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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-10 · Heft 2293 (10.7.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2293 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2ZSS Wien, Freitag Wiener Moraenzeituna. 10. Juli 19S5 Serie 5 Ms aller Wett. London, 9. Juli. (Tel. Komp.) Nach eirrer 'Blcföntift ou§ Lissabon wurde in der vergangenen Nicht im gesamten nördlichen Teil von P o r t n g a l ein E r d e b e n verspürt. Einzelheiten find noch nicht bekannt. Paris, 9. Juli. (Haivas.) „Pe.tit Parisien" meldet aus K o n st a n t i n o p e l, der erste Sekretär der britischen Botschaft ForbesAda m, der erschossen aufgefunden worden sei, habe s i ch s e l b st durch einen Revolverschuß entleibt. Berlin, 9. Juli. (Tol.-Kmnp) Nach einer Meldung des Berliner Tageblatt" aus N e w - D o r k ist im Osten der Vereinigten Staaten eine neue Hitzewelle aufgetreten. In C h i k a g o hat die Hitze 6, inNew-Dork 2 Todesopfer gefordert. Moskau, 9. Juli. (MM.) Am 10. d beginnt in Tiflis der Prozeß gegen den sogenannten paritätischen Ausschuß der antisowjetistischen Parteien Georgiens. Die Anklage ist erhoben wegen Organisierung des A u g u st p u t s ch e 8 im Jaare 1924, wegen politischer Terrorakte und wegen verschiedener Kriminalverbrechen (!). Die Anklageschrift enthält das an B r i a n d gerichtete Memorandum des Komitees, worin um Hilfe ersucht wird, ferner die Verhandlungen TschenkeliS mit Loucheur im Jahre 1922 sowie die Verhandlungen Z e r e t e l l i S mit H e r r i o t, Renaudel und MaeDonaldim Jahre 1924. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen' sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Wien, 10. Juli. * Eine Erklärung. Zu der von uns am 8. d. veröffentlichten Erklärung p den Fragen des 14. Zionistenkongresses, in 'der zu wollen, daß die in Ihrer Nummer vom 8. Juli d. I. erschienene „Erklärung" Pro „Jewish Agency" von mir weder unterzeichnet wurde noch daß ich jemandem die Befugnis erteilt habe, in meinem Namen zu zeichnen." Wir glauben, daß diese Aargelegenlheit aufgeklärt werden muß. 1 * Richtigstellung. Durch einen Irrtum ist iw die am 28. Juni gebrachte AustrittSliste der NamederFrauDr.Regina Hahn geraten. Frau Dr. Hahn gehört dem Judentum cm, was wir hiermit richtigstellen. — Ebenso ist der Name des Herrn Isaak Glück mann aus Snczawa versehentlich i>n dieser Liste mit- > geteilt worden. * Rabbinorwahl. Me man uns aus Taruowskie- Gory in Poln.-Oberschlssien schreibt, wurde auf tzen vakanten Rabbinerposten trt der dortigen Synagogengemeinde 'Dr. Theodor Kohllberg, ein Absolvent der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, berufen. Am 4. d. trat Rabbiner Dr. Kohllberg sein Amt nach Einführung durch den Synagogenvoostand an. In seiner Antrittsprodiigt ent-! wickelte Rabbiner Dr. Kohlberg sein Programm, das im Sinne!-des religiösen Zionismus aufgebaut ist. >: * Der Bäderverkehr der Franz-Josefs-Bahn. Die Ge- -ueraldirektion der österreichischen Bundesbahnen tM mit: Infolge des großen Andranges in der Bahnstrecke der Franz- Josefs-Bahn (Bäderverkehr) wird mit Gültigkeit vom 19. d. bis einschließlich 13. September 1626 bei sämtlichen Nahpersowengügen der Strecke Wieir-Franz-Ioscifs -Bahn— Dulln an Sonn- und Feiertagen die 2. WagenMaffe in beiden Fahrtrichtungen ansgelassen. * Das Wetter. Auch gestern gab es ieilweffe Regen, der ln den Abendstunden in Wien starker einsetzte. Die Boraus- & meldet noch immer kühles und regnerisches er. * Die Lebensmittelmarktr. In der Gwßmarkthasie sind geistern im Großhandel die Fleischpvoise namentlich für Kälber merklich zurückgegangen. Da aus dom Kälbermavkt in St. Marx Preisrückgänge von 20 bis 90 Groschen pro Kilogramm stattgefunden halben, so dürfte sich auch Kalbfleisch dementsprechend im Preise verbilligen. Der GngroSvorkehr war lebhafter, während der Absatz im Kleinhandel sich im engsten Rahmen fytolt. Die Gemüsezufuhren aus dom Naschmiarkt überwogen weitaus den Bedarf, so daß neuerliche Preisermäßigungen, insbesondere bei Spinat, Salat, Gurken und Kartoffeln, eingetreten sind. Die Kavtoiffeltzufuhren, namentlich aus den 'inländischen Produktionsgegenden. verfolgen konstant die aufftoigende Richtung. Der Obstmarkt ist mit allen Frühobstsorten reichlich versehen. Die Kirschenzusuhren beginnen abzunehmen, wogegen Marillen, die anhaltend reger Nachfrage begegnen, in großen Mengen einlangten. * Ein Vater vergiftet seine Kinder. Ans Linz wird berichtet: Der Bauer Anton Hochgatte rer btt Heindorf wurde unter dem dringenden Verdachte verhaftet, seinen dreiernhalbjährigen Sohn und sein viereinhalbicihriges Döchterchen durch Gift aus dom Leben geschafft zu haben, lvobei ihm zwei nahe Verwandte behi'Wch gcloesen fein sollen. MeMvürdigerweise ist auch die Gattin Hochgatterers unter den gleichen KvaukheitserschMtmgen erkrankt, wie sie bei den Kindern ausgetreten waren. Die Banevntochter Konstantia Fürn- Hammer wurde unter dem Verdachte der Beihilfe an dem Morde verhaftet, da sie der Frau Hochgatteror Torte und Kaffee gebracht hatte, nach deren Genuß die Frau erkrankte. * Selbstmorde. Der Oberbaurat im Patentamte Doktor Karl Sommer, Schvottgasse 9, hat sich durch Leuchtgas vergiftet. Das Motiv der Tat ist einem Abschiedsbrief zufolge unheilbare Krankheit. — In seiner Wohnung in der Zellergasse hat sich der 42jährige Kaulfmamm Siegfried Schnitterer erhängt. — Gestern mittags hat sich der 78jährige Pensionist Johann Innere! in seiner Wohnung wogen Kraulheit erhängt. * Angoschwemmte Leiche. Diensiag vormittags winde bei der Stadlauerbvücke die Leiche eines Mannes aus der Donau gezogen, welche als die des seit dom 2. d. abgängigen 48jährigen Jakob Lederer, Mrlkenstraße 26, erkannt wurde. Offenbar dürfte Selbstmord vorliogen. > *Tod im Motorboot durch Orhdgas. Sonntag unternahm der 33jährige Ingenieur Karl W e r 1 y a s e in Gesellschaft einen Ausflug nach Greifenstein. Als er am Abend die Heimfahrt in einem Motorboote, das ftir Personenverkehr bestimmt ist und dont Eduard Dworak gehört, mtirat, klagte er über Kopiffchmerzen. Gr begab sich schließlich auf das Klosett, tvo er nach längerer Zeit bewußtlos ausgefunden wurde. Aus dem Allstandsorte drang eine dichte Wolke von Auspuffgasen des Benzinmotors. In Nnßdorf konnte der Arzt nur mehr den Eintritt des Todes des Wetthase feststellen. Der Tod ist durch Kohlenoxydgasvergiftung eingetreten. Das Motorboot ist von der Linzer Schiffswerft erbaut. Als das Boot in Betrieb gesetzt wurde, ergaben sich wiederholt Störungen des Motors. Die Auspuffleitung verlief etwa 60 Zentinreter neben der Ausmündung des Klosettschlauches. Das BerkehrSministerium wurde von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt. 14. Ztoniitmkongrafi Kongreßabonnements Ständige Abonnenten der „Wiener Morgenzeitung“ erhalten die offizielle Kongreßzeitung zu bedeutend ermäßigten Bedingungen Oesterreich S 3, Tschechoslowakei Kfi 15, Polen Z\. 2, Rumänien Lei 120, Bulgarien Leva 70, S. H. 8. Dinar 40, Italien Lire 15, Belgien Frcs. 12, Frankreich Fr cs. 12, Schweiz und das übrige Ausland Frcs. 2.50, Deutschland Gmk. 2. Die Festnummer wird ««parat ausgegeben und kostet: Wien und Oesterreich S 1, Tschechoslowakei Kd 6, Polen ZI. 1, Deutschland Gmk. 1, Italien Lire 4, Rumänien Lei 15, Bulgarien Leva 12, Frankreich Frcs. 4, Belgien Frcs. 4, S. H. 8. Dinar 12, Schweiz und das übrige Ausland Frcs. 1. Bestellungen WZSK'L sofort aufgeben b“Kä ” * Tödlicher Absturz in den Dachsteinhöhlen. Landesgerichtsrat Heinrich Eder aus Bad Aussee, der am 5. d. mit einer großen Gesellschaft die D a ch st e i n h ö h l e n besuchte, den Ruckweg jedoch allein angetreten hatte und seit diesem Tage vermißt wurde, ist vorgestern am Fuße einer drerßig Meter hohen Felswand mit Verletzungen am Kopfe tot anfgefunden worden. * Eine internationale Studentenkonferenz in Genf. Einberusen durch die European Student Relief (E. S. R.), wird vom 4. bis 12. A-ugust id. I. im Genf die 4. «internativnäle Stndentenkonferentz logen. Die Konferenz wird darüber zu entscheiden haben, ob die wirtschaftliche Hllfstätigkeit der E. S. R. überhaupt iwtb, wenn ja, Kit welchem Ausmaß fortgeführt werden soll. Es soll auch ciit neues Programm des Zusammenwivkens >der Studenten aller Nationen auf kulturellem Gebiete beschlossen werden. Gleichzeitig mit dem Kongreß wird auch die von der E. S. R. organisierte internationale Studenten ansstellung in Genf eröffnet werden. Der Wettverband der jüdischen Stlldentenschaft entsendet zu dieser Konferenz eine Delegation. * Aus dem ältesten Aegypten. In London wurde die jährliche Ausstellung der Funde eröffnet, die von der britischen archäologischen Schule in Aegypten gemacht wurden. Diesmal werden Gegenstände aus der ältesten bekannten Kulturschicht vorgezeigt, die nach Berechnungen auf Grund des Niveaus des Nil auf rund 12.000 Jahre datiert wird. In dieser Zeit, die ungefähr mit der Zeit der europäischen Höhlenbewohner zusammenfällt, wurden in Aegypten feine Töpfereien, Elfenbeinschnitzereien und Glasuren gefunden. Archäologen nehmen an, daß diese Frühkultur durch Einwanderer aus Zentralasien begründet worden sei. * Archäologisches aus Karthago. Der Pariser Akademie der Inschriften berichtete der Archäologe Chabot über die Ausgrabungen in Karthago im sogenannten Heiligtum der Tanit, der „punischen Venus". Auf einem Jlächenraum von etwa 150 Quadratmeter wurde die Umgebung des Tempels vollständig freigeleat. An ihren ursprüngttchen Standorten wurden etwa 300 Sielen oder Weihealtäre mit Skulpturenschmuck und punischen Inschriften gefunden. Unter jedem dieser Monumente fanden sich kleine Urnen mit verkalkten Gebeinen kleiner Kinder, die ohne Zweifel der Göttin geopfert und wahrscheinlich lebend verbrannt worden waren. Das Sanktuarium selber ist noch nicht freigelegt worden. * Bühne und Kunst. Me Ateste Musik der Welt. Neubelebung orientalischer Musik. Haig Gudenian ist der Name eines jungen armenischen Komponisten, der soeben nach London gÄominen ist, um dort unter dom Patvouat vom Sir Henry Wood, einem der hervorragondstem mgliischen Dirigenten, ein Konzert zu geben. Die Kompositionen, die Gudenian bei dieser Gelegenheit zu Gehör bringen wird, beriuhen zum größten Teil auf mmsikaiiifchen Motiven, die man als die älteste Musik der Well« bezeichnen kann. Er hat sie im mehrjährigen Studien, die ihn mach Arabiem, Persien und Palästina fühvtem, unihsam yesammM, indem er sie den Eingeborenen ablaufchte. Me meisten Melodien, die Gudenian aufzeichnete, blicken auf ein Mter von mrfjt 'weniger als 4000 Jahren zurück. Gudenian erwartet, daß die Musik der Zuikunlft an diese alten UebevlieiserMtgen anklli'lpfen und sie auf diese Weise verjüngen und erneuern wird. Notwendig zu dieser Wiedergabe ist ein geligenartigez Instrument, das im Orient noch heute benützt wird. Es hat vier Saiten, die aber um eine Terz tiefer stehen als u-njjiere Geigensaiten, und nicht wie diese in Qninion, sondern in Quarten gestimmrt sind. Gudeil'ian verwendet dieses Instrument in seinen Kompositionen. Sachverständige, die eS geprüft haben, sagen ihm eine große ZuVumlft vovcms. Gudenian selbst äußerte sich über seine Bestrebungen wie folgt: „Die amerikanische NegermusiL hat die nroderne euvopäische Mulsik zum Teil zwar bereichert, indem sie rhythmische Neuerungen und eine Reihe von früher unbekannten Jnstrnmcn'ten populär machte; andererseits ist jedoch auf dom Umweg über die Jazz-Band eine ausgesprochene Verrohung des musikalischen Geschmacks eingatreten. Die zeitlos alte Musik des Orients, die ich propagiere; wird den musikalischen. Geschmack wieder auf eine höhere Stufe, heben. t Werbet Abonnenten sürdie | I „Wiener Mornevzeitnng"! Au« den Theatern. Burggarten (bet ungünstiger Witterung im Festsaaf der Hofburg'. Heute. 8 llhr abends, dirigier^ Mase a g n i: Dvorak: Symphonie „A u s d e r neuen Welt" und eigene Kompositionen r „Freund Fritz", i r Masken", M a t c l i f f" usw. K a m m e r s p i e 11. Das Ensemblegastspiel ungarischer Schausvieler wurde bis einschließlich Sonntag den 12. d. verlängert. Heule geht Ibsens Schauspiel ,G e s p e n st e r" in Szene, Samstag gelangt das dreiaktige Lustspiel „Le fl etir d’o r a n g e‘* von Andrö Birabeau und George D o l l e y. Sonntag Tristan BernardS Lustspiel „Embrassei m o i!" zur Aufführung._ Jubiläum im Metropari. Am Montag den 13. d. feierl die Revue „Rund um den Mittelpunkt" von Fritz Grünbaum und Dr. N e u m a n n im Metrovark, 2. Bez.. Prater, daS seltene Fest der 180. Aufführung. Die Direktion hat sich durch die außerordentliche Zugkraft der Revue veranlaßt gesehen, das Ensemble zu vermehren. Hauptdarsteller r Melly F o r st, Josef Viktors, Julius A u r 1 ch, Paul G e r h a r t. Max L e u t « e c, ferner die 12 Metrogirls in ihren bekannten und beliebten Tänzen. Eine polnisch« Premiere in Berlin. ,/D i e L i e b e n d c n", Schauspiel von Waclaw GrubinSkt, aus dem Polnischen von Rosa N o s s i g, der Bearbeiterin des „D y b u k", wurde in Berlin im Theater „D i e T r i b ü n e" erstmalig aufgeführt. Das Stück behandelt ein eigenartiges Problem — die sündige Liebe zwischen Mutter und Sohn —, da8 der Dichter mit starkem dramatischen Geschick zu behandeln gewußt hat. Die Aufführung mit Eleonore E h n, Beit Harlan und Rudolf Lettinger war ausgezeichnet. Das vollbesetzte' Haus speypete reichen Beifall. _ Radloprogimrnm. Heute Freitag. 4 Uhr bis 6 Uhr 45 Min.: Nachmittagskonzert. Auber r Die Sirene, Ouvertüre. Lehar, Die ideale Gattin, Walzer. Brahms, Ernste Suite. Compagnoli-Bondi, Aria, Bruni-Bondt, Menuett. Urbach, Mendelssohn, Phantasie. Stlesu, U» peu d’amour. Klose, Alt-Heidelberg, Phantasie. Dr. Kätscher. Im Prater. - 6 Uhr bis '/,7 Uhr r Karl Hierzr Ueber das Konservieren von Obst und Gemüse. — 1/irI Uhr bis 7 Uhrr Bortrag r Quer durch Oesterreich. — 8 Uhr i „Schumann". Vortrag von R. Specht. 1. Dichterliebe, ein LiederzhkluI (Konzertsänger Gustav Fukar). — 2. Phantasiestücke für Violine und Klavier (Prof. Hugo Gottesmann). 3. Schumann, Streichquartett A-Moll (Quartett Lilly Weiß). 4. Schumann, Klavier vorträge (Fr. Prof. Stella Wang). Bereine, Vorträge »nd Bersammlungen. In der Zionistischen Bezirkssektion X spricht heute, 8 Uhr abends, im Cafö Walloch, 10. Bez., Favoritenstraße 124 (Separatzimmer), Herr Dr. Goldhammer, Vizepräsident der Z. L. K. über: „Probleme des XIV. Zionistenkongresses". Eintritt stet. _ Gerichtssaal. Frau Eibenschütz mutz die Gagenrückstände im Carl- Theater zahlen.^ Das Urteill des' Gewerlbegerichtes über eine in der vergangenen Woche verhandelte M a f f e n k l a g e des vereinigten Personals des C a r l >- T h e a t e r s gegen die Besitzerin Fvan Dora Eiben «schütz ist heralbgelangt. In der Klage verlangten die Bühnenmitglieder, die Orcheftermi-tglieder und das technifche Perfonall die Bezahlung der rückständigen Gagen seit Novemlber, 1924, insofern sie nicht durch die Einnahmen der Ardeitsgemeinschaft gedeckt erscheinen. Das Gvlverdegericht unter Vorsitz des Obevlandesgerichtsrates Dr. Stark entschied namt daß nur Frau Eiben schütz allen Klägern. gegenüber als Dien st gebe rin zu betradjteu sei, da eine schriftliche EnKassung aus der Haftpflicht mcht erfolgte. Die Verbindlichkeiten der Frau Eöbenischütz gegenüber den Angestellten belaufen sich auf etwa 80 0 Millionen. Darf man ein Klavier in das gemietete Zimmer bringen? Die Klavierlehrerin Oligo Eisler hatte bei FraN Marie Tiel ein Zimmer gemietet und wollte ein Klavier, das sie zur Ausübung ihres Berufes bedurfte, m ihrer Wohnung aufftellen lassen. Sie wurde von der Vermieterin zweimal daran mit Gewalt gehindert und strengte nun deshalb gegen sie beim Bezirksgericht Währing eine Klage an. Das Bezirksgericht Währing hat die Klage abgewiesien, weil die Mieterin nicht 'beim Aufnehmen der Wohnung ausdrücklich die Einistelliung des Klaviers ausbedungen hatte und sie daher nicht berechtigt war, mangels einer solchen Vereinbarung ein .Klavier eiuzustellen. Gestern bejschäftigte sich ein Senat des ZivMandesgerichtes unter Vorsitz des Hofrates M enh ari mit der Berufung, welche die Untermieterin gegen dicises 'Urteil eingebracht hatte. Der Bernifung des Klägers wurde staktgegeben und das Urteil aufgehoben. In der Begründung wurde ansgeführt, daß es das n a t är l i ch e Recht eines Untermieters sei, nicht nur in einem Zimrmer, das er mistet, aus- und cinzugehen imd es M benützen, sondern auch Gegenstälude seines Bedarfes mitKUlbri ng en und M benützen. Diese Einbrmgmrg eines Gegenstandes würde um dann unzullässig erscheinen, wenn durch diesen Gegenstand aine Gefährdung des Mietobjektes herbeigesührt werden' könnte. Es wllrde daiher die Sache an das Evstgericht zuvückverwiesen. Der Gerichtshof beschloß jedoch, daß das Bezirksgericht erst dann über die Angelegenheit zu vechairdeln haben werde, bis der Beschluß des Berufungsgerichtes, gegen welchen der Vertreter der Vernrieterin die Rcvffiou an'den Obersten Gerichtshof, ergreifen wird, vom Obersten Gerichtshof m seiner prinzipiellen Frage entschieden sein wird. Ablehnung eines jüdischen Richters keine Beleidlgnua. Aus Berlin wird uns berichtet: Im Jänner 1924 wurde von der Staalsanwattschaft in Dessau ein Stralsversahren gegen sieben Angehörige des „Stahlhelm s", darunter gegen den Rechtsanwalt Dr. Haase aus Dessau, wogen Teilnahme an einer tahlhelnl"-BeranistMung in Magd Ml rg eingeleitet. Dr. Haase riet seinen Kameraden, wenn' sie in Dessau von dom jüdischen Richter Dr. Mendershausen vernommen werden sollten, dieser: wegen Befangenheit abgulehnen. Dies geschah auch durch ein Gesuch, in dom ausgchühvt Wurde, der jüdische Richter werde abgelchni. wokl me Juden demr im „Stahlhelm" verkörperten Fvontgeist stets feiMich ge-genüberstänben. In dieser MIehnung eMickte Doktor MendershausM eine Beeidigung und auch die Staatsanwaftschaft Dessau erhöh gegen die sieben Stahlhelmer öfferrtliche Klage wogerc Beleidigung eines Richters. Das Schöffengericht verurteilte Dr. Haase zu 1000 Mark Geldftraife und sprach die übrigen Angeklagten frei. In der Berufungsinstanz wurde Haase der Schutz der Verteidigung von Rechten zugebilligt und auf volle Freisprechung erkannt. Dieser Tage beschäftigte sich das Reichsgericht mit der Angelegenheit «und bestätigte de» Freispruch.

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