Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2290 (7.7.1925)
- Date
- 1925-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Polens, 20groszy | Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. lugoslawien: Mon. vtn. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen hei P r e 1 *• erhflhnngen Vorbehalten Wiener orgenzeilung iPreis England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 L:re: Rumänien: Mon. 170 E i. Bulgarien Mon.lOOLcwr. Schweiz und das übrige Ausland monaiiic i Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38. 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Sr. 2290 Wien. Dienstag. 7. Sttli 1921 7. Zahrgang Sie englischen Mandatsgebiete. Der Bericht des englischen Kolonialamtes. London, IM. (I. T. A.) Das Kolonialamt der britischen Regierung hat den Bericht Wer die SBefinal* tung Palästinas und Transjordaniens für das Jahr 1924 veröfsenMcht. Darin heißt es bezüglich .Palästina: Das vergangene Jahr zeichnete sich insbesondere durch einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aiusschwung aus. Die vorangegangene Depression, im Zusammenhang mit der allgemeinen wirtschaftlichen Depreffion der Welt, ist geschwunden. Neue jüdische Einwanderer, unter dem» sich eine beträchtliche Anzahl erfahrener und kapitalskräftiger Industrieller befindet, brachten industriellen Aufschwung. Die Mehrzahl stammt aus Polen. Nene Industrien, meist kleineren Maßstabes, erstanden besonders in der jüdischen Stadt Del--Awiw. Aber auch große jüdische Unternehmungen wurde» gegründet. Der Touristenverkehr wächst andauernd und wich sich Wohl in Zukunft weiter entwickeln. Die Folge dieser Tatsache» ist ein Ueberschutz der Einnahmen über die Ausgaben. Das Jahr 1622/23 schloß mit einem Defizit von •73.000 äghpt. Pfund db, daß aus früheren Ueberschüssen gedeckt Wochen ist. Das Jahr 1623/24 erbrachte einen Äeberschuß. Man nimmt an, daß das lausende Finanzjahr weiterhin ein Plus erbringen wird. Insbesondere ist das finanzielle Resultat des Eisenbahnwesens znsrredLnstellend. l' ■ . Diese günstigen Bedingungen erlaubten es, eine gesteigerte Einwanderung zuzulassen. Im JOhre 1924 wanberien 13.563 Personen ein, gegen 7961 im,Jcchre 1926. Nichtjuden wanderten in der Zahl von 697 ein. Die ,Auswanderung betraf insgesamt 2500 Personen. Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation macht gute Fortschritte, die Kampagne zur Bekämpfung der Malaria wird fortgesetzt, fast sämtliche Städte sind von dieser Seuche befreit. Die öffentliche Sicherheit funktionierte gut, die Garnison konnte weiter herabgesetzt werde::. Die Kosten halben sich für 1923/24 aus 1,600.000 Pfund •vermindert, für das Jahr 1924/25 ist eine weitere Herabsetzung auf 1,000.000 Pfund zu erwarten. In den weiteren Jahren wird eine weitere Verminderung borgenommen werden. Die Z i v i l v e r w a l t u n g Palästinas erhielt, abgesehen von den Kosten der Garnison, Veinerlei Subvention der britischen Regierung. Eine große Anzahl moderner hebräischer Schulen wurde im vergangenen Jahre errichtet. In allen Schulen wird englisch, irr wenigen auch französisch als Lehrfach unterrichtet. Aitch das Arabische nimmt in den jüdischen Schulen einen Raum ein. In den Schulen der Orthodoxen ist die Unterrichtssprache jüdisch. Das Schulwesen der Zionistischen Exekutive, der Alliance Jsraeliie nnd der Arbeitervereine dehnte sich infolge der Neueinwanderung aus. Der Bau der hebräischen Universität ist zum Teil vollendet. Es besteht eine Bewegung hierfür, die bekannten Jeschi-Woth aus Osteuropa nach Palästina zu überführen. Eine dieser Jeschiwoth ist bereits in .Hebron, eine andere in Petach-Tikwah errichtet. Es existieren 312 Negieruugsschallen; 46 irr den Städten nnd 366 in bete Dörfern. Nichtregiernngsschulen sind 399 vorhanden: 45 mohammedanische, 160 jüdische und 174 christliche. Man zählt unter den Schülern 2967 Mohammedaner, 19.726 Juden und 14.511 Christen. Der Prozentsatz der schulbofuchenden Kinder stellt sich wie folgt: von 5 bis 14 Jahren: Mohammedaner 14 Prozent, Juden 86 Prozent, Christen 76 Prozent; 16 bis 18 Jahren: Mohammedaner 8 Prozent, Juden 53 Prozent, Christen 63 Prozent; insgesamt also werde tt die j Schulen von 13 Prozent der mohammed'anischen, von 78 Prozent der jüdischen, von 73 Prozent der christlichen Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren besucht. In neun Monaten des Jahres 1918 starben in Jerusalenr an Malaria 118 Personen, im ganzen Jahre 1924 bloß zwei. Für die Gendarmerie in Palästina melden sich in hinreichender Zahl Araber und Zircassier, es sind aber nicht genug geeignete jüdische Rekruten vorhanden, weil die sich Meldenden aus der Emigrantenklasse stammen und die lokalen Verhältnisse sowie die Landessprachen.nicht genügend beherrschen. Jüdische Agenturen erwarben im vergangenen iJahre etwa 66.000 Dnnam Landwirtschaftsslächen, dabei wurden die Rechte der Einwohner nicht g e s •ch >m äler f. q- In dem Bericht über die A d m i n t stratio n Trans-jordanie ns ist die folgende Stelle enthalten: „Seiner britischen Majestät obliegt dos Mandat über Transjordanien, für welches dieselben Satzungen wie für das Palästinamandat Geltung besitzen, mit Ausnahme des Punktes im Statut, der die Errichtung eines 'Nationalheimes für das jüdische Volk betrifft." Ar Herbert Samuels Abschiedsbotschaft. Jerusalem, 4. Juli. (I. T. A.)^ Sir Herbert Samuel erließ am Tage seiner Abreise auZ Paläjstina eine Kundgebung an die palästinensische Bevölkerung, in welcher er für das ihm und seiner Gattin erwiesene Wohlwollen dankt und ftann ausführt: Es war mein ernstestes Bestreben, die von Seiner Majestät König Georg dem Fünften den Palästinensern vor fünf Jahren gegebene Zusicherung absoluter Unparteilichkeit in der Verwaltung und der Respektierung der Rechte jeder Rasse und jeden Glaubens genau zu beobachten. Das Land wächst nnd gedeiht in der Landwirtschaft wie in der Industrie, auch der Handel blüht. Die Bevölkerung nimmt zu, ein Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben in der Höhe von 600.000 Pfund ist vorhanden, für öffentliche Sicherheit ist gesorgt, die Malariaseuche wurde ausgerottet, 200 neue Schulen ivnrden eröffnet, mehr als früher herrscht Harmonie zwischen den einzelnen religiösen Gemeinschaften. Jetzt, nachdem ich meinen Auftrag erfüllt und meine Mission zurücklege, bete ich für die Wohlfahrt Palästinas in der Zukunft, für Gemeinschaftsgeist innerhalb der Landesbevölkernng und für hie Macht seines geistigen Einflusses auf die Welt. v * Das Schreibe» König Georgs, auf dias sich Sir Heribert Samuel in seiner AVschiedskundgebung beruft, enthält neben der Versicherung der Unparteilichkeit noch die folgende Stelle: „ ... Es <ii[t Ihnen wohl bekannt, daß die alliierten und assoziierten Mächte beschlossen haben, ALaßnahmen zu ergreifen, um die allmähliche Erri ch t u n g eines N a t i o n a l h e i m e 's für das jüdische Volk in Palästina sicher zu stellen. Diese Maßnahmen werden ln keiner Weise die bürgerlichen nnd religiösen Rechte nnd das Gedeihen der allgemeinen Landesbevölkerung beeinträchtigen. Der von mir zwecks Durchführung dieser Prinzipien ernannte Oberkommissär wird, wie sch glaube, mit Herz und Hand danach streben, aus jede mögliche Weise die Wohlfahrt und die Eiritz eit aller Klassen und Teile der Bevölkerung zu fördern. Ich begreife tief und schätze das Vertrauen, da's in die Regierung eines Landes gesetzt wird, welches Christen, Mohammedanern und Juden gleich heilig ist, und ich werde mit tiefem Interesse und >warmvr Sympathie über den Fortschrit und das Wohlergehen eines Landes wachen, dessen Geschichte die Welt in so hohem Maße beeinflußt hat." Der ferne Osten. -y. m t e n, 7. Juli. Schon im Verlaufe der letzten Unterhausdebatte waren auffallend heftige Reden gegen Sowjetrußland laut geworden, die noch durch verschiedene Kabinettsmitglieder in ihrem Inhalt unterstrichen wurden. Es war kein Zweifel, daß diese Schärfe durch die Vorfälle in China provoziert wurde, deren antienglischer Charakter immer deutlicher hervortritt und die in ihrem Verlaufe die Moskauer Regie verraten. Aus dem an sich bedeutungslosen Schanghaier Streik ist eine Bewegung geworden, die das durch die Generalskriege zerrüttete Land aufs tiefste aufwühlt. Die kommunistischen Parolen treten dort in geschickter Anpassung an die Verhältnisse in dem nationalistischen Kleid auf. Die Atmosphäre ist genügend vorbereitet und man erkennt jetzt in vollster Deutlichkeit die ersten Wirkungen des russisch-japanischen Abkommens, das die Dinge in Asien aus den Kops zu stellen geeignet ist und das sich als ein neuer Weg darstellt, auf dem Rußland mit beharrlichen Eifer der Weltrevolution zustrebt. Es war sehr gut zu sehen, wie die Strömung, die sich zuerst sehr bedrohlich auch gegen Japan richtete, diese Richtung änderte und sich gegen England wandte, das im Augenblick sogar isoliert scheint. Die konservative Regierung»hat einstweilen einen Notenaustausch begonnen und versucht im übrigen, eine gemeinsame Aktion aller an der chinesischen Frage interessierten Mächte zustande zu bringen. Soweit es sich um die altgewohnten Methoden europäischer Kolonialpolitik handelt, wird dies vielleicht gelingen. In den Vertragshäfen liegen schwere Kriegsschiffe, an vielen Stellen sind die Kontingente verstärkt worden. Aber die Lawine, die ins Rollen kommt, läßt sich mit derlei Mitteln nicht aufhalten. Die Dinge beginnen sich in ihren Motiven zu entwickeln und es ist offenkundig, daß der Nationalisierungsprozeß sich mit unheimlicher Logik vollzieht. Er ist auch in Asien der Vorläufer des sozialen Gedankens und Rußland, das diese Bewegung mit allen Mitteln fördert, sieht eine Saat reifen, von der es ja für die nächste Zeit nicht viel Freude hoben kann. Die Erfahrungen, die es in der Angora-Türkei gemacht hat, werden sich auch auf diesem Terrain wiederholen. Mustafa Kemal ließ sich die Hilfe des Kommunismus gerne gefallen, solange sie ihn: Nutzen brachte. Als er das Protokoll von Mudania erreicht hatte, das ihm das europäische Ufer sicherte, ließ er seine Freunde ausweisen oder einsperren. Aber für Moskau handelt es sich immer nur um das eine Ziel: Die Machtstellung Englands, der stärksten und dadurch am meisten engagierten Konkurrenz, zu untergraben. Das ist das Rückgrat der russischen Kolonialpolitik, die genau so wie die englische von der festen Basis einer wörtlich aufgefaßten Weltanschauung ausgeht. Rußland strebt diesem Ziel auf allen Pfaden zu. Es lenkt hin und wieder auch auf andere Geleise ab, wovon auch Frankreich und Italien einiges zu berichten wissen. Die Hauptsache ist und bleibt der „britische Imperialismus". Er beherrscht Rußland so sehr, daß die sonst so zweideutigen Maximen an dieser Frage eine völlig eindeutige Prägung bekommen. Selbst bis tief in die Judenfrage hinein, in die mehr als schwindelhafte Ansiedlungspolitik auf der Krim und in die Haltung zu dem Zionismus, gegen den die Renegaten selbst nrit Nom und München Zusammenwirken, reicht diese Propaganda, äderen Entfaltung mit einigen Wortbrüchen geschmückt ist. Im Handelsabkommen vom März 1921 hatte Moskau feierlich beschworen, innerhalb des britischen Imperiums keine direkte Werbung zu betreiben. Aber wozu besteht denn die Personalunion zwischen Negierung und dritter Internationale? Im September 1921 protestierte bereits Lord Curzon. Mae Donald stürzte über diese neue Freundschaft, und nun ist es so weit, daß sogar schon vom Abbruch der Beziehungen gesprochen wird. Es ist nicht einzusehen, welche praktische Bedeutung ein solcher Schritt hätte. Daß er in Erwägung gezogen wird, ntag nur den Wert einer Geste haben. Die Folge Kleider-Voile mr 19.800 IM Schiffmann II. Taborstraße 48 Teleuhon 47»l»7! En gres En detail