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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-10 · Heft 2293 (10.7.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2293 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite » Wien, Freitag Wiener Msvzenzett««« 10. ^'uTi 1925 Nr. 2298 wichtigen Punkt versagt. Sie weiß sehr genau, daß die Erschütterung des Rechtslebens vom Judenpunkt ausgeht, aber die gesamte Gesellschaft in ihrer Ordnung bedroht. Sie erkennt die Gefahr, die daraus für alle BöNer entsteht und die in der Verlockung liegt, das, ivas gegen die Juden straflos gewagt tverden kann, auch gegen andere Minoritäten zu unternehmen. Und , tatsächlich ist ja der Zustand der Minderheiten, wie er sich heute daMetet, nichts anderes als ein vielfach multiplizierter Antisemitismus. Die Beschwerden der Minoritäten der Deutschen, der Magyaren sind gar nichts anderes als eine Modifikation der Klagen, die die Juden zu erheben voll berechtigt sind. ■ Für diese Böller spricht ihre Stammnation mit dem vollen Bewußtsein der materiellen RLacht. Die jüdischen Vertreter können nur auf das Recht Hinweisen, das freilich einen sehr geringen Kurswert in einer Welt besitzt, die selbst von der Erkenntnis ihrer Sünden sehr weit entfernt ist. Es ist wirklich so, wie eS der gestern publizierte Ausruf der hundert französischen Schriftsteller sagt, daß die Zivilisation ihre letzte Karte ausspielt. Sie ist sinnlos und sittenlos geworden. Sie macht immer wieder Kompronrisse mit dem Recht, das sie spa'ltet. Sie kennt nur Staaten und Staats- . Volker, nur Mehrheiten, die im Besitze von Land und Militär sind. Die europäische Zivilisation stellt ihre .Sache auf die Gewalt und maskiert sich nur in Feier-! stunden mit einem platonischen Bedauern des in Geisetz und Praxis sanktionierten Systems. Die Existenz! einer Judenfrage allein genügt, um diese Heuchelei zu brandmarken. Eine Aerüxrung wird nur dann erfolgen können,, wenn, sich das jüdische Volk ein politisches Krastzentrum schafft. Der Völkerbund war auf bem guten Weg, als er das Recht der Juden auf Land und Freiheit feststellte. Diese Anerkennung zur festen Tatsache zu formen, muß der einzige Inhalt einer positiven jüdischen Politik sein. In diesem Europa gilt nur die Tatsache des Besitzes, und je stärker wir diese Erkenntnis beherzigen, um so rascher wird bei .den Staatsvölkern das Verständnis dafür reifen, daß das jüdische Volk Resoluttonen nur als Ausdruck eines guten Willens, aber schwachen Kraft hinnimmt. Wir müssen bauen, sammeln und arbeiten. Dem Juden kann nur durch den Juden geholfen werden. Der Wechsel im italienischen Finanzministerium. f Bolpi — Nachfolger de Siefanis. , v Rom, 9. Juli. (Stefani.) Der König Hat den Rücktritt der Minister de Stefani und Nava genehmigt und den früheren Gouverneur in Tripolis Grafen Bo I p i zum Finanzminister sowie,dey.^Deputierten Pelluz zo zum Volkswirtschaftsminister ernannt. Der neue Finanzminister Senator Eonte Volpiist in Benedltz im Jahre 1877 geboren. Im Jahve 1912 war Bolpi einer der italienischen Unterhändler für den Lau sänne r Frieden, der den italienisch-türkischen 'Krieg beendete. Bolpi ist Führer einer der bedeutendsten autonomen Finanzgruppen und zahlreicher.Industrien. Er war Schöpfer großer hydroelektrischer Unternehmungen in Benetten nnd des großen Handeshasens von Venedig. Im Jahre 1921 übernahm er den Posten eines Gouverneurs von Tvipolitanien. ■ ’ * ■; Weiteres Sinken des Lirnkurses. / Rom, 9. Juli. Der Geldmarkt war auch heute wieder schwankend und die Lira verlor mehrmals infolge Pariser Aufträge, die mit der französischen internationalen Lage Zusammenhängen. Das Pfund stieg von 132,5 auf 132,75, der Dollar von 27,26 auf 27,50. N Schlägerei in der Skupschtina. Belgrad, 9. Juli. In der heutigen Sitzung der Skup- ^chtinn wurde die Erörterung der Anklage gegen den Jüsttzmimster L u k i n i c wegkn Bestechung durch den Fürsten Thurn-Taxis fortgesetzt. Der demissionierende Justizminister wurde von P a I e e k (unabhängige, Demokratenpartei) in Schutz genommen. Die Opposition störte den. Redner unausgesetzt durch Zwischenrufe' Zsanie (kroatische Arbeits- Partei) rief mit schriller Stimme: ,Aribikev<rc ist auch e i n P a n> a in i st! Er hat der Paxteidvuckerei eine M i l l i v n Dinar Vorschuß gegeben. Wdher hat er sie genommen, wenn nicht von Thurn-Taxis?" Bei diesen Worten entstand ein. ohrenbetäubender Lärm. Als Prihicevie der Opposition ,Dande!" zmief, warf sich Zsanie auf ihn und versetzte ihm einen Schlag in die Brust, so daß Pribioevie zu Boden fiel. Es gab Ohrfeigen, Fußtritte, Faustschlage. Der Präsident sah sich genötig, die Sitzung zu schließen. Der Rauferei, die noch im Hose der Skupschttna sortgesitzt wurde, bereitete schließlich der Polizeikomm issar der Skupschtina ein Ende, der die Gendarmerie an wies, die Ordnung herzustellen. Der Vergleich zwischen Paste und Radie. Air Belgrad, 9. Juli. (Tel.-Komp.) Die Verständigungsderhandlungen -wischen den Radikalen und der Radie-Partei wurden heute zu Ende geführt. Das Protokoll wird morgen unterzeichnet werden. Ueber die Art der parlamentarischen Zusammenarbeit und die Bildung einer Koalitionsregierung aus Radikalen und Mitgliedern der kroatischen Bauernpartei wird noch ein besonderes Uebereinkommen getroffen werden. •- * ' •< ... Die Warschauer Konferenz der Mkerdaadligen. Der Numero» klausur. - Die zweidentigkeiten Ungarn». Aus Warschau wird uns unter dem 7. d. geschrieben: Auf der Tagesordnung der Bätterbundkonferenstohen noch die Fragen der Aufnahme der neugegründeten palästinensische,t Volkerbnndliga sowie des Numerus clausus für jüdische Studenten. Die Subkommission für diese letztere Angelegenheit hielt an: 6. d. eine Sitzung unter der Leitung des Professors Aulard ab. Anwesend waren Vertreter Polens, Rumäniens, Ungarns und Oesterreichs, also jener Staaten, in denen die Nmnerus-elausus-Frage aktuell ist. Im Prinzip wurde der vom achten, in Lyon stattgeftlndenen Kongreß der Union angenommene Beschluß gegen den Numerus clausus bestätigt und Professor Aulard beauftragt, in diesem Sinne vor dem Plenum des Kongresses zu referieren. Am folgenden Tage erstattete Professor Aulard seinen Bericht vor der Minoritätenkommission. Es kam zu einer bewegten Debatte, in deren Verlauf Professor Aulard energisch die Anträge des SpezialauSschussts vertrat. Es wurde schließlich ein aus zwei Teilen bestehender Resolutionsentwurf beschlossen, der nunmehr vor die Planavsitzung gelangt. Der erste Teil besagt: 1. Die Versammlung, getreu dem einstimmig in Lyon gefaßten Beschluß bezüglich des Regimes des Numerus clausus, das heißt, eines dem Grundsatz der Gleichberechtigung zuwiderlaufenden Regimes, erachtet sich n i ch t genügend aufgeklärt über die seit der Fassung des obgenannten Beschlusses erzielten Ergebnisse. Indessen stellt sie mit Bedauern fest, daß das Regime des Numerus clausus noch itt Ungarn und anderwärts besteht. Sie erfährt nttt Befriedigung, daß in Polen ' ein allgemeines Abkommen zwischen der Regierung und - der jüdischen Mehrheit zustandegekommen ist und daß hiedurch jede Eventualität der Einführung des Numerus clausus ausgeschloss e n erscheint. Die Versammlung beschließt, die Untersuchung über die Ergebnisse ihrer Resolution fortzuisttzen und 'beauftragt den Unterausschuß, ährin der nächsten Tagung einen B^rf^ht zu erstatten. Dieser Teil der' ResöÜrtwn wurde mit Ausnahme zweier Delegationendarunter der ungarischen, einhellig angenommen. 2. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, daß alle vom Sekretariat -der Union gesammelten Informationen betreffend den Numerus clausus und die Lage der Juden im allgemeinen vorher mit Quellenangabe den ■ betreffenden Vereinigungen mitgeteilt werden, damit diese chve Bemerkungen machen. Der Generalsekretär wird ersucht, ' einen regelmäßigen Bericht über den Antisemitismus in allen europäischen Ländern . zu erstatten, dex parallel auch den .Tatsachen gewidmet ist, die sich auf den N u m e r u s c l a u s u s beziehen.; Dieser Teil der Resolution wurde einstimmig apgenonmien. Die Haltung der ungarischen Delegierten hat sehr großes Befremden erregt. Sie konnten die in der SuÄommissiön gemachten Mitteilungen nicht entkräften, stimmten aber gegen den Antrag. In den führenden Kreisen des Kongresses fiel dies um so mehr auf, als Herr Der Konflitt zwischen der Tschechoslowakei und dem Batikan. Erörterung des Zwischenfalles im Senat. Prag, 9. Juli. (Dschech. P.-B.) In der heutigen Sitzung des Senates kam u. a. Senator Nießner Deutscher Sozialdemokrat) auf die Affäre des päpstlichen Nuntius zu sprechen und erklärte, es sei befremdend, daß bisher von allen Seilen einer Erörterung der Angelegenheit auSgowichen tvorden sei. Der Affront, den der bisherige Nüntius gegen den Präsidenten der Republik und gegen die Regierung unte-- nmmnen habe, gehe alle'Staatsbürger an. Die Abreise des Nuntius — erklärte Redner weiter — ist an sich höchst belanglos, nicht nebensächlich ist jedoch die Absicht, die damit verbunden war, das Bestreben, sich in unsere Angelegenhelitein ein zu mengen. Es war zweifellos die Absicht vorhanden, unseren Staat vor denr gesamten Ausländ bloßzustellen. Cs sollte gezeigt werden, daß hier Kirche und Religion verfolgt werden. Die Teilnahme an der Hus-Feier ist das Recht eines joden Staatsbürgers, welche Stellung er immer bekleidet. ES gibt keine andere Antwort auf diese Kampfansage, - als die Gesandtschaft beim Batikan aufzuheben. . v Der Konfliktsgrund. Prag, 9. Juli. Die Zentvalzeitungskorrespottdenz erfährt über die in letzter Zeit zwischen dem Vatikan und Prag her- , handelten Fragen, daß es sich dabei in erster Lutte um die Grenzfestsetzurrg der Diözesen sowie um die Besetzung der Bischossteilen gchcmdett habe, I» der letzten Frage gebe es schwere Differenzen, da die- Dr. Lukacs über die angebliche rechtswidrige Behänd» lung der magyarischen Minioritüten in Karpathorutzland Beschwerde führte und hiebei von dem Delegierten der magyarischen Minderheit, Ge za Szüllö, unterstützt wurde. Sie verlangten, das; ein Rechtsgutachten des Haager internationalen Gerichtshofes eingeholt werde. Das ist jene internationale Stelle, bereit Gutachten über die antisemitische Hochschulpraxis Ungarns der Londoner Board of Deputies verlangt hat. Die ungarische Regierung hat dies abgelehnt, zeigt aber jetzt Lust, denselben Weg bezüglich ihrer Minoritäten zu betreten. Diese Zweideutigkeit wird diesmal nicht verfangen. - Die j u r i st i s ch e Kommiss i o n hat am 7. d. die verschiedenen Entwürfe in Angelegenheit der Minoritäten geprüft. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Anhängern eines Entwurfes, der sich darauf beschränkt, das beim Völkerbund gegenwärtig in Kraft stehende Verfahren zu verbessern, und den Anhängern eines Entwurfes, der eiue bedeutende Umarbeitung dieses Verfahrens beinhalten würde, sind noch immer sehr groß. Die Kommission konnte zu keinem endgültigen Resultat kommen und hat die Prüfung der Frage an die ständige juristische Kommission verwiesen, die im Oktober Zusammentritt. Die Minoritätenkommission l)at einen Entwurf betreffend die sogenannte Staatenlosigkeit angenommen, der die Lage jener Personen betrifft, die infolge der Schwierigkeiten der Anwendung der Vertrüge von St.-Germain und Triauon Kleine Staatsbürgerschaft besitzen. Die Refolution ersucht den Volkerbundrat, die Nachfolgestaaten der Oesterreichisch-ungarischen M o u a r ch i e, die bereits im Jahre 1922 in Rom eine Konvention zur Lösung dieser Schwierigkeiten unterzeichnet haben, diese Konvention, die bisher bloß von Italien und Oesterreich ratifiziert worden ist,, zu-ratifizieren. Die Minoritätenkommission hat sodann die Frage des Numerus clausus eingehend erörtert, die bereits im Spezialkomitee . lebhafte Debatten hervorgevufcn 'hatte. Die Plenarsitzung. Warschau, 9. Juli. (P. T.-A.) Die Plonavversammlung nahm vorgestern den Bericht der juridischen Kommission, den Kunz (Oesterreich) erstattete, entgegen. Die Versammlung nahm sodann die Resolution betreffend die Beveinheitlichung des Privatrechtes an, worin die Schaffung eines internationalcn Instit u t s für P r iv a t r e ch t begrüßt und der Wunsch ausgesprochen wird, daß an allen Rechtsfakultäten Vorlesungen über v e r g l c ich e n d c G e sie tz g e b u n g eingeführt werden. Die Prüfung der Refolution betreffend das obligatorische Schiedsgericht wurde im Hinblick ans den engen 'Zusammenhang mit der Frage des Genfer Protokolls vertagt. Ferner wurde eine Resolution angenommen, worin im Hinblick darauf, daß die auf dem Gebiet eines Staates gegen fremde Staatsangehörige begangenen Verbrechen, die eine der gefährlichsten Ursachen internatioualer Konflikte bilden, keine kriegerischen Maßnahmen rechtfertigen, da dies eine Verletzung des Völkerbundpaktes darstelle.. Bezüglich der R e p r e s s a l i e n in Friedenszeiten wurde beschlossen, den Völkerbund aufzufordetn, eine Konvention abzufassen, ivelche solche Schritte untersagt. Kurie sich gegen die Auffassung der Regieruidg wende, daß die Besetzung der Bischosstellen Sache der. Regierung sei. , Nach der Rede des Senators Nießner erklärte Doktor Kovaliik (slowakische BMspartei), daß die Regierung die Mentalität von elf Millionen Katholiken in der Republik und von 26 Prozent kacholiifcher Slowaken nicht respektier«. Der Redner sprach sich dagegen ans, daß bei den HnsFeicrlichkoitcn Militär verwendet wurde. Der Redner erklärt« unter lärmendem Widerspruch, daß die katholische Kirche patriotisch feit und daher sei es erforderlich, daß dk-e elf Millionen Kathoiliken in der Republkt beim Vatikan vertreten seien. Da» Dorado der Mörder. Wie die Untersuchung über den Somogyi-Mord geführt wird. Budapest, 8. Juli. Ueber den derzeitigen Aufenthalt der ehernaligen O s z t e n b u r g - O f s i z i e r e Enül Kovarc und Ladislaus Me gay, die bekanntlich als die Mörder der „Nepszava"-Redäktenre S o m o g y i und Bacso galten, war bisher nichts Positives bekannt. Es hieß, daß sie nach vollbrachtem Verbrechen nach Brasilien entkommen seien. Geistern teilte der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Györki mit, daß Oberleutnant Kovarc derzeit als G e n d a r m e r i e o f f i z i e r i n Ea s d im Komjtat Baranha weilt, während Megay in Szeged heim Z o lld i st r i k t s k o m m ando aktiven Dienst leistet. Tie Mavffy-Konüjdie. Budapest, s. Juki. (Tel.--Konrp.) Im Marffy-Prozeß Mtrde heute das ergänzende Beweisverfahren fortgesetzt.; S»,

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