Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2290 (7.7.1925)
- Date
- 1925-07-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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®e$« S Dien, Dienstag eines tatsächlichen Aktes könnte doch nur die sein, das; Rußland in vollster Ocffentlichkeit seine Tätigkeit fortsetzen und bartn noch durch den entflammten Patriotismus seiner Burger eine Stühe finden würde. Für England tvic für die Kolonialmächte überhaupt kann es nichts anderes geben, nur den Sturm aufzufangen, als die Aenderung der Methoden. Die Tettdenz zur nationalen Unabhängigkeit ist in Asien und in Afrika nun einmal vorhanden. Sic greift itm sich und Europa mutz sich ihr anpassen. Es muß die Gewalt der Kanonen zurückpfeifen und verhandeln. Es den Zustand liquidieren, der sich nicht mehr m»t Blut lind Eisen aufrecht erhalten läßt. Veränderungen im Kolonialamt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 5. Juli. Im Kolonialamt stehen, laut „Times", wichtige Aenderungen bevor. Es sollen dort zwei getrennte Abteilungen eingerichtet werden, ein« für die Dominions und eine für die Kron- Kolonie« und Mandatsländer. Leiter letzterer Abteilung dürste der bisherige Unterstaatssekretär O r m s b h Gore werden. Diese Veränderungen sind eine Folge der Zentralisierungsbestrebungen der konservativen Regierung und dürsten bewirken, datz in Zukunft die Zentralrvgievung in London noch mehr als bisher di« Leitung der Palastinaregicrnng in eigener Hand behalt. Ae Einwanderung nach Erez Fsrael. Aus Jerusale m wird uns berichtet: Die „Official Gazette" der palästvnensrschen Regierung vom 15. Juni 1926 veröffentlicht eine neue Jmmigrattansorder, wodurch die Einwamderumgsverordmmg vom Jahre 1920 aufgehoben wird. Diese Aufhebung trifft jedoch keine unter der Verordnung von 1920 erteilten Bewilligungen, 'Zertifikate oder anderen Doknmente. Mit der Erlaubnis des Staatssekretärs hat 'der High Commisstoner das Recht, von Zeit zu Zeit zwecks besserer Kontrolle der PcÄästmaeiw.randerung Einwaudernugsverfiignngen zu treffen, diese zu ändern oder zu widerrufen. Alle diese Verfügungen werden dem Advisory C-mmcrl vorgolegt und in der ,L)fficia>l Gazette" zur Veröffent- ' lichnng gelangen. r Im großen und ganzen enthalten die neuen Bestimmungen, die am 15. d. in Kraft treten, keine irgend wie nennenswerten Erleichterungen der Einwanderung. Die wichtigste Erleichterung stellt die von der „Steuer Morgenzeitung" bereits publizierte Bestimnrmtg dar, daß von nun ab von Handwerkern nicht mehr der Nachweis von 500 Pfund Sterling, sondern von nur 250 Pfund Sterling verlangt werden wird. Waeschiau—Jaffa über Wien—Saloniki. Im Auftrag der zionistischen Palästinaexekutivc begibt sich der Leiter des Warschauer Pallästinaamtes, Barlas, nach Athen, um dort das Projekt wegen Verkürzung der Reisedauer von Polen noch Palästina zu prüfen und everttuell die nötigen Abmachungen;yu treffen. Das Projekt sieht die Umleitung der politischen Palästina!.randernng über Griechenlland und eine Reisedauer von ntsgesamt vier Tagen vor. Die Eisenbahnfahrt von Warschau noch Saloniki über Wien, Belgrad und Athen soll zwei Tage dauern. Das für den Dienst van Saloniki noch Jaffa vorgesehene Schiff gehört einem Juden in Saloniki' und soll für den Wlijakhdionst geeignet fein. 150 Emigranten ans Lettland nach Palästina. Berlin, 4. Juli. (I. T. A.) Auif die Intervention des Emigrationsdirektoriums beim zentralen Palästinaamt im Interesse der in Lettland gestrattdeteu, jetzt von Ausweisung bedrohten jüdijschen Hastne-m-igranten traf soeben vom Palästinaamt die Nachricht ein, daß 150 Zertifikate für Emigranten in Lettland zur Einreise nach Palästina reiserviert werden würden. Die Konvention der amerikanischen zloniften. Washington, 5. Juli. (I. T. A.) Am 1. d. wurde in Washington die Jahreskorvseren; der amerrkaniischen Zionilstischen Organisation geschlossen. Znm Präsidentell der amerikanischen Organisation wurde das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Louis Lipskh, wiedevgowählt, zu Mzopräsidenten Rabbiner Dr. Stephen S. Wise und Richter Julian W. Mack. Richter Mock lehnte die Wahl ab. (Rabbi S. Wise und Richter Mack gehörten bekanntlich zu denjenigen amerikanischen zionistischen Führern, die auf der Jcchreskonferen; 1021 in der Minderheit blieben und zusammen mit Richter Brondeis aus der Organisation austroten. Wise tvar damals Ghren-Bizepräsident und Richter Mock Präsident.) Die Konvention nahnr eine Resolution betreffend d a S Frauenwahlrecht in P a l ä st i n a ,an. Eine Resolution über die jüdische Kolonisation in der K r i nt, tvelche feststellte, daß Palästina die Priorität gebührt, wurde noch einer erregten Diskussion dent Exskntwkonlitee übergeben. Noch vor dieser Sitzung wurde die Frage der Krimkolonisation in einer Sitzung des Exekutivkomitees der amerikanischen Zionistischen Organisation beraten, tvobei sesdzestellt tvurde, daß diese Kolonisation nicht geeignet sei, die Lage der Juden in Rußland zu verbessern. Die Propaganda der Sowjetregierung für die Krimkolonisatiou bezwecke die Ablenkung des jüdischen Interesses _Wiener Moraenzeitung._ van P a l ä st i it a und die S ch w ä ch n n g der z i o n i st is cli e in B c tv e g n n g. Der soaenaniite „Lpsln Plan", die Tätigkeit für Keren Kaiemeth und Keren Hafessod in Amerika zu vereinen, wn'dc nach einer lebhaften Diskussion zurückgezogen. Sotolow über die PalSstinadeklaration der polnischen Negierung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 6. Juli. Der Präsident der Zionistischen Exekutive. "Rohnm Sokolow, gewährte während seines Mfenthaltes in Warschau einem Vertreter des „Kurzer Polski" ein Ziitervictv, in welchem er über die ihm durch einen Brief des Außenministers Skrzhnski übernrittelte Po 1äst i n a de kla ro t ton der polni'scheu Regierung sprach Sokolow erklärte u. a., die Tatsache der Anerkennung der Balfour-DeAawtion sbtvie der zionistischen Bewegung tu Palästina durch die polttischc Regieru»ig sei ein Anzeichen -dafür, daß die Zion isttsche Org anis a t i o n in P o >l e n endlich tvcvde legalisiert werden. Die Erklärung über die heiligen Stätteit, welche i,t der Deklaration enthalten fei, fei auch iu den Vätudatsbestimmuugeu des Volkerbuatdes enthaltett. Die Deklaration der politischen Regierung werde große Bedeutung auf de nt. k ntc rna-tio nole n Gebiet haben. „Pölert ist," so schloß Sokolow, „Mitgllied >des Bölkerbtuides und jeder neue Freund, beit wir dort gewinnen, ist voit außerordentlicher Wichtigkeit." Ae Warschauer Deklaration. Der Abschluß der Verhandlungen. (Eigettdienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 5. Juli. Gestern nachmittags fand in feierlicher Weise beim Ministerpräsidenten Grabski der Abschluß der zwischen der polnischen Regierung und der parlamentarischen Vertretung der Judenschaft geführten Verhandlungen statt. Unter Führung des Obmannes des jüdischen Sejm-klubs, Dr. Leon R e i ch, fand sich eine fünfgliedrige Delegation, bestehend ans den Deputiertet! Schreiber (zionistische Fraktion), F a r b st e i tt (Mispracht), Reizes (parteilos), Kirsch braun (Agudoh) uu-d Senator T r n s k c r (jüdische Kaufmannschaft), int Ministerratspräsidium ein, tvo sic vom Ministerpräsidenten in Anwesenheit des Präftdialsekretär's int Ministerpräsidimn empfangen wurde. Deputierter Dr. Reich richtete an beit Ministerpräsidenten folgende Ansprache: ,Her>r Ministerpräsident! Die Repräsentanten der Regierung haben eine Reihe von Berhandlimgen mit den Vertretern des jüdischen Klubs gepflogen, welche zu einer Verständigung gcfiihrt haben. Infolgedessen spreche ich die Heberzeugung ans, daß im Einklang mit der Verfassung die Forderungen der jüdischen Bevölkerung in religiöser, kultureller, Politischer und wirtschaftlicher Beziehung werden erfüllt werden, und daß der jüdischen Gesellschaft die Mitarbeit zürn Besten uttd znm Aufblühen des Staates wird ermöglicht tverden, welcher allen Kreisen der Bevölkerung und auch den i nt Staate ansässigen nationalen M i n d e r h e i t e n die» Möglichkeit zur Erreichung ihrer berechtigten .Forderungen gibt. Der jüdische Klub stand stets und steht auch jetzt auf dem Standpunkt der Polnischen Staatlichkeit und der Hnvevsehrbarkeit der Grenzen der Republik. Int Sinne dieser Grundanschaunng wird er seine demokratische Politik werterführen. Dementsprechend 'hat der jüdische Klub die Ehre, folgende Deklaration vorzulegen: „Der jüdisch« Klub, welcher ständig auf dem Standpunkt der Integrität der Grenzen und des Schutzes der Grotzmachtinterefsen Polens sotvie der Notwendigkeit einer inneren Konsolidierung steht, stellt fest, daß er auf dem Boden des Sejm in Uebereinstimmung mit diesen Prinzipien sowohl seine allgemeine Politik wie auch seine nationale Politik zunc Schutz der Rechte und Interessen der jüdischen" Bevölkerung sühretl wird." Aus die Ansprache Dr. Reichs erwiderte - ■ Ministerpräsident Grabski: „Die Erklärung der Herren nehme ich mit voller Befriedigung entgegen. Ich meinerseits kann Ihnen die Versicherung gehen, daß die Negierung von jüdischer Seite eine Politik im Geiste der Utlterstützung in bezug auf die Großmachtinteresseu der Republik, der inneren Konsolidierung des Staates sowie des finanziell-wirtschaftlichen Ausbaues des Landes erwartet, und daß die Regierung ihrerseits die größte Aufmerksamkeit den inneren kulturellen und Wirtschaftlichen B e b ii x f tt i \ f e n der j ü d lösche tt Bevölkerung schenken wird." Rach Elttgegennahme der D e t [ a r a i i o tt ergriff der Premier noch einutal das Wort und gab in außerordentlich tvarrnent Tone seiner Genugtuung über die erzielten Vereinbarungen Ausdruck; die Verhältnisse zwischen der polnischen >und jüdischen. (Gesellschaft seien — so fuhr der Premier fort — ungewöhnlich kompliziert, und es sei daher sehr gut, daß zur Lösung des Problems beide Teile, vom guten Willen geleitet, den ersten Schritt getan haben, der, nach der Ueberzengung des Ministerpräsidenten, den Beginn einer neuen Aera 7. Juli 1925 Nr. 2290 bedeute. Der Ministerpräsident schloß mit der Vevsichcvung der Notwendigkeit. daß alle Kräfte gemeinschaftlich für die Stärkung des Staates arbeiten, der auch allen seinen Teilen im gleichen Maße dienen soll. Ans dieser Ertvägung heraus, wird auch die Regierung in allernächster Zeit eine Reihe von Verordnungen airsarbeitou, welche den ersten Schritt zur Erfüllung der jüdischen Bedürfnisse ans knltnrellent, politischem und wirtschaftlichem Gebiete darstellen sollen. Nach diesem feierlichen Akt gab der Ministerpräsident > den Vertretern der polnischen und indischen Presse eine Reihe von E r kl ä r u n g c n, denen zu entttehmen ist, daß der ursprünglich vereinbarte Deklarationstext voll beiden Seiten geändert wuvde. Die Verordnungen, vo>i denen der Ministerpräsident gesprochen hatte, sind, iuic er den Journalisten erklärte, bereits vorbereitet und werden noch in dieser Woche im Ministerrat behandelt werden. Aus dem guten Verhältnis, welches jetzt beginnen soll, tverden sich sowohl für die jüdische Bevölkerung günstige Perspektiven ergeben und andererseits wird auch der Staat von ihr vielfache Unterstützung haben. Die Einzelheiten der getroffenen Vereinbarungen werden, wie der Ministerpräsident erklärte, i tt einer Reihe von C o nt m u nigues über die nunmehr erfolgenden Beratungen des Ministerrates veröffentlicht tvevden. Erledigung der Zteiger-MSre? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung"., Lemberg, 5. Juli. Wie sich Mwjer DtvowSki" atts Warschau melden läßt, soll nach Informationen, die sein dortiger Korrespondeikt aus verläßlicher Quelle erhallten haben will, die Affäre des jüdischen Studenten Wladislaw Steiger, welcher unter der Anschuldigung, anläßlich des Besuches des Präftdentert der polnischen Republik in Lemberg ein Attentat gegen diesen verübt ztt haben, sich iit Untersuchungshaft befindet, in -den nächsten Tagen durch den Staatspräsidenten W o j c i e ch o w 's f t in kurze m Wege erledigt und Steiger in Freiheit gesetzt tverden. Dantit tvurde auch der Prozeß gegen die Lemberger Einwohner Jäger. Korn Hab er und Konsorten, tvelche in der Angelegenheit Steiger der Verleitung zur falschen Zeugenaussage beschuldigt 'werden, ihre Erledigung finden. In dieser Angelegenheit ist, tvie Ihr Korrespoudent bereits ntelden konnte, voit seiten der Verteidigung eine Eingabe an den Obersten Gerichtshof in Warschau gemacht worden, welche nur Delegierung eines anderen Gerichtsvrtes ansucht. Die Erledigung dieiser Eingabe dürfte wahrscheinlich eine Verschiebung des für den 8. d. angesetzten Verhandlnngsternlines zur Folge 'haben. (Die Verantwortung für diese dkachricht überlassen wir vollständig dent Blatte, tvelches sie gebracht hak, da eine authentische Bestätigttltg bisher nicht zu erlangen wap. — Die Red.) 6in polnisch-rassischer Grenz,wkschenfall. Warschau, 6. Juili. Hefter einen Zwischenfall an der polnisch-ntssischen Grenze rmbdet die Poln. Tel.-Ag.: In der Nacht vom W. auf den 27. Juni Verschtvaud au 'der tvolhynischett Grenze bei einem Konbrollgang der Offizier eines Gvenzpoistens namens M o n c z y n s k i. Er dürfte tvahrscheiullich von einer russischenGreuzp a t r o u i >l l e entführt lwovden sein. Der M'schnittskommandaut der politischen Grenzwache veckäNgte von der russischen Patrouille die .Herausgabe des Offiziers. Es entstand eine scharfe Auseinandersletzung.. in deren Verlaus die p o l u i s ch e n Soldaten die Grenze überschritten und die Kaserne der russischen Grenzwache zerstörten, womuf sie sich ans polnisches Gebiet zurückzogen. Der Polnische Minister .des Innern hat eine gründliche HntersuchltNg dieses Zwischenfalles angeorditet. Eine russische Protestnote. Moskau, 5. Juli. (Rufftsche Delegrapeuagentnr.) Tsch it scherin richtete honte an den polnischen Gesandten eine Protestnote gegen die Grenzüfterfälle von polnischem Gebiet auf russisches Gebiet, die bei Depescholvika und Schilicha aut 28. Juni und 1. d. evfollgt sind. Dschitscherin fordert dringend sofortige Maßnahmen zur Mnfrcchtcvha-ltting der Grenzsicherheit und die Bildung einer gemischten paritätischen Kommission zur Untersuchung der Zwischenfälle. Gleichzeitig behält er sich das Recht vor, Schadenersatzanspruch e geltend zu machen. _ England und " ' st Chamberlain bezeichnet die Lage als kritiscli. London, 6. Juli. (Wolff.) In der heutigen Sitzung des Unterhauses wies Premierminister Bald w in , das Ersuchen, die Frage der Sowjetpropaganda in Cng'lgnd und den Dominions zu erörtert!, zurück. Außeltminister C ha mberlain evklä.rte ans verschiedene Anfragen, daß.bisher noch keine Note an die Sowjet regier ung abgesendet Wochen sei. Die Regierung behalte sich volle Freiheit für jeden Schritt vor, werde jedoch das Haus von jedem Schritt unterrichten. Die Lage sei derart, daß sie von Tag zu Tag sorgfältiger beobachtet tverden müsse. Ja einer k r i ii-, s ch e u Lage müsse man auf Worte verzichten, die tzie Si tuation noch gefährlicher machen könnten. MstWV"- zm.» ÄH m 5909