Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-07-02 · Heft 2285 (2.7.1925) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2285 (2.7.1925)
Date
1925-07-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981370--23224-3010719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

©Gitc 4 Men, Donnerstag Wiener Moraenzettung. 2. ItM 10W Sie Arbeitslosen. Weniger Unterstützte — mehr Ausgesteuerte. ■on der zweiten Hälfte des Monats Juni ist der Stand der im Bezüge der Unterstützung stehenden Arbeitslosen in Wien um 21 9 8 auf 63.156 (davon 21.946 weibliche) zurückgegangen. In dieser Zahl sind die im Bezüge der außerordentlichen Beihilfe in der Höhe von 90 Prozent der Arbeitslosenunterstühmtg Stehenden nicht einbezogen. Die .Zahl derselben ist von 3356 auf 366 4 gestiegen, Keine Bettiebsrinftellung der Leka-Schuhfabril Eine Mitteilung der Fabriköleitung. Unter Bezugnahme auf die Meldung eines gestrigen Spätobendblattes, nach welcher £>:c Beka-Schuhfabrck in Mödling eine zeitweilige Betriebseinstellung vorgenommcn haben soll, worden wir ermächtigt, folgendes festzustellen: Mit Rücksicht aus die allgemeine Krise, deren Wirkungen sich natürlich auch die größte österreichische Schuhfabrik nicht entziehen kann, wurde beschlossen, für die Zeit der güschäftsschwachen Sommerwochen — wie dies auch in den letzten Jahren geschehen ist — den Betrieb einznschränken. Die zwischen der Sommer- und der Hevbstprodnktionspcriode liegende Zeitspanne, die schon zu normalen Zeiten in der Schuhbranche eine geschäftsstille war, wird zu umfassenden Reorganifationsarbciten und technischen Verbesserungen des Bctriebslaufes benützt. Selbstverständlich setzen auch während dieser kurzen F r i st sämtliche Bureaus der B e k a - S ch n h s a b r i k, ihre Versandabteilungen u s w. u n d i h r e über ganz O e st e r r e i ch verteilten über 2 00 Berkanssstellen im vollen Umfange ihre Tätigkeit ohne jede Unterbrechung fort. Mit Beginn der Herbstsaison werden auch die zeitrvciliig geschlossenen Fabrikscroteiluugeu, die schon heu-te eine Tagesproduktion von 2000 Paar Schuhen ermöglichen, nach durchgesrchrter Reorganisation wieder in Betrieb . gesetzt werden. Die in der erwähnten Zeitungsnotiz über Bankverbindungen der Beka-Schuhfabrik gemachten Mitteilungen sind voll'tommeir unzutreffend, da die Beka-Schnhfcrbriik eines der wenigen österreichischen Untern e h m e n d a r st e l l t, w e l ch e s b i s h e u t e v o n k e i n e rlei Bankunternehmen Geldkredite in Ansipruch nimmt. Disloffiovsabelld Mer die Kongreßprobleme. Heute um halb 8 Uhr abends findet, von der Zioniftischen Bezirkssektion Loopoldistadt veranstaltet, im Saale des Hotels „Bayrischer Hof", 2. Bez., Tabovstraße Nr. 37, ein Diskus sions abend über die Probleme des 14. Zi o n i st e nk o ngr e s se s statt, bei dem die Herren Dr. Z. F. Finkel st e i 1t, Dr. Nahum Goldmann (Berlin), Prof. Moses Rath, Ober- Lanrat Robert Stricker und Dr. Georg Weiner sprechen werden. Ter Eintritt zu dieser Diskussionsversammlung ist frei. 3um 14. zionifteokongreb i» Wie». Den Kongreßbesuchern wird das bestbekannte Bankhaus Caraco u. Co., Wien, 1. Bez., Rotenturmstraße 13, zur Abwicklung ihrer finanziellen Angelegenheiten bestens empfohlen. Das Bankhaus Caraco u. Co. übernimmt die Auszahlung von Schecks, Einwechslung fremder Valuten, Ucberwoistlngsverkehr, Rcifeavkrcditivs usw. nsw. Nachstehend veröffentlichen wir die Korrespondentenliste dieser Firma, an welche Stellen Einzahlungen für Rechnung des Bankhauses Caraco u. Co. borge- Die lleberschwemmungen in Galizien. Warschau,!. Juli. (Wolfs.) Ans Anregung des Sejmmarschalls bildete sich ein zentraler H i l f s a » s s ch u ß zur Linderung der -Rot in den g a l i z i s ch e n U e I) e rschlvemmungsgeftiete n. Wie aus den amtlichen Meldungen hervorgeht, ist M i t t c lg a l i z i c n von der Iloberschtvemmung am meisten betroffen. Tie weiteren Nachrichten aus den Ueberschwemmungsgebiete 'berichten von einer Zunahme der Elc in e n t a r k a t a st r o p h e. In W c st g a l i z i e n ist besonders der Bezirk Bochnia von der Ueberschweminung heimgesucht worden. Das «Städtchen Ujscie- D o l n e in diesem Bezirk ist vollkommen z e r st ö r t. Die Überschwemmungskatastrophe im Bezirke S ch l c st sch - T c s ch e n ist viel größer, als man nach >den cvsten Meldungen schließen konnte. Dortselbst sind nicht nur die Weichet, sondern auch die Flüsse Biala, Wabienica und Bronica sowie alle Gebirgsbäche aus den Ufern getreten. Ter Schaden, insbesondere für die Landwirtschaft, ist i in m e n s; die ganze Heuernte ist vernichtet worden. Alle Straßenivbergänge und Brücken sind beschädigt worden. Bei Z a r z o c z e hat die Weichsel den Schutzwall durchbrochen und die Gegend in einer Breite von 16 K i l o m e t e r ü b e r s ch w e >m m t. Der Berkehr zwischen Oberschlesien -und dem Tesche ner Gebiet ist unterbrochen. In die am meisten bedrohten Ortschaften wurden aus Krakau Militärabteilungen 'entsendet. In Wcstgalizion sind die durch die Ueiberschwemmungen verursachten Verwüstungen erschreckend. Fast der ganze Bezirk P r z e m y 's l sowie die Vororte der Stadt 'befinden sich u n t e r Wasser. In der Stadt selbst mußte das Elektrizitätswerk infolge der hereinbrechendcn Wasserfluten stillgelegt worden. Die Stadt 'befindet sich seit gestern ohne Licht. Im Bezirk Drohobycz befinden sich fünf Dörfer unter Wasser. Das Naphtharcvier in Boryslav und die Stadt selbst sind ernstlich bedroht. In dem Städtchen R o z n i a t o w sind 100 Wohnhäuser, in S t a n i s l a u 105 Wohnhäuser zerstört. Auf der Strecke Stryj—Stanislau sind die B a h n v e r b i n d n n g e n unterbrochen. Der bisherige Schade geht in die Millionen. Die Ernte ist in den von der Ueberschwemmung heimgesuchten Gebieten völlig vernichtet. Ungefähr 300.000 Familien in Klein-Polen sind infolge der Elementarkatastrophe obdachlos geworden. Sehr bedrohlich ist nach den letzten Meldungen die Lage in der Krakauer Woiwodschaft, wo im Laufe des heutigen Trages mehrere tiefer gelegene Vororte der Stadt Krakau unter Wasser gesetzt wurden. Im Bezirk Brzesko sind drei Dörfer überschwemmt worden. Die Weichsel hat ein Gebiet von über einer Meile verwüstet. In mehreren Ortschaften der Krakauer Woiwodschaft sind zahlreiche Menschenopfer zu beklagen. Der Wasserstand der Weichsel und der Bialka sind heute allerdings bedeutend zurückgegangen und man erwartet mit Rücksicht auf das Aufhören des Regens, daß die UeberschwemMNtgslkatastroPhe ihren Höhepunkt überschritten habe. __ Die Juden und dar Schulwesen in Polen?) Ueber die Zahl der staatlichen Volksschulen in Polen und ihrer Schüler nach dem Stande vom 1. Dezember 1923 unterrichtet , * Tabelle 14. nommen iverden können: Zahl der Schulen mit Unterrichtssprache. Agram .... Kroatische Escomptebank. Amsterdam. . . Amsterdamsche Bank. Belgrad.... Banque Franco-Serbe. Berlin ..... Dresdner Bank. Bratislava . . Böhm. Jndustral- und landwirtschaftliche Bank, Filiale. Brüssel .... Banque de Bruxelles. Bukarest.... Bank Marmarosch, Blank u. Co. Christiania. . . Centralbanken for Norge. Konstantinopel . Misrachi u. Hatem. Genf.Societe de Banque Suisse. .Karlsbad . . . Anglo-tschechoslowakische Bank, Filiale. Kopenhagen . . Den Danske Landmannsbanl. Krakau .... Warschauer Handelsbank, Filiale Krakau. London .... Credit Lyonnais. Madrid .... Banco Germanica de la America del Sur, S. A. Mailand . . . Banca Cesare Ponti. New-?)ork . . . Ladenburg, Thalmann u. Co. Nürnberg . . . Bankhaus Anton Kohn. Paris.Societe Generale pour favoriser le Developpement du Commerce et de l'Jndustrie en France. Prag.Böhmische Kommerzialbank. Sofia.Banque Generale de Bulgarie. Stockholm . . . Stockholms Ensktldabank. Triest .... Societa Jtaliana di Credito Commereiale. Warschau . . . Warschauer DiScontobank. Zürich .... Schweizerischer Bankverein. 8 •er® £ Kuratorium 3 ■g-i f| d 3= -r *5" •ja § "3 A Äk S9- 8SW 3S K K vr Bialystok 2.129 2.124 — — l 3 1 Krakau 1.763 1.679 79 — — 6 — Lemberg 5.154 2.882 2576 — — 16 — Lodz 2.326 2.206 — — — 120 — Polesie 1.062 1.058 3 — i — — Pommern 1.640 1.296 — — — 107 — Posen 3.770 2.193 — — — 544 — Warschau 7.882 7.598 — — 84 — Wilna 1.118 1.067 — 3 30 — 28 Wolhynien 1.178 631 369 7 — 18 — Summe 26.71- 82.404 3057 IÖ 33 897 W Schlesien 606 549 - - - 57 - Summe 27.823 22.963 8047 10 82 964 29 ferner 298 utraquistische Schulen, darunter in Pommern und Posen 137, beziehungsweise 32 polnisch-deutsche, in Wolhynien 98 polnisch-rutheuische Schulen sowie 31 tschechische Schulen. Schülerzahl. Kuratorium Knaben Mädchen Zusammen Bon der Wischen Natlonalbibllothek. Ein Geschenk Sir Herbert Samuels. Aus I e r u s a l ent wird uns berichtet: Bor seiner Abreise aus Evez Israel übergab Sir Herbert Samuel der jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem gegen 150 ausgewählte Bände aus seiner P r iva tb i b l i o th e k zum Geschenk. Einem eben erschienenen Berichte der Bibliochet ist zu entnehmen, daß im Laufe des ersten .Halbjahres 1925 die Bibliothek um 10LY8 Bände gewachsen ist. Bialystok 91.143 78.866 170.008 Krakau 139.103 139.798 278.896 Lemberg 388.772 306.226 638.998 Lodz 147.708 136.913 284.620 Polesie 46.960 27.782 74.742 Pommern 76.309 74.564 150.878 Posen 165.3H3 161.081 326.474 Warschau 446.708 439.848 886.556 Wilna 40.041 30.168 70.209 Wolhynien 50.61.1 31.418 82.014 Summe 1,586.78 < 1,426.6öS 2M.990 Schlesien 99.628 97.247 196 902 Summe 1,686.865 1,523.927 8,160.292 *) Siehe „Vielter Movgettzeitung" vom 29., 21., 23., 26. N. Juni und 1. d, Ant 1. Dczentber 1922 waren die entsprechenden Zahlen tuie folgt: Gesamtzahl der Schulen 27.036, davon mit polnischer Unterrichtssprache 22.419, ruthenisch 2997, russisch 9, weißrussisch 32, deutsch 1167, litauisch 61, utraquistisch 320, tschechisch 41; die Zahl der Schüler betrug 3,131.239, davon 1,611.614 Knaben und 1,519.625 Mädchen. Die Tabelle beweist, daß der Staat für fast alle Nationalitäten Schulett in ihrer Sprache erhält, wenn auch in sehr kleinem Maße. In größerer Zahl bcfindett sich diese Schulen der Minderheiten dort, wo sie bereits früher existiert haben, wie zum Beispiel in Ostgalizieit oder ehemals preußischent Gebiet. In Kongreß- Polen sittd im Bialystokcr Gebiet die dctltschen Schulen vorwiegend zur Zeit der deutschen Okkupation entstanden; sie werden auch jetzt liquidiert und das mit der Begründung, sic zeien zum Zwecke der Gcrmanisicrung begründet worden. Für die Juden erhält der Staat k e i u c eigenen El e m e n t a r s ch u l c u; die polnischen Schulen für jüdische Kinder, votl denen oben die Rede war, sind in die Zahl der polnischen Schulen eingerechnet. Wie groß ihre Zahl ist, wieviel Kinder darinnen unterrichtet werden, darüber gibt es keinerlei Daten, weder in den Verlautbarungen der statistischen Zcntralkommission, noch auch in den Berichten des Sejntreferenten für Unterrichtswesen, von dent bk hier wiedcrgegcbcnen Tabellen stammen. Ich konnte auch feststellen, daß die Ziffern über die polnischen Schulen für jüdische Schüler auch im Unterrichtsministerium nicht bekannt sind, da mir auf ntcinc Fragen über diese Stattstik in einer Sitzung der Budgctkommission keine Antwort gegeben werden konnte. Mir persönlich sind nur einige Ziffern aus einzelnen Städten bekannt, darunter aus Warschau, die in den Berichten des Magistrats veröffentlicht wurden. Gcntäß den Berichten des Referenten für das Unterrichtsbudget der Stadt Warschau pro 1925 betrug die Zahl der jüdischen Schüler in den staatlichen Volksschulen Warschaus gemäß Tabelle 15. Im Schuljahr 1921/22 „ 1922/23 * 1923/24 1924/26 13,7% der Gesamtschülerzahl 16,9% * 18.1% „ 20.3% „ Das beweist, daß die Zahl der jüdischen Schüler in diesen Schulen, welche natürlich u n c n t g e l t l i ch sind, von Jahr zu Jahr steigt. Es ist jedoch charakteristisch, daß unter der Gesamtzahl von 14.088 jüdischen Schulkindern sich nur 2491 Knaben, dagegen 11.597 Mädchen befinden. Bei den Nichtjuden sind die Ziffern der Knaben und Mädchen ungefähr gleich. Demnach beträgt die Zahl der jüdischen Mädchen 29,7 Prozent der Gesamtzahl der die Volksschule besuchenden Mädchen, die Zahl der jüdischen Knaben jedoch nur 8,3 Prozent aller die Volksschule besuchenden Knaben. Bemerkenswert ist noch, daß in den untersten Klassen die Zahl der jüdischcrt Schüler 3016 beträgt, was 29,3 Prozent der Gesamtzahl entspricht. Das beweist, daß in den folgenden Jahren wenigstens in Warschau der Prozentsatz der jüdischen Schüler in beit staatlichen Volksschulen ungefähr dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung in der Hauptstadt entsprechen wird, unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß keine Aenderungen im Äande des jüdischen Schulwesens eintreten werden. In P i o t r k o w beträgt die Zahl der Juden in den staatlichen Volksschulen 1118, in den privaten nur 297. In dem kleinen Städtchen Zarki stellen die jüdischen Schulkinder 60 Prozent der gesamten Schulkinder in den staatlichen Volksschulen. Diese Beispiele geben jedoch noch keinen Anhaltspunkt über die Zahl der jüdischen Schulkinder in den staatlichen Volksschulen. Sie beweisen bloß, daß diese Zahl gewiß nicht klein ist und stetig wächst. Für das Schuljahr 1917 kettnett wir die Ziffern über die Zahl der jüdischen Schulkinder in den staatlichen Volksschulen. Ueber diesen Stand im Dezember 1917, ausgenommen zur Zeit der deutschen und österrviKWir Okkupation, unterrichtet Tabelle 16. In 6788 Schulen Gesamtschülerzahl 603.718, davon Juden 44.744, das ist 7,4%; In 709 städtischen Schulen Gesamtschülerzahl 143.934, davon Juden 46.600, das ist 31,3%. Wenn man annimntt, daß der Prozentsatz der jüdischen Schulkinder gleichgcblieben oder sogar um 8 bis 10 Prozent gestiegen ist, so würde sich ergeben, daß die Zahl der jüdischen Schulkinder in den staatlichen Volksschulen etwa 250.000 bis 300.000 beträgt. Für Galizien haben wir genaue Daten; dort war am 1. Jänner 1922 folgender Stand nach 'Tabelle 17. Zahl der Gesamtdavon Kuratormm Schulen schülerzahl Juden Prozent Lemberg . 4689 714.293 68.958 9,6 Krakau . . . 2042 310.978 14.609 4.6 Gesamtsumme 671 1,025.271 83.467 8,1 Dieser Prozentsatz ist kleiner als der der jüdischen Bevölkerung in Galizien, jedoch um nicht so viel wie in Kongreßpvlen. Interessant ist die Verteilung der polnischen und ukratnischen Schulen im Lemberger Kreis; über sie unterrtchtet nach dem Stande des Schuljahres 1922/1923 Tabelle 18. Schul-» ^Al,?° Ädn! P»-«" Knaben Mädchen Polnisch . 2348 880.505 64.967 17 29.050 95.917 Ukrainisch 3458 300.677 7.598 3.5 3.814 8.779 Deutsch . 23 1.586 114 7 64 50 Summe 4819 «83.768 73.674 10.5 83.938 39.746 > ’V!_.H» »t . J,-. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.