Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2288 (5.7.1925)
- Date
- 1925-07-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette S Wien. WZeneie 5. ftnTi 19'2,” Nr. SSW 'M i ‘if! '!j f i! i‘i .GUMMISCHUHE. 6nmmimilntel, Spielbälle und Giimmiwaren aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANK & HOROWITZ Wien, II. Bez., Taborstrasse Nr. II b — Telephon Nr. 47-0-86 schweigen der zur Wahrung der Gesetze berufenen stellen ihre Exzesse verübt. * Drei Deutsche sind zum Tode verurteilt worden und die ganze deutsche Welt eilt ihnen zu Hilfe. Als sich die Juden der ganzen Welt wegen der Drehfus-Affäre, wegen der Hilsner-Urteile, wegen der Beilis-Prozesse der Verfolgten annahmen, kam die ganze antisemitische Meute m Bewegung. Die Bestrafung einer 'Gemeinschaft für einen einzelnen, des einzelnen für die Gemeinschaft, das wurde und wird seit jeher an Judentum und Juden praktiziert. Auf keinem Gebiete der politischen Justiz sind so viele Verbrechen verübt worden wie auf dent lüdischen. Aber die geschloffene Gegenwehr des Judentums, das sich nicht damit abfinden will, daß jemand, weil er ein Jude ist, bestraft wird, ist zu einem sehr beliebten Thema der Kanaille geworden. Das nehmen wir hin. Aber wir ziehen die Parallele zwischen der Bewegung, die das Moskauer Urteil int deutschen Volke ausgelöst hat, und dem frechen Geschrei von der jüdischen Solidarität. Wir sehen, daß die politische Moral aller Staaten durch Tschekas verseucht ist, daß es überall doppeltes Recht, also kein Recht gibt, und wir wissen, daß die chsten und hauptsächlichsten Opfer dieses Zustandes die Juden sind. Die Justiz ist ffchekisiert und es wird länge dauern, ehe die Tscheka wird justifiziert werden können. - Herbert Samuels Bericht. Girre arirbifche Stimme. Zu dem soeben erschienenen fünfjährigen Vevwaltungsbericht Sir Herbert Samuels schreibt der nationalistrsch-avalbischc „Feststin": „Sir Herbert Samuel hat soeben den Rechenschaftsbericht über seine Tätigkeit. wahrend der abgelaufenen fünf Jahre fertiggestellt und dem Kolonialminister unterbreitet. Wir finden, daß sich diese Denkschrift in keiner Weise von den Berichten unterscheidet, die er bisher veröffentlicht hat, in denen er die Tätigkeit der Regierung pries und sich t seiner eigenen Arbeit rühmte. Wird man im Ausland diesen Bericht lesen, so wird man sicherlich zu der Annahme gelangen, daß wir eine der aufgeklärtesten und fortgeschrittensten Regierungen >der Welt besitzen und denken, daß eine andere Regierung selbst in zehn Jahren nicht das hätte erzielen können, was die.Regierung Ereg Israels in fünf Jahren erreicht hat. In Wirklichkeit aber war die ganze Arbeit der Regierung dazu angetan, das Land der Verarmung zuzuführen und es in einen Zustand -u bringen, durch welchen der Aufbau des jüdischen NationalHeimes erleichtert wird. Wahrlich, hierMUlande wird der Leser des Berichtes den Geist des treuen Zionisten in dem Körper des britischen Beamten Sir .Herbert Samuel hervusfühlon." Im Anschluß daran denunziert „Feleftin" eine Anzahl von Matrosen und Schisfsbeamten, die sich angeblich mit dem Heveinschmuggeln von jüdischen Einwanderern, die keine Paßvisa besitzen, befassen. feststin" ist entrüstet, daß die Polizei in Jaffa die Untersuchung dieser Angelegenheit dem Polizeioffizier Ben David anvertraut habe und verlangt, daß mit der Untersuchung ein anderer Beamter betraut werde. Keine Verwandten Mgelassen. Jaffa, 3. Juli. Der Gouverneur von -Jaffa gibt in einer offiziellen Kundmachung bekannt, daß bis zum Ern langen einer neuen Verfüg u u g Ansuchen wegen Zulassung von E i nw andererverwandten aus dem Ausland nach Erez Israel nicht entgegengenommen werden. Die Wahlen in die jüdische Nationalversammlung. Jerusalem, 3. Juli. Der Wahlkampf für die bevorstehenden Wahlen in die Assefat Haniwcharim ist bereits im vollen Gang und wird von allen Gruppen etwas lebhaft geführt. Die Stimmung ist durch die Sezession der orthodoxen Gruppen während der letzten Session äußerst gespannt. Dem Ausgang dieser Wahlen wird schon aus dem Grunde außerordentliche Bedeutung zugeschrieben, weil mit Rücksicht auf den Personenwechsel im Oberkommissariat eine einige und Prinzipienseste Nationalversammlung von der höchsten Wichtigkeit ist. Das offizielle Zentralwahlkoniitee hat das ganze Gebiet Erez Israels in acht Wahlkreise eingeteilt: Jerusalem, Tel-Awiw, Rischon le Zion, Chebera, .Haifa, Balfouria, Liberias und Safed. Inzwischen sind unausgesetzt Verhandlungen im Zuge, unt eine Verständigung mit den Orthodoxen zum Zweck ihrer Mitarbeit an einer gemeinsamen Nationalversammlung zu erzielen. Ae Klimpse in MawNo. Fe-, 4. Juli. (HavaS.) Nach einem offiziellen Bericht haben die Rifleute am 2. und 3. d. im Westen vom K i ffa n a in der Richtung ans Belkacem einen Angriff unternommen, wurden jedoch nach einem ziemlich leibhaften Kampf zurückgeschlagen. Polens Konsolidierung. Die Warschauer Verhandlungen im Spiegel der polnischen Presse. Warschau, 4. Juki. In der polnischen Presst sinden die BerihaMumgen zj.visd«n der Regievumg mtd der parlamentarischen Vertretung der Juden lebhaftes Echo: die Ergebnisse werden auch ziemlich ernsthaft behandelt: eine .Ausnahme bilden bloß die radibal-antistnütischen Blätter, wie das „Zlveigroschenblatt", das weiter den Boykott der Juden verlangt, „Glos Narodn", welches diese Verhandlungen als „schädlichen Bluff" bezeichnet, und einige andere. Int Gegensatz zu derlei Aeußerungen der rechtsstehenden Blätter ist die „Rzeezpospolita" zu erlvähnen, in der der angesehene Publizist Sm og o r z e w s k i in euvam Aufsätze die Beendigung der Verhanblungen als „ein neue und wichtige Etappe in der Konsolidierung des pollnischerl Staates" bezeichnet. „War sza w'ia n ka", das Organ öeä Deputierten Stroitgli, bezeichnet die politische Deklaration des jüdischen Klubs als unnötig mit Berufung davairf, daß die jüdischen Abgcordnetien irr ihrem Gelöbnis nach bestem Wissen und Willen zunt Wohle des polnischen Staates zu arbeiten versprochen haben, und fährt dann fort: „Biel wichtiger ist, wenn der Mische .Klub vott der Politik der WaWiste Nr. 16, das ist der Berein'igmtg sämtlicher uationallen Minderheiten gegen das Poleutium, lasst« würde." Auf eine bevorstehende Sprengung des Miuoritätenlllocks konrnrt atrch „Nolva Refovnta" in ihrer Bourteilln-ng des Verhandlungsergebnisses zu sprachen; das Blatt faßt form Stellung zu der Sache wie folgt zusammen: „Die Tatsache der Verständigung ist bodeuitsam: dein: sie beseitigt ein gut Stück des inneren Krieges, welcher zum Schaden für den staatlichen Organismus soviel Energien absorbiert hat. Auch zerschlägt die Verständigung den Mock der imtionastn Mruderheistu, mdetn sie die Judetl von der Gemeinschaft mit den staatsgegmrischen ukrainischen und iweißrussischetr Klubs rmd ihrer Sejmpälitik trennt. Die Verständigung trägt zur Berrchigurtg der Berhältrtisse in den Randgebieten und zur StäÄung unserer dortigen nationälstaäÄ'icherr Position bei; sie macht schlieMch guten Eindruck auf die Organisation des ausländischen Judentums, welches bisher den polnischen Staat mit sthr viel Mißtrauen betrachtet hat." Diese kleine Ausllese aus den polnischen Blätterstinrnrem zeigt, welche Prä,misten und welche Wünsche die Beurteilung des bisherigen VerhaMungsergebuisteS beeinftusten. Es wird also kein leichtes Stück Aufklärungsarbeit zu Hoisten fein, um das zu erreichen, was Minister Skrgynski in seinem Interview als letztes Ziel der Verhandlungen bezeichnet hat, die VerlstänidigMg zwischen der polnischen und jüdischen Gesellschaft. Sie Lrganisatlon der Mischen Gemeinde» in Bulgarien. Die bulgarische Gesandtschaft in Wien übermittelt un8 folgendes Communique des Konsistoriums der jüdischen Gemeinden Bulgariens: Samstag den 20. Juni, am Vorabende der Plenarsitzung des Konsistoriums und der Beratungskonferenz der Vertreter der jüdischen Religions- und Schulgenteinden Bulgariens, fand im Ministerium des Aeußern eine lange Besprechung zwischen dem Vertreter des Konsistoriums Harm A. F a r ch i und dem Außen- und Kultusminister Kalfoff statt. Bei dieser Besprechung wurden die Genehmigung des Statuts über die Organisierung und die Leitung der jüdischen GemeindenundKonsist orten sowie die kürzlich von unverantwortlichen Elementen unternommenen a n t r s e m i t ischen Hetzversuche im Lande erörtert. Kalfoff gab seinem Wunsche Ausdruck, daß die erste Frage zugunsten der . gemeinsamen Jnteresten der bulgarischen Juden und des bulgarischen Staates gelost werde, betonte aber, daß die gewünschte friedliche und rationelle Lösung dieser Frage durch die gegenwärtige innerpolitische Lage erschwert erscheint. Dabei bat der Außenntinister für kurze Zeit noch um Geduld und gab zu verstehen, daß die Frage in den nächsten zwei bis drei Monate» endgültig günstig gelöst werde. Betreffs der antisemitischen Hetzversuche sprach Minister Kalfoff (wie bereits gemeldet. Die Red.) seine schärfste Mißbilligung über derartige Umtriebe auS und versicherte den Vorsitzenden des Konsistoriums, daß die Regierung, welche die Herrschaft ergriff, um das Land im Namen der Gesetzmäßigkeit und der Ordnung zu verwalten, niemandem erlauben werde, Unruhen im Lande hervorzurusen und daß alle in dieser Hinsicht notwendigen Maßahmen unverzüglich ergrisf e n werdett, um mit diesen der Regierung unerwünschten Erscheinungen endgültig aufzuräumen. lver Ausgleich zwischen Paste «nd Nadir. Belgrad, 4. Juli. Die Delegierten der Radic-Pcirtei und der radikalen Partei haben heute vormittags ihre offiziellen Besprechungen fortigösttzt. Mehrere Politiker, darunter Papst Ra die, erklärten, daß in sämtlichen Fragen eine prinzipielle Verständigung zustande gekommen ist. Die Besprechungen werden Dienstag fortgesetzt. BiS dahin berichten die Delegierten ihren Parte iklnbs. Nach der dienstägigen Konferenz dürfte die Regierung demissionieren, worauf der König sofort mit den Audienzen beginnen wird, um das Kabinett bis Effde der Woche zu bilden. . „Nevesti", das Organ der Landwirtepartei, erfährt, daß die Nadie-Partei das Justiz-, das Handels-, das Ackerbau- und das Ges'undheitsntinisterinm besetzen werde. Brillanten alle!' Art auch Jälnie bester Käufer kurt Brück. VI., Hirschengasse S, Mezz.. VM.. Josefstädterstr. 4*. Die jüdische Wanderung. Gestrandete jüdische Flüchtlinge ttrtrfi Kanada. Aus Okawa (Kanada) berichtet I. T. A.: Eine Abordnung der Jndenschaft von Kanada hat beim G'mwandernngSkominissär der kanadischen Regierung vorgesprochen und ihn ersucht, den in den europäischen Häfen gestrandeten jüdischen Flüchtlingen die Einwanderung in Kanada zu, erlauben. Der Einwander.nngskommissär stellte in Aussicht, daß einem großen Teil dieser Flüchtlinge Einlaß in K ana da g e w ä h r t werdet!■ würde. Jüdische Auswanderer aus Bestaravicn nach Frankreich? Bukarest, 3. Juli. (I. T. A.) Die als offiziös angesehene Telegraphenagentur teilt mit: Dieser Tage traf ein Repräsentant der Alliance Israelite Universelle in Paris na nie ns Canisca in B u k a r e st ein, unt t m N a m c n der französischen Regiern ng die Frage der Auswanderung von Juden aus B c ß a r abien und der Bukowina, die qualifizierte Arbeiter sind, in die Wege zu leiten. Er wurde von den Ministern D u c a und T a r t a r e s c u empfangen, zu denen ihn der französische Gesandte begleitete. Die rumänische Regierung versprach ihre Hilfe in dieser Llttgestgen- >heit. _ Der Ausruhr in Wm. Verscl-lcchtevuna der Situation in Schanghai. Schanghai, 3. Juli. (Reuter.) Hier ist ein englischer Geheimpolizist durch Kulis schwer derletzt wordnr. In Swatan wu-vden nwhrere ausländische Kansieute im Verlause einer sremdenseindlichen Kundgebung völlig aüsgeplündert. Im Eingobornenviertel von Schanghai wurden drei Japaner mißhandelt. Die Straßenbahn wurde erneut mit Steinen beworfen. Chinesische Soldaten werfen bei S ch a p e i S ch ü tz e ngräben auf und ziehen Stacheldrähte in einer Entfernung von 160 Metern um das interinationale Konzessionsgebiet. Amerika beruft ktzine China-Konferenz ein. Paris, 4. Juli. (Wolff.) „New-Yorlk Herald" meldet aus New-York: Eim offizielle MitteUmg der Ragiermtg der Bereinigten Staaten besagt, daß man sich mit keinem Vorschlag beschäftigt, eine internationale Konferenz eiuzubemfen, um die Frage der Exterritorialität in China, wie sie durch die Resolution der WaHingtoner Konferenz'vom Jahve 1922 vorgesehen sei» zu beraten. remlstio» des hollilndlschen Kabinetts. Haag, 4. Juli. (Wolfs.) Die Königin hat das bereits vom 29. Juni datierende Dcmissionsgesuch des Kabinetts zur Kenntnis genommen, sich die Entscheidung vorbehatten und zugleich daS Ministerium mit der Weiterführnng der laufenden Geschäfte betraut. (Die Demission ist formaler Natur, bedingt durch die Neuwahl des Parlaments. Da diese keine wesentlichen Bcrändevnngen im Besitzstand der Parteien ergeben, hat, werden keine rtermSwerten Veränderungen in der Zusammensetzung der Regierung erfolgen. Die Red.) »eutschlands Bevölkerung. Berlin, 4. Juli. (Wolfs.) Nach einer 'Zusammenstellnna des statistischen Reichsamtes beträgt nach dem vorläufigen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni di« Bevölkerung deS Deutschen Reiches ohne das Saargeb i et, in dem nicht gezählt werden konnlst, 62,5 Millionen. Rechnet man das Saargebiet hinzu, so beziffert sich di« GesamtbovAkerung auf 63,26 Millionen, d. i. etlva die gleiche Bevölkerungszahl wie Ende 1908. Somit ergibt sich gegenüber der Zählung vom 8. Oktober 1919 eine Zunahme der Bevölkerung um 5,6 Prozent. Aus aller Welt. Uondon, 4. Juli. (Muter.) General Sir G. F M i l u e ist an Stelle Earl of Cavans ftum Ehsf des Gemralstabes ernatmt Ivolden. London, 4. Juli. (Tel.-Konch.) Nach Meldungen ans Bagdad ist es in der Nähe von Sttstinkanite zwüschen Kurden und englischen Soldaten zu einem Gesucht, gokmmnen. an dem sich auch englische Flu^uge beteMgteit. Dl« Kurven wurden mit gvoßell Verlusten zuntckgeschlagen. Di« Flchrer der Banden sind nach Persien geflüchtet. Berlin, 1 Juli. Der „Vorwärts" meldet ans Gells: W-ie Schweizer Grenze nnv Wechrelen einen jungen Mann, einen Schwester Touristen, den sie schwer m rßhandelten, weil er eine rote Krawatte trug. Die Schweizer Grenzwache kotlnte «inen Faszisten entwaffnen, die anderen entkamen, nachdem sic noch aus di« Grenzwache geschossen hatten. New-Aork. 4. Juli. (Del.-Komp.) Das süniMockhohe Gebäude des Pickwickklubs in Boston stürzte heust morgens um 4 Uhr in dem Augenblick ein, als in den Räumen des Klubs gerade der Jahrestag der amerikanischen UuabhängigVeit gefeuert wurde. An der Feier hatten 200 Personen MgWmtmell, die sämtlich verlcht Imlrven. 40 der Verunglückten sind ihren Verletzungen bereits erlegen. Der Einsturz des Gebmibeg wird daraus zurückgesl'chrt. das; die Fnnvamellte des Hausi's durch Evdarbeite», die in der Nähe aus ge führt werden, inifiPvAnit'fvft knu-rfheu.