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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-09 · Heft 2292 (9.7.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2292 (9.7.1925)
Date
1925-07-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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GelieS Wien, Donnerstag Wiener Mornen^eitunft. g. Juli 1925 Nr. MS Jüdische Kaufleute Mens! mm Spendet aus Eurem Warenlager für den Kongreßbasar! La» ReioertrSgnis fließt dem Keren «afemeth zu Spendenanmeldungen werde« entgegengenommen: Bureau des Keren Kajemeth, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Telephon 77-4-86, 77-4-86 Das Sowjetregime und die zionistische Bewegung. Riga, 7. Juli. (I. T. A) Die zahlreichen Zronistenverfütgungeu von seiten der Sowjewchörden halben eine Reihe von Mischen Pensöu-ltchbeiten Rußlands, darunter auch den Professor an der Moskauer MusÄakadenrst D. Schar, einen der' ältesten Zionisten Rußlands, veranlaßt, den maßgebenden Lowjerstellen ein Memorandum zu überrcrcheu, in dom darauf hiugewicsen wird, daß, »röhrend alle Nationalitäten in. Rußland nationales Selbstbestimm u n g sr e ch t genießen, die Zionisten, die nationales Leben unter den Juden tvolleu, verfolgt werden. Wie Professor Schor, der auf seiner Reijse nach Palästina (über deren Zweck wir an anderer Stelle berichten. — Die Red.) gegenkvärtrg in Riga weilt, in einem Jntevlvielv mütcilt, fand nun vor Kurzem eine Beratung statt, an welcher der stellvertretende Vorsitzende des ZentralexMtivkomit ees Smidowiitsch teilnahan. Professor Schor und ein zweiter jüdischer Vertreter trugen chre Anregungen nochmals mündlich vor. Sie forderten: 1. Aufhören der Be rsolgn ngc n der Zionisten. 2. Erlaubnis des öffentlichen Gebrauchs der hebräischen Sprache und Legalisierung des hebräischen Schulwesens. 3. Erleichterung der Auswanderung nach Palästina. Der Beratung wohnte auch ein Vertreter der G. P. U. (politische Polizei) bei, der Beschuldigungen gegen die Z.e i r e Zion vorbrachte, die in zahlreichen Städten unter den Massen mit sowjetfeindlichen Losungen ausgetreten seien. Professor Schor hielt dem entgegen, daß durch die Verfolgungen die Zionisten genötigt seren, den Kampf für die Freiheit ihrer Arbeit zu führen. Zum Schlüsse der Beratung versprachen die Vertreter des ZeutralexeLuitidkomitees vorzuschlagen, daß die Stelbung der Rätomacht zum ZioniÄmls oiner neuerlichen Prüfung unterzogen werde. Auch erklärten sie sich im Prinzip mit der Gründung eines Palästina einwandern ngsbureaus in Rußland einverstanden. Demnächst wird omc zweite Beratung stattfinden, zu welcher Vertreter der Moskauer Zionisten zugezogen werben würden. Die polnisch-jüdische Verständigung. Die bevorstehenden Erlässe. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 8. Juli. Miek nowy" laßt sich i.m Zusamnien^hang mit dem am Samstag erfolgten feierlichen Abschluß der Verhandlungen zwischen der polnischen Regierung und den parlamentarischen Vertretern der Judenschaft Polens von seinem Warschauer Korrespondenten melden, daß demnächst eine Reihe von Regierung serlassen erscheinen werde, durch welche auf die Forderungen -der jüdischen Parlamentarier folgende Konzessionen gemacht werden: 1. Die Verordnung, welche den Gebrauch der pol-, nischon Sprache in -der inneren Amtstätigkeit der jüdischen G e m e i n b c n obligatorisch macht, soll aufgehoben werden. ' 2. Es soll von der Regierung ein Autonomiegesetz für die. jüdischen Gemeinden ausgearbeitet werden. 9. Die jüdischen Schulen sollen das Recht der Benützung des Jüdischen oder Hebräischen als Unterrichtssprache erhalten. ' 4. Die jüdischen Kanfleute und Industriellen sollen ebenso wie alle anderen StaatSLredite erhalten. 5. Die Inden sollen im Rat der Bank polSki eine Vertretung bekommen. 6. Die Verordnung de's Unterrichtsministers Älomb i n s k i über die Beschränkung der Hörerzahl an den Hochschulen durch autonome Verfügungen der Hochschulorgane soll aufgehoben werden. 7. Beamte, welche zufolge ihrer Zugehörigkeit zum Judentum aus dem Staatsdienst entlassen wurden, sollen wieder angestellt werden. 8. Der jüdische Sejmklub soll' dem JustiMimster eine Kandidatenliste für Staatsbeamtenstellen übermitteln, nach welcher Anstellungen erfolgen sollen. 9. Im Kultus- und Unterrichtsminlsterum soll eine besondere Sektion für jüdische Schulange legeuheiten errichtet werden. 10. Die Revision der Schankmonopolkonzessionen soll erst in fünf Jahren erfolgen. Inwieweit dies« Aufstellung des ,Mek nowy" der Wirklichkeit entspricht, ist noch nicht bekannt, da offiziell noch nichts über die einzelnen Punkte der Warschauer Abmachung verlautbart wurde. Einige der Punktationcn des „Wiek noivy" sind derart gehalten, daß dem Blatte die ganze Verantwortung für seine Mollnulg überlassen bleiben muß. _ Sie Steiger-Astöre. Beginn des Prozessegegen Jäger, Korn- Haber und Glasermann. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 8. Juli. Die Affäre des unter der Beschuldigung des Attentatsver.suches gegen den polnischen. Staatspräsidenten in.Haft behaltenen Studenten Madyslaw Steiger hat bisher nicht die Wendung genommen, welche ciuc Nachricht des .Mrrjer LwowSki" augekündigt hat. Lank der: Erkundigungen Ihres Zborrespvudenten au maßgebenden Gerichtsstellen ist dort von einem bevorstehenden G n a d c n a k t des Staatspräsidenten nichts bcürnnt. Dagegen hat heute hier der Prozeß begonnen, welcher in engem Zusammenhang mit der Steiger-Affäre steht, nämlich die Verhandlung gegen die Lemberger Bürger Korn Haber, Jäger autb Gla se r mann. Sie stehen unter der Anklage, einen gewissen M i e k i t y n zu der falschen Zeugenaussage verleitet zu haben, daß nicht Steiger, sondern ein gewisser Panczyszyn, angeblich Mitglied einer ukrainischen Terrorgruppe, der Täter sei. Die Verteidigung der Angeklagten haben die Lemberger Rechtsanwälte Dr. Grek, Dr. Dattuer, Dr. Piedacki, Dr. D w e r n i c k i, Dr. Kibitz und Dr. Landau aus Przemysl übernommen. Der Antrag der Verteidigung auf Verlegung des Gerichtsortes wurde vom Lemberger Appellationsgericht a limine a b g e l e h n t. Der Prozeß begann heute vormittags unter dem Vorsitz des Rates Franke. Die Anklage vertritt Staatsanwalt H r y n i e w i c k i. Der A n d r a n g des Publiku m 3 i st unge h e u e x. Zahlreiche Vertreter der in-- und ausländischen Presse halben Zutritt erhalten. Die Verlesung -er umfangreichen Anklageschrift ninrmt fast den ganzen ersten Verhaudlungsabschnitt ein. OummimSntel, Qummtscbulie unck Oummlvqren «Iler Art m Fabciksprelsen! & Wien, 11. Bez., Taborstrasse Nr. 11 Set deuisch.poluls»e zallkrieg. Deutschland erklärt die polnischen Vorschläge für unannehmbar. Berlin, 8. Juni. (WM.) Die gestevn von den polnischen Dolegicrten in ihrer Antwort auf die Letzter! deutschen Vorschläge erhobene Fordevung auf Gewährung einer monatlichen Einfuhr seines Ko'hlenkontingeuts von 350.000 Tonnen verneint völlig die durch die Welt-- kohlenlkrrst für die deutsche Kvhlenproduktio-n entstandenen Schlwierigkesten und ist daher für Deutschland völlig unannehmbar. Auch die polnische Fordevung auf Einfuhr vor: Leben d e u R i n d e r n rr n d Schweinen trägt den: deutschen Standpunkt nicht Rechnung, da die Einfuhr von Rindern überhaupt nicht und die von Schweinen «nur nach eingehenden Vorbereitungen möglich ist. Ebenso ist das von Polen vorgeschlagene Abkommen, das unter Verzicht auf die von Deutschland geforderte zolltarifarische Meistbegünstigung lediglich den Wert der ausgetauschten Waren auf beider! Seiten entsprechend festsetzt, für Deutschland u »a nu eh mbar, da es den Handolsvertehr nnterbindeu und die polnischen Einftchwerbote nicht beseitigen würde. Di« polnische A u t w o r t bietet daher keine Aussicht, zu einer Einigung zu grlangen. _ Sie Sinigung der deutschen und franiSfischeu Metallindustrie. Pari-, 8. Juli. Wie die „Juforuiation" erfährt, werde« die Verhandlungen zwischen den Vertretern der deutschen und der französische» Metallindustrie trotz der Unterbrechung in den HandelSvertraySverhandlungen Ende Juli w i e d v r a u f g e n o m m e n werden, um gewisse Einzelheiten des bereits vorbereitete« Abkommens, da» provisorischen Charakter tragen wird, zu regeln. HOROWITZ b — Telephon Nr. 47-0-86 SPIRMANN I WerbetAbonnentenfürdie I 1 „Wiener Morgenzettung" 1 Der Aufruhr in Wna. Das Japanerviertel in Tfchuugking belagert. Schanghai. 7. Juli. Mäldungen aus Tschuugking besagen, daß das japanische Viertel den ganzen Dag (wer von Eliilnesen ei »geschlossen gehalten wuvd<. Der japanische Konsul befürchtet ZilsENlenstöße. Dü chincsischeit Bchörden sollen leine MLaßnÄMen zum Schutze der Ausländer getroffen haben. _ Sie Juden im Irak. AuS dem -vitifchen MandcrlSbcmcht. Genf, 8. Juli. <J. T. A.) Das britische KoloniaLaint hat der jetzt in Gcnis tagenden Maudatskommissimt des Völkerdnudes die Berichte über die VevtoaLtu»« der MandatÄänder überreicht. Während die Berichte über Taugauhika und Togo jetzt einer Pvüsruig unterzogen werden, wurde, wie bereits gemoldot, die Prüipuug der Berichte belroffend Irak und Palästina (am 7. d. in der „Wiener Margenzeitung" veroffen Ui ch r. — Die Red.) aus im Herbstsession verschoben. In dem Bericht über Irak heißt cs unter anderem: Drei Viertel der Bevöllkerung gehöre» Stämme-n an, boi denen es uimiöglich ist, Daten über Geburt und Todesfälle zu erhalten. Es liegen bloß Jnsovnrati-onen aus den größeren Städte,: vor, alber auch diese sind nicht genau. Die Stadt Bagdad zählt 260.000 Einwohner, Unter ihnen 184.000 Mohammedaner, 50.000 Juden, 15.000 Christen und 1000 anderer Konfessionen. Der Prozentsatz der' Todesfälle war in diesem Jahre unter den Mohammedanern 25 Prozent, Inden 16 Prozent, Christen 35 Prozent. Die Gerichtshöfe sind geistlich, es existieren solche mohamme-' dänischer, jüdischer und chrisMcher Konfession. Die jüdischen und christlichen geglichen Gerichte in Bagdad entscheiden nur Wer die Ehescheidung, Heirat, Mitgift und Unterhalt für die Frau. Diese Gerichtshöfe sind in das offizielle Gerichtssystem nicht emgeschllosseu; es bedarf einer Gesetzgebung, damit sie Legalisiert werden und über die erwähnten Gegenisiällde sotvie über Vemnächtinisse und Atteste, soiveit diost nicht notariell attestiert sind, rechtsgültig entscheiden sollen. Die einzelnen Konfessionen sorgen selbst für ihr Schulen. Die großen jüdischen Knaben- und Mädchenschulen in Bagdad nehmen eine gute En'iivicklnng, sie werden von ansländisthen Körperschaften, wie A l L i ance Js raelite und Anglo Jewish^ Association, unterstützt. Dieise Schulet! sind die größten und höchststeheuden im Sande. Der Bericht ertvähnt die gute Verwaltung des jüdischen Elias-Hospitals in Bagdad mit hundert Betten. Sonst wird der öUentliche Gesundheitsdiicust von-der R e g i-e tun g besorgt, «im Gegensatz zu Palästina, wo. ztvei Drittel der medizmischeü Einrichtungen von der jüdischen und chrMichen Genieinschast selbst nnterhalten werden nmssen. Der Bericht erwähnt auch mit L-ob die Tätigleit des Sir Sasioon Haskail, eines Juden, der mchrere Jahre Finanznrinister des Irak!var und erst vor wenigen Tagen von seinem Posten zurückgettewn ist. > Sin Konflltt Milche« der AchechofloviM und dem VaMan. Wegen der Hus-Feierlichkeiten. Prag, 8. Juli. (Tsch. P.-B.) DaS heutige Slbendblatt der „Prager Presst" berichtet: „Infolge der HuS-tzeieÄichkeiten, an denen Präsident Masaryk als Protektor imd Minister. Präsident Svehla als Ehrenpräsident teilgenommen häben, kam es m einen! Konflikt zwischen dem Vatikan und der tschcchosl-oivakischen Rchnblik. Dieser KonMt kam zum Ans- .druck durch die am 6. d. erfolgte Abreise des Nuntiu» Ma rma gg i, der zugleich mitteilte, seine Abreise erfolge über Austrag des Batik ans. Während seiner Mvesenheit werbe Msgr. Arata als Charge d'Affaires die Geschäfte leiten. Die äffeutliche Meinung N'agierte sehr heftig auf diesen Schritt des Vatikans und nahe-n sämtliche Prager Blätter bringen heute früh Leitartikel, die sich mit dieser Angelegenheit befassen. Der Konflikt ist innerpolitischer Natur, da die Abreise des päpstlichen Nuntius keimswegs den Abbruch der diplonlatischen Bezichnngen zwischen der NepuM und den! Vatikan involviert. Da die Frage von politischer rmd parlainentavischer Bedeutung ist. nmß nun abgewartet werden, welchen Standpunkt die Regierung ihr gegeniWer eilmehnren wird." Der Gesandte der tschechöfloivakischen RrpMik beim Vatikan, Dr. Pallier, ist gestern nach Prag bernstn worden, um dern Minister für auswärtige Augelegenheiteu, Dr. B en e s ch, Bericht über die Lage zu erstatten. Die zchng'tiedrige Komnrission des VollzugSauSschusstS der KoalitionSParteiien im Mgeordnetenhaust hielt hertt« vine Sitzung ab, in der der Vorsitzende die Anfrage der Vertreter der tschechoslv-voVischen sozialdemokratischen Partei über die Abreise des päpstlichen Nuntius beantwortete. Nach einer Debatte, die sich über die TlngelsgeichKt entwickelte, wurde bestimmt, daß iu elmr besonders zu diesem Zwecke einzuberu-

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