Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2284 (1.7.1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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der Brücke von den Muten fortgöspült und sind sämtlich c r- 1 r n n k c n. In Bistrica ertrunken fünf A r t i l l c r i st c n Während einer Feldübung. Der Eisenbahnverkehr in Ostgalizicn ist an mehreren .S «teilen n nt erbrochen. Die Strecke Stan'islan—Stryj ist zerstört. Sine Mische Nordpolexpedltlon. Unter Führung Nansens? London, 30. Juni. (Tel.-Komp.) Wie die „Times" Nus Riga melden, beabsichtigt die Sowjetregrerung eine Luftschiffexpedition zur Erforschung der Polargegenden, und zwar vor all«ent des Gebietes nördlich der Sowjetunion, auszurnsten. Die Pläne für die Expedition sollen dort Frithjof Nansen und dem deutschen Flugschi fsührcr Br uh ns bereits ausgearbeitet sein. Nausen und Kapitän Bruhns tvevden sich, wie das Blatt weiter erfährt, schon in nächster Zeit zur Berichterstattung über ihre Pläne nach Moskau begeben. Außerdem plant die Sowjetregierung die Einrichtung eines regelmäßigen Lnftverkehres zwischen Europa und dem Pazifischen Ozean. Die Route würde ihren Ansgang von einer der großen Städte des nördlichen Rußlands nehmen. Zur Vorbereitung dieses Plaues wurde eine sechsgliedrige Kommission ernannt. _ Wieder svuj k" svemu? Antijüdische Hetzereien in Mähren. Man schreibt uns aus M ä h r i s ch - O st r a n : In Gingen Städten Mährens wurde von der nativnaldcmokratischen Partei anläßlich der Schuleinschrerbnugen in Plakaten und in der Presse für den Eintritt der j ü d ischen Kinder in tschechische Schulen ans das heftigste agitiert. Nun geht ja die Entwicklung naturgemäß dahin, daß die Zahl der jüdischen Kinder in tschechischen Schulen von Jahr zu Jahr wächst, und es erscheint gar nicht iwtwendig, diesen Prozeß von außen zu beeinflussen. Umso bedauerlicher ist es, wenn die Schnleinschreibungen in einzelnen Fällen, zum Anlaß genom-rnen werden, um die jüdische Frage als solche in einer oberflächlichen, auf falschen Informationen oder boshafter Entstellung beruhenden Art zu bchandcln. Gerade in Mähren ist der jüdische Nationalgedanke vor dem Kriege bereits merklich tätig gewesen nnd nach dem Umstürze l)at die Jrldenschaft von dem gesetzlichen Rechte, sich zur jüdisch c n N a t i o u 51t bekennen, bei allen politischen. Anlässen, ioie Gemcindeüvahlen, Wahlerr in die Nationalversannnl.ung, Voltszälhlnng und dergleichen mehr so ansgieibig Gebrauch geawcht, daß der Versuche die mährische Jutdenschaft als deutsch-national und daher tschecheufeindlich hinzustellen, als eine bewußte Verleumdung gebrandmarkt werden darf. Insbesondere war es der Abgeordnete Jaromir Spacek, der in dem in Mährisch-Ostran erscheinenden „Morawsky slezsky dennik" eine Reihe vor: Hetzartikeln erscheinen liefen nud sich nicht nur ans Drohungen. gegenüber der Jrldenschaft und insbesondere der von ihm ganz fälschlich als deutschnational hingestellten Kultusgemeindevapräsentanz beschränkte, sondern der die Schuleinschrei- 'bungsaktion zum Anlaß.-nahm, um unter der elften Devilse „svuj k svonin" eine Boykottaktion gegen die Juden zu inszenieren. In einen ähnlichen, wenn auch mehr akademischen Ton verfällt der Olmützer „Po-zor". Wir können nicht umhin, dieses Zeichen des tvie-der öeginnenderl Antisemitismus mit Bedauern zu registrieren. Nach unseren Erfahrungen ist die Hetze gegen Jrlden immer nur ein Ausdruck unkonsolidierter Zustände, und jeder gegen Juden gerichtete Exzeß ein Vorbote von moralischen Ae billige Reise- Gepäckversicherung im Tuchlaubentzos Telephon 67-2-08 mi Telephon 87-2.08 oder sonstigen Kriselt, deren üble Auswirkung zwar bei den Juden, als dem »rindest widerstandsfähigsten Organismus beginnt, aber dann immer weitere Kreise zieht. Diese Beobachtung ist so richtig und durch so viele Beispiele bestätigt, daß sie zu einer allgemeinen Erkenntnis geworden ist. Wir hoffen jedoch, daß es sich im vorliegenden Falle nur um eine persönliche Entgleisung des genannten Abgeordneten handelt, die weder Verallgemeinerung noch Nachahmung finden wird. Jedenfalls sollte» die berufeneil Faktoren dieser Erscheinung ihre Anfmerksanlkeit znwcllden. Ta die allgemeinell Wahlerr ivieder bevorstehen, ivürde die unwidersprochene Tlrldnng derartiger Agitationen großen Schaden stiften und den guten Ruf des Staates schädigen. Die Wahlen zum Siouiftenkovsreß. Ein Schreiben der Zionistischen Exekutive nn die Zionisten-Revisionisten. Die Exekutive der Zionistischen Organisation, in London teilt uns die hier folgende Abschrift eines Brieses ail das Zelltratbllreau der .Zioniston-Re-Visionisten in Paris mit: Sehr geehrte Herrerl! Ich beehre nlich, im Auftrag der Exekutive den Empfang Ihres Schreibens vom 30. Mai zu bastätigen und Ihnen nachstehendes zur Kenntnis zu bringen: 1. Es ist selbstverständlich — und es bedarf hiezu weder einer Begründung noch einer Ermahnung —, daß die Leitung der Zionistischen Organisation in Wahrung d es de Nl o k r a t i s ch e n 'C h a r a k t e r s der zionistischen Bewegung und derell obersten legislativen Organs, des Kongresses, alles in ihrer Macht Stehende anwendet, um die legale Durchführung der Delegierten-Wahlen zu«m bevorstehenden Zionistenkongreß ,51t sichern und die Befolgung des Organisat-i-ousstatuts und des Wahlreglemcnts bei bell zionistischeil Verbänden und Gruppen durch entsprechende Weisungen sicherzustellen. Obwohl die Exekutive der Zionistischen Organisation nicht die Machtmittel besitzt, um die Einhaltung der Wahlgesetze in allen Ländern der Welt zil kontrolliererl und zu erzwingen, erwartet sie, daß die zionistischen Verbände und Gruppen cs sich angelegen sein lassen werden, die Gesetze der Organisation und die Anordnungen der Exekutive cinguhalten und sowohl den Schekelverkaus als auch die Kongreß w a h-l e n gesetzmäßig durchzusühren. Es wird Ihnen «bekannt sein, daß unsere oberste richterliche Instanz, das K 0 ng reßg e räch 1, von «unserer Verfassung berufen ist, darüber zu Wachen, daß die Satzungen der Zionistischen Orgallisation und die Prinzipien ordentlicher Wahlen nicht übertreten «werden. Wir stehen nicht an, im einzelnen ans Ihre verschiedenen Bemerkungen und Anregungen einzugehen und Ihnen in dieser Allgelegenheit, der Sie offenbar viel Interesse -widmen, die nötigen -Aufklärungen zu geben. 2. «S ch e k e I v e r t a u s. Der Absatz von Schek-alim wird auf Grund der be-steheudeu Gesetze voll den zivlniistischen Verbänden und Gruppen vorgenommen und von der Exekutive, soweit sich dies praktisch durchführen «läßt, kontrolliert. Sollten begründete Einwände gegen die bei einzelnen zi-onisi-rschen Verbänden üblichen Methoden des Schekelverkauss vorgebracht werden, so wird sie d a s K 0 n g re ßg e r i ch t zweifellos in Betracht ziehen. Daß die Schekalim von den zionistischen Landesverbänden und von den Lande Gruppen der Sonderverbände abgesondert verkauft werden, beruht ans einer ausdrücklichen in 8 64 des Organisationsstatuts enthaltenen Bestimmung. Es besteht gegenwärtig eine starke Tendenz, dieses System zugunsten eines einheitlichen Schekelverkauss innerhalb eines jeden Landes z u ander n. Solange dies aber vom Kongreß nicht beschlossen wird, hat die Exekutive kein Recht und keine Macht, die gegenwärtige Methode zu ändern, sondern ist vielmehr zu ihrer Einhaltung verpflichtet. 3. Territoriale -W a h l g e b i e t e. Wie Sie ganz richtig bemerken, gibt das gegenwärtige S t at u t und das W a h l r e g l e m c n t den zionistischen Verbänden und Gruppen die Möglichkeit, sich zwecks Durchführung gemeinsamer Delegiertenwahlen freiwillig zu W a h l g r u p pe n zusam:nenznsch!ießen. Die Exekutive hat anläßlich der Veröffentlichung des Wahlreglemcnts den zionistischen Verbänden die Bildung solcher Wahl- Vereinigungen empfohlen, und tatsächlich sind solche freiwillige Zusammenschlüsse in einigen Ländern zustande gekommen. Es wird von vielen Seiten vorgeschlagen, daß der nächste Kongreß dieses Systenr der territorialen Wahlgebiete z u d e 1» allgemei n geltenden erheben solle. Bis dahin 'hat die Exekutive keine gesetzliche Möglichkeit, diesen freiwilligen Zusammenschluß zu einem obligatorischen zu machen. 4. Direkte und geheime Wahlen. Selbstredend wurde seitens der Exekutive den zionistischen Verbänden und Gruppen e-ingeschärst, diese Prinzipien unseres Wahlrechtes einzuhalten, und die zionistischen Verbände sind nicht im Zweifel darüber, daß die Exekutive nnd das Kongreßgericht ans der Einhaltung des 8 27 des Statuts und der § 14 und 15 des Mahlreglements bestehen wird. 5. Vorschlag, daß die Zionistische G es a in t 0 r g a n i s a t i 0 n einen einzelnen Wahlkreis bilde. Ihre interessante Anregung, daß einzelnen Schekelzahlern das Recht gewährt werden möge, ohne Rücksicht a u f d i e Verbände, denen sie angehören, sich mit Schekelzahlern in anderen Ländern verbindenzu dürfen, kann dem Kongreß als ein Vorschlag zur Aenderung der gegenwärtigen Verfassung zweifellos unterbreitet werden, wobe-i wir allerdings bemerken müssen, daß dieser Vorschlag ans Bildung eines die ganze Zionistische W e l t 0 r g a n i s a t i 011 umfassenden Wahlkreises mit der früheren Anregung Ihres Schreibens, in jedem Lande einen territoriale n .Wahlkreis zu schassen, i m W i d e r sp r n ch steht. Nach -den: gegenwärtig geltenden Gesetz der Zionistischen Organisation, und zwar nach 8 25 des Statuts, der die Regel aufstellt, daß jeder Landesverband und, jede Äandesgr-uppe eines Sonderverbandes ein Mahlgebiet für sich bildet, wäre ein Vorgehen, wie Sie es Vorschlägen, unzulässig. Etwaige Minderheiten werden innerhalb dieser Wahlgebiete durch das P r 0 P 0 r t i 0 n a l w a h lr e ch t nach dein 8 19, 19 A bis K sowie durch die 8 l und 12 des Wahlreglements geschützt. 6. Zu Ihrem Absatz Nr. 6 beehren wir uns, folgendes zu bemerken: a) Die zionistischen Verbände und Gruppen sind von der Exekutive pslichtgemäß daran evinnert worden, in ihren Wahlinstruktionen Vorschriften über die eventuelle A n s l e g u u g v 0 n Wählerlisten, sowie deren Brief aus Palaslina. Von Dr. Robert Weltsch. I e r u s a l c ni, Anfang Juni. Die sogenannte vierte Mjaih, das heißt der Ha>il-ptleil der heute Ein wandern den, entzieht sich in iveit höherem Maße der öffentlichen Kontrolle und der Planmäßigen RegulierU'Ng als die frühere Einwandernngswelle, deren Hauptkvnlingent Ehalitzim bildeten. Daher ist es auch erklärlich, daß der zionistische Apparat sich bisher noch nicht in dein wnnschenswe.rlen Maße ans den neuen Typus des Einwanderers umgestcllt hat. Das Schwierigste daran liegt in dem Umstand, daß die Chalnzim sich von selbst der Erfassung seitens der Jifftitutionen darbieten, während die neuen Einivanderer eher die entgegengesetzte Tendenz haben; sie wollenmöglichst wenig beachtet und kontrolliert werden, da jeder am besten zu fahren glaubt, wenn er sich eine Existenz selbst ausfindig zu -machen sucht, ohne andere in seine Privatangelegenheiten einzuweihen. Leider gibt es auch Elemente darunter, die sogar ein ausgesprochenes Interesse daran haben, möglichst ilnbeachtet 31t «bleiben; denn es muß offen ausgesprochen werden, daß Palästina heute nicht mehr als ein Ort der Auslese wirkt, wie es früher einmal der Fall war, sondern daß es eine Anziehnngstraft ailch für recht nnertvilnschte Elemente bekommen hat. Denn leider gibt es ein Gebiet, ans dem sich in Palästina heute fast ebenso leicht Geld -verdienen läßt luk* früher in den Golnsländern mit Balutenfpekulalion, das ist der Handel mit Grund und Boden. Dies ist der Quell aller spekulativen -Gewinne, eigentlich die einzige Erklärung für die Kvirjunkturstimmung, die eine mirtschastliche Blüte des Landes vortäuscht, die heute bei tveikem «nicht erreicht ist. Das Faktum der jüdischen Jmmigrwtloil, besonders sr'.cher Schichten, die ein gewisses von Bedürfnissen, aus die sie nicht zu verzichten bereit sind, mitbringen, hat zunächst alle Güter, die der Befriedigung dieser Bedürfnisse dienen, in die Höhe getrieben, darunter an evster Stelle den städtischen Grund und Boden, da das erste Bedürfnis die Wohnung ist. Dies hat eine Verteuerung des gesamten städtischen Lebens zur Folge gehabt, aber schnell hat die Anfwärksbewegnttg auch auf voristädtischen Boden inrd sogar aus einfachen ländlichen Boden übergegrissen. Wie das gemacht wird, dalsür sei ein Beispiel der letzten Tage erivähnt, das so charakteristisch ist, daß es der Oessentlichkeit bekannt zu werden verdient. Die Palestinc Land Development Company hat schon vor vielen Monaten ein größeres Stück Land in der Nähe von Tel-Aiviw evtvorben und an zivei Gruppenvon Inden wei-terverkauft. Der Preis betrug zirka drei Pfund pro Dunam. Bor kurzem kam eine der Älgudas Jisvoel nahestehende Gruppe polnischer Inden ins Land und kaufte von dein Araber denselben noch nicht formell übertragenen Boden zum Preise von acht Psnnd pro Dunam. Natürlich zieht der arabische Verkäufer es vor, den ersten Vertrag zu annullieren und die bedungene Kottvetttionalstrafe zu zahlen und darüber hinaus -noch einen beträchtlichen Uebergewiml einzustreichen. Die Allgelegenheit beschäftigt jetzt -die rabbittischen «Gerichte in Palästina. Aber die juri«stisch-tal-ulndisch-e Entscheidung des Falles illteressiert ans gar nicht mehr gegenüber dem Faktum, daß palästinellsischer Boden eine Ware geivorden ist, lim die mit solchen Mitteln gekämpft wird. Natürlich sind nicht alle neuen Immigranten Spekulanten, ebensowenig wie die früheren alle Chaluzmt »varen. Im Gegenteil, die Spekulanten bilden tvahvscheinlich nur einen kleinen Bruchteil, aber es ist nun einmal so, daß ein soziales Phänomen wie unsere Einwanderung stets irgendw-ie nach ihren markan-tosteu Erscheinungen. zmn Guten wie zu-m Bösen, beurteilt wird. Und darüber hinaus wirkt sich die Spekulation noch verderblich und korrumpierend ans, indem sie notwendigerweise gesunde Elemente ansteckt. Viele Leute kommen mit dem Willen zu ehrlicher Arbeit und plagen sich auch redlich. Aber ihr Wille -muß schon sehr stark sein, n-in es auf die Dauer 31t ertragen, bei harter Arbeit kärglich sich durchznschlagen und zuzuschauen, wie andere mühelos verdienen und es viel besser haben. Dies ist die größte Gefahr, die das schlechte Beispiel mit -sich bringt und die man heute in der Atmosphäre Palästinas spürt. Darn-m ist heute diese Atmosphäre so ganz anders, als sie noch vor zwei Jahren war, als die wirtschaftliche Lage zwar viel schlechter war, trotzdem aber ein Zug von Leichtigkeit und Hoffnungssreude über allem war. Heute ist anch bei denjenigen, die stets die Wortführer im Kampfe für die „mittelftändische" Einwanderung waren, em Gefühl der Bangigkeit nicht zu verkennen. Alles spricht von der -bevorstehenden Krise als von einer unvermeidlichen Notwendigkeit, obwohl natürlich niemand sich recht v-orstelle-n kann, wie sie aussehen wird und welche Folgen sie haben wird. Aber man hat den Eindruck einer nicht normalen Entwicklung, einer Uoberspannung, die sich irgendwie nach den Gesetzen wirtschaftlicher Entspannung lösen muß. Allerdings ist es lvahrscheinlich, daß wir noch mit Rückschlägen zu rechnen haben; aber die vernichtende Wirkung wird um so geringer sein, ans je solideren Grundlagen die Wirtschaft ausgebaut ist. Je mehr die Wirtschaft in ihrer Struktur den Bedürfnissen des Landes und den tatsächlichen iDlöglichfeiten angepaßt ist, um so fester -wird sie auch gegenüber Erschütterungen bestehen können. Es wäre natürlich naiv, anzunehmen, daß man durch Eingriffe von außen die werdende Wirtschaft bis ins letzte'so regulieren kann, daß jeder seinen Platz zugewieseu bekommt; vieltu-chr muß sich ans der etwas chaotischen Anarchie der