Anklage nimmt nun an, daß Mikitin zu diesen seinen Aussagen gegen eine Entlohnung von 5000 Dollar verleitet wurde. In der Untersuchung hatte nämlich Mikitin alle seine früheren Aussagen widerrufen. Bei der heutigen Vernehmung erklärte Mikitin, er sei wicht schuldig. Er gibt au, daß er alle seine Beschuldigungen gegen Panczyszyn aufrecht erhalte. Aus Befragen des Vorsitzenden erzählt er zusammenhängend seinen Lebensgang bis zu. seiner Tätigkeit als Polizeikonfident. Tann weigert er sich, iweiter zu sprechen und erklärt, er habe die ganze Nacht nicht geschlafen und fühle sich sehr schwach. Auch nach einer Pause erklärt Mikitin, nicht weiter sprechen zu können, weshalb der Vorsitzende die Verhandlung auf morgen vertagt. _ Jüdische Landwirte aus Rumünien nach Frankreich. Kischinew, 10. Juli. (I. T. A.) Die Delegierten der pariser Hilfsexekntive, Andre S p i r e und Agronom Kaminke, sind, nachdem sie in Bukarest erfolgreiche | Besprechungen mit den Ministern D u e a und Tatarescu geführt haben, in Kischinew eingetroffen, um in enger Zusammenarbeit mit der jüdischen Emigration s b a n k die Einwanderung jüdischer landwirtschaftlicher Arbeiter und anderer qualifizierter Arbeiter nach Frankreich zu organisieren. Sffhiersputsch in Guatemala. Washington, 10. Juli. (Havas.) In Guayaquil (Ekuador) ist unter der Führung des Generals Franziska G o- «tctf eilte revolutionäre Bewegung ausgebrochen. Die Truppen des Generals besetzten verschiedene Ministerien. Gomcz wild Neuwahlen vornehmen lassen, um einen Wechsel in der Verwaltung des Landes herbeizuführen. In Quito wurden die Beamten verhaftet. Der Präsident der Republik, der Generalstabschef und der Ministerpräsident wurden gefangen ge nommen. Mobilisierung ln StoSeraik. Ein Abendblatt brachte die Meldung, daß die Kavallerie von Stockerau nach einer Versammlung des Wehrbundes die Stadt mit ihren Heldentaten in Beunruhigung versetzte. Dazu läßt das sogenannte Heeresministerium, dessen Verweser Herr Vaugoin gemäß amtlicher Meldung ,^ni den Folgen einer schweren Ueberarbeitung" leidet und daher während seines vorzeitig angetretenen Urlaubs vom verbündeten Ackerbauminister vertreten werden muß, eine lange Erklärung. Ans dieser geht zunächst^hervor, daß auf Teilnehmer einer Wehrbundversammlung am 10. Juli von seiten Jugendlicher tätliche Angriffe erfolgt sind, wobei ein Kanonier durch einen Hieb auf den Kopf derart verletzt wurde, daß er bewußtlos zusammenbrach, ein Zugsführer eine schwere Verletzung am Kopf erhielt und es außerdem etwa 20 Leichtverwundete gab. Ueberdies ist aus dem amtlichen Gerede deutlich zu ersehen, daß ein Herr Oberst Frieb, von Tatendrang beseelt, fein Fähnlein alarmierte und, wie es so schön heißt, „die Bereitschaft auf 60 Mann verstärkte" und ihr befahl, die Versammlungsteilnehmer „gesichert in ihre am anderen Ortsende befindliche Kaserne zu geleiten, gleichzeitig unterwegs nach Verletzten Umschau zu halten und Versprengte zu sammeln". Dies hat der tatenlustige Oberst, wie der Bericht besagt, in Szene gefetzt, da die Angehörigen des Bundesheeres „durch die ordentlichen Sicherheitsvorkehrungen erwiesenermaßen nicht geschützt 'waren". Die ganze Sache liest sich wie ein Höfer-Bericht. Und die Begründung für die Mobilisierung in Stockerau ist eine kleine Verdächtigung der lokalen Sicherheitsbehövden. Diese sind also dazu da, um durch den Herrn Oberst Frieb im Zaun gehalten zu werden, wenn der Wehrbund sich versammelt. Jetzt wissen wir in Oesterreich, wozu wir jährlich 600 Milliarden ausgeben! Novellierung der Nahrung»- und Seuußmittelabgabe. Noch vor den Ferien wird den Wiener Landtag eine Novelle zum Nahrungs- und Genußmittelabgabegesetz beschäftigen. Zu dieser Gesetzesänderung sieht sich Stadtrat Breitner wegen der bekannten Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes über die Klage der Wiener Zuckerbäcker veranlaßt. Abgabepflichtig soll in Hinkunft sein, 'wer Nahrungs- oder Genußmittel im Betriebe einer Unterneh- TRIESTINO / TRIEST DIREKTE LINIE TRIEST PALÄSTINA Rituelle Verpflegung Reduzierte Fahrpreise Expresslinie nach Aegypten,"Konstantinopet, Indien, Postlinien nach // den Schwarzen-Meer-Häfen, Syrien und den fernen Osten ✓✓ Generalagentur: Wien, I. KBrntnerrlng Nr. 6 mung verabfolgt, die sich durch höhere Preise oder b e s s e r e A u s st a t t u n g ider Räumlichkeiten oder den gebotenen Luxus oder 'den Kreis der Besucher oder die bevorzugte Lage der Unternehmungen der gleichen Betriebsart hervorgeht. Es wird das Wort Luxusbetrieb vermieden und entsprechend der Begründung des Erkenntnisses des Berwaltungsgerichtshofes, die „Hervorhebung" gegenüber anderen Unternehmungen 'der gleichen Betriebsart gewählt. Die Aufzählung der ohne Rücksicht auf diese besonderen Merkmale unbedingt abgabepflichtigen Unternehmungen, wie Nachtlokale, Bars usw., erfährt keine Aenderung. Hingegen wird dem Bedenken Rechnung getragen, 'daß bei dieser bloßen Hervorhebung gegenüber anderen Unternehmungen tatsächlich die Einreihung aller Betriebe bis gerade auf die schlechtesten erfolgen könnte. Es wird daher vorgeschlagen, daß die vom Magistrat nach freiem Ermessen und nach Anhörung der Genossenschaft vorzunehmende Einreihung höchstens ein Drittel aller Betriebe derselben Branche unter Außerachtlassung der unbedingt abgabepflichtigen Unternehmungen umfassen tatrf. In bezug auf die Besteuerung selbst wird festgesetzt, 'daß der derzeitige Höchstsatz von 15 Prozent nicht überschritten werden darf, Wohl aber je nach dem Grad und der Zahl der für die Abgabepflicht maßgebenden Merkmale a b z u st u f e n ist. Die im geltenden Gesetz nicht vorgesehene Möglichkeit, mit einzelnen Unternehmungen oder gleichartigen Gruppen Abfindungsübereinkommen treffen zu können, soll geschaffen werden. Diese Bestimmung bietet die Handhabe, gewisse Härten auszugleichen. _; 1 " s*-- Der Lote vom Achensee ein Selbstmörder. Innsbruck, 11. Julli. Die an Händen und Füßen mit Draht gefesselte Leiche, die am Donnerstag aus dem Achensee herausgezogen wurde, ist bereits agnosziert. Es handelt sich wirklich um den feit 15. Mai aus Junsruck abgängigen bulgarischen Studenten der Medizkn an der hiesigen Universität, Dimitvi Rufs es. Es -ist festgestellt worden, daß Selbstmord vorkiegt. Rinssef hat in hintevlassenen Briefen und Auszeichnungen SÄbstmordäbsichten geäußert. Er hat sich, da er ein Schwimmer sei, sMst Hände und Füße mit Draht umwickelt, um sicher den Tod im Wasser zu finden. Damit fallen die Gerüchte von einem politischen Mord, -welche die Blätter an die Auffindung der Leiche geknüpft haben, in sich zusammen, 3er Herz!-Wald. Bon Dr. A. Sch. Juris (Tel-Awiw). Die Frage der Bewaldung Palästinas gehörte zu den schwersten Problemen des neuert Jischnw. Wenn ent Land aus dem Totenschlaf auferstehen soll, müssen seilte Sümpfe ausgetrocknet, seine Dünen festgelegt und seine Berge bewaldet werden. Es war ein schöner Gedanke, das Andenken unseres großen Nationaiheldell Theodor Herzl dadurch zu verewigen, daß man einen Wald nach ihm benannte, wenn auch diese Idee wie alle schönen Gedanken an die rauhen Gedanken der graufamelt Wirklichkeit stieß und erst einen schweren Reisepvozeß hat durchlnacheit müssen, Und — sind die Freunde enttäuscht, so tauzelt die Feinde vor Freude. Da kommen Touristen aus New-Uork tmö Buenos Aires, um Chulda und Benscheulen zu besichtigen. Sie zücken ihre amerikanischen Felldstecher in der Hoffnung, einen richtigen Wald mit Löwen und Bärelt zit finden — und da zeigt mait ihnen kleine Bäumchen mtd erzählt, wie schwer es gewesen sei, delt Boden zu bearbeiten, und wie man sich anfangs gerade darauf versteift hat, Otivell zu pflanzen, und wie es dann endlich gelungen ist . . . Die Touristen fühlen sich immer enttäuscht. Sie haben doch ihre Spende gegeben »lud nun, wo ist nun!>hr Baum? Sie habeit mir die eine Kleinigkeit vergessen, daß, wenn die Bäume heute klein sind, sie morgen größer und übermorgen groß sein lverden. Und daß, wenn sich irgendwo eine bestimmte Sorte nicht bewährt hat, sie sich an einer anderen Stelle bewähren oder am ersten Ort eine andere Sorte sich eignen kann, Noch ist kein Lehrgeld ans der Welt veriloreil gegangen ititö unser ganzer Aufbau hat das Stadium des Experiments noch nicht überwunden. Es lohnt sich, eiilinal die Lage der Bewaldungsarbeiten in Palästina von Gnlnd ans zu klären und sestzustellen, wie Weit sie mi: der Tätigkeit des Jüdischen Nationallfonds zu tun hat. Lassen wir einmal die nackten Ziffern ihre Rare Sprache sprechen. Im Einklang mit dom Weinten der Sammlung hatte sich der Jüdische Nationalfonds vor allem die Pflanzung von Oelbänmen zum Ziele gesetzt. Damit sollte ein wichtiger Zweck erreicht werden, nämlich, das Land anfznforsten, daß daraus -neue Einnahmsquellen und Existenzm-öglichkeiten entstehen. Es liegt hierin derselbe Gedanke wie im Jüdischen Nationalfonds überhaupt, -nämlich, daß die Einnahmen des Nationalfonds an die Stelle der Steuern treten sollen, die so schwer auf jeder Gesellschaft lasten. Da es sich erwiesen hat, daß sich nicht jeder Boden für Oelbaumpflanzungen eignet, ist man dann auch zu anderen Fruchtbäu men übergegangen, bis im Jahve 1919 ein neues Progranim ausgearbeitet wurde, das eine größere Bewegungsfreiheit gewährt. Es entstand der Gedanke, daß überhaupt Waldbäume gepflanzt werden sollten. Dabei hielt man sich das Ziel vor Augen, einerseits das Land aufzusorsten, andererseits in den nächsten Jahren eine solche Anzahl von Bäumen zu pflanzen, wie sie der Summe der Spenden entspricht. Vom propagandistischen Standpunkt aus kann dieses letzte Moment gar nicht überschätzt werden. Wer einen Baum spendet, will die Sicherheit haben, daß dieser Baum auch wirklich gepflanzt wird. Nur einen kleinen Teil der Zionisten, 'in dem die Erkenntnis der Bewegung besonders tief wurzelt, kann man mit den Argumenten des Lehrgeldes beruhigen. Die große Masse will das Gedächtnis des Führers verewigen, aber sie will zugleich, daß ein Teilchen von dieser Ewigkeit auch für sie abfalle. Für den Gelber ist es gleichgültig, was für ein Baum es ist, aber ein Baum muß es fein. Darum ist die Allffassuilg richtig, die dafür eintritt, überhaupt Bäume zu pflanzeil, sei es von der Art, wie sie sich im Lande finden, sei es von fremden Sorten, die sich an das Klima und an die Landesbedingnngen Palästinas gewöhnen können. Dabei darf nicht ans Boden gepflanzt werden, der sich für Landwirtschaft eignet, denn das würde, wo der Boden bei uns so knapp ist, eilt großer 'nationaler Leichtsinn sein, sondern auf solchen Gebieten, die sich nur für .Aufforstung und für nichts anderes eignen, also Felsen, Sand, Sümpfe. Die 20.512 Bäume auf dem Boden von Kirjath Anawim, die 64.734 auf dem Snmpfgebiet von N u r i s beweisen, daß auch der schlechteste Teil von Palästina in eine Quelle von Leben und Gesundheit nrngoloaiidelt werden kann. Nach dem neuen Plan sind im Lause der Jahre 1920-22 auf einem Areal von über 2000 Dunam 733.760 Waldbäume gepflanzt worden an den folgenden neuen Punkten: Benschemen, Chulda, Merchawja, Kinerech, Har Kinereth, Daganür Bech, Nachlath Jehuda, Peer Tnvia, Kirjath-SlnOvim und im Nurisblock, Es ist klar, daß nicht alle Bäume, die gepflanzt worden sind, bis heute existieren. Dev Krieg einerseits, die mangelnde Kenntnis des Bodens, die unerfahrenen Arbeitskräfte andererseits und überhaupt die Tatsache eines neuen Versuches im Lande hat auch hier Lehrgeld gekostet. Daß Lehrgeld gezahlt werden muß, ist nur natürlich und darf uns nicht enttäuschen oder verzweifelt machen. Es gibt überhaupt keine Wanzungen in der Welt, bei denen nicht ein Teil der neugepflanzten Bäume in den ersten Jahren zugrunde geht, und wenn das überall Passiert, wie denn erst unter den so schweren Bedingungen Palästinas. Man hat deshalb zu Anfang mit einem Verlust von 40 Prozent gerechnet. Dabei beträgt aber der Verlust im allgemeinen 60 Prozent, d. h. es sind van den 733.750 gepflanzten Bäumen nur 298.622 am Leben geblieben. Eine solche abstrakte Rechnung wäre aber zu oberflächlich. Wenn wir die Verluste an den einzelnen Stellen untersuchen, zeigt sich uns ein ganz anderes Bild, das Hoffnung gilbt und Erfolg verspricht. Die größten Verluste weist Nachlath Jehuda auf. Dort hat man auf einer Fläche von 400 Dunum 957.000 Bäume ausgepflanzt. Davon blieben nur 35.895 am Leben, d. h. 10 Prozent. Diese Pflanzungen haben aber ihre besondere Geschichte. In Nachlath Jehuda ist der Versuch gemacht worden, die Sanddünen am Meeresstrande ausznforsten. Jll Palästina gibt es nicht weniger als eine halbe Million Dunam Saud, die wir ans irgend eine Weise ausnützen müssen. Von diesem Standpunkt aus hat dieser Versuch, der von der „Baunlspende" gemacht wurde, eine hohe Bedeutung und einen großen Wert. Der Versuch hat viel dazu beigetvagen, die ,Dandfrage" zu lösen, d. h. festzustellen, wie man Sandboden bepflanzen muß. Die Banrnspende hat dadurch in ihren Interessen stark gelitten und in Zukunft wird von ihren Geldern keine Pflanzung auf Sandboden.mehr ani