Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2295 (12.7.1925)
- Date
- 1925-07-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981380--23316-3010821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Dien. Sonntag Wiener Moeaenzettnnn. Qummiscbube, 8pieIbSlte unä Oummi« waren aller Art zu F a b r i k s p r e'i s‘C ti! SPIRMANN & HOROWITZ Wien, II. Bez., Taborstrassc Nr. 11 b — Tclephqn Nr. 47-0-86 zionistisch organisierte, zionistisch fühlende Judentum die Tore geöffnet. Unterstützt von dem Vertrauen des Vökkerbur^es hal>en wir in Palästina das Siedelüngsnnd Aufbauwerk bis zu dem hohen Grade entwickelt, den Freund und Feind anerkennen.muh. Das jüdische >belotenvM, dem in iahrtausendelanger Fron die Fähig' keit des politischen Schaffens ^raubt zu sein schien, hat tausend lebendige Kräfte an seine Aufgabe gesetzt, baut eine neue Gesellschaft, die frei von den Verbrechen der Kriegsnationen, unbeschwert von den Schlackest der europäischen Moral insanity sich voll entwickelt. Ter Kultur, dem Weltverkehr, der Forschung und Technik ist ein neues Gebiet erschlossen worden, von dein aus die Verständigung zwischen Orte nt und Okzident mit ungleich besseren Aspekten wird cingeleitet werden können. Bon einem neuen Lebensimpuls erfaßt, verjüngt das jüdische Volk seine Rechte, legt es die Fnndamente zu einer neuen Zukunft. Bei der Eröffnung der Jerusalemer Universität hat dieses neue Judenvolk beit Vertretern der gesitteten Welt ein Bild seiner Leistungsfähigkeit vorgeführt. Auf dem kommenden Zionistenkongreß wird die Bewegung, die diese Energien entwickelt, vor der politischen Welt die Folgerungen aus diesen Resultaten aussprechen. Der Zionismus als der berufene und anerkannte Verwalter der :"ldischen Sache zieht seine Kraft aus seinem freiheitlichen, nationalen und demokratischen Bekenntnis. Er hat vor der Geschichte die Verantwortung auf st chgenommen, das jüdische Vvlk zu einem freien und aufrechten Mitglied der Völkerfamilie zu machen. Er hat diese Verantwortung durch ein volles Vierteljahrhundert allein getragen, hat sich nicht von Skepsis, von Haß und Hohn beirren lassen. An den Gräbern seiner großen Führer Herzl, Nordau, Marmorek, Wolffsdhn, Tschlenow vorbei ist er im Bewußtsein seiner Pflicht durch schwere Krisen hindurchgegangen. Der Zionismus weiß, welche Probleme er zu lösen hat; er muß zur brüderlichen Freundschaft mit den Arabern kommen, er muß Mißverständnisse wegschaffen und er muß das ganze, in Ost und West zerstreute Judentum in der Arbeit vereinigen. ' Er gibt die Führung des Werkes nicht aus der Hand, er legt die Verantwortung nicht von sich und er bleibt unverrückbar fest auf dem Boden des Baseler Programmes, dessen granitne Fügung heute dieselbe ist wie in den Stunden, da die Adlersschwingen der neuen Zeit über dem ersten Zionistenkongreß schwebtet:, auf dem Theodor Herzl das erste Wort sprach, das allein schon eine große befreiende Tat war. Einem verfemten geächteten Volk hat sie Mut und Trost gebracht, .die' Parole: Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. In den kommenden Tagen des vierzehnten Kongresses wird es sich zeigen, daß diese magna charta unser ewiges Bekenntnis bleibt. Dessen sind wir alle Unterpfand, die wir in der Stadt Herzls, in deren Boden wir ihn gebettet haben, leben. Wir und mit uns die ganze große zionistische Gemeinschaft. Das Kalifat. Eine türkische Geheimovgnnisation entdeckt. Berlin, 11. Juli. (Tel.-Komp.) Nach einer Konstantin nopeler Meldung des „Berliner Tageblattes" hat die Po-' lizci eine Ge h e i m o rg a n i sat i o n aufgedeckt, die sich die W i e de ra u f r i chtu ng des Kalifats zum Ziele gesetzt hatte. Dem Kalifat sollten, den aufgefundenen Organisa-tionsplänen zufolge, Syrien und Aegypten angegliedert werden. Bisher sind 15 Personen verhafte t worden. Weitere Verhaftungen stehen bevor. ßnüands Zusagen an König Huffein. Der Brief Mae Mahons — kein bindender Vertrag. Der Orient-Schriftsteller Dr. Weist setzt in. der ,Vossrschen Zeitung" die Schilderung der Eindrücke seines letzten Besuches bei dem früheren Hedschaskön-ig Hussein in A k a b a, kurz bevor Hussein diesen Ort auf Geheiß der Engländer verlassen mußte, fort. Hussein hörte nicht auf zu klagen, daß die Engländer die ihm gemachten Zusagen nicht eingehalten und die Araber getäuscht haben. Er zNxing den Korrespondenten, den Brief Artur Mae Mahons vom 31. August 1912 an den damaligen Scheris Hussein zu lesen, um dann in die Welt hinausrufen zu können, wie England den Arabern die Freiheit versprochen und nicht gegeben hat. Dr. Weisl bringt eine genaue Uebersttzung des Briefes und schließt hieran die folgende Betrachtung: „Dieser Brief überraschte mich mehr, als ich erwartet hatte . . . Sir Artur ÜJloit Mahon erklärt ausdrücklich, die Festsetzung der arabischen Grenzen bleibe der Z ukunft Vorbehalten; er begnügt sich, die „Freiheit" der Araber in ganz inhaltslosen Worten als Gegenstand der „besten Wünsche Großbritanniens" zu bezeichnen; mit keinem Worte deutet er an, daß England die arabischen Länder der Herrschaft des Dcherifs unterstellen will, den er dafür höchst freigebig mit dem Prädikat „Majestät" überschüttet nnd dein er als einzige konkrete Leistung Getreide und Geld verspricht. Und doch gelang cs Üjnt, mit diesem inhaltslosen Stück Papier die Einbildnngskrast und den Ehrgeiz des Emirvon Mekka derart zu etttflammen. daß noch heute — zehn Fahre später — der Scherif auf diese vagen Versprechungen starrte, als ob sie ein Blatt des Korans wären. Gelviß, England hat später de 1 a i l l l e r t e r e A b m a ch n n g e n mit Hussein getroffen; ich kenne sie. Ader auch diese Abmachungen bandcn England nicht, die arabischen Länder der Herrschaft des S'cherifs zu unterstellen, auch diese Abmachungetr widersprachen dem Wortlaut nach nicht der Schaffung von Markdaten, der Abtrennung von Westsyri-rn und Palästina dorr den Gebieten, dir arabischer Herrschaft unterstellt werden sollten. Ich hatte diese Abmachungen gelesen'und doch immer geglaubt, daß England mehr versprochen habe, als cs nun veröffentlicht. Jetzt gab mir der König jenes Blatt, in die Hand, das seiner Meinung nach am stärksten und nnwidcrleglichsten zeige, wie England „seine Versprechungen brach" ich sehe, daß es ein unbeschriebenes Papier ist. England hat den Scherif nicht betrogen, es hat ihn hypnotisiert." Im Verlaufe des Gespräches äußerte sich Hnsseill zu Dr. W e i s l: „Ms man von mir verlangte, ich solle auf Palästina nnd Syrien verzichten, sagte ich: Befragt die Araber dieser Länder. Wenn sie damit einverstanden sind, werde ich mich nicht tveigern, zuzustimmen. . England ging darauf nicht ein; es sagte, Palästina nnd Syrien seien lticht in den Verträgen tuit mir enthalten gewesen. Ich sagte: Gut. Ihr sagt, ihr habt es nicht versprochen. Ich sage, ihr l)abt es versprochen. Vielleicht verstehe ich nicht den Sinn eurer Verträge, dann erklärt ihn mir. - Setzt vlne Kommission ein, die ihr und ich beschicken sollen. Dieser Kommission will ich eure Briefe an knich übergeben und sie soll entscheiden. Auch darauf wollte England nicht eingehen." Re «nglo gewish Affociation. Bericht der Jca über die jüdische Auswanderungsbewegung. London, 9. Juli. (I. T. A.) Am 5. i>. tagte hier die Anglo Jewifh Association unter dem Vorsitze' des Präsidenten Mr. O. E. d'Avigdor Goldsmid. Der Vorsitzende teilte mit, daß der Vertrag mit dem jüdischen Deputiertenrat (Jewish Board of Deputies) betreffend die - Bildung eines genleinfamen Joint Foreign Committee (Komitee für auswärtige jüdische Angelegenheiten) für drei Jahre erneuert lvovden ist. Hierauf unterbreitete Mr. d'Avigdor G o l d s m i d den. Bericht,..her Jewish.EoWttisation Association (Jca) in Paris, aus welchem mfter, anderem bervorgeht, daß in den ersten sechs Monaten 1925 nur 20.000 Juden aus Europa ill Ueberfecläuder ausgewandert sind. Diese Ziffer steht sogar hinter der des Vorjahres zurück. Die Verminderung ist ans das I o h -n s o n - G e s e tz zurückzusühren, auf Grund dessen die Einwanderung von Ostjuden in die Vereinigter, Staaten., jährlich die Ziffer von 3500 erreicht gegen jährlich 40.000 vor Geltung dieses Gesetzes. In A rg c n ti n ie n wanderten in diesem Jahre monatlich etwa 600 Juden ein. In Brasilien tvurden die Einwauderungsbestimmungen verschärft. Herr Raffal o w i t s ch verhandelte mit der brasilianischen Regierung tvegen Erteilung spezieller Einreiseerlaubnisse für Gruppen, wie sie der Jca seitens der argentinischen Regierung gewährt worden waren. Die Verhandlungen hatten Erfolg. Die Regierung in Rio de Janeiro inftruterte ihre Konsuln in Europa, die von der Jca empfohlenen Pässe zu vidieren. Die Frage der infolge des Johnson-Gesetzes in den Häfetl gebliebenen Enligranten, derett Lage e i n e verzweifelte ist, konnte n o ch n i ch t gelöst werden. Verhandlungen mit amrikanischen Stellen sind eingeleitet. Deninächst werden 30 Hafenemigrauten aus Eastleigh nach den Jca-Kolonien abreisen. Die royalistischen Pennäler. Bubenkrawalle gegen Hcrriot. Paris, 11. Juli. (Tel.-Komp.) Eine Rede, die Herriot heute vormittags bei einer Preisverte'lung in einem G y m n a s i u ni hielt, gab Anlaß zt, mehreren Z w ischen fällen. Als Hcrriot das Wort ergreifen wollte, suchten ih,l die royalistischen Schüler durch Schreien am Reden zu verhindern. Sie,tvarsetl ihm vor, der Alliierte der Kornmunisten zu sein, die für den Tod der französische», Soldaten ill Marokko verantwortlich seien. Die Ruhestörer wurden aus dem Saale eutferul und Herriot konnte seine Rede fortsetzen. Es kam zu neuen Z w i s che n sä l l e n, als Herriot das Ghlunasinm verließ. Man hörte die Rllfe: Nieder mit Herriot! Im ganzen wurden 2 0 Verhaftung c u vorgenoinmen. Als Herriot zu Beginn der Nachmittagssitzung der Kammer den Sitzungssaal betrat, veranstaltete die Linke eine Gegenmanifestatiori. indem sie ries: Es lebe Herriot! Nieder mit den Royalisten! Ripka - Lberbllkaermelster von Budapest. . . Budapest, 11. Juli. (U. T.-K.-B.) In der heutigen hauptstädtischen Generalversamnilung ist der bisherige Negieruugskomlttlssär Dr. Franz Ripka;um Oberbnr- 6 s. r m e i ft e r getMlt wyrden,.. 12. F,„i 1925 Ar. 2896 VVLl.IL» i MORIZ OESTERREICHER i I. Wippling«rstraß« 29 Steter Eingang besonder» oreiswerter Juwelen und Silberwaren i Grosses Uhrenlager 6112 Eigenes Atelier | Sie Lira. Rom, 11. Fuli. Obwohl nach den neuen Vorschriften in den Sonmicrmonaten die italienischen Börsen an» Samstag geschlossen bleiben, gab es heule einen regen a u ß e r b ö r s l i ch e n Verkehr, ill dem die StaatSschuldschclue weiterhin auf 98,5 stiegen und zugleich auch die Schatzscheinc, die in wenigen Tagen von 89 auf 100 sich erhöht haben, infolge von Decknngskäufen der Spekulanten auzogen. Das crig'lische Pfund verkehrte heilte zu 129,75, der Dollar zu 26,7. Ser Vergleich zwischen Paste und Radik. Die Radie-Partei tritt in die Negierung ein. Belgrad, 11. Juli. (Avala.) Wie die Blätter melde», haben die zwischen den Delegierten der N ad i c - P a r i e i und den Vertretern der radikalen Partei geführten Verhandlungen heute zu einem v o'tlk o in in e n e » Einvernehmen geführt. Das bezügliche Protokoll ilud ein Uebecinkommcn betreffend die V e r t e i T it u g der Portefeuilles saien endgültig angenommen und gefertigt worden. Man erwarte nur mehr die Genchnligung seitens des Ministerpräsidenten Pa sic und des radikaleir Klubs ab. Der Portefeuilleanteil der Radic-Partei. Belgrad, 11. Juli. (Tel.-Komp.) Das Protokoll sieht vor, daß in dem zu bildenden neuen Kabinett die Radic- Partei vier P o r t e f e n i l l e s erhält, und zivar die Miniisterien für Handel, für das Forstwesen, für Agrarreforn, und Pest, ferner Ä r e i U n t c r st a a t s s e k r ctä re, und zwar im Finauzmimsteriunl, im Unterrichtsininifterium nnd im Muifterium für Sozialpolitik. Das Minoritätenrecht. Die Beschlüsse -er Union der Bölkerbund-- ligen in Warschau. Warschau, 11. Juli. (P. T. A.) Die Internationale Union der Volkerbnndvereinigungeu hat in der Plcnarversamms.nllg vom 8. d. unter anderem eine Refolntion allgenommen, worin es heißt: Wenn auch die Bereinigten Staaten gegenwärtig nicht geneigt sind, irgend eine allgemeine internationale Verpflichtung einzuge'hen, ist die Plenarversammlung der Union der V-ölkerbilndoere'inignngen überzeugt, daß die Vereiuigtcil Staaten den wichtigstem Beitrag zum Weltfrieden liefern würden, Uiemt , jtc erklären zu können glauben, daß in dem Falle, wo irgend eine Nation llnter Verletzung ausdrücklicher Verpflichtnngen zu einen! Angriffskrieg, schreiten sollte, man darauf rechnen könnte, daß die Vereinigten Staaten zlsinindest eine tvohlwollende Neutralicht gegenüber den an der Ulltcrdrückung dieser Verletzung mitwi elenden Nationen beobachten würden. Die Plenarversammlung nahm ferner folgelldc, von der Minoritätenkommissiou unterbreitete Resolutionen an: 1. In Erwägung, daß infolge der Verschiedenheit der Allslegilngeir d es ungariischen Ge m e i n d cgesc tzes vom Jahre 1866, Gesetzartikel 22, seitens der tschechoslowakischen nnd der ungarischen Behörden sich ernste Schwierigkeiten ergeben, wird der Wunsch ausgesprochen, daß die beiden interessierten Regierungen i n V e r h a n d l u n g e n eint r e t e n, um zu einer gerechten Lösung zu gelangen, durch die das Heimatsrecht und in Gemäßheit desselben die Staatsa ngeh ö r i g k e i t der betreffenden Personen bestiinmt 'werden soll. 2. In Erwägung der Wichtigkeit des Miuoritätenproblems für das nioderne politische Leben und das Völkerrecht ivendet sich die Versammlung der Union der Völkerbundvereinignngen an die großen Recht'svereinigungen mit der Bitte, ern allgemeines Statut b c x e ch t e it n b d e r Pflichten der M i n o r itäten z n st n d i e r e », das allen Staaten gemeinsam und ans den j»l liberalstenl Geiste interpretierten beistehenden Minoritätenverträgen aufgöba.llt fein soll. 8. J,l Erwägung des Umstandes, 'daß der Völkerbund noch keine präzise Doktrin bezüglich der Ansdehnnng der Konlpetenz des B ö l k e r b n n d ra te s betreffs der Rolle besitzt, die dieser ans Grund der Minorität e u v e r t v ä g e aus üben soll, ersucht die Versa mmluilg der Ullion, daß der der Bölkerbundversanlmklng vom Gelleralfekretär nlltcrbreitete Jahresbericht über die Tätigkeit des Völkerbttudrates eine S i ft e aller d e in Völkerbllnd im Laufe des v e r f los s e u c u I a h r e s z ug ega >l g e n e n Petitionen enthalte, die den von» gegenwärtigen Verfahren erforderten fituf Bedingungen entsprechen. Diese Liste müßte insbesondere enthalten: Dell Zeitpunkt, zu welchem die Petition dem Völkerbund zugegangeil ist, >das Land und die Minorität, von denen die Petition allsgeht, den Gegenstand der Petition »lud die bezüglich derselben getroffene Elltscheidung. Nach Erledigung der Tagesordnung wurde die T a g il n g geschlossen. Abends gab . die polnische Bölkerbuudv-evv'Migung zu Ehren der Mitglieder des Kongresses ein Bankett, bei welchem zahlreiche Reden gehalten wurden, drunter vom polmschen Mnister Chodzko. Ml*. -