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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-12 · Heft 2295 (12.7.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2295 (12.7.1925)
Date
1925-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ruhla n d sei durch einen Vertrag mitChina gebunden und könne nicht zusehen, wie England und Japan über die Austeilung Chinas verhandeln. Das Bündnis des „rulffischen Bärei; mit dem chinesischen Drachen" trotze dev ganzen Welt. Englisch-sapanrsche Allianz. London, 11. Juli. (Reuter.) Nach einer Meldung aus Lok io kündigt das japanische Blatt „Aoruzu" an, daß demnächst in Tokio zwischen dem Minister des Auswärtigen und dem britischen Botschafter ein Meinungsaustausch zum Zwecke des Abschlusses einer englischjapanischen Allianz behufs Wiederherstellung und Musrechterhaltung des Friedens i m L it ßersten Osten stattfinden werde. Sie Fragen des 14. zionistenkongresfes. Die morgige (Montags-)AusgaLe der „Witter Morgenzeitmig" wird in Fortsetzung der Diskussion Aber die Fragen des 14. Zionistenkongresses unter anderem die folgenden Beiträge enthalten: Dr, I. Scheck)tmann (Berlin): Tatsachen beweisen. Paul Br aff (Biala): Wollen und Können. Dr. E. M. Zweig (Jerusalem): Wie stehen die Parteilosen in Nordamerika zum Zionismus? Schaje Horowitz (Wien): Zu den Problemen des Zionistenkongresses. Dr. A. S1 r o m w a s s e r (Tel-Awiw): Die Hachscharahfrage. Der Marottokrieg. Ernste Lage bei Taza. Paris, 11. Juli. (Havas.) Am 8. d. ist in Ain Aicha und in Bab Taza der Tag ruhig verlaufen. Der abgefall e n e Teil der Stämme griff -die unterworfenen Teile an und steckte die Dörfer und die Ernte in Brand. Der Feind versuchte sich am Flusse festzusetzen, wurde aber durch heftige Gegenangriffe der Senegalesen zurückgeschlagen, 'wobei er ernstliche Verluste erlitt. Im Gebiete von U z z a n verstärken die Rifleute ihr'e Propaganda bei gewissen Stämmen und vervollständigen ihre Verteidigungsstellung gegenüber dem französischen Posten bei Tasram. Bei Taza bleibt die Lage ernst, da die feindliche Propaganda unter den Truppen besonders stark ist. Im Norden von Bon Nihris wurde der Feind durch heftige Angriffe senegalischer Einheiten geworfen. Die Stellung Tu na, zwanzig Kilometer nördlich von Uezzan, wurde geistern ohne Schwierigkeiten und ohne Verluste besetzt. Nordwestlich van Ued Amelil wurde ein ziemlich ernster feindlicher Einbruch aufgehalten. Bei den beiden Operationen wirkten sranzosensreundliche Cingebornenabteilungen sehr wirksam mit. Ein spanisch-französisches Friedensangebot? Paris, 11. Juli. (Del.-Kvmp.) Der Berichterstatter der ,-Liberte" in Madrid glarrbt zu wissen, daß Spanien und Frankreich Abd el Krim gemeinsame FrieÄensbedingunge n unterbreiten werden. Der Korrespondent glaubt, daß der Quai d'Orsay bedeutende Konzessionen gemacht habe, um zu diesem Resultat zu gelangen^ Spanien scheine wenig geneigt zu sein, große militärische Anstrengungen zu niachen. Man erlwarte Abd el Krims Antwort auf die Fried ensvorschläge. Die gleiche Zeitung teilt mit, daß seit einigen Tagen eine erbitterte Schlacht um Taza im Gange sei. Die Riftabhlen kämpften mit ebenso großer Hartnäckigkeit wie seinerzeit die Deutschen Var Verdun. Abd el Krim sei gegenwärtig im Begriff, ein Fliegerkorps hevanzubilden, dessen Basis in Scheschauen sein wird._ Painleveg ewige Krise. Zwei parlamentarische Meder lagen des Kabinetts. Paris, 11. Juli. (Tel.-Komp.) Die Regierung Pain- 'leve hat heute nachmittags in der Kammer zwei Niederlagen erlitten. Da aber in keinem Falle die Vertrauensfrage gestellt war, wurde eine Regierungskrise vermieden. Zunächst wurde ein Kreditbegehren des Unterstaatssekretärs im Kriegsministerium, Ossala, wodurch der Kriegsminister ermächtigt werden sollte, bestimmte Kategorien von Reservisten zu besonderen Uebungskursen einzuberufen, mit 292 gegen 173 Stimmen abgelehnt. Sodann erlitt auch Caillaux eine Niederlage in der Frage der Umsatzsteuer. Die Kammer lehnte seine Fassung eines Detailantrages mit 273 gegen 261 Stimmen ab. Die Kammer hat schließlich das Budget mit 421 gegen 29 Stimmen votiert. „Ar Wag" erscheint wieder. Budapest, 11. Juli. (Del.-Kom-p.) Der stellvertretende Ministerpräsident Baß hat heute eine Verordnung erlassen, «durch die den; Matte „Az lljsag", das wessen der Veröffentlichung der Aussage des gewesenen Ministers Be-niezky über die Boteil-igung H o r t h y s an der Ermord u u g der Redakteure Somoghi und Baeso eingestellt worden war, lnnter dom wetten Kops „Ussag" vom 12. d. an das Erscheinen gestaltet wird. Verantwortliche Redakteure sind Dr. Adalbert A,gai und Josef Keszler. Der bisherige Verantwortliche Redakteur Kobor ist von seiner Stelle zurnckgetveten, veMeibt jedoch als Mitarbeiter im Verband des Blattes. Herzl. -y. Wien, 12. Juli. Theodor Herzl, dessen Name heute vor uns tritt, ist vor 21 Jahren gestorben, als eben der von ihm vertretene Plan, die Lösung der Judenfrage auf der Basis der nationalen Organisierung anzustreben, zunr ersten Male die tatbereite Würdigung einer europäischen Großmacht gefunden hatte. Das englische Angebot, in Uganda eine autonome jüdische Siedlung zu errichten, war der zionistischen Bewegung gemacht worden, die sich wenige Jahre zuvor ihr Programm gegeben hatte. Sie allein war der Träger des Volksgedankens, sie allein hatte den Weg betreten, den das Volk gehen wollte, um aus der Wurzellosigkeit des Exils, aus der Atmosphäre des Judenhasses zu Würde und Freiheit und zu neuer Existenz zu gelangen. Sie hatte die Palästina-Sache nicht zu politischen: Antrieb gestaltet und das heiße Vertrauen, das sich in der jüdischen Welt für den Zionismus zeigte, war der Beweis, wie stark die gebundenen Kräfte der Nation nach Auslösung und freier Entfaltung sehnten- Der Zionismus war die logische Anknüpfung an dieses territorial bestimmte Ziel und deshalb rief der von England kommende Vorschlag eine Krise hervor, daß der Führer seine letzte, in Sorge und blutiger Mühe erschöpfte Lebenskraft vollends aufzehrte. Der zionistische Kongreß hatte das Projekt abgelehnt. „Zion ist es nicht und wird es nicht werden, das Zeichen zum Aufbruch werden wir unseren Massen nicht geben." Nie vorher war der politische Wille des jüdischen Volkes so klar formuliert worden als in diesen Worten Herzls, und der Kongreß stand auf diesem festen Boden, als er in seiner Botschaft vom englischen Volke Beistand und Hilfe für Zion erbat. Das jüdische Volk sprach in diesem Beschluß und es wandte sich an" das Herz der großen Nation, deren politische Entwicklung stets von einer geradlinig vorwärts gehenden Zielsicherheit bestimmt gewesen war. Das jüdische Volk war von Herzl dazu erzogen worden, für sich das volle und gleiche Recht zu fordern. Es konnte sich nicht von seinem Ziele ablenken lassen. Die Projekte der jüdischen Philanthropie, die in dem Baron Hirsch ihren markantesten Repräsentanten besaß, hatten in der Masse keinen Anwert gesunden. Herzl selbst hatte dies erkannt. Ihm war es bewußt geworden, daß die Erlösung des Volkes seiner Geschichte, seinem in Gebet und Lied sich ausdrückenden Hoffen entsprechen müsse und im Sinne dieser Prinzipien appellierte er von der assimilliorisch-plutokratischen Psychologie an das nationale und soziale Empfinden des jüdischen Volkes. Er sagte ihm, daß es sich nur selbst befreien könne, er lehrte es, daß in der Vereinigung der Gleichgesinnten zu einer großen, die ganze Welt unpassenden Organisation die politische Selbsterziehung zu Gemeingefühl liege, und daß es sein ganzes Wollen nur auf die Feststellung und Durchsetzung seiner Forderung als nationale Individualität zu richten habe. Das 'Werk des Ausbaues von Volk und Land kann nur gelingen, wenn jeder einzelne sich in die Gesamtheit einfühlt, wenn er die Notwendigkeit erkennt, die entsittlichenden Einwirkungen der Verbannung durch Anwendung der organisierten Kraft der Gemeinschaft zu bekämpfen und zwischen Galuth und Erez Israel frei vor aller Welt neue unzerstörbare reale Verbindungen zu ziehen. Herzl hat die Tribüne des Kongresses geschaffen, die einzigartige Versammlung der gewählten Abgesandten des Volkes, die, verschieden in Sprache, Beruf, Weltanschauung, doch vereinigt sind in dem aus das Ziel der nationalen Befreiung gerichteten Wollen. Herzl hat die Grundlagen für das Werk gelegt, über «dessen Fortschritt und Gedeihen wir selbst der Welt Rechenschaft geben. Wir können dies mit Stolz tun. Herzl hat den Zionismus bis an die Tore des weltpolitischen Geschehens geführt. In Fortsetzung seiner Arbeit, von der ihn der Tod abgerusen hat, hat sich das Abbazia PALACE-HOTEL BADE-SAISON ERÖFFNET! Abbazia 602 FEINSTE KÜCHE! MODERNSTER KOMFORT! QENERALQIREKTION: HANS HÜBNER

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