Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2292 (9.7.1925)
- Date
- 1925-07-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Potent aOftroszyf Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder In einer verschlelsstelle [Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Qol dachmied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling fsch echo-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. öm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiener MorgenMung Nachzahlungen bei P r e i «-> erhOhangen Vorbehalten Rk. 2292 Wien, Donnerstag, 9. Juli 1928 iPreis 20~g1 England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. B u 1 g a r i e n? Mon.IOOLew?. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IvL, UniversitätsstrasÄ 6-8 (Diuckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Maridatsverwaltimg und MandatserMuug. Kr. W i e it, 8. Juli. Der gewesene Oberkommissär von Erez Jsral, Srr Herbert Samuel, hat nach herzlichem Abschied von der Bevölkerung, den Behörden und Vertretungskörperschaften das Land verlassen, in welchem nach dem Willen des jüdischen Volkes und den Beschlüssen der im Völkerbund vereinigten Mächte die nationale Heimstätte der Juden errichtet werden soll. Die ersten Bausteine zu diesem wunderbaren Gebäude wurden in den abgelaufenen fünf Jahren unter der Kontrolle des ersten Oberkommissärs von den emsigen, allen Hindernissen und Widerwärtigkeiten trotzenden Händen jüdischer Pioniere zusammengetragen. Wie Sir Samuel die Bilanz seiner fünfjährigen Amtstätigkeit zieht, haben wir dem Berichte entnehmen können, den er seiner Regierung zur Vorlage an die Mandatskommission des Völkerbundes unterbreitet hat. Dieser Bericht legt naturgemäß das Hauptgewicht aus den Nachweis, daß die Mandatsmacht, itt deren Auftrag und nach deren Intentionen dev Obevkommissär gewirkt hat, das Mandatsland ihren übernommenen Mandatspflichten entsprechend verwaltet habe. Darüber jedoch, wie der andere Vertragsteil im Pakt für den Ausbau Erez Israels als jüdischen Nationalheims, das jüdische Volk, die jüdischen Einwanderer, die Arbeiter, Industriellen, die Kaufleute und Intellektuellen ihren übernommenen Pflichten bisher nachgekommen sind, bietet der Bericht des Oberkommissärs nicht jenes klare Bild, Pas zu geben jedoch von äußerster Wichtigkeit gewesen Wäre. Frankreichs Rückzug in Marokko. Neue Räumungen. Fes, 8. Juli. (Havas.) Die im Norden von Uezzan operierende mobile Gruppe hat aus dem Posten von Bucka und Md Allal Mannschaften und Material zuurückgezogen und die Befestigungsanlagen zerstört. Die neuen Kredite für den Marokkokrieg. Paris, 8. Juli. (Tel.-Komp.) Die neuen Kreditbegehren für den Marokkofeldzug, die wahrscheinlich anr Donnerstag in der Kammer zur Verhandlung. kommen werden, belaufen sich auf 16 0 Millionen Franken. Kein Bruch zwischen Sagiaud und Rußland. England will Truppen nach Marokko senden. London, 8. Juli. (Reuter.) Außenminister C h a mberlain erklärte im Unterhaus, die britische R egrerungdenkenicht daran, mitdenSowjets zu brechen und überwache aufmerksam die Eretznisse. Die Regierung Prüfe im Verein mit Frankreich und Spanien die Frage der Entsendung britischer militärischer oder Seestreitkräste nach der Zone von Tanger und sei nicht bereit, auf das Privileg der Exterritorialität in China zu verzichten. Der Kongreß der Bölkerbundligen in Warschau. ‘ ■ Besonders über einen Punkt — um nur diesen Kerauszugreifen —, über die Gestaltung der Beziehungen zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung, das Einvernehmen zwischen den jüdischen und arabischen Arbeitern und Intellektuellen, soweit diese nicht im Banne der arabischen Geschäftspolitiker stehen, Wäre eine ausführlichere, objektive Berichterstattung vonnöten gewesen. Denn sämtliche Feinde einer ruhigen, friedlichen Aufbauarbeit in Erez Israel verwenden, da sie die durch die aufopfernde jüdische Arbeit erzielten Erfolge nicht mehr in Mrede stellen können, das verleumderische Argument, daß das arabische Volk durch diese jüdische Arbeit in Unruhe versetzt sei und sich in ständiger gefahrdrohender Erregung befinde. Wären jene Londoner antiziomstischen politischen Kreise, die sich teils aus, Unkenntnis der Verhältnisse, teils. aus judenfeindlicher Taktik als Sprachrohr der arabischen Nationalisten mißbrauchen lassen, bei den Aussprachen anwesend gewesen, die Samuel bei seinen Abschiedsbesuchen in Haifa, Mo, Jerusalem und anderen unter arabischem Einfluß stehenden Städten mit den wirklichen Vertretern des arabischen Volkes hatte, so hätten sie sich überzeugen können, daß. die Araber die wirtschaftlichen Fortschritte, die der jüdischen Aufbauarbeit zu danken sind, in vollem Maße zu würdigen wissen und sie als wahren Segen siir die gesamte Bevölkerung empfinden. Es ist begreiflich, daß die arabische Hetzpresse — die christliche sowohl als auch die mohammedanische — ob dieser ehrlichen Volksmeinung entsetzt ist und über diese „irregeführten, verlorenen Söhne der arabischen Nation" bittere Tränen vergießt. Die Efendis und ihre Presse werden sich schließlich daran gewöhnen müssen, daß das arbeitende arabische Volk sein Vertrauen denen zuivendet, die ihm Wohlstand und Frieden bringen und es die produktive Arbeit lehren. Mit Stolz konnte Ingenieur Ruthenberg bei der Eröffnung des Elektrizitätswerkes in Haifa in Anwesenheit Sir Samuels hervorheben, daß er auch arabische Arbeiter mit den gleichen Löhnen wie die jüdischen beschäftigt hatte und daß zwischen den arabischen und jüdischen Arbeitern stets die freundschaftlichsten Beziehungen bestanden. Der neue Obevkommissär für Erez Israel wird sein Mut anfangs August antreten. Für ihn wird der Senator Ringel Vertreter per jüdischen Minderheiten in der polnischen Liga. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 8. Juli. In einer Beratung des jüdischen ParlamentsKubs über die Beteiligung des Senators Dr. Michael Ringel an der polnischen Delegation für den Kongreß der Union der Bölkerbundligen wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, daß der jüdische Klub die Wahl Dr. Ringel's zum Mitglied der polnischen Kongreßdelegatiou und zum Mitglied des Rates der polnischen Völkerbundliga zur Kenntnis nimmt und bestätigt unter der Bedingung, daß Senator Ringel dieses Mandat als Repräsentant der jüdischen nationalen Minder h e i t i n P o l e n ausübt bis zu .dem Zeitpunkt, da in Polen eine jüdische Völkerbundliga gegründet werden wird. Hakoah schlägt den ungarischen Meister M. T. K. 4:0. Warschau, 8. Juli. Das heute hier stattgefundene Fußballwettspiel des Wiener Sportklubs Hakoah, des Meisters von Oesterreich, gegen die gleichfalls in Polen weilende ungarische Meistermannschaft M. T. K. endete mit dem sicheren Sieg der jüdischen Elf. Hakoah gewann 4:0. Zur Halbzeit stand der Kampf 2:0. Bericht seines Vorgängers ohne Zweifel maßgebend sein. Aber es ist unerläßlich, daß dieser Amtsbericht durch einen Bricht der Zionistischen Exekutive über die Erfolge der jüdischen Arbeit im Lande in den ersten fünf Jahren der Mandatsverwaltung vervollständigt und der neue Oberkommissär auch darüber unterrichtet tverde, weshalb diese Erfolge nicht, wie es im Willen des jüdischen Volkes und der Zionistischen Organisation gelegen ist, noch bedeutendere sein konnten. Nur diese beiden Berichte zufammengenommen vermögen jedem, der in Erez Israel verantwortliche Arbeit zu leisten hat, ein wahres Bild darüber zu bieten, was-im Lande bereits erreicht wurde und welcher Aufschwung noch, ohne Erschütterung des Friedens, im Landeerzielt werden könnte, wenn manche noch bestehenden Hemmungen beseitigt würden. Demission der italienischen Finanz- Ministers. Wegen der Lira-Krise. Rom, 8. Juli. (Tel.-Komp.) Finanzminister de Stefani und Wirtschaftsminister Nava haben ihre Demission eingereicht. AM Nachfolger werden Senator Bolpi für das Finanzportefeuille und Bolluzzo als Wirtschaftsminister genannt. Die Blätter würdigen die Verdienste des Finanzministers, insbesondere um die Herstellung des Gleichgewichtes im Staatshaushalt, doch hätten seine Börsendekrete als verfehlt zurückgezogen werden müssen und die Verordnung über die Erhöhung des Zinsfußes habe viel zur Börsenpanik beigetragen. Minister Nava scheide aus Gesundheitsrücksichten aus, doch sei es ausgefallen, daß ex den Entwurf der Verfassungsreform öffentlich kritisiert habe, bevor derselbe noch veröffentlicht worden sei. Die Lira sinkt weiter. An der heutigen Börse erfuhr die Lira infolge starker Käufe fremder Valuten, besonders in Turin, und zwar nicht von internationaler, sondern von privater Seite, einen neuerlichen Rückschlag, so daß das Pfund mit 132,5 eröffnete und bis 134 stieg, der Dollar mit 27,25 eröffnete und bis 27,00 stieg. An der Nachbörse zeigten sich einige Symptome der Besserung. Der Eindruck der neuerlichen Schwankungen ist sehr groß. Irr britische Gesandtschastrsekretör in Konstantinvpel ermordet. London, 8. IM. Nach einer Meldung des Reutevfchen Bureaus aus K ön staut inopel ist der. erste Sekretär der britischen Botschaft, Forbes Adam, erschoffen aufgchnn'den worden. Rußland will einem Zicherhettspakt beitreten? Berlin, 8. Juli. Der „Vorwärts" meldet aus Paris von einer zweistündigen Unterredung, die dieser Tage der französische Botschafter in Moskau, Herbette, mit dom Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin über die Stellung Rußlands zu den Sicherheitsverhandlungen gehabt habe. Der Moskauer Korrespondent des „Petit Parisien" will erfahren haben, daß Tschitschrrin erklärte, Rußland habe an diesen Verhandlungen und vor allem an dev Haltung Deutschlands ein starkes Interesse, wolle jedoch in keiner Weise auf Deutschland einen Druck auszuüben versuchen, um es vom Abschluß eines Garantiepaktes znrückzuhalten. Rußland würde sich selbst für einen Sicherheitspakt interessieren, wenn dieser aus einer wesentlich breiteren Grundlage ausgebaut werde als der gegenwärtig in Verhandlung stehende Plan. Würde dieser entsprechend ausgebaut, und zwar derart, daß auch die Westgrenze Rußlands in die allgemeine Garantie einbezogen würde, so könnte Rußland auch dem Völkerbund gegenüber eine wesentlich andere Haltung einnehmen als bisher. Nach Londoner Meldungen der Jerusalemer Presse hat Lord Plmner in seiner freundschastlichen Aussprache mit Dr. Weizmann erklärt, dqß er bloß als Verwalter nach Erez Israel gehe, daß die britische Mandatspolitik in Palästina unerschiitterlich feststehe und er seine Amtstätigkeit dieser Politik anpassen werde. Dieses Bekenntnis des neuen Oberkommissärs zu .den Mandatsbestimmungen wirkt gewiß sehr beruhigend; aber es wird notwendig sein, daß Lord' Plmner unter Berücksichtigung beider Berichte, des Verwaltungsberichtes Samuels und desjenigen der Zionistischen Exekutive, feststellt, ob uicht in Zukunft der Weg zur Erfiilluug der Mandatsbestimmung, daß Erez Israel zur nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes ausgebaut werde, in geraderer Linie verlaufen müßte als bisher. Kleider-Voile nr 19.800 M Schiffmann II. TaborstraBe 48 Telephon 47»1*70 En gros En dntail