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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-01 · Heft 2284 (1.7.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2284 (1.7.1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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[ M. S2SI ' Dien, Mittwoch (Galizien mit Lehrerseunnaransbildung. Ein besonderes Lehrerseminar für diesen Schnltypns erhält die Regierung nicht. Die Zbusnahme in die allgemeinen Lehrerseminare ist für Juden sehr schwer. Die Negierung hat bloß ein Seminar für Lehrer der jüdischen Religion in Warschau gegründet und erhält es auch, um Lehrer heranzubilden, die jüdischen Religionsunterricht in polnischer Sprache erteilen können. Der jüdische Religionsunterricht gehört dem Lehrplan an, aber faktisch wird er in sehr vielen Schulen nicht erteilt. Ter Grund dafür ist klar: die Lehrer und insbesondere die Lehrerinnen haben selbst keine Ahnung von diesem Unterrichtsgegenstand. Zur Zeit der Okkupation wurde in einigen Städten (Siedlec und anderen) dieser Gegenstand in hebräischer Sprache eingeführt. In den ersten Jahren der polnischen Unabhängigkeit tvurde diese Einführung von den lokalen Unterrichtsbchörden jedoch aufgehoben, nach langen Verhandlungen und Fürsprachen erlaubte schließlich das Unterrichtsministcrium, daß jüdische Religion in hebräischer Sprache unterrichtet werde, lvenn die Eltern es verlangen. Bon dieser Verordnung wurde jedoch fast nie Gebrauch gemacht. Wo der Versuch gemacht wurde, sie durchzuführen, gab cs immer irgend welche Schwierigkeiten von seiten der lokalen Unterrichtsbehörden. Ebenso lvar cs bei den jl'idischen Unterrichtsgogerrständcn. Das Ministerium hat gestattet, daß in den Schulen dieses Typus jüdische Unjcrrichtsgegeustände über Verlangen der Eltern in hebräischer oder jüdischer Sprache unterrichtet werden, jedoch als nicht obligat außerhalb der Lchrstunden und auf Kosten der Eltern oder der jüdischen Gemeinden. Wie bereits erwähnt, sind die Lehrer in diesen Schulen zumeist Juden. Doch im Zusammenhang mit der: Budgotersparnissen, die auch eine Reduktion der Lehrerzahl erforderlich machten, wurden auch vielen nichtjüdischen Lehrern Stellen irr den jüdifcherr Staatsvolksschulen zugdwiesen, natürlich auf Kosten der jüdifcherr Lehrsr. Dieses Verfahren hat aber auch noch andere Folgen gezeitigt: irr solchen Schulen wird nur fünf Tage in der Woche unterrichtet, denn der Sabbat ist schulfrei wegen der Schüler und der Sonntag wegen der Lehrer. In Galizien gibt cs keine separaten Staatsschulen für jüdische Kinder. Dort existiert noch seit der österreichischen Zeit die Schulpflicht, die in Kongreßpolen und den Randgebieten erst jetzt eingeführt wird. Die Juden schicker: ihre Kinder in Galizien in die allgemeinen Volksschulen. Wien, 1. Juli. * Cröffrmiur der Kindcrübcrnahmsstelle der Gemeinde Men. Samstag den 4. d. um 6 Uhr nachmittags findet die feierliche Eröffnung der Kinderübernahmsstelle dev Gemeinde Wien im Hause 9. Bcz.. LustkcrMgasse, Ecke Ayreichosfgassc, durch dorr Bürgermeister statt. * Tlwesfall. Der lanMÄhrige trolle Mitarbeiter der Firma Otto Wagenberg, Herr Alfred Bloch, ist nach langem, schwerem Leiden verschieden. Die Beerdigung des allseits Gllschätzten findet heute um viertel 11 Uhr vormittags am ZentraUriedhof (israelitische Abteilung, 1. Tor) statt. * Das Wetter. Seit Mer Tagen regnet es in Ober- und Niedevösterreich den galten Tag. Die meisten Niederschläge <31 Millimeter) fielen in Wien. Die Aondcruug des Wetters macht nur geringe Fortschritte. Voraussage: Am Ostrand der Alpen veränderlich, wahrscheinlich Abnahme der Bewölkung ohne wesentliche Niederschläge, in den tvvstlichen und südlichen jAlpenländern. Wechselnd wolkiges Wetter, .allgemein kühl. * Der Sibirienexpretz entgleist. Der sibirische Eypreßzue von Tschita nach Moskau ist in der Station Tajga in der Nahe der Westsibirischen Stadt New-Nikolajewsk eirtqloist. Zehn Personen wurden getötet. 32 verletzt. ex* dAosalle bei Ebrcichsdorf. Gestern vormittags hat der Arbeiter Ivan I v a n c i c, der vor einigen Tagen unter dem Verdacht,. das Attentat auf ein Lastauto durch ein quer gespanntes Seil auf der Straße bei Gbreichsdors begangen zu haben, verhaftet wurde. bei neuerlichen Verhören im Sicherheüsbureau ein Geständnis abgelegt. Er gab an, daß er den Anschlag allein durchgeführt habe. Er war vor einiger Zeit auf die Idee gekommen und hatte sich zur Durchführung fernes Planes bei einem Trödler im 8. Bezirk zwei Haken aus Ersen gekauft und dann von zwei, Tologvapheirmasten auf der Landstraße den Draht äbgeschnitten. den er in der Donnerstagnacht bei Gbreichsdors über die Straße spannte, um. wie er sagte, erst zu probieren, wie die Sache sich ausnchme. «... * Vermißte Touristen. Seit dem Pfingstsonntag ist der Lblahrige Alfred Geißle r, der an diesem Tage eine Hochtour unternommei: hatte, spurlos verschwunden, so daß mau vermutet. daß er das Opfer eines Unfalles geworden ist. Geißler, der die Absicht hatte, nach Ober traun zu fahren, um Mer die Siinony-Hütte auf den Dachstein zu gelangen, iist dort nicht eingetroffen. Die Nachforschungen nach dom vermißten Touristen sind bisher erfolglos geblieben. — Im Gesäuse werden vier Touvistenpartien, die in den Feiertagen in den Wänden des Hochtorzuges Kletterpartien unternahmen, seit Montag vermißt. Unter den Vermißten befindet sich auch der Beamte der Zweigstelle Graz der Oesterreichischen Nationalbank Camillo Schneider, der Samstag mit zwei Wiener Kollegen. Herbert Löffler und Fräulein W i u i e r, von Admont aus eine Tonr a>ls die Planspitze und den Oedstein unternommen hatte. Nettnngstwpcditionen sind bereits abgegangen. Radioprogramm. Heute Mittwoch. 4 bis 6 Uhr: NachmittagSkonzerr. Titlr Der KönigSleutnant, Ouvertüre. Strauß - 1004 Stacht, Walzer. Pfeil Still ruht der See, Paraphrase. Wagner: Im fernen Land.' Wagner: Am stillen Herd. Russin: Auberiana, Phantasie. Mascagni: Vision liriea. Ambrosia: Neverie. Drescher: Wiener Nolksmelodten. Steiner G.r Gnt. gut, gut. — ^7 bis lu8Hl)tt Englischer Sprachkurs. (Letzter Vortrag). — ^9 Uhr: Aus Alt-WienS lustiger Theaterzeit. Lieder lmb Du-tte aus Alt- Wiener Singspielen. — 10 Uhr: Heitere Abendmusik. (Kapelle Jelinek.) _ Vereine, BortrSge und Versammlungen. Z i o n i st i s ch e S e k t i o n VI~-VUI, 8. Bezirk, ^ennoplatz 1 a. Heute, 8 Uhr abends, Diskussionsabend r „Der K Zionistenkongreß". Einleitung Dr. Max Bernhardt. — Hila chd u t h. 3. Bez., Glockeugasie 30. Heute, */,8 Uhr abends. Vortrag Mosche U n g e r f e l d r „Fragen des 14. Ziontstonkougresses". Wkener OTTO OTTO I Zur Ausübung meiner Tätigkeit habe ich mich in Berlin niedergelassen und behandle in dem ärztlich geleiteten Tel. Bism. 3636 0. m. b. H. Tel. Bist». 3635 Berlin, Kurfürttendamm 62 Behandelt werden mit ärztlich nachgewiesenen Erfolgen selbst angeblich hoffnungslose Erkrankungen psychogener Art, wie: Gemüts-Leiden Sprach-Leiden SexualstSrungen lfdilas / Neuralgie Neurosen Nervöse Kopffchmerzen Voruntersuchung durch ärtzl. Autorität täglich von 10—I Uhr Meine Broschüre „Die Heilung der Seele" 1094 ist zum Preise von M. 2.— bei obiger Adresse beziehbar Bühne und Kunst. Schönbrunner Schloßtheater. Eine Aufführung der „Fledermaus" zeigte, daß die Zersetzung des kaum begründeten Schönbrunner Ensembles rasche Fortschritte macht. Mit Ausnahme der munteren Adele der Frau P o l a und der sympathischen Leistungen der Herren KIic i lt und H u it st i ger erreichte die Darstellung lange nicht mehr das Niveau einer besseren Provinzbnhne. Rentier Eisenstein und Rosalinde hatten weder von den Brettern, die die Welt bedeuten, noch von der Strauß-scheu Musik auch nur diie leiseste Ahnung, grobschlächtig und gelangwcilt spielte das Orchester und die Szene war mit den ältesten Kalauern gespickt. Mit solchen Leistungen wird sich Herr Rainer Simons, der sich einst in der Völksoper auf sein Entdeckertalent viel zu gute lat, keine Theater gemeinde erobern! Mit großen Verheißungen hat er vor gerade einem Monat das Theater eröffnet, er begann mit Händel, versprach unbekannte alte Spielopcrn und ist nun auf — eine flügellahme „Fledermaus" gekommen. Vor etwa drei Jahren legte Rainer Simons gelegen!-' llich der Wiener Thcatcrmesse djen Grundstein zur Wiener Ldauuncroper. Er inszenierte damals recht geschickt mit einfachsten Mitteln einen Einakter „Fredericus rex" mit Mn'ik von Friedrich dem Großen und eine kleine kölnische Oper „Ehrgeiz in der Küche" nach Musik von Lortzing. Es waren gelungene Versuche, deren Fortsetzung dringend erwünscht wäre: Von Schenks „Dorsbarbicr", und Dittersdorfs „Doktor und Apotheker", von Adam, Ander, Brüll und Chernbini bis zu Heubergers „Opernball" und Smetanas „Kuß" und „Beiden Witwen" gibt cs in Ueberfluß ältere Werke, welche mit geringen Kosten in Schönbrnnn inszeniert werden könnten und ein dankbareres PubliknNi finden müßten als die schablonenhaften, reizlosen Ausführungen zum Ueberdruß abgespielter Werke, welche Rainer Simons bisher geboten hat. flb. zionistische Bezirk-seMon Leovolvstavt Donnerstag den 2. Juli, halb 8 Uhr abends, findet im Saal des Hotel „Bayrischer Hof", Taborstraße 37, ein Diskussionsabend über statt. Es sprechen die Herren Ga.: Prof. Moses Rath. Dr. Georg Weiner, Dr. Finkelstein, Lberbaurnt Stricker und Dr. Rahum Goldmann (Berlin). Eintritt frei! Eintritt frei! Burgtheaterbilanz. In der abgelauftnen Spielzeit des Bnrgtheaters fanden insgesamt 719 Vorstellungen statt, und zwar 338 im Burgth enter, 393 int Akademietheater, 64 im Schönbrunner Schloßtheater und 34 im Redoutensaale. Die Zahl der ausgeführten Stücke beträgt 109. Bon diesen wurden 62 nur im Burgtheater und 36 nur im Akademietheater gegeben. 42 Stücke stammen von österreichischen, 34 von deutschen Autoren. Bon den fremden Autoren sichen die Engländer mit 30 Werken, unter denen sich 12 Dramen Shakespeares befinden, an erister Stelle. Es folgen die Franzosen mit 12 Werken, die übrigen Literaturen sind durch 4 nordische, 4 ungarische, 2 spanische und 1 amerikanisches vertreten. Int Repertoire des Burgtheaters wurden in der Spielzeit 1934-25 9 dtoviiäten, die zusammen lOomal gegeben wurden, cingefügt. 9teu einstndiert und in Szene gesetzt wurden .Lumpazivagabundus" von Nestroy, „Ein Somnieruachtstranni" Pan Shakespeare und „Ein idealer Gatte" von Oskar Wilde. „Der Schch'fer" von Hans Atüllcr und Schillers „Wallensteiit" wurden nach längerer Pause wieder in den Spielplan ausgenominen. Iin Aka dem i c th ea t e r golangten 13 Stücke, die zusaimnen Il'lmal gegeben lourden, zur ersten Aufführung. Außerdem wurden neu eiustudiert „Die MauS" von Paitteron (6. September 1934) und „Der Damenkrieg" von Seribe und Logo uv e (9. April 1935). Die höchsten Anfführungsziffern erreichten: „Mama Nicole" (81), „Der Tokaier" (26), „Die Maus (24), „Der Liebhaber" (21), „Komödie der Verführung" (20), „Ein Sommernachtstranm" (20), „Lumpazivagabundus" (19), „Der Zerrissene" (19), „Peer Gynt" (18), „Fenster" (17), „Die Frau Rat" (17). 1 Juli im_Geste 8 Aus den Theatern. Burggarten (bei ungünstiger Witterung im Festsaal der Hofburg). Heute, 8 Uhr abends, ModerneKomposit i o n e n von Dr. Karl Weigl und Dr. Karl G t n it unter Mitwirkung von Alice R o h r w a s s e r (Klavier). Deutsches B o t k 8 t h e a t e r. Heute. */,8 Uhr abends, beginnt T a i r o f f 8 Mo s k a u e r «ammert h e a t e r sein auf sechs Tage berechnete» Gastspiel mit der - Aufführung der Operette „G i r o f 1 6 — G i r o f 1 Morgen (Donnerstag findet die Erstaufführung der Pantomime „Der SchleterderPierrette" von Artur Schnitzler, Musik von Ernst Dohnany i, Inszenierung von Alexander T a i r o f f, statt. Theater in der Josef st ad t. Freitag tritt Max Gülstorfs in den drei Einaktern r „B o u b o u r o ch e" von E o u r t e l t n e, „D i e S p t e l e r" von Gogol und „Ein H e i r a t s a n t r a g" von Tschechow zum ersten Male auf. Raimund «Theater. Heute, */,8 Uhr abends, Premiereuabeud r „Die v e r t a g t e N a ch t". Schwank von Arnold und Bach. _ Das Svenska-Theater m Stockholm abgebrannt. Aus Stockholm, 30. b., wird gemeldet: Heute gegen 4 Uhr früh entstand aus bisher noch unbekannter Ursache rat Svenska- Theater ln Stockholm Feuer, das sich bald auf alle Teile des Theater,gebäudes verbreitete, so daß an eine Rettung desfel.bcn nicht mehr zu denken war. Die gesamte gstuerwehr der Stadt war an der Brandstättie tätig. Nach einem unbestätigten Gerücht soll, wie „Svenska Dagbladet" weitet, B r aridst i f t in n g vorliegen. Gerichtssaal. Ser Mord am Kompagnon. Am 22. April d. I. hat sich auf denk Karolinenplatz iift 4. Bezirk eine tragische Mordtat abgespielt. Der 41jährige Kausman» Otto Rohatsch, der mit seinen: Kompagnon, dem Huterzeuger Franz Spika, ein gemeinsames Geschäftslokal büsaß, war um dreiviertel 9 Ujhr früh in das Geschäft gekommen. Er hatte Mit seinem Konipagnon einen Wortwechsel, der in einen Streit ausartete. Plötzlich ertönte ein Schn tz, ans den noch einige folgten. Spika eilte blutüberströmt und um Hilfe rufend ans die Straße. Dort siel er zusammen, R oha tisch folgte ihm und se u e rt e aus nächster Nähe auf den am Boden Liegenden noch einen Schuß öb, wobei er rief: „Da hast du, daß du genug hast'." Die hevbeigcrufene Rettungsgesellschaft fand Spika bereits t o t. Rohatsch legte bei der Polizei in vollster Ruhe ein G estä nd n i s dchin ab, daß er die Schüsse in der Absicht abgeseuert habe, um den Spika zu töten. Er sei von ihn: zugrunde gerichtet worden und habe den Kompagnon getötet, da er im Zivilverfahren gegen Spika keine Hilft erlangen konnte. Er habe ihn ursprünglich mit einer Hacke erschlagen wollen, dam: aber den Plan wieder auifgegeben. Er gab an, er habe vor der Tat in der Karolinenkirche ein Gebet verrichtet, damit ihm Gott die Stärke gebe, die Tat vollbringor: zu können. Gestern hatte sich Rohatsch vor einem Geschwornengericht unter Borlfitz des Hosrates Ramsauer wagen Mordes zu verantworten. Die AMage vertrat Staatsanwalt Dr. Nahrh a s t, als Verteidiger intervenierten Dr. Valentin T e i r ich und Dr. Hans Ko lisch er. Wie die Anklaigeschrist erzählt, haben die Eheleute Otto und Therese Rohatsch im Sommer 1922 mit Franz Spika emen Geftllschaftsvertrag zur gemeinsamen Führung der Geschäfte — die Fvcn: ist Modistin — abgeschlossen. In: Dczen:ber 1922 erkrankte Rchatsch schwer nick es wurde vercinbart, daß das Erträgnis ans dem Betrieb nur nrchr ziwilschen Frau Rchatsch und Spika geteilt werden sollte. Rohatsch war aber mit der Geschäftsführung nicht einverstanden. Es kan: immer wieder zu Streit. Im April 1924 brachte Spika beim Handelsgericht gegen das Ehepaar Rchatsch die Klage aus Auflösung der Handelsgesellschaft ein. Der Prozeß regte den Rchatsch immer mchr anlf. An: 21. April d. I. war ein Wechsel über 150 Schilling fällig. Er konnte aber nicht ein gelöst werden, weil das Geld schlte. Man beschloß, eine Anzahlung ans den Wechsel zu leisten, und Rchatsch beauftragte seine Frau, den Spika zum Advokaten zu schicken und nicht selbst hinzugchen. Die Frau ging aber trotzdem selbst zun: Anwalt. Wie Rchatsch bei der Polizei angab, wollte er den Spika im Mur des Hauses, in dem der Advokat seine Kanzlei hat, erschießen. Er entschloß sich dann, am nächsten Tag den Mord zu vollbringen. Er hat seine Absicht ansgosührt. Die ge r i ch t sä rztl ich c Untersuchung des Geisteszustandes des Angeklagten ergab seine volle Z n r e ch n u n g s s ä h i g k e i t. Die Vechandlung wurde vovmittags um 10 Uhr eröffnet. Als erste Zeugin erischien die Frau des Angeklagten. Bei 'ihrem Anblick bricht Nchatisch in Schluchzen auZ. Bors.: Bekennen Sie sich schuldig? — Angekl.: Ich bekenne mich, schuldig, alber ich bin zum Mord getrieben worden. Im Lause des weiteren Vechöres des Angeklagten, der dem Toten Belastendes nachsagt, erklärt der Bo rs i tze nd e erregt: Wösscitz Sie, es ist jetzt geradezu Mode geworden, daß, wenn einer den anderen untlbriugt, er aus den Toten'loshaut. Sie haben den Mann ans den: Gewissen, die Geschwornen werden beurteilen, ob Sie schuldig sind. Aber Sie haben keinen Grmrd, so über ihn zu reden. — Der AuMagte erklärt, daß Spika v i el S ch n a p s getrunken habe und für diese Leidenschaft Mill i on cu opferte. Vors.: Er hat aber auch viel gearbeitet und hat sich halt am Abend erholt. Der eine macht das so, der andere s o. Die Herren Geschwornen werden alle diese Umstünde berücksichtigen. Der Angeklagte gerät jetzt in g r o ß e Erregung und sagt: Ich war mit meiner Familie in der iinglaiiblichsten Notlage, luir halben nur von Kaffee und Brot gelebt, Meine a«rre. alte Mutter auch. Der Hosrat im Han-

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