Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2283 (30.6.1925)
- Date
- 1925-06-30
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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' Mk |_Wien, Dirnrti^_ 9er neue türMche Gesandte in Wien. Angora, 27. Juni. (Anatolische Tel.-Ag.) Der neue türkische Gesandte in Wien H a m d i Bei ist heute von Angora abgereist, um sich auf seinen Posten zu begeben. _ 9ie «nsgabe der Schlllingmgnzen. Das Bundesministerimu für Fnranzen erläßt eine Kundmachung über die Ansgabe von Scheidemünzen zu einem Schilling. Die Münzen tverden, wie berichtet, am 1.JM ausgegeben. Das Eiu-Schilling-Stück ist aus einer Legierung von 640 Tausendteilen Silber und 360 Tausendteilen Kupfer hergostellt; es hat einen Durchmesser von 25 Millimeter und ein Rauhgewicht vor: sechs Gramm. Es enthält somit 3,94 Feinsilber. Die Ausstattung ist unverändert geblieben. Die Schillinge müssen im Privatverkehr bis zur Höhe von 60 Schillingen in Zahlung genommen werden. _ „9er Totengräber der Wiener Theater." Ein« Protestversammlung der Schauspieler. Sonntag fand im Saal« des Ingenieur- und Architektenderems «ine Sitzung der Betriebsräte sämtlicher Wiener Bühnen statt, die den schärfsten Kampf gegen die Lustbarkeit ssieu er der Gemeinde Wien ankündigte. Sekretär Eisler berichtete über die kürzlich stattgefundene Sitzung iu der Gewerkschaftskommission. Er bezeichnet« den von der Rathauskorrespondenz damals ausgegebenen Bericht als Fälschung. Eisler führte unter anderem aus: „Es gibt kein einziges Gemeinwesen in Europa, das finanziell so saturiert ist wie die Stadt Wien, und trotzdem nicht nur nichts für die Theater tut, sondern sie auch noch besteuert. Der Präsiden-t des Bühnenvereins, Stärk, gab den Beschluß des Bühnenkartclls bekannt, daß in der ganzen Welt, wo es deutsche Schauspieler g.br, öffentlich gegen die Kunstfvemdheit der Stadt Wien prorestiert werden soll. Schauspieler Zeise l erklärte, Stadtrar B r e j l n e r habe auch das Verdienst, der Totengräber der Wiener Theater zu sein. Der Rechenschaftsbericht Eislers wurde dann e i n st i m m i g gutgcheißen. Sie „Dritte ÜRnner" von Zernsnlem. Professor Nah um Sloush entdeckte im Zentrum Jerusalems, wie schon kurz berichtet, in der Nähe des Musara- Bierteils Reste einer alte n Maue r, deren Riesenquadern denen der Klagemauer ähnlich sind. Man nimmt an, daß es sich nm einen Teil jener Mauer handelt, die der König von Judäa, Agrippa der Erste (34 bis 44 n. Ehr.) erbauen ließ. Diese Mauer begann im HiPPicus, lies zuerst nordwestlich, dann nordöstlich der Denkmäler der Helena, umschloß das Grab der Könige und endigte an der alten Mauer im Kidrontal. Die Londoner „Times" berichten darüber: Bor einigen Tagen legte die Jewish Palesline Exploration Society bei Ausgrabungen aus Plätzen der englischen St. Georgs-Kathedrale und des italienischen Krankenhauses in Jerusalem lange Strecken einer Mauer mit den charakteristischen Formen und großen Buckeln der herodiaNischen Mauerarbeit in einer Stärke .von 12 Fuß srei. Dies bestätigt gewisse Vermutungen in bezug aus die Grenzlinie der Agrippa-Mauer, der sogenannten „Dritten Mauer", die Iosephus Flavins erwähnt, welche Vermutungen bisher nur durch einzelne Blöcke von Mauerwevk gestützt worden sind. In der Nachbarschaft dieser Mauer wurde ferner der Mosaikboden einer ehemaligen byzantinischeil Kapelle mit einem geometrischen Ornament und der Grabschrift einer Nonne aufgefunden. Die Entdeckung dieser vermutlichen „Dritten Mauer" hat keinen Einfluß aus die Streitfrage betreffs des Platzes des Heiligen Grabes, welcher aus die Lage der Zweiten Mauer hindeutet. Die Arbeit macht unter der Oberleitung von Dr. Meyer vom Regierungsdepartement für Altertümer und El Sukenik von der Jewish Palestine Exploration Society Fortschritte. Gewisse Gelehrte haben behauptet, daß die Linie der Dritten oder Agrippa-Mauer in Jerusalem fast identisch sei mit jener der noch bestehenden Nordmauer der Heiligen Stadt. Robinson behauptete jedoch, daß die Dritte Mauer mchr als eine Biertelmette weiter nach Norden als die bestehende (Sultan Suleiman-Mauer gelegen hätte, und wies ihr eine Lage zu, welche sch nicht weit von den soeben entdeckten herodianischen Mauerresten befindet. Die Erste Mauer aus dm Tagen König Salomos lief von der gegenwärtigen Zitadelle oder ,/Tuvm Davids" zu dem heutigen „Tor der Kette" (Bab el * Silfileh), welches in den Harem des Scherif oder in das TempÄgebiet führt. Die Lipie der Zweiten Mauer, welche zur Zeit Christi bestand und außerhalb derer oder nördlich sich der Kalvarienberg befand, ist nicht genau bekannt, und ihre Lage bildet noch eine Streitfrage der Archäologen. Ier romantische Edelstein. Der Smaragd. Es ist eine sehr merkwürdige Tatsache, daß es seit ungefähr zwölf Jahren keinen Kurs für Snrarag.de gibt, obwohl dieser Stein einer der schönsten farbigen Edelsteine ist und von jeher, sowohl inr Altertum wie in der Neuzeit, schr geschätzt wurde. In gewissem Maße ist die ans dem (sdelsteinmarkt wechselnde Mode daran schuld, mchr jedoch der Weltkrieg, der die St illegnn g de r MineninKolu mbien, dem Hauptproduktionsland für Smaragde, verursacht hatte. Ungefähr vom Jahre 1912 ist eine Stockung im Absatz singe traten, di« die Regierung Kolumbiens veranlaßt hatte, während der Dauer des Krieges keine Steine.mchr zu graben und ihre bedeutenden Vorräte bei fcen verschiedensten europäischen Banken zu deponieren. Erst im Jahre 1918 wurde das europäische Interesse für diese Steine wieder wach und zugleich entbrannte ein äußerst dramatischer Kamps zwischen den euirwrättckep LPinan^aruwori um die von Lnn- _Wiener Morgen zeit urig. Zessionen in Kolumbien — ein Kampf, der mit dem Siege des französischen Kapitals endete, das nunmehr erreicht hatte, daß die gesamte Ausbeute der Minen von M u z o und Coscuez nur in Paris verkauft werden darf. Damit besitzt also Frankreich das Monopol für den Smaragdmarkt, denn die in anderen Erdteilen gefundenen Steine können sich nicht im entferntesten mit den kolumbianischen messen. ' Die Geschichte des Smaragdes ist voll von Romantik. Jin Altertum wurden Smaragde an der .Küste des Roten Meeres, in .Indien, Persien und im Skytenland gefunden — Quellen, die heute so gut wie versiegt sind. Nur in Sibirien werden noch Steine in größeren Mengen gegraben, die aber von schr schwacher Färbung sind und kaum mchr das typische Grün 'des echten Smaragden zeigen. Dasselbe gilt von den in Madagaskar, Australien und Nordamerika vorkommenden Arten, so daß als einzige Produktionsstätte der echten, grünen, großen Smaragdsteine diie Minen Kol umbie n s übriggeblieben sind. Aber noch eine andere seltsame Tatsache knüpft sich an diese kolumbianischen Smaragdminen. In früheren Zeiten kannte man noch nicht die Kunst, die kleinen Steine und Splitter zu schneiden und zu verarbeiten. Nur die großen Steine wurden benutzt; der. Rest wurde achtlos auf den Boden geworfen, so daß die ganze Gegend mit kleinen und kleinsten Smaragden bedeckt war. Eines Tages entdeckte man, daß die Vögel die Steine anfhobm. und zur Ausschmückung ihrer Nester verwendeten. Die Regierung verbot darauf sofort side Tötung von Vögeln im Mimengebiet und richtete außerdem eine ständige Kontrolle der nach Mnzo führenden Landstraße ein. Kein Fremder darf ohne besondere Genehmigung das Gebiet betreten, und wem: er die Erlaubnis erhalten hat, muß er von einem Beamten der Polizei begleitet werden. Heute werden auch die kleinen Steine bearbeitet, und daher auch die Sorge um die Vögel. Die jährliche Ausbeute an Smaragden wird nach Angaben L. R o s e n t h a l s in der „Revue Mondiale" auf etwa vier Millionen Goldmar! geschätzt, eine Summe, die erst eine Vorstellung vermittelt, wenn man hinzufügt, daß die jährliche Perlena n s b e u t« etwa dreihundert Millionen Goldmark wert ist. Smaragde werden heute in erster Linie in Indien geschliffen, wo die Bevölkerung eine außergewöhnliche Fähigkeilt für die Behandlung von Edelsteinen zeigt, sodann in Pforzheim, in Paris, in Birmingham und New- Uork. Auch 'der Smaragd kommt wie der Diamant selten in ganz reinen Stücken vor und muß so geschnitten werden, daß die fleckigen Stellen ausgeschieden werden — oft eine sehr schwierige Aufgabe, die auch künstlerischen Takt erfordert. Verbunden mit der schon in schr alten Zeiten vorhandenen Wertschätzung des Smaragdes als Schmuckstein sind aber auch seltsame Vorstellungen von seiner Einwirkung chuf den Menschen. Indien schreibt chm wunderbare Fähigkeiten zu. Im Buche Ratnapariska wird sein Tragen empfohlen, wenn man an Vergiftung erkrankt ist, wenn man in eine Schlacht zieht, wenn man magische Handlungen vorbereitet. Er soll in Gold gefaßt sein. Er heilt die Kolik und verscheucht unheilvolle Visionen. In der ersten christlichen Symbolik repräsentiert der Smaragd die immerwährende Treue, den Glauben an die Dreifaltigbciit. Große Aufmerksamkeit wandten chm ferner die mittelalterlichen mystischen Schriftsteller zu, besonders Agricola, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts ihm die Kraft zuschreibt, die Keuschheit zu wahren und den Ehebruch zu vereiteln, die Hämorrhoiden und die Ruhr zu heilen und Gifte unwirksam zu machen. Die AchtrigjShrige spricht. In der amerikanischen Monatsschrift „The Atlantic Monthlh" finden sich die Erinnerungen einer ungenannten Achtzigjährigen, die sie als Lehren, Geduld zu bewahren, der Sache zu dienen und die Hoffnung nicht aufzugeben bezeichnst. Es sind hier nur solche Tatsachen daraus wiedergegeben. die für den europäischen Leser ohne iveitcres verständlich sind. Dabei zeigt sich, in welchem ungeheuren Ausmaße sich das Weltbild in dieser Zeitspanne geändert hat. Ich habe gesehen: Die europäische Revolution des Jahres 1848. Frankreich, wie es ans einer. Republik zu einem Kaliserreich wurde und dann die Kommune durchmachte, um wieder eine Republik zu werden. Den Aufstieg und den Sturz Preußens. Die Geburt eines neuen Deutschlands und eines neuen Rußlands. Ein geeintes Italien. Die Befreiung des russischen Leiböigenen. England, das aus dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland unter Disraeli zu einem Imperium wurde und das nun einen „Commonwealth freier Staaten" darstellt. Einen Bauernsohn, iüfac Donald, als Ministerpräsidenten. Die lange Reihe sozialer Gesetze; uut Schutz von Frauen und Kindern in der Industrie und in den Bergwerken. Das Ende der Nogersklaverei in Amerika. Den Bau der großen Eisenbahnen, welche die beiden Ozeane verbinden. Die Entdeckung des Erdöls und .seine allgemeine und sich immer steigernde Verwendung. Motoren und Automobile. Das Luftschiff. Allgemeine Antvendung der Anäschetisierungsmethode in der Medizin und Chirurgie. Das Uelberise'"^ 30. JüM i9Bü fOt "mim Die veränderte Stellung der Frauen hinsichtlich ®u» mögensvovtvalttnrg und Vormundschaft der Kinder. Frauenstimmrecht. Kochs Lohre vom Bazillus — «ine Revolution. Einsteins Relativitätstheorie. Den Weg vonl Ochsen vor deur Pflug bis tzwm Traktor. Augswandte Elektrizität, wahrscheinlich erst am Anfang ihrer Möglichkeiten. Dell Kampf für Reform der Gefängnisse uild der Kriminalistik, für lveisere, vernünftigere, HMsameve Richterfprüche über den Verbrecher. Röntgenstrahlen, vorbeugende Medizin und Schutzimpfung. Radium mit j'Outeu ungeheuren Zuknuftsmöglichleiten. Darwinismus mit den daraus folgenden Denkrevölu- 1 io «een. Berälldevte menschliche Haltung gegenüber Scheidung mtd Unehelichkeit. Ich habe zwölf Kriege gesehen: derr mexikanischen Krieg; den Krimkrieg; den Krieg für die italienische Unabhängigkeit; den indischen Aufstand; unseren Bürgerkrieg; Preußen gegell Däivemark und die Annexion von Schleswig-Holstein; Preußen gogerr Oesterreich; Preußen gegen Frankreich und die Auuexiorl voll Elsaß-Lothringen; Rußland gegen die Türkei; die Bereinigten Staaten gegen Spanien; Rußland gegen Japan; den Weltkrieg. Ein neues, ständig wachsendes Gefühl für die Fricdenssvage. Erziehung zum JilterilationaLismus. Das Wachserr der Gaworkschaften voll ffciinen mribedoutenden Gruppen zu der Macht, die die Räder der Jndnstrie zunl Stillstand bringen und jedes Haus im Land in Mitleidenschaft ziehen kann. Die Tsilhaberschaft der Arbeiter an Betrieben, bei denen sie anigestellt sind. Die Bildung voll Arboitorbanken. Das erschütternde Anwachsen des Kapitals und des organisierten. Kapitalismus mit der furchtbaren Versuchung, seine Macht zu mißbrauchen. Diese bclideu Grnp'^eu organisierter Macht stehen eiirander gegenüber. Wien, 30. Juni. * Ein Chaluz in Wien gestorben. Juda Lew! n aus Sokolta bei Bialystock, der fünf Jare lang in Erez Israel schwer gearbeitet hat, ist hier an Kopftumor gestorben. Er war einer der ersten jener begeisterten Jünglinge, die ihr Leben dem jüdischen Aufbanwerke weihten. Ms -er erkrankte, kam er nach Wien, mit Heilung zu suchen. Hier hat nun der Tod den Sechsundzwauzigjährigen, einest stillen, gütigen Menschen, von seinem Leiden >erlöst.'Das Bsgräbnis findet heute um halb 10 Uhr vormittags statt. * Tödliches Automobilunglück. Sonntag hat sich in Fa- Voviteu beinl Linienatnt Rotneusiedel ein ^Autounglück ereignet, das ein Todesopfer forderte. Das vom Ghauffeur Rudolf K r a t o ch w i I l, der einem Straßen'bahnzuge ausweichen wollte, gelenkte Auto stürzte in >den Straßengraben. Der 30jährige Maschinist Josef Nowak, seine Frau und ein dritter Insasse des Magens wurden Ebenso wie der Chauffeur heransgeschleudert und erlitten mehrfache Verletzungen, denen Nowak erlag. * Die Selbstmörder. Der Kaufmann Nathan Nadler wurde gestern in feiner Wohnung in der Seitenstettengasse tot aufigefunden. Er dürfte sich wegen häuslicher Differenzen vergfftet haben. — Der Glaslbläser Ferdinand S ch r e n k hat sich Sonntag wegen unglücklicher Lielbe durch Lysol vergiftet. Er starb fm Spitäl. — Gleichfalls durch Lysol schied der 22jährige Hilssavbetter Josef Kovacs aus dem Loben. * Wiedereröffnung des Hotels Panhans. Der Semmering hat nun auch seinen großen PrunDbau. Das Hotol Panhans wurde nach einer Umbausperre, die seit dem September des vorigon Jahres dauerte, Samstag erweitert und ansgebaut in seierllicher Weise eröffnet. Deutscher Unterushnulnigsgelst hat vollendet, was österreichisches Talent schuf. Das mit Milliardenkosten fertiggestellte Haus scheint in der heutigen Zeit >der wirtschafttkchen Krise ein kühnes Wagnis. Das Unternehmen ist jedenfalls ein Bekenntnis zum Optimismus. Ueber eine Stätte des Behagens und der Bequemlichkeit hinaus liegt hier eine wirtschaftliche Tat vor. Denn Oesterreichs Berge, auf denen nichts wächst, sind Quellen des Göldes für den Staat — oder könnten es sein — und ein wichtiges Aktivum der Handelsbil-anz. Ein Haus wie Panhans, das mehr als 500 Personen beherbergen kann, ist geeignet, den Fremdenstrom ins Laich zu ziehen, wenn eine vernünftige Steuerpolitik hilft. Dann werden sich vielleicht auch dem armen Oesterreicher, wenn er auf einige Tage der Unrast der Großstadt entfliehen will, die Pforten eines solchen Semmeringsch'losses eher öffnen. Die tüchtige Hand, welche den Riesenbau jetzt leitet, lvitt alles dazu tun. um dieses „Luftschloß" allen, auch den Wienern, näher zu bringen. * Die jüdische Kolonisation in Uruguay. Die Zeitschrift „Die jüdische Emigration" Informationsblätter des vereinigten jüdischen Enrigrationskomitses in Berlin, veröffenlicht in ihrer in diesen Tagen erschlenenen Nummer 6-0 die Berichte des Delegierten des Einiarationsdirektoriums für Südanlerika, W. Latzky-Bertholdi, über seine Erlebnlsse im St aale Uruguay. Interessant ist. daß Herr Latzky in Uruguay auf eine 1 nb*sch e Kolonisat ions b ewe guug gestoßen ist, von der - nran in Amerika und. Europa bisher nichts gewußt hat. Herr Latzky fand eine Kolonie vor, die den Namen „Der 19. April" führt und von jüdischeil Kolonistenfamiffen öeivohnt ist. D,er Berfasfer gibt noch weitere Llnfschlüsse über das Leben der Juden in den südamerikanischen Republiken. * Die Juden in Tunesten. Wie den soeben veröffelttlichteu Bolkszählungszisferu in Tunis zu eutiidjmcn ist. leben gegenwärtig in Tunesien 48.436 Juden unter einer Gesamtbevolkerung von 2,093.939. Man nimmt an, daß miudestens 80.000 Juden im Lande tvohnen. Die Juden in Tunesien geni>eßen Gleichberechtiguug auf'dem Gebiete des Handels, der Industrie Und der geistigen Berufe, von politischer Betätigung sind sie aber vollkomniell ausgeschlossen. * Das jüdische Lehen in Daghestan. In Daghestan existierten in früheren Jahren mehrere blühende jüdische Kolonien. Sie wurden in der Zeit des Bürgerkrieges verwüstet. Es bildete sich nun ein Komitee für den Wiederaufbau der verwüsteten Kolonien, und zwar im Aufträge des Zeittralexekutivkonvife-es der Sowjets. Das Komitee stellte die Smmue von 100.000 Ritbel für den Wiederallfbau von acht anr meisten verwüsteten jüdischen Dörfern zur Verfügung. — Daghestan liegt an den südlichen Abhängen des Kaukasus und grenzt an Zirkassien. Georgien un-d an das Kaspische Meer. Die Judenschaft beschäftigt sich hauptsächlich mit LMdwirtschaft, sie ist ebenso wie ihre nichtiüdische Umgebung kriegerisch geübt. Auch die £y.iihi«u. Jv'iaan fäiup ia WistH&u <