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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-03 · Heft 2286 (3.7.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2286 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Wiener Moraenzeilunq. Me Lsseafive der Makottaaer. Ein Rcituttfaü Adei Krkms. Tanger, 2. Juli. (Havas.) Alle von der Front kommenden Nachrichten lassen voraussehen, das; nach den bevorstehenden mohammedanischen Festtagen ein A ngriff auf allen Fronten zu erwarten steht. Wie gemeldet wird, sind in S cb e s ch a u c it zahlreiche Abteilungen von Rifleuten angckommcn. Nach einer Meldung aus Madrid soll A b d e l K r i m einen Reitunfall erlitten und das Bein g c b r v ch c n haben. Abd et Rrims Fviedensbedingungen an Spanien. Paris, 2. Juli. Dem „Matm" wird aus Madrid berichtet, cs sei fast sicher, daß die Friedcnsbedingtntgc «, die A bd el Kr i m dem von der spanischen Regierung als Unterhändler entsendeten Kaufmann E c ch c v a r i c t a im Verlaufe der letzten Unterredung angeboren habe, nicht angenommen werden dürften. Abd cl Krim fordere die Anerkennung eines unabhängigen Rifstaates, der als Grenze im Westen die Linie Primo de Rivcras haben und im Osten eine E r- Weiterung des Gebietes Ucd Kert erfahren soll, das gegenwärtig von der spanischett Armee besetzt gehalten werde. Im Verlaus der Unterredung soll Abd el Krim darauf hingewicsen haben, daß er sich im Süden mit dem Tal des Urghaslusses begnügert würde . Sie Kammerwahlen in Holland. Amsterdam, 2. Juli. (Tel.-Komp.) Die LmksPaÄe'ten haben &oi den gestrigen Kammer-Wahlen wohl Fortschritte erzielt, es ist ihnen jedoch nicht gelungen, die Mehrheit zu erlangen. Bisher halben die Rechtsparteien 60, die Parteien -der Sinfett 40 Sitze erhalten. Die Brrllikadigungsverhaadluage« MM« der Pasirand Äadir-Parlei. Belgrad, 2. Juli. (Tel.-Komp.) .Heute haben N7N 10 Uhr vormittags im Kabinett >des Ministers für Sozialpolitik Marko G j u r i c i c, der als Vertreter des Ministerpräsidenten fungierte, die offiziellen Verständigungs- Verhandlungen zwischen den Radikalen und der kroatischen Bauernpartei begonnen. Äie Sitzung dauerte drei Stunden, lieber ihren Berlattf wind Stillschweigen bewahrt. Die Besprechungen werden morgen vormittags fortgesetzt. Abends fand beim Ministerpräsidenten Pa sic ein Äcinisterrat statt, der zur Stunde noch andauert. Irr politischen Kreisen wird erklärt, daß man versuchen werde, Noch heute nachts die Frage des Verbleibens der iselvständigen Demokraten (Gruppe Pribicedic) in einem Kabinett, dem auch die Vertreter der Rädic-Partei a-ngehöreu, zur Entscheidung zu bringen. Volksbildung bei Horthh. Budapest, 2. Juli. Der ungarische Ku-ktUsM'Mster veröffentlichte vor einigen Tagen in einem BNdapeistet Bilattr einen Artikel, in welchem er die SchUlfvcMi W UtMiN ^bespricht. Er weist daraus hin, daß von deü acht Millionen Einwohnern Ungarns rund eine Million Persone n, die das sechste Jahr bereits überschritten haben, des Lesens und Schreibens unkundig sind. Der Minister vertritt die Ansicht, daß die Eltern di« Schuldtragen-den an diesen unerfreulichen kulturellen Ver- Mtniffen sind, da sie nicht dafür Sorge tragen» dvsi die Kinder die Schulen besuchen. Audeverseits muß er Adoch konstatieren, daß auf dem Gebiete des heutigen Ungarns zu wenig staaÄiche Schulen vorhanden sind. Me Dölkerbundexvertife. Bundespräsident Dr. H a i n i s ch hat gestern vormittags die beiden Experten des Völkerbundes, Mr. Layton und Prof. Rist, empfangen. Im Laufe des Tages fanden Besprechungen der beiden Experten in der Landwirts chaftskamm er, beim Hauptverband der Industrie und im Gremium der Kaufmannschaft statt. Die Instruktionen des Völkerbundes geben, wte die „Bank- und Börsenzeitung" erfährt, den Experten stsie Hand, nur ist jede Erwägung eines ANs chlu sses an Deutschland ausgeschlossen. Dies ist auf Intervention Italiens, dem sich die T s ch c ch o s l o w a k e i angeschlossen hat, zürückzufühtöN, welche Länder ohne Gegenseitigkeit Oesterreich Vorzugszölle für eine Reihe von Jndustrten r t i k e l n zu gewähren ,sich bereit erklärt yübett. Da eine einheitliche Stellungnahme der wirtschaftlichen Körperschaften wegen der Anschlußfrage und wegen der Verschiedenheit der Interessen einzelner Industrien nicht M erzielen war, werden die Experten nach Anhörung der offiziellen Interessenvertretungen Beratungen Mit hervor- -agenden Industriellen und Wirtschaftspolitikern pflegen- M BorkrlksMulvengesetz. Tie gestern im Nationalrate eingebrachte Novelle MM Vorkricgsschuldengesetz bringt eine Reihe von Erleichterungen für den Bund in bezug auf die Kupttalslast und in der budgetären Belastung. Die Beiträge deS Brtndes tverden im Durchschnitt »m Ungefähr 16 Prozent ge kürzt. Die Kapitalslast des Bundes wird dadurch um ungefähr 30 Millionen Schilling verini ndert, die jährliche budgetäre Belastung von 34 Millionen a u f 32 M i l l i o u c it Schilling herabgesetzt. Gewisse Begünstigungen wurden den kleinen SOEBEN EBSCH1ENEN! au» PalSsfl NUOOHIARMANN 174 Seiten in gutem Halblelnenband mit einer secdskarvigen Karte von Palästina Preis isdiech.K 28.— 9041 Dr. Josef Flesch Verlag \ Prag Soukenickä 5 1 - - - -— —- ---1 Schuldnern gewährt, die nur dann von der Kürzung betroffen werden sollen, wenn die Kürzung nicht mehr als 1000 Schilling betragen würde. . «•*. Bus dem Ratloualrat. Der Nationalrat hat gestern eine umfangreiche Tagesordnung — insgesamt 14 Punkte — ohne nennenswerte Debatte aufgearbeitet. Beschlossen wurden unter anderem die Novelle zum handelspolitischen Crm ä ch t i g n n g s g e s e tz, die H a n d e l s Übereinkommen mit der Tschechoslowakei unö Griechenland, der Vertrag mit Ungarn zur Verhinderung der Doppelbesteuerung und die Patentgesetznodelle. Das Hebammengesetz wurde trotz des Einspruches des Bundssrates in seiner ursprünglichen Fassung nochmals angenomnten. Hiedurch wird der Einspruch des Bundesrates hinfällig. Dagegen würde die Novelle zmn Krankenbersicherungsgesetz der BundesaNgesielften ntit den vom Bundesrat gewünschten Aenderungen beschlossen. IM Einlaufe befanden sich unter anderem der Entwurf eines JnkoMpaiibilitätsgesetzes und die Vor'kriegsfchülöettnovclle, die sofort den Ausschüssen zugewiesen würden. Das Jnkompükibilitätsgesetz schreibt vor, daß Bürgermeister, Stctbtiäie, Abgeordnete und Bundes» röte keine leitenden Stellungen in Aktiengesellschaften, Banken, Industrie-, Handels- oder BerkehrsunterNehMungen, LaNdeskteditinstituten oder gemeinwirtschaftllchen Anstalten bekleiden dürfen. Nächste Sitzung: Mittwüch den 3. d-, 3 Uhr nachmittags. , ....... H»«,I Sri. Der nette tÄMsche Gesnnbie in Wien. A Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte WLmister der türkischen RePuMk in Wien, Ham di Bei, dessen Ankunft iu den nächsten Tagen erwartet wird, gehört jener Kläffe der türkischen Intellektuellen äü, die berufen ist, an der Leitung der Geschicke des türkischen Voltes teilzunehrnen. Ein Mann von energischem Wesen, weitem Gesichtskreis und diplomatischer Umsicht, 'hat er es verstanden, wahrend seiner verschiedenartigen und häufig Me raus verantwortungsvollen Tätigkeit die ihm gestellten Ausgaben Voll Und ganz zu erfüllen. Im öffentlichen Leben wird er vorerst als Professor an der Kvnstäntinvpeler Fakultät für Rechts- und Staatswissenschäften bemerkt, um bald auf einen hohen Posten in der Verwaltung der öffentlichen Stüatss ch U l d berufen zu werden. Für ein solches Antt kamen 'bei der damals fast ausschließlich Von fremdem Einfluß beherrschten Verwaltung nur Männer von besonderer Bildung und Fähigkeit in Betracht. Die materiellen und gesellschaftlichen Vorteile dieses Postens hielten ihn jedoch nicht ab, schon ■ wahrend des Weltkrieges das schwierige Ä-mt des Direktors der E m i- H r a N t e n k o M M i s s i o n zu MerNehMen und auch Nach dem Wafstustillstand beizubehalteü. Hier entfailtete er eine geradezu übermenschliche Tätigkeit und scheute auch persönliche Opfer nicht, da es galt, in den ostana-tolischen Provinzen Über eine Million Flüchtlinge zu ernähren, für welche die Negierung von Konstantinopel nichts übrig hatte- Im Jahre 1921 sehen wir ihn als Mitglied der Mission, welche he-hUfs Verhandlungen mit der Regierung Lloyd George nach London entsendet wurde. Letzte Korke. Mw-Hvrkev Aevtfen. -rew.Hork, p. Juli. (Tel-Kotub.) Berlin 29.80, Loildon Kadsk 4.80'/;, London Eher 4.81V Amsterdam 40.6b, Parts 4.62, Brüssel 4.61, Nom 9.48, Madrid 14.66, Zürich 19.68, Stockholm 26,82, Oslo 18.20, Kopenhagen 20.16, Wim 14.—, Budapest 14.—, Prag 2.9s V Belgrad 1.76. Athen 1.70»/» Buenos Aires 0.40-/«, Rio de Janeiro 10.60, chnkarest 0.46. Amerikanische Getreidemürkte. Stew-Aoek» 2. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 181'/,, Weizen hart Winter 169*/,, Mais 112'/,. Hafer bl'/,, Noggen 105. «hi-as», s. Juli. (Tel.-Komp.) Wetzen per Juli 149'/., September 140. Dezember 141'/,, Mats per Iu« 98'/,, September 102-'/», Dezember 86'/,; .Hafer per Juli 48*/„ September 45'/„ Dezember 47-/,; Roggen per Juli 98, September %%, Dezember 98'/.. 3. «Juli 1988_ Nr. MS Nach feiner Rückkehr von London wurde er -um Depntterten in di« Nationalversammlung gewählt, an deren ziveiten Session er als eifriger und viel bemerkter Arbeiter teilnahm. Bei der Konstituierung der Kommission f ü t den Austausch der türkischen und griechischen Bevölkerung wurde er zum zweiten Delegierten in diese Kommission nominiert. Nach Ilebertragung des Portefeuilles des Ministeriums für auSivärttge An gelegenheiten an Dr. Tewfik Rufchdi Bei trat er an dessen Stelle als erster Delegierter. Schwere Pr Mente Ijatte er hier zu bewältigen. Die AttSweisung des ökumenischen Patriarchen G r c g o r i u s ist noch in lebhafter Erinnerung. Anläßlich der Erledigung dieser überaus komplizierten Angelegenheit erwies er sich als ein Mattu vott besonderer politischer Gewattdtheit und als fc-üftuvgnierter Diplomat. Seine Entsendung nach Wien wird hier jedenfalls das Gefühl besonderer Befriedigung auSläfen. Indem die neue Türkei ihre Vertretung in Oesterreich cittem ihrer besten Männer anvertraut, Hai sie gezeigt, daß sie gewillt ist, ihre Beziehungen zu Wien, welches sie als beit Knotenpu n k t des Verkehrs mit Mitteleuropa gcbiührertd -wertet, den -beiderseitigen gegenwärtigen und zukünftigen Interessen entsprechend freundschaftlich nnd rasch auszugestalten. Dr. Wellisch. Siebe« Zonriften im SefSuse tot aufgefunden. Seit einigen Tagen selhllten Nachrichten von vier Touristengruippen, die sich bei einer Tour i-m G e s ci n s e verstiegm hatten. Die cingelovtete Rettungsegpedition führte zu einem furchöbaren Ergebnis. Bon den in den Bergen vermißten Touriston haben, wie aus Graz gemeldet wird, sieben den Tod güsamden. Vier Wiener Touristen des AlpettvoreitlS „Donauland", namens M a r g u-I l$S, Wegis che id e r, Spiegler u-nd Glat ta u, sind in der Nordloand des Hoch• tors erfroren auf-gchunden worden. Am Einstieg .jut P l a n spitze wurden die Leichen der Beamten der Oesterreichilschci'. Nationalbank Kamillo Schneider (Graz) nnd Herbert Löffler (Wien) a-iHgefunden, während ihre Begleiterin, Fräulein Winter, in vollkommen erschöpftem Zustand nach Gstattevbodetl gebracht wurde, wo sie krank darnie-dcrliegt. Der Wiener Tourist Frau; Roh ringer ist auf dem Oedjstein erfroren. Die Wiener Bankbeamten Tiefenlbrnnner und Barbinsky sind aivf dem Oedstein ganz entkräftet eingetroißsen und zu Tal gebracht worden. Re lleberschwemmung in SaWe«. X Erhebliche Besserung der Situation. Warschau, 2. Juli. Die Ueberschwe-mmungen in Gal'izien seheinen den Höhepunkt überschritten zu haben. In WestgaNzien betragen nach amtlicher Schätzung dle von Vev Uebevschwommung angevicht'eten Schäden 20 Milltonen Zloty. 21.800 Morgen Saat sind vernichtet. 40.000 Menschen sind o b d a chrvs. Nach den letzten Meldungen hat sich die Lage in den ÄckberschwemmungsgMeten wesentlich gebessert. Die Weichsel bat zu steigen ausgehört. Auch in Westgalizien geht die Ueberschwemmung des Dunafec und der Kawa zurück. Aus Ost g a l i z i e n wird gemeldet, daß der S a u allmählich wieder in sein normales Bett zurückkehrt. Die heftigen Regengüsse haben überall anfgehört. Der Minister des Innern ist heute im Auftrag des Mnistcrratrs in Krakau cmgetroffen, um die durch die Uebcrschwcmmnngen angerichteten Schäden an Ort und Stelle festzusteÜen. Abschledrbankett für LM Samuel. Das EMutivkomitee der jMschen Froue-norganisatio^ in Erez Israel gab, wie uns aus Jerusalem berichtet wiw, im Haufe der Gattin NssischkinS der Lady Samuel anläßlich ihres Scheidens ans Erez Israel oin Aibschiedsbankett. An dem Abschiedssest nahmen Mitglieds des Zentralaitsschusses der Zweigvereine in Jerusalem, Haffa, Liberia itnd Petach- TMvah toll. Volt den Übrigen Zlveigvereinen der FrauenovganisatioN langten schrifbliche Wünsche fiir Lady Samuel ein. Die Präsidentin der Organisation, Fran Moss i ns oh n, gab in ihrer Festrede dem Bedauern aller Mitfilieder Ausdrück, daß das erste Mitglied der Organisation, Ladh Samuel, das Land verlasse. Sie würdigte die großen Verdieuste der Lady Samuel um die Entwicklung des Frauetwerbandes ltud dankte ihr für die vielen wichtigen nnd ergebnisreichen Attrogungett, vott denen die Leiterinnen der Zentrale solvchl wie der Zweigvereine sehr viel gellernt haben. In Anerkenuuitg dieser Vetdieitste, führte Frart Mossinschu weiter ans, hat der Frauenverband beischlosfen, in Jerusalem eine hebräische Löchterschnle zn gvünden, die nach Lady Samuel „Beth Mirjam" genannt werden soll. Frau Kessel manu verlas hieraus die künstlerisch auf Pergament geischriebene Sldresse und überreichte diese als Zeichen der Liebe Und Verehrung dem scheidenden Mitglied. Es sprachen noch die Dorsitzeude des Ztvelgvereines Jerusalent. Frau Dr. Cohen, die Lady Samuel die Bestätigung über ihre Eintragung ins „Goldene Buch" des Nationalsonds übereichte, ferner namerrs der übrigen Zweigvereine Frau G o l o m b e ans Petach-Tiktvah. Lady Samuel dankte in herzlichen Wortcil für alle diese Zeichen der Lieibe und Atlerkennung Und versicherte, daß sie auch serit von Erez Israel nt st bet gleichen Hingebung für die Ziele des Frauenverbandes im Bande arbeiten werde^

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