Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2288 (5.7.1925)
- Date
- 1925-07-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2288 Men, Tonnlast Wiener ß. Juli 10'2o Gelte 8 Wenn Sie unbedingt —gut und billig Vem«d in die Provine per Nachnahme Ihren Bedarf eindecken wollen9 besuchen Sie unseren Räumungs-Verkauf Wegen vorgerückter Saison verkaufen wir das gesamte Lager unserer erstklassigen Frühjahrsu. Sommerwaren tief unter dem Erzeugungspreis Damenkleider in modernster Fasson nnd reizenden Dessins in grosser Auswahl: aus Etamine und anderen Waschstoffen S 10.—. 17.—. 24.50, 28.— usw. aus Popeline 62.— aus Covercoat.S 58.— aus Crßpe de Chine, Georgette, Foulard sowie leichten Wollstoffen, ab S 48.—, 58.—, 68.—, S 78.— Blusen( Etamine, mit reicher Band- und Ajourarbeit.aufw. S 7.50 Kasakblusen» letzte Fasson, aus Opal . . . 8 10.60 Schlaffrocke, moderne.ab S 18.-— DamenstrUmpfey Rcinscide.S 9.— a Flor.S 4.50 Damenwäsche aus vorzüglichem Chiffon, Opal und Ia Schweizer Batist, weiss und farbig, mit erstklassigen Stickereien, Spitzen oder reicher Handarbeit: Hemden . . . . S 3.—, 3.90, 4.20, 5.60, 6.50. 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Dr. Seipel ist bekanntlich vor einigen Tagen in die Tschechoslowakei gereist. Bei seiner Ankunft in der Tschechoslowakei veröffentlichte die Prager „Bohemia" einen Artikel, in welchem u. a. behauptet lvird, daß zwischen dem österreichischen Außenminister Dr. M a t a j a nnd Dr. Seipel ein Gegensatz in der A n s ch l u s; s r a g e bestehe. Als Erwiderung auf diese Behauptung gab Doktor Seipel gegenüber einem Vertreter der „Deutschen Presse" in Prag folgende Erklärungen ab: „Gerade in der Frage des Anschlusses sind Dr. M ata i a und ich vollständig einer M e i n u n g, daß nämlich die Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland in keiner Weise aktuell ist und auch nicht bald aktuell werden dürfte. Einig sind wir auch darin, daß eine Politik des Drohens mit dem Anschlüsse, wenn man selbst nicht an seine Verwirklichung glaubt, völlig b e r k e h r t ist. Ich glaube auch, in der Beurteilung, welche Vorteile der Anschluß brächte, besteht keine Meinungsverschiedenheit zwischen uns. Sicher schwänden mit dem Anschlüsse an das Deutsche Reich die S ch w i er i g k e i t e n, unter welchen Oesterreich wirtschaftlich leidet, nicht. Es würde keine geringere Umstellung unserer Volkswirtschaft notwendig sein, als sie durch die Isolierung Oesterreichs notwendig geworden ist. Aber besser, als wemr die wirtschaftliche Isolierung Oesterreichs für alle Zukunft aufrecht erhalten würde, wäre die Vereinigung mit dem großen deutschen Wirtschaftsgebiet auf jeden Fall. Ich halte Prophezeiungen über den Anschluß Oesterreichs an Deutschland für gänzlich überflüssig und gar nicht zweckdienlich, aber ich fürchte mich nicht, wenn ich schon darüber gefragt werde, gelegentlich auch ein Wort LU sagen. Was das Verhältnis O e st e r r e i ch s zur Tschechoslowakei anbelangt, so kann man nur sagen, daß cs, während ich an der Spitze der österreichischen Negierung stand, ein ausgezeichnetes war und daß sich seither nichts geändert hat." SrmWgung der Lustbarleitsabgabe wöhrend der Sommermonate. Für Theater, Kinos und Tanzschulen. Das gestern erschienene „Amtsblatt -er Stadt Wien" ver- AffeMicht die Liste der Theater, Kinos und Tanzschulen, denen die bereits angeküudigte Sommer ermaß igung der Lustbarkeitsabgabe zugestandvn wurde. Die Abgabe wird bei Opern- und S p r e ch b ü h n e n v o n zehn auf fünf Prozent, bei Operettentheatern von 30 auf 20 Prozent und bei Rauch- und Lichtspieltheatern von 40 auf 30 Prozent herabgesetzt. Von den Bühnen sind angeführt: Schönbrunner Schloßtheater, Theater an der Wien, Johann-Strauß-Theater, Stadtjheator, Bürgercheater, LustifpiÄthoater, Deutsches Volkstheater, Raimund-Theater, Renaissanoebühne, Kammerspiele, Theater m der Jofosstadt, Roland-Bühne und Apollotheater. Die Ermäßigung gilt für die Monate Mai bis einschließlich August. Die Begünstigung ist an zahlreiche Bedingungen gebunden, darunter an die, daß das Unternehmen während der bezeichneten Monate nicht länger als 14 Tage geschlossen selm darf. Von den Kinos erhalten insgesamt 61 eine Abigabencvmäßiguug. Die Kinotheater des ersten Bezirkes sind von einer Abgabenermäßigung durchwegs ausgeschlossen. Weiters werden noch die Tanzs ch ul iuhaber angeführt, f in neuer Kronzeuge für die „Protokolle". Bon Binjamin Segel. Er heißt A. v. N j et sch w olo d o w, ist ehemaliger Generalleutnant in der kaiserlich russischen Armee und bekleidete in der Organisation der kubanischen Kosaken eine hohe Würde. Im Weltkriege hatte er sehr wichtige Kommandoposten inne und zeichnete sich wiederholt derart aus, daß sein Name sehr häufig in den Zeitungen, sogar ln den amerikanischen, rühmend genannt wurde. Noch im Februar 1917, also kurz vor dorn Sturz des Zarismus, kommarrdierte cr die 19. Infanteriedivision in Ostgalizien, die das Bystrizatal mit S t a n >i s l a u als H-anPtort besetzt hielt. Vor dom Kriege war er wiederholt der Person des obersten Kriegsherrn als Flügeladjutant u. dgl. attachiert, lebte zeitzcitweise am Hofe und hatte Gelegenheit, ibic wichtigsten Vorgänge aus nächster Nähe zu beobachten. Allein General Njetschwolodaw ist nicht nur ein großer Krieger vor dem Herrn, er hat sich arch als Militärschviftfteller, Nationalökonom uub Historiker hervorgetan. Schon im Jahre 1894 veröffentlichte er eine Studie über die Psychologie des Armeefnhrers ans Grund der Korrespondenz Napoleons des Ersten. Im Jahre 1906 erschienen dorr chm zwei umfangrelche Werke über den Untergang des Wohlstandes und über die russische Valuta. Das wichtigste seiner Werke jedoch erschien ein Jahr vor Kriegsausbruch; es ist dies eine Geschichte Rußlands in vier Bändelt, mit 1384 Gravüren, vielen geographischen Karteil nnd genealogischeil Tafeln. Dieses imponierende Werk ist in dem klassischen Lande der Analphabeten, in mehr als 165.000 Exemplaren verbreitet worden. Der Verfasser hat alle Ursache, auf diesen Erfolg stolz zu sein. Eiil ganzes Buch würde nicht ansreichen, um die Erlebnisse und Schicksale des Generals Njetschwolodow seit jenen verhängnisvollen Märztagen von 1917 zu erzählen. Gegenwärtig ist er einer der Hauptakteure in der russischen Bewegung zllr Wiederherstellung der Moilarchie die buchstäblich denen die Abgabe von 40 auf 30 oder von 30 auf 20 Prozent ermäßigt wird. Ein von Stadtrat RmmmelHardt gestellter Antrag, ehestens eine Gesetzesvorlage für die Aushebung der Lustbarkeitsabgabe für die Theater zu unterbreiten, wurde ab ge lehnt. Die beleidigten SNultiften. Gestern begann tu Berlin bei ungeheurem Andrang des Publikums ein Prozeß, den im Grunde genommen die Okkultisten gegen ihren schärfsten Widersacher, den bekannten Psychiater Gehermrat Dr. Mell führen. Nomineller Ankläger .ist ein Eisenbahnobersekretär a. D. Rudloff und seine Frau, ein halbumstrittenes Medium. Als Sachverständige erschienen Gchöimvat Straffmann, Universitätsprofessor Dr. Plank, Professor Dessoir und viele andere. Die AnMage behauptet, Professor Mell habe Frau RNdlofs durch seine schachen Angriffe in seinem Buche „Der Spiritismus" beleidig. . * Einbruch in der päpstlichen Schatzkammer. Wie aus Rom gemietet wird, wurde in der päpstlichen Schatzkammer von St. Peter in der Nacht vom 3. d. ein Einbruch verübt. Die Diebe erbeuteten kirchliche Geräte nnd Weihgeschenke im Werte von etwa 3 Millionen Lire. Die Schatzkammer befindet sich im Palast der Kanoniker in unmittelbarer Nachbarschaft der Psterskirche. Dort hatten vor einigen Tagen Maurer gearbeitet. Die Polizei verhaftete einen Teil der Arbeiter unter dem Verdacht, an de>m Einbruch beteiligt gewiesen zu sein. Der wertvollste der verschwundenen Gegenstände ist der Ring, der alljährlich am Peter- und Panlstage ptt Schmucke der Petrus-Statue verwendet wird, sonst aber wegen seines hohen Wertes durch eine Nachahmung ersetzt ist. über ganz Europa und halb Amerika ihre Netze gebreitet hat. Wer diese Bewegung verfolgte, begegnete denk Namen des Generals häufig in Verbindung mit Vorgängen, die sich bald in München, bald in Budapest, in Sofia oder in Washington, in New-Aork, Paris, Prag oder Belgrad abspielten und sich ans die russische»: Restpurationsbestrebungen bezogen. General Njetschwolodow ist einer der Vertrauensmänner von Henry Ford, der diese Bestrebungen mit seinem Golde unterstützt, WM er überzeugt ist, daß nur ein starkes Zarentum imstande ist, die furchtbare Weltverschwörung der Juden zu bändigen irlld die christliche Kultur zu retten. Der General befand sich im Gefolge jener Prinzessin Cyrill, die vor Jahr mtd Tag nach den Vereinigten Staaten kam, um dort als Mittelpunkt der Propaganda für die rtlssisch Monarchie zu fungieren, und die in den Kreifelr der oberen Zehntausend dieser größten. Demokratie der Welt einten enthusiastischen Empfang gefunden hat, der zu den schönstell Hoffnungen berechtigt. Das wichtigste Instrument dieifer Propaganda sind die rotokolle der Weisen von Zion", denn aus diesen gcht klar uud unzweideutig hervor, daß Nicht das russische Volk es gewesen ist, welches die Zarenfamili-e entthront und getötet, tben Bolschewismus an Stelle der absoluten Monarchie eingeiführt und die adeligen. Großgrundbesitzer enteignet und verjagt hat, sondern alle diese gräßlichen Umwälzungen waren das Werk der internationalen Zionisten, die im Vereill mit den Freimaurer n damit den ersten Schritt auf dem Wege zur Weltrevolutivn znvückgelegt haben, deren Ziel darin besteht, alle christlichen Throne rnd Märe ztl stürzen, um ans den Trümmern der europäisch-christlichen Zivilisation das Weltreich der Jede u anfzurichten . .. Es ist also leicht zu verstehen, worum die russische reaktionäre Propaganda unt) die mit ihr verbündete Reaktion in anderen Ländern sich so zäh all die Protokolle klammert und llicht müde wird, immer neue „Beweise" für deren Echtheit herbeizuschasfen und sie in alten Sprachen und Ländern unter den breiten Bolksmassen solvie tu den Kreisen der Gebildeten zu verbreiten. Die bebende Ade. Neue Zerstörungen in Santa Barbara. New-Dork, 4. Juli. (Tel.-Komp.) Nach Meldungen ans San Francisco sind in Santa Barbara gestern n e n e h e f t i g e Erdbeben aufgetreten, die an Heftigkeit den vorangegangenen wohl nicht glcichkamen, immerhin jedoch mehrere Gebäude, die beim ersten Beben noch nicht vollständig zerstört wurden, zum Einsturz gebracht haben. Unter den Bewohnern brach eine Panik ans. Todesopfer sind nicht zu beklagen. Gleichzeitig ist wieder eine große Feuersbrun st entstanden, die weite Flächen der Wälder in Brand steckte. Während -dieses Erdbeben als. das vierte in Kalifornien angesehen wird, kommen bereits Meldungen über ein fünftes Beb e n, über dessen Heftigkeit man jedoch noch nicht orientiert ist. Wieder ein Erdbeben in Japan. London, 4. Juli. (Tel.-Komp.) Wie aus Tokio gemeldet wird, ist im südlichen Japan ein heftiges Erdbeben verspürt worden. Einzelheiten fehlen noch. Bisher wurde bloß gemeldet, daß ein Eisenbahnzug vollkommen zerstört wurde, wobei zahlreiche Personen «ms Leven kamen. # Weitere Berichte besagen: Bon dem in ganz Südjapan verspürten Erdbeben wurde besonders der Bezirk Patori heimgesncht. Zwei Städte wurden v ö l l i g z e r st ö r t. Erst vor kurzem Hai also General Njetschwolodow lei Etienne Chiron in Paris ein neues Werk herausgegeben, dessen französische Ueberfetzung bereits vorliegt (das russische Original habe ich mir noch nicht verschaffen költnen), eine englische Ausgabe ist im Erscheinen und eine deutsche wird an. gekündigt. In der antisemitischen Presse wird seit einigen Wochen gewaltig die Reklametrommel dafür gerührt. Das Werk welchles über 400 vuggedrnckte Seiten stank ist und foie Kleinigkeit van 15 Franken kostet, betitelt sich „L’Bmpereur Nicolas II et les Julfs. Essais sur la revolution russe dans ses rapports avec ractivite universelle du Judaisine contemporain“. (Kaiser Nikolaus n. und die Irden. Aufsätze über die russische Revolution in ihren Beziehungen zur internationalen Tätigkeit des zeitgenössischen Judentums.) Der vorliegende Wälzer ist indessen nur der erste Band, ihm sollen drei weitere folgen, deren Titel lauten werden: „Rußland und die Jllden von der französischen Revolution 1789 bis zur russischen Revolution 1905"; „Die Juderr rnd der Weltkrieg"; „Die Erurordung des Kaisers Nikolaus II. durch die Juden". Man kantl sich da ans hübsche Dinge gefaßt machen. In verschiedenen antisemitischen Tagesblättern wurde bitterlich geklagt, daß die Inden dieses köstliche Buch totschweigeu, daß es noch kein Jude besprochen habe. Es konnte nicht früher geschehen, da das Studium des dickleibigen Schmöckers viel Zeit in Anspruch genommen hat. tlrls interessiert eigentlich mir das vierte Kapitel, das von den Protokollen der Weisen von Z i o n handelt und den größeren Teil des Buches ansfüllt. Zwar bietetl die ersten drei Kapitel auch genug des Merkwürdigen und Wissenswertetl, aber das wollen wir uns alles arf, ein anderes Mal allfhchen. (Das erste Kapitel mit persönlichen ErinnevlUdgen über den Unlsturz vom Frühjahr 1917 enthält in der Tat viele beachtenÄverte Eilizelheitell.) Hier wollen wir uns die weitlällfigen Darlegungen über die Protokolle rräher anseheil. Leider wird unsere Nellgieche llicht. im geringsteil befriedigt. Die Un-