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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-03 · Heft 2286 (3.7.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2286 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wien, Freitag Wiener MornenzeitunO. 3. Juli .1925 Seite 3 WyAefertn Gegen übermässige Schweissbildung Als Zusatz zu Bädern Angenehm riechend Nur in edelgrünen Origlnalflaschen Zum Schutze gegen Ansteckungen Bestes Schutz- und Desinfektionsmittel für Frauen Beseitigt üble Oerüche .Anerkennung und Unterstützung zu erlangen. Wir sind auf dem besten Wege dazu. Die Rede Sokolow's machte auf die Mitglieder des Oberrates einen tiefen Eindruck. Am 29. Juni war Sokolow Gast der Warschauer B'nai-B'rith-Loge. Wasserversorgung und Mandat. Ein Urteil des Jerusalemer Obersten Gerichtes. Aus Jerusalem meldet die I. T. A.: Das palästinenz stsche Oberste Gericht entschied am 25. Juni, daß die Ne-; gierungSverordnung, in Zeiten von Wassermangel Wasser! aus .den Brunnen des arabischen Dorfes N r t a s im : Distrikt Bethlehem für Jerusalem zu holen, u n g e s e tz- ,lich fei, da diese Verordnung im Widerspruch zu der Verfassung Palästinas und zu Artikel 2 des Mandats ■ steht. Anfang April, zur Zeit des größten Wassermangels, weigerten sich die Araber von Urtas, der Verordnung der; Regierung, Wasser für die Hauptstadt herzugeben, Folge zu leisten, indem sie erklärten, das Wasser würde f ü r Häuserbau jüdischer Einwanderer Verwendüng finden. Die Paläftiinensisch-arabische Exekutive hat; die Dorfbewohner in ihrem Verhalten ermutigt und sie veranlaßt, Klage beim Obersten Gericht 31t erheben. Die nunmehrige Entscheidung des Gerichtes hat in Jerusalem . Sensation hervorgerufen. Ser Waad Leumi bet Kolonel Shmer. Die Forderungen dev jüdischen Nationalversammlung. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Vor einigen Tagen erschien eine Abordnung der Leitung des Waad Leumii, bestehend aus den Herren I. Ben-Z wi, Dr. I. Thon und Ch. Kalwariski, beim neuen ZivWekretär des Oberkommissariats, Kolonel Symes, um ihn zu seiner Ernennung zu beglückwünschen. Der Hauptredner, Doktor Thon, gab der Freude des Waad Leumi darüber Artsdruck, daß Kolonel Symes, der im Laufe feiner Amtstätigkeit >in Evez Israel die Verhältnisse des Landes genart kennen gelernt hat, das verantwortliche Amt eines Generalsetkvetärs der Verwaltung auf sich genommen habe. Dies biete den Mitgliedern des Waad Leumi die Sicherheit der Stabilität in der Leitung und Verwaltung des Lau- -des. Er gedachte der guten Beziehungen, die zwischen dom Waad Le-nnri und den zwei Vorgäugor.n Kolonel Symes', Sir W. D e e d s und Sir C l a y t 0 n, bestanden haben. Kolonel Symes erklärte in feiner Antwort, daß sich zwischen ihm und dem Waad Leumi offene und fvonndschaftliche Beziehungen hevcmsbAden wierden. Aus dom guten Verhältnis zwischen ihm und den jüdischen Körpsrschäften im nördlichen Gouvernement schöpfe er die Zu- Bericht über eine Palästinareise?) Von Otto Meles. 6. Tel-Awiw, 32. Juui. „TÄ-Awiw wird das New-Bork, Jerusalem das Walshmgkon von Erez Israel," fa>gt mir ein fi'chreuder zionistischer Beamter. Er ist ein ruhiger, überlegener Mann und fügt /lächelnd hinzu, daß er sich bloß eines geflügelten, gut klingenden Wortes bediene. Andere beurteilen die Entwicklrmgsinöglichkeiten und die zukünftige Bedeutung der Gastnlofen) Stadt kühler, a!bcr alle mit großer Zuversicht. Der in unseren 1 Disikussionsklnbs beliebte Vergleich mit dem Wasserkopf auf dem iZwergvumpf ist hier noch fernem Schaffenden beigesallen. Und der bösen Fama (von belschränkten, oberflächlichen Touristen nach Europa gebracht), wonach die Pioniere ans den Kolonien die Stadt Tel-Awiw gering schätzen, Mchnen, bekämlpfen, hassen, muß scharf entgegongetretolt werden. Unwahr! Ich habe mit Siedlern aus Judäa, aus dem Emok, ans Qbergaliläa gesprochen, darunter mit solchen, die .ans dem äußersten linken Flügel stehen. Der jüdische Farmer trägt kein Brett vor der Stirn, ist kein versumperter, verdummter Hinterländler. Er würdigt die Bedeutung dieser Stadt, wünscht, daß sie nicht bloß ein geistiges Zentrum, son- .devn ein industrielles Emporium werde, hat Verständnis dafür, daß hier die Lebensformen, die Lebenshaltung nicht sein können, wie sie im näheren En Ganim oder weiteren Tel- Jossef sind. Unwahr, daß Tel--Awiw von ihnen als das „neupälästinensische Bäbckl" verdantntt u.nd gemieden wird. Man liebt die interessante, für Erez Israel überaus wichtige, von heißer Arbeit dampfende Neustadt int ganzen Lande und weiß, daß man sie benötigt. Die Konstruktion „Hie Tel-Awiw — hie Erez" ist gefährlicher Unsinn ituö wird von den Schaffenden int Stadt und Land ebenso abgelehnt, wie sie gegen jenen Bruchteil der viertelt Alijah eine Einheitsfront gebildet haben, für welchen diese Formel eincu Sinn hätte. Ich hatte das Bedürsllis, authentische Dateit über das Wachstlun von Tel-Awiw oinznholen und begab mich in den *) Siehe „Wielter Movgenze'itnttg" vom 17., 24. Juni und 2. Juli. verficht für seine Arbeit auf sei ne nt neuetr Posten. Jit der hierauf folgenden zwanglosen Aussprache informierten die Erschienenen Kolonel Syrnes über Veit gegenwärtigen Stand der Tätigkeit der Nationalversammlung und den Kampf des Jischnws um die Herausgabe des betreffenden Gesetzes. Kolonel Symes äußerte sich hierüber dahin, daß nach dem Besuch des K 0 l on ren m i n ist e r s in Erez Israel und nachdem eine prinzipielle Einigltng erzielt worden sei mit Sicherheit angenommen werden könne, daß das angestvebte Gesetz in sehr kurzer Z e i t in Kraft treten werde, wobei er die Wichtigkeit dieses Gesetzes für das Judentum im Lande vollkommen a n e r k e n n e. Herr B e n - Z w t lettkt die Aufnterksamskeit des neuen Generalsekretärs darauf, daß die Zahl der jüdischen Polizeibeamten täglich geringer werde, daß die hebräische Sprache in den Aemtern nicht in entsprechender Weise zttr Geltung komme, daß die AvancelnentSverhältnisse jüdischer ^Polizeibeamten viel zu wünschen übrig lassen und führte Klage darüber, daß in den j it d t s ch e it Vierteln keine jüdischen Polizisten zu finden seien. Kolonel Symes nahm diese Beschwerden zur .Kenntnis und versprach, hierüber mit dem Chef der Polizei Rücksprache zu pflegen. Er drückte auch den Wunsch ans, so oft sich die Notwendigkeit erweisen werde, mit den Vertretern des Waad Leumi in Verbindung zu treten. Die Affäre Steiger. Beginn des Prozesses gegen Kornhaber und Konsorten am 8. Juli. (Eigendienft der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 2. Juli. Die Lemberger Einwohner K 0 r n h a b e r, Jäger, Glaser mann und D w 0 rnicki, welche beschuldigt werden, in Angelegenheit des wegen des Attentatsversuches auf den Staatspräsidenten Wojciechowski in Hast gehaltenen jüdischen Studenten Wladislaw Steiger das Verbrechen der Verleitung zur falschen Zeugenaussage begangen zu haben — sie wurden, wie bereits berichtet, vor einiger Zeit gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt —, haben für den 8. d. die Vorladung vor das Lemberger Kversgericht erhalten, wo der Prozeß gegen sie stattfinden wird. Die Verteidigung der Beklagten hat sich an den Obersten Gerichtshof in Warschau -mit dem Antrag gewendet, es möge ßft diesen Prozeß ein anderes Gericht zuständig erklärt werden, beziehungsweise der Prozeß überhaupt nicht im Lemberg, sondern an einem anderen Gerichtsorte stattsinden. Diese Eingabe ist noch nicht erledigt.' ' .! Magistrat. Der Beamte, an den ich gewiesen wurde, war, wie alle Funktionäre, mit denen ich hier in Fühlung trat, Nicht von jener höflichen, glatten Oberflächlichkeit, die eine sachliche Aussprache unmöglich macht. Er bat um Präzisierung der Fragen und beantwortete sie nach Beschaffung der bezüglichen Auszeichnungen in übersichtlicher, erschöpfender Knappheit. Ich erfuhr ans seinen Darlegungen, daß die übertriebenen Angaben über ein abenteuerliches, nicht zu übersehendes Wachstum des Häuiserpavks und der Bevölkerung ans das richtige Maß zurückzusühren sind. Das Wachstum ist gigantisch, auch wenn man nicht m-it amerikanischen Uebertreibungen die jüdische Gasse in jubelnde Begeisterung versetzt, die sich späterhin — je nach der Beschaffenheit unserer Juden — in Sorge, Skepsis oder leidenschaftliches Aburteil verwandelt. Ant 30. April zählte Tel-Awiw 30-000 Entwohüer, die in 2300 Häusern und 820 Baracken und Zelten untergebracht waren. Der monatliche Zuwachs an Köpfen ist seit geraumer Zeit gleichmäßig (also keine „Sturzwellen") und beträgt durchschnittlich 1100 Seelen. Bauerlaubnisfe wurden im März für 410, im April für 138, int Mai sür 124 Häuser erteilt. Gegenwärtig sind 400 Häuser im Ban. Die Bauzeit für kleine Muser beträgt drei, für große acht bis zehn Monate. Vom Oktober 1924 bis zuur Mai 1925 hat sich die Anzahl der Geschäftsläden von 749 auf 902 erhöht, die der Handwerksbetriebe von 619 aus 679, der Industriebetriebe von 119 auf 162. Me Zahl der von den genannten Kategorien ernährten Personen ist während dieser Zeit von 3918 aus 4730 gestiegen. Man untersuche diese Daten, welche die staunenswerte Entwicklung des neuen jüdischen Gemeinwesens kennzeichnen. Aber man messe auch an ihnen die Berechtigung des Fabelgerüchtes: „Wenn matt nach vierzehn Tagen nochmals kommt, ist Tel-Aww lticht wieder zu erkennen." Sie wollen, daß es eilt Märchen ist. Indessen gedeiht hier prachtvolle reale Wirklichkeit. RaiMemerkung: Ich sah in fünf Tagen des Aufenthaltes keinen „Angeheiterten" (geschweige denn einen Betrunkenen), viele Schachaber keinen Kartenspieler und bloß eilten einzigen Straßenbettler (levantinischer Provenienz). & Ant Rande der Stadt, dem Lande zugewendet, in das es neue Pioniere sendeit soll, steht das Eluwandernngsheiin der Zionistiischeit Organisatioit. Ich besuchte es einige Stilndeit Sie Mandalskommifflon. Genf, 2. Juli. (Schweiz. D.-A.) Die Mandätskonv Mission des Völkerbundes beendete die Prüsttng des Bei richtes über Südwestafvika und behandelte einige Pel titionen, die dieses Gebiet betreffen. Schließlich wttrde mit der Behandlung des Berichtes über die Verwaltung der Mandatsgebiete von Nen-Guinca für die Zeit vmn 1. Juli 1923 bis zum 30. Jitni 1924 begonnen. Japan gegen die amerikanische kinwanverungs« Tokio, 1. Juli. (Reuter.) 'Anläßlich des Jahrestages der Inkraftsetzung des g e g e n I a p a it .g e r i ch t e t e n Einwanderungsgesetzes der Vereinigten Staaten wurde gestern abends eine Protest- Versammlung abg-Lhalten. Einige Morgettblätter veröffentlichen oiivc Erklärung des vormaligen japauischeit Botschafters in Washington, bvov'm dieser ausführt, Aufrichtigkeit und Gelassenheit seien nötig, ntn eine vernünftige und sveundschastliche Vereinbarung zu erreichen. Die Presse nimmt aber im allgemeinen von dieser Erklärttng keine Notiz. Die Ausländerprivilegien in Wna. Der amerikanische Vorschlag einer China-Konferenz. Washington, 2. Juli. (Tel.-Komp.) In bezug auf die Korffevenz über China, die die anrerikanische Regierung einberufen will, erklärt man, daß diese in Pekiitg oder Schanghai abgehalten I.verden soll. Es sollen dazit die neun G r 0 ß m ä ch t e, die die Konv-ention von Washington über China unterzeichnet haben, sowie die vier Mächte, die in der Folge dieser Konvention beigetreten sind, . nämlich Spanien, Peru, Dätrenvark imd Schweden, eingeladen werden; jede soll eine besondere aus einem Regierungskommissär und einigen Sachverständigen belstehende Kommission zur Konferenz entsenden. In bezug auf die A bs cha f f u tt g de r E xt ev r it 0 rialität werde die atnerikanische Regierung folgende Entwicklung Vorschlägen: 1. VeveinhVitlichung der chinesischen Staatsgewalt; 2. Schaffung von verantwortlilchen chinesischen Gerichten; 3. Ane-rkennung der Zentralregiernng durch die Provinzregierungen, da nach Ansicht der amerikanischen Regierung die Exterritorialität nicht abgeschafst werden kann, solange sich die Provinzregievungen der Zentralregierung in Peking nicht nnter- Iwersen. Der Tiefstand der Lira. Rom, 2. Juli. An der italienischen Börse hielt heult der Tiefstand der Lira an, gegenüber welcher der französische Franken einen weiteren Vorsprung gewann. Er schloß mit 133,5 gegenüber 130,5 von gestern. Das Pfund notierte 143,5, der Dollar 29,50. Die Blätter verwerfen netterlich darattf, daß die Baisse von der italienischen S p e k u l a t i 0 tt ansgegangen sei, daß der Dollarknrs in Turin höher sei als in New-Aork und daß die Verkäufe in Lira in Italien größer seien als im ganzen Ausland. nach der Ankunff, denn ich wollte die Unteübrmgnng der Chalnzim prüfen, die mit mir gereist waren, und ermitteln, Wie lange sie hier bleiben werden. Ausgezeichnet gehalten. Peinliche, einladende Ordnung. Mer ein unwürdiger, überdies völlig unzureichender Schuppen. Am Vortage waren 270 russische Chalnzim ans Odessa angekommen, Märtyrer ihrer zionistischen Gesinnung, die im Kerker geschmachtet hatten, fast durchwegs-Angchöriige der Jntclligen^berufe, aber, wie uns der Gehilfe des Heimleiters versichert, der beste, verläßlichste Teil der Alijah. Das Jmmigrationsherm hat Platz sür 100, bei Notbelag für 130 Personen und müßte, wenn es den Anforderungen entsprechen soll, 600 Menschen Unterkunft bieten. Ehepaare, jetzt auch die sonstigen Ueberzähligen, werden in Herbergen geschickt. Der Chalnz blekbt bloß fünf Tage hier (früher 14 Tage und länger), ein Beweis für die wachsende Anfnahmsfähigkeit der Kolonien und den steigenden Bedarf an Arbeitskräften. Im Gespräch tviederholen sich die Klagen über die Qualität vieler Zertifikatisten. „Wir schicken sie längstens am sechsten Tage hinaus, aber ein großer Prozentsatz komnrt nach kurzer Zeit zurück. Man verdient in Tel-Awiw leichter und besser, die Stadt lockt und der begeisterte Wille, unbedingt auf dem Lande zu arbeiten, mit den Boden für das Volk zu erschließen — er war bei der früheren Alijah selbstverständlich —, beseelt jetzt nur einen geringen Teil der Neuankommenden ans dem Osten, welcher bas größte Kontingent stellt." Es muß hinzngesügt werden, daß bis zum Einsetzen der neuesten polnischen Massenwanderung die polnische Chalnzjugend zu der Avantgarde der zionistischen Pioniere gehörte, weiterhin gehört und die Nachkommenden ebenso scharf kritisiert wie ntein Gewährsmann. Wer dieses armselige Einwandererheim sieht, diese Notstandsbude, die so traurig von dem weiß schintmernden Tel- Awiw absticht und doch die letzte Sammelstation unserer für absehbare Zeit wichtigsten Aienschen ist; wer von einwandfreien, über die Tatsachen, die sie melden müssen, selbst bestürzten Fachleuten von der rapid sinkenden Qualität des Chaluz erfährt, der überblickt den ganzen Jammer unserer lächerlichen Budgetposten, welche die Erziehung der Jugend für die landwirtschaftliche Arbeit und ihre Ueberpflanznng nach Erez Israel sowie deren würdige Untevbvingung bis zur Arbeitsznteilung zu bestreiten haben.

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