Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2292 (9.7.1925)
- Date
- 1925-07-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Wiener Morfterrzettnnn. f 8BB8 Wien, Donnerstag P ALLQf EINSTE^ THEmma nrr»a MllLMa MMM tdtffic^7Tgr*vXyS fanden Sitzung von der Regierung über di« Angelegenheit /genaue Informationen erteilt und die Frage einer icventuallcn parlamentarischen Verhandlung erwogen werden soll. Grobe Arbeiterentlaffungen im Lftrauer Revier. . Mährisch-Ostrau, 8. Juli. (Tsch. P.-B.) Zur Lage der Kohlenindustrie im O strau - Ka rw i n e r Revier schreiben die Blätter: Seit März d. I. sind im Ostra-u-Karwiner Revier 5000 Bergarbeiter entlassen worden. Jetzt sollen mach mindestens 3000 entlassen werden. Inzwischen I kehren aus dem Militärdienst 500 Bergarbeiter zurück, die /von neuem in die Arbeit ausgenommen werden müssen. \ Trotz bedeutender Verminderung der Belegschaften können /die Grubenvcvwaltungen die Bergleute jedoch nicht versichern, daß sie -mindestens fünf Tage in der Woche beschäftigt werden, da die Absatzkrife andauert. Die Zahl der Ar- ' beiter in den Gruben und Kokereien ist von 47.583 im März d. I. mtf 43.000 gefunken und wird noch um 3000 Ungams geheime Wehrmacht. Vom Honvedminister zugegeben. Budapest, 8. Juli. (Tel.-Komp.) In der Nationalvcrisanrnllung beantwortete Honvedminister Csaky die Jnter- .pellationen des sozialdemokratischen Abgeordneten Peyer über sdie Organisationen dar aktiven Offiziere und /den La n d e s-wehrma chtve r ein. Der Minister erklärte, sdie Offi'ziere der nationalen Armee seien auswärtige Mit- : Wieder dieses Vereins, und da der Verein sich politisch nicht betätige, bestehe dagegen kein Anstand. Auch habe er nichts gegen eine Selbst-vcrtciüigungs orgcmisation der Offiziere einzuwenden, dvs ja nur den Zweck verfolge, eine Wiederkehr der traurigen Ereignisse der Jahre 1918 nnd 1919 zu verhüten, als die Offigiere auf den Straßen tätlich angegriffen wurden, i '■ Bei diesen Worten unterbrach die Linke den Redner mit s stürmischen Entrüstungsrnfen. Es kam zu einer Lärmszene, Die mehrere Minuten andauerte. Hierauf ergriff der Abgeord- .nete Peyer das Wort, um festznstellen, daß die Organisation ibet aktiven Offiziere eine ausgesprochene politische Orgamvsati'vn und, entgegen der Darstellung des Honvedministers, Heine geheime Orgcunsation sei. * Das Wetter. Gestern wechselten Regen und Sonnensche'm wie int April. Die Voraussage meldet noch immer veränderliches Wetter mit Strichregen. Sie ßleNristziemvg der Bundesbahnen. Wie erinnerlich hat der V-Akerbnndrat im Juni für die. zweite Etappe der Eisenbahneloktriftzierung in Oesterreich der Freigabe von insgcsamt 88 Millionen G old k r o n e n aus dem Völkerbundkredi-t zur Bestre-itung der in drei Jahren dn'rchzusühre n den Elektrifizierung der Strecken Brenner — Inn s b rm-ck — K n f st e i n uub Wörg -l—S a l z bürg zugcstimmt. Im Nationalrat wurde gestern ein Gesetz eingebracht, welches bestimmt, daß die Arbeiten zur Einfiihvung der elektris-^n Zugförderung auf den erwähnten Strecken sogleich anfzunehmen sind. Als Nachtrag zum Bundesvoranschlag für 1925 wird ein Kredit von höchstens 16 Millionen Schilling bewilligt. Das Erfordernis für die Fortführung der Arbeiten in den folgenden Jahren ist in den jeweiligen Bnndcssinanzgchetzen sicherznstcllen. Nach Vollendung dieser Arbeiten wird in: Bereich der B und es bahndi rektio n Innsbruck nur mehr die elekt r i s ch e Zugförde r n n g bestehen. Binnen kurzem werden Mich die den-tschen Anschlußbahnen elektrisch betrieben werden, so daß ein durchgehender elektrischer Betrieb von Innsbruck bis München möglich sein wird. Sar Heimatsrecht der Nichtoptanten. In einer Pensionistenversammilung im Rathaus kam es gestern zu bewegten Szenen, da einige radikale Versammlungsteilnehmer gegen die anwesenden Abgeordneten Dr. Ode h n a l -und Schulz sowie gegen die P a r t e i e n des Natio nalrates schwere Vorwürfe erhoben. Cs wurde u. a. verlangt, daß die Pensionisten wieder 90 Prozent des Akt ivitä tsb ezuge s erhalten. Sodann wurde eine Denkschrift beschlossen, worin verlangt wird, das; die Regierungsvorlage über Erwerib nnd Verlust der Bundes- und Landesibürgerschaft dahin erweitert werde, daß alle in der Republik Heimatsberechtigten die österreichische Staatsbürgerschaft behalte n s olle n, die seiner-zoit von den Behörden die Auskunft erhielten: „Wer einen Heinraiischcin besitzt, braucht nicht zu optieren!" Ferner alle, die hier Steuer zahlten und wählten. Hin gweieinhalb-Millionen-Anlehen des Landes RiederSfterreich. Im niederösterreichischen Landtag wurde gestern eine Rogierungsvorlage betreffend die Ermächtigung zerr Ausnahme eines Kredites in der Höhe von 2,6 Millionen S ch i l l i ng eingebracht. Es dürfte sich bei dieiser Vorlage um die Be>teiLignng des Landes Nicdevösterreich an der genN'i>n!famen Kreditaktion der Länder handeln, an der Nicderösterreich bisher nicht teilgenomnten hatte. Letzte Kurse. New-Aorker Devisen. New-Nork, 8. Juli. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.86^, London Scheck 4.81^, Amsterdam 40.06, Paris 4.69, Brüssel 4.62, Rom 3.65, Madrid 14.55. Zürich 19.46. Stockholm 26.81, Oslo 18.04, Kopenhagen 20.52, Wien 0.14. Budapest 0.14, Prag 2.96l/4, Belgrad 1.75, Athen 1.60, Buenos Aires 0.407/16, Rio de Janeiro 11.05, Bukarest 0.46. Amerikanische Getreidemärkte. New-Nork» 8. Juli. lTel.-Komp.) Weizen rot Winter 177V-, Weizen hart Winter 167-/«, Mais 120-/„ Hafer 55, Roggen 112 V«j. Ehikago, 8. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 149V-, September 144-/«,, Dezember 1467/8; Vtais per Juli -102V-, September 106'°^, Dezember- 87; Hafer per Juli 46% September 47, Dezember 491/*; Roggen per Juli 983/«, September 100, Dezember 1023/4. 0. Juli 1025 Selti» ' und rerauggabt EISENBAHN SCHIFFSFAHRKARTEN 1 ntch allen Llmlarn nnd Meeren Toraoetaltet ‘ VERBINSRHSEN ‘ViOV AKKORDREISEN ’ ChszolcstaMK m w" 1 Hotel Reservierungen, Reisehandbücher, Reiseschecks etc. Relsegepäck-Veralch. d. Europäisch. ^/aube Wien, I. Stephansolatz Nr. 2 Sie Kosten des Strafverfahrens. Der Nationalmt hielt gestern eiirr ganz kurze Sitzung ali. Nach der Staatslk-orrespondenz dauerte sie ganze s ü n j M i n nt t ic n. Es wurde das Gesetzüber die K o st e n des Strafverfahrens in beiden Lesungen oihne Debatte 'angenommen. Die Vorlage bezweckt gewisse Verein- 'sachnnigen. An Stelle des bisher notwendigen Kostcnvcrzeich- 'nlisfes werden Pauschalbeträge nach einem im Vervrdnungsiwege zrl bestimmenden Tarife treten. Tie Puuschal- 'kastenbeiiträge werben in Hinkunft betragen: Bei einem Schüldspvuch wegen Uebertretung, wenn auf eine Freiheitsstrafe von mehr als 48 Stunden vder aus eine Ge'ldstraife von mehr als 10 Schilling erkannt Jorobeit ist, 10 Schilling; in allen anderen Fällen 5, S. Bei einem Schuldjfpvuch wegen eines nicht vor das Geschworenengericht gehörigen Verbrechens oder Vergehen s, wenn a»ts 'eine nrchr als einjährige Fveiheitsstrafe erkannt worden ist, 100 Schilling; in allen anderen Fällen 50 Schilling. In 'Uebertretungsfällen ist kein Pansch alkostenbertrag zu entrichten, wenn keine Han.ptverhandlung stattgeifunden hat und auch keine Zeugen- oder Sachverstärrdigengdbühren erwachsen sind. Im Einlauf befanden sich Rhgierunigsvbvlagen betreffend die Grundsätze für die Organisation der Agrarbehörden; das österreichische Postsparkassengesetz;' das Gesetz betreffend die F o r t f ü h r u n g d e r Elektrifizier u n ig s a r b e i t e n durch die Bundesbalharen; die BörsenfondsNovelle und eure Novelle zur Notäriatsordnnng. Die Börsenfondsnovelle nnd d>i>e Eleiktrisiiziernngsnovelle wurden dem Finanzausschuß, das Postsparikasserrigesetz den: Ausschuß für Handel gn-gewieisen. Nächste Sitzung Donnerstag den 16. d., 3 Uhr nachmittags. . - - V;V. Bericht über eine Balöftinareile?) " " ' Bon Otto Abeles. ' 7. T e l - A w i w, 24. Juni. Erste Fahrt über Land, über totes Land. Das sagenhafte j bunte, duftende Blninenkteid, tvelches während des patästinensischen Frühlings Täler und Hügel deckt, ist abgesallen. Die unevbititliche Sonne, glühende Winde, der fressende Staub haben idvn Kullissenzauber äbgerämnt, die leirchteUden Farben weggelwischt. Es war ein schön gesticktes Loichentnch. i Nackt liegt die gesteini'gte Erde da, zcrschnnden, mit ver-! krufteten Beulen bedeckt, fahl wie die Leibern d>er Kamele. ^iKöniAiche DaxuShecken haben sich mit trotziger Kraft äat den .Stwaßensannl vepbi-ssen nnd treiben frische, gelbe Blüten. Pal-!men strecken ihre Fächerarine über das StaiN'bmeer, RaubjVögel kreisen', Schakale schleichen, es niiliß Äl-as »nodevn zwischen den Steinsamen der Berge nnd ans den zerrissenen Feldern. I Wanderer, der du das Land sehen willst, welches die UGahne deines Volkes für uns erlösen wollen, . erapboi-ten ^müssen — suche es aus, wenn die vie>lbe!fungen>ü Fata Mor- Mna der palästinensischen Frühtingspracht Verfchlvunden ist, ^damit du die Größe der Ausgabe ermessen kannst, den Heroismus dor Siedler, das Wunder der bisherigen Loistu-ngen. Ucber die ^NaAni-ftraße nach En Ganinim, zu der K'ivuzah Biberichah. Dieser erisle Ausflug zu Pionieren der Landerschließung ist nicht zufällig angcsetzt. Ich wollte znnächst eine kleine Gemoinschast sinniger Menschen scheu, die sich in den Jngcndnrauipeln europäischer Länder für Erez Israel vorbereitet halteir. Die ^Kwuzah zählt zwölf Mitglieder, danm-ter drei Ehepaare. In der Müchenbaracke arbeitet eine sehr geschätzte Gesangskünstlerin. In freien Stunden erteilt sie im n>ahen Petach-Tikwal) Gesmvgsnnterricht, -im Winter konzertiert sie in Jerusalem, Tel- Awilp, Haifa. Alles für die Kwnzah. Ihr Mann, ebentfalls Musiker, kehrt soeben m>it dem Atilchwagen ans Tol-Awitv Zurück. Ätacht für Äiacht uni die zweite Atorgrnstunde spannt er ein und bringt die gclronnene Milch n-ach Tel-Awiw zum Ber- *) Siehe „Wieiter Nöorgenzeiltt.ttg" vom 17. >n»td 24. Juni, 8., 3. und 4. Juli. kauf. Das läßt sich leicht iberichten. Die Durchführung ist schwieriger. Der Weg — wir haben ihn soeben im Auto znr-ückge-legt — ist in finsteren Nächten mti für einen sehr gewaudten, ortstk.undi.gen und geistesgegenivä-rtigen Wagenleuker befahrbar. Und in der Regenzeit verzehnfachen sich di-e Hiudoru-ifse, die zu überlvinden sind. Bor einigen Wochen, wunden chm mrterwogs, trotz kräst-iger Gegenwehr, die Milchkannen geraübt. Kutscher nnd Gespann blieben nnversehvt. Er fuhr zmn nächsten Wachkommando. Noch in der nämlichen Stacht wurden die Räuber fctsigenonrmen. Mancher tvohlmeinende Leser wird diese Mi-tteilmiig für ,/taktisch nnklng" halten. Ich glaulbe, sie ist nötig. Uujsere Inden sollen wissen, daß das Werk der Pioniere hart mnd gclfahvvoll -ist. Viellc-icht wird doch von hundert ,-Palästin-asrelmden" ein einziger an dieser PalästnreirsWen L-okal-notiz ermessen, wie schmachvoll gerittg seine Geldleisttmgen für -Erez Israel sind. Frisch und heiter, wie die schöne Köchin der Kwnzah, sind die anderen Mädchen at'ivb Frauen. Ein Mädchen von hünenhafter Geistalt führt soeben die Tiere aus dem besten Gebäude der Siedlung, dein Kuhsiall, ins Freie und kühlt sie mi>t dom Spritzschlauch. Eine andere Gefährtin allerdings lic-gt mit Fiebc-r in der „So-mmervilla", der luisdilgen, abseits für die heiße Zeit gebatiteir Baracke. Möglicherweise Malaria. Man soll es wissen. Es ist ein junges, blühendes Geschöpf und hat sich sre'ttdig der Gefahr der Borgiftun-g des Körpers durch die Fieberseuche ailsgesetzt. Für die jüdische Gomeinschast. -Auch für diejenigen, die sich bei der Nachricht vom > Opfevle'ben der Palästin-apioniere in die B-rust werfen .u-nd es -in der Knnst, sich der Befteu-ernng für das dlnfbaulverk zu enlziehen, zur Meisterschaft gebracht haben. Die Kwnzah setzt sich aus ischechos-lolvakischeu und polnischen Inden zusanunen. Ei-n Ätädchen ans Haifa, se-it zwölf Jahren int Lande, hat sich der Gruppe -angeschlossen, die in vorehvnn-gsivnrdiger Trene, in edelster Frvnudschaift vereinigt -ist. Die Mischung ist bem-evkenslvert. Äösun'g des Problems: hie Ostjnden — hie W-eistj-n-den, durch die Da>t. Zwei junge Ehaluziin ans Nordböhinen, jene zukünftigen Schafzüchter, die ist als meine Reisegenossen vorstellte, sind für kurz Zeit zwecks S-am-milung praktischer Erfahrungen ei-ngeteilt. Es. ist eine Sch-nlfarm, diese kleine Siedlung ans Nat-ion-alsondsbodett. Nicht bloß für die jungen Pflanzer und Bichzüchter, die hier inten-sive Wi-vtschüft treiben. Auch für den alten Zionisten, der aus Europa komm-t. Ich danke der Kwnzah Baberichah für .Stunden der Erhe'bn-ng und Bolehrung. * Am Rückweg Einkehr in Petach Tikivah. Dieses polnisch» jüdische Siädtl Judäas bekomnrt frischen Zuzug. Die vier Geschwister ans Bialhstock, mein,e Ächer kennens sie aus früherer: Bovichten, traf ich schon bei der Aäbeit in: neu erlvor'benen Baterhansfe. Mle erreichbaren Fam-ikienmitgslieder kanien in die Stube, der Samovar summte, Gebäck wurde anfgotraigen und es war nicht leich-t, aufzubrechen. Die Junge>r begleiten uns bis zmn Dorisplatz. Sie.sehen hier alles, was der neue Jischnw ausmerzen muß. Nach den blutigen Unruhen im Mai des Jahres 1931, w-elchen die langijähvigen arabischen Arbeiter von Petach Tikwah mit Gsnugtnung zusahen (denen sie. vielleicht Borschub leisteten), haben die Pla-ntagenbesitzer der -tapferen jüdischen SÄbstwehv, die Hilfe brachte, vohprochen, künftig nur mehr jüdische Hilfskräfte zu verwenden. Das Versprechen wurde nicht gehalten. HoffenMch wird die Nachbarschaft von En Gannim und der Ge>ist der neuen Jugend in der Kolonie selbst erzieherisch wirken. Rückkehr der Inden zur Urproduikion u-nd Bestellu-ng des Bodens durch arabijfche Arine sind kontradiktorische Gegeitsätze. •I» Gne Berat, die neue, srom-mv Siedlung, liegt auf einer Anhöhe nrit -weitem Ausblick. Herr Isaak Gerstenkorn, de-r verdiente Begründer und Leiter dieser Kolonie, für hnu-dert Familien aus Warschau nnd Lodz angel-egt, übernim-mt die Fnhrun-g. Mit bewundernswevt-er Hingäbe haben die bisher angesiedelten Familienväter und die arbeitsfähigen FamVienmitglieder den großen Knhstall gebaut, oiire Wassevle-itnng über den Berg zu der: einzel-nen Holzbaracken gezogen und eine imposante, zementierte ,-Freitreppe" anfgerichtet, die zu einem AuIsichtsPmM führt, recht kostspielig war und deren praktischer. Wert (-in diesem Anfangsstadimn) nicht einznsehen ist. Die Milchwirtschaft ist gemeinsam. Ansonsten ist Einzelwirtschaft, der Familien vorgchchen. Vollbetrieb in den beiden Mädchen- und Knabenschltlerr. Ich sah die ansgezeichn-et gehaltenen Kinder beiin (natürlich n-enihebmischen) Unterricht u-nd bewünderte -in der provisorischen Sh"agoge eine u-mlte Men-orah und -eine ßlin-