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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-01 · Heft 2284 (1.7.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2284 (1.7.1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Serie 8 Men, Mittwoch Länder bedrückt, daß die Läicker nichts zahlen wollen. . Man wird Übereinkommen, daß Wien zu groß ist für das Hinterland von Retz bis Buchs, und daß noch immer zu viele Beamte und, Gott sei's geklagt, zu viele Arbeitslose den Säckel des Staates und ides Steuerträgers belasten. Schuld an allem sei das Ausland, das sich ab' schließt. Aber da wird man sich erinnern, daß Oesterreich die Paßsekkatur ausrecht erhält, daß die österreichischen Konsulate im Osten von den jüdischen Kaufleutelt, die nach Wien reisen wollen, Kautionen fordern. Man wird sich erinnern, wie der Fremde hier behandelt wild. Hat er Geld, so wurzt num ihn aus, hat er keines, so ist er ein jüdischer Student und da stellen ihm die Rektoren das Hakenkreuz vor die Nase. Und darauf reduziert sich schließlich die ganze österreichische Formel. Regierung und BE haben bereits den Schaden erkannt, den ihnen das Dulden des chauvinistischen Pogromklüngels bringt. Mer sie fürchten jeden ernsten Schritt, weil sie schließlich ihrer eigenen Söhne nicht Herr werden können, und weil sie den jüdischen Popanz brauchen, um ihm die Schuld zuschieben zu köllnen, wenn dieses lebensfähige und lebenskräftige Land imnier wieder aus der Ruhe der Arbeit herausgerissen wird. Das wird freilich int Laufe der Expertise nicht gesagt werden. -andelsverlragsvertzandlungeu wStzrenv der Bölkerbundervertise. Wie die Politische Korrespondenz erfahrt, ist die Schweizer Delegation zur Fortsetzung der Handelsvertrags- Verhandlungen mit Oesterreich aus Bern in Wien emgetroffeu. Gestern nachmittags fand bereits eine Sitzung mit den österreichischen Delegierten statt. Ferner ist die jugoslawische Delegation zur Fortführung der Verhandlungen über den Abschluß eines Tarifvertrages mit Jugoslawien in Wien angekommen. Die erste Plenarsitzung4ist für heute in Aussicht genommen. Die Auskunft der ungarischen Delegation ist für den 6. Juli angekündigt, um in die zweite Lesung des Österreichisch-ungarischen Vertrages cirMtreten. Die handelspolitischen Delegierten der tschechoslowakischen Regierung sind unter Führung des bevollmächtigten Ministers Ingenieurs Dvoracek in Wien eingetrofftn, um mit den Schweizer Delegierten die Verhandlungen, die im Prag vom 4. bis 14. Juni geführt wurden, sortzusetzen. Gleichzeitig finden Verhandlungen zwischen den tschechoslowakischen Delegierten und den beteiligten österreichischen Resssoris über ein Zusatzprotokoll zum tschechoslowakisch-österreichischen Handelsvertrag statt, wie dies in dem abgeschlossenen Handelsverträge vorgesehen ist. * Tie Gleichzeitigkeit dieser vielfältigen Bertragsverhandlungen 'läßt den Schluß zu, daß man den Experten des Völkerbundes, Pros. Rist und Mr. Lay ton, Gelegenheit geben will, bei ihrer Anwesenheit in Wien auch die Vertreter der für den Abbau der Wirtschaftsschran-ken in Betracht kommenden Nachbarstaaten Oesterreichs über ihre Meinung zu Lesragen und sich ein Bild davonM machen, inwieweit durch Aendevungen der Handelsverträge die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Lebensmöglichkeiten Oesterreichs gebessert werden könnten. Wiener Moraenzeiluna. toriats abziele. Bel einem zweiten Verhör soll Vagi, wie die Polizei durch die Presse lancieren läßt, das märchenhafte Geständnis abgelegt haben, daß er mit einer Terrorgruppe von 30 Personen in Automobilen durch die Stadt rasen. und durch Re v o lve r s ch ü f s e der Bevölkerung das Zeichen zum Ausbruch der Revolution (!) gebe,,, wollte. Bei der Hausdurchsuchung bei den Mitgliedern der Bagi- Partei sollen auch Waffen gefunden worben sein. Die Polizei will Bevbmduttgen Bagis und seiner Genossen mit Joffe, dem bisherigen Sowjetsvertreter in Wien, sowie mit Pariser Kommunisten festgestellt haben. Die Darlegungen der Horthy-Polizci lverden dadurch besonders verdächtig, daß sic besonders ans die Verbindung der Vagi-Leutc mit W i c u c r ungarisch e. n E m igraute n hiitweiscn. Unter dein Deckmantel des Schlitzes vor Kommunismus dürfte hier eine „Aktion" gegen einige Sozialdemokraten vorbereitet werben, tvelche für Pakte nrit Horthy, respektive Bethlen, bisher nicht zu haben Urnen. Reue Verschärfung der deutschvolnischen Sandelsbeziebungen? Berlin, :10. Juni. (Tel.-Komp.) Wie das ,-Berliner Tageblatt" wissen will, soll der polnisch-deutsche Zollkrieg begonnen haben, da laut Nachrichten von der polnischen Grenze die polnische Regierung die äuge kündigten E i ns u h r v c r b o t c angeblich bereits durchführen läßt. Voll deutscher Seite werden daher unverzüglich die entsprechenden Gegenmaßregeln angoivendet werden. (Die Nachricht ist bisher von keiner Seite bestätigt, die letzten.Meldungen ließen eine Entspannung durch Abschluß eines Handelsvertragsprovisoriums erhoffen. — Die Red.) Schwere Beschränkunsen des deutschen Luft« sahrzeogbauer. Berlin, 30. Juni. (Wolfs.) In der Note der Botschaftcrkonserenz über die Beschränkungen des deutschen Luftfahrzeugbaues werden in neun Regeln die Einzelheiten in der Unterscheidung von Ziviln n d M i li tä r flugze ug e n festgesetzt, nach denen als militärisch angesehen werden: Flugeinsitzer über 60 Pfcrdekräftc, ferner alle Flugzeuge, die ohne Führer flugfähig find, sowie alle geschützten und bewaffneten Flugzeuge. Die Flughöchstgrenze für Flugzeuge beträgt 4000 Meter. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 180 Kilometer bei 2000 Meter Flughöhe festgesetzt. Als militärisch werden ferner angesehen starre Luftschiffe bis 30.000 Kubikmeter Gasinhalt, h a l b st a r r e Luftschiffe bis 25.000 und unstarre Luftschiffe bis 20.000 Kubikmeter. Uober die Luftfahrtge-rätefabriken^ alle Flugzeugführer und alle Flugzeuge müssen Liften geführt werden, die jedes -r KamVad Deines Kindes: 'as Buch! Ankunft der Bölkevburrdexperten. Die vorn Völkevbmrd bestellten Experten Mr. L a y t o tt und Prof. R ist sind gestern abends in Wien angenommen. Sie werden heute vormittags dem Bundeskanzler und den beteiligten Ressortministern ihre Bcstuhe abstatten atnb sich nachmittags mit den wirtschaftlichen Kammern in Verbindung fetzen, . . . Bor der Aushebung der MMtärkontrolle über Sefterrelch. Die Kontrolle in Ungarn bleibt bestehen. London, 30. Juni. (Reuter.) In Beantwortung einer Anfrage erklärte Chamberlain im Untevhaufe. daß angesichts des offenbaren guten Willens. der. österreich ifchen Regierung eine baldige Zurückziehung der i nt erallierten Kontrolle in Erwägung gezogen werden konnte.. , . Ehambeplaiu fügte hinzu, er bedauere, daß ein ähnlicher Fortschritt mit. Bezug auf die Durchführung der militärischen Klauseln des mit Ungarn abgeschlossenen Vertrages von , Trianon nicht erzielt werde,! konnte, was hauptsächlich auf die mangelnde Mitwirkung der ungarischen Behörden zurückzuführen sei. Es sei im gegenwärtigen Zeitpunkte nicht möglich, äbzufchätzen, wie lange dort die alliierte Kontrolle noch anfrechterhalten werden müsse. Jedenfalls fei der Zeitpunkt der Aufhebung der alliierte,, Kontrolle von der zukünftigen Haltung der ungarischen Regierung selbst abhängig. Verhaftung ungarischer Sozialisten. Budapest, 30. Juni. Stephan Vagi, der Führer derdor einigen Wochen begründeten sozialistischen Partei, die sich von der offiziellen sozialdemokratischen Partei äbgospalten hat und in ihrem Programm ungefähr den unabhängigen Sozialisten 'entspricht, wurde zusammen mit 26 seiner Parteigenossen in Polizeigewahrsam gebracht; sieben der Verdächtigen, darunter Vagi, die unter dem Verdacht stehen, mit ausländischen Kommun isten in Verbindung zu sichen und Geldmittel ans Rußland zu erhalten, wurden in Präventivhaft genommen und werden der Staatsanwaltschaft übergebet,. Wie die Polizei erklärt, habe Vagi eilt Ge ftn n dn 18 abgelegt, daß er. eine Betvegung angezettelt habe, welche auf die Wi-äserherftellung der Diktatur des Prole. Viertelijähr einem Komitee zu übergeben find. Die Zahl der Flugzeuge und der Motoren darf den a nge-ss n o m me ne n Bedarf der deutschen (Zivilluftfaihrt | nicht übersteigen. I Nach den übereinstimmenden Kommentaren der} Blätter stellt die neue Note der Botschafterkonferenz eine; tvesentliche Verschlechterung der bisher für s Deutschland geltenden Bestimmungen über die Luftfahrt' dar. Die Bestimmungen der Note wie der Nachweis. der Einfuhr und Ausfuhr, die Einsendung von ■' Unterlagen betreffend den Bau neuer Flugzeug- und' Motortypen stellen lediglich Handhaben für eine ganz; durchsichtige Industrie- und H a u d e l s s p i o u a g e sowie für eine Verhinderung des Baues von Lustfa hrzc ug e n dar. Mussolinis Parlamentsreform. Das Parlament wird ausgeschaltet. Rom, 30. Juni. (Tel.-'Komp.) In den soeben veröffentlichten, von dem Staatsrat Barone vor der Achtzehnerkommission erstatteten Vorschläge zur R e f o r m des italienischen P a rl a m e n t a r i s n, u s heisst es unter anderem: Die Vollzugsgetvalt steht dem König zu und wird von der Regierung ausgoübt, die beschatt) als ein Organ der Krone und nicht des Parlaments zu betrachten ist. Tatsächlich und rechtlich lverde dem König die Ernennung und Absetzung des Kabinetts Vorbehalten. Die Kammer soll nur eine Kontra l l t ä t i g k e i t über die Regierung ausüben. Senat und K a m n, e r werden gleiche Rechte und gleiche Bedeutung eingeräumt. Wird ein Gesetzesvorschlag von einer der Kammern abgelehnt, so kann ihn der König der anderen Kammer zugehen lassen. Keine gemeinsame Aftion in Wna. London, 30. Juni. Das Reutersche Bureau dementiert die Nachricht von einer Uneinigkeit der diplomatischen Vertreter der europäischen Mächte in China. Der Londoner japanische Botschafter Hat-ashi stattete heute Chamberlain in, Auswärtigen Anlt eilten Besuch ab. Eine ge rn einsa m e Aktion der M ächte in China t o m m e a n ge n blick l i ch nicht in Frage. 1. Juli 1025_' Nr. 2264 Sie MiMärregiernna in Griechenland. Der Parlamentarismus soll respektiert werden? Athen, 30. Juni. ilcUStom)).) Zwischen General Pa» galos und den, Ghef der Republikanischen Union Kap auast a s i >, ist eine Einigung zustandegokommen. Drei M i t - glic >der der Republikanischen Union werden in die Regierung eintreten. Sic haben bereits den Eid in die Hände des Prastdeuten der Republik geleistet. In de», Uebereiukominen mit Papanastafin verpflichtet sich Pangalos, den Parlauderttarismus in Griechenland zu respektieren und von der Einführung einer Militärdi Natur abz „sehen. Die Verfassung soll schleunigst unter Dach gebracht und im Herbst G cut c t lt d ewah<le,t ausgeschrieben werden. Ende dieses Jahres sollen N e u w a h l e n i n d a s P a rlauten t vorgeuonmnen werden. Pogromhetze in Bulgarien. Sofia, 30. Juni. tBulg. Tel.-Ag.) Mit Rücksicht auf b)t Veröffentlichung a u o,, y m er Flugf ch r i f t e „, in denen z" autisemitische», Aktionen aufgereizt wird, haben die Behörden die strengste« Verfügungen zur Verfolgung jeder judcnfeindlicheu Kundgebung erlassen. Der Kriegsinmister hat Maßnahmen zur Unterdrückung der Bewegung getroffen. Der Minister für Aeußcrcs versicherte den Vorsitzenden der Kultusgeuwinde bei einem, Empfang des WÄMvollens der bulgarischen Regierung für. die jüdische BevMerung, die es an S t a a t s t r c n e niemals habe fohlen lassen. Md et Krim» Ssfeusive gegen Leo. Paris, 30. Juni. (Tel.-Kouep.) Wie der Korrespondent detz „Toiilips" aus Fes berichtet, haben die Kabylen bei ihrer letzten Offensive gegen die Eisenbahnlinie Toga—Fes 500 Tote und 1500 Verwundete auf den, Schlachtfolde zurück-gelassen. Die Schlacht dauerte sechs Tage. Die Sttwmtvuppeu Abd el Krims bestanden zu eiueur Drittel aus regulären, zu zwei Drittel aus irregulären Truppen. Qblvohl der Ansturm der Marokkaner völlig abgeschlagen wurde, könne, wie der Korrespondent hinzufi'lgt, die Gefahr für die Erseübahnlinic noch n i ch t a l s b e s e i i i g t g e l t e n. Die ßrdbebenkataftrovhe in Kalilornien. Der Ba-deort Santa Barbara zerstört. — Furchtbare Szenen von Angsttvahnstn«. New-Aork, 30. Jilni. Nach Blättern,dldungen auS Washington und San Franziska scheint das Erdbeben seinen Höhepunkt in Kalifornien erreicht zu haben. Die Stadt' Santa Barbara bei Los Angeles, ein beliebter Badeort der olberen Zähnt ansend in Kalifornien, ist vollständig Zerstört. Bisher find 05 Leichen geborgen. Mchrer-e hundert Personen werden vemeißt. Heute mittags erfolgten in Santa Barbara n e n e E r d st ö ß e. Die großen Göbände der Stadt sind vollkommen vernichtet. Ein Kr-ankeichans tvnrde in der Mitte ausemandergerissen. Gleichzeitig hat eine Explofion die Oeltanks d er Sk ad t i n Fl a m „t c n gesetzt. Unter der Gewalt der Erschütterung brachen die Wasserreservoirs und in wenigen Minuten Um die ganze Stadt überschwcnlmt. In der Hauptstraße der Stadt hat sich ein großer Erbriß aufgetan. In den Straßen spielten sich f u r ch t b a r e S g e n c n ab. Ais die ersten RettnngsMge aus Los «lngeles emtrafen, irrten Taufende von Menschen w i e b e s e s s c n, vor A n g ft b r ü U {e „ d, durch die Straßen. Der Mittelpunkt des Evdbchens liegt vermutlich in den Rocky Mountains. Man vermutet, daß eine tiefe Spaltung des Erdilin-err, die Uvsache der heftigen Erschütterung war. Der nördlichste Punkt, der von dem in fast allen Weststaaten verspürten Erdbeben betwffen wurde, ist Porteville. Außer Santa Barbara sind auch noch die Vleinereu Städte G a l i t o, M o ttt e Cito und Naples zeüstört worden.. dtach den letzten Meldnugen ans Los Angeles sind in Santa Barbara drei neue Erdstöße verspürt worden. Dabei wurden durch einstünzende Mauern neuerlichmchrere Personen getötet nnd verletzt. Größeres Unglück wurde nur dadurch vechütet, das; der weitaus größte Teil der Bewchner die Stadt bereits verlassen hat und im Freien kampiert. Mn Zyklon auf Manila. New-York, 30. Juni. Nach Meldungen aus Manila sind durch einen Zyklon in der Provinz Bnlaean 2 7 Personen getötet worden. Mchvere tau/jenfo Personen sind obdachlos. Der Sachschade wird ans u,ehre re hunderttausend Dollar geschätzt._ Grobe Ueberschwemmung In Lftgalizien. Lemberg, 30. Juni. (Tel.-cKomp.) In Ostgalizien sind durch wochenlange 3tege„güsse schwere Neberfchwemmun gen verursacht worden. Nicht nur die Weichsel, sondern auch ihre sämtlichen viebenflüsse sitrd aus den Ufern getreten. Auch der Dnjestr hat weite La,Strecken unter Wasser gesetzt. Zahlreiche Brücken wurden fortgerissen, viele Ehausseen sind unpassierbar und liegen meterlief unter Wasser. Eii^eiue Dörfer nutßten von den Einwohnern geräumt werden. Für die Rettuugsarbeiteil wurde Miliiär aufgeboten. In Ostgalizien hat die UeberUchwommung bereits zahlreiche Menschenopfer gefordert. In Jam pol wurden 15 Schulkinder, die gerade eine Brücke passierten, mttsanck

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