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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-30 · Heft 2283 (30.6.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2283 (30.6.1925)
Date
1925-06-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2293 Men, Drenslag Politik und zionistischer Arbeit, und sie kämpft für ein anderes System. Sie ist gegen Weizmann, wenn er mit dem von ihr bekämpften System identisch wäre, sie ist für Weizmann, wenn er nicht mit diesem System identisch ist. Entscheidend für die Stellungnahme zu den Problemen kann nur die sachliche Beurteilung sein. Die Beziehung aller Fragen auf die Person des Führers führt zu einer Demoralisierung der Bewegung und macht Diskussion, Kampf der Meinung, Kongreß und Entscheidung durch die Bewegung selbst illusorisch. Die Zionisten müssen verstehen, daß sie die Entscheidung über die ganze Streitfrage des Augenblicks in der Hand haben, und sind verpflichtet, diese Entscheidung nach rein sachlichen Gesichtspunkten zu treffen. *- Robert Stricker erklärt, d<rß er sich nach den grundsätzlichen Ausführungen Goldmanns, welcher -das 2 hcma restlos -behandelt hat, damit begnügen wolle, wichtige Einzelheiten hervorzuheben. Die Anhänger der definitiven Erweiterung der Jewish Agency gefallen sich darin, die in der Konserenzgemeinschast radikaller Zionisten vereinigten Gesinnungsgonoffen als ein Häuflern minderwertiger Individuen zu kennzeichnen, die «sich zun: Zwecke des persürikichen Kampfes gegen Weizmann zusanrmengetan haben. .Herr Kurt Blumenfeild, der Präsident der deutschen Landsmannschaft, hat in der „Jüdischen Rundschau" den Auftakt zu dieser Melodie gegeben -und die Schreiber der zionistischen Regie rungspvess-e folgen ihm getreulich. Unter freien Merrschen überhaupt, insbesondere aber unter Zionisten, ist diese Art der Erlödigung sachlicher Differenzen, daß Sich- Verstecken h'mter einer großen Persönlichkeit, mcht gebräuchlich. In Daneestikenstuben scheint sie vielleicht angebracht. Im zbampfe der Ideen wirkt sie jämmerlich. Herr Bilumenseld und seine Nachcchiner -haben damit das Recht auf sachliche Erwiderung verwirkt. Ihr Vorgehen-ist bedauerlich, aber nicht ettva für die von ihrem stumpfen Spott Betroffenen, sondern bedauerlich im HinMck darauf, daß die Diskussion auf dem Kongreß durch ein solches Vorgehen zu folgenschweren Entgleisungen gebracht werden könnte. Der Umstand, daß sich in -der KoaffevelWalneinschaft Zionisten verbunden haben, «welche bezüglich der Methoden zionistischer Arbeit sonst grundverschiedener, oft gegensätzlicher Ansicht sind, wie etwa Grünbaum und Goldmann einerseits und Jabotinsky andererseits, wird als Beweis -der Minderwertigkeit und -des Vorhandenseins rem persönlicher Motive hingostellt. Im Organ der Exekutive wird dieser Umstand ironisch als ,-Schatnos", als unerlaubte widernatürliche Vereiniung bezeichnet, doch ist gerade diese Vereinigung ernster Männer, welche im LtugervMck der großen Gefahr sich entschlossen haben, ihre Sonderwünsche zurückzustellen und gemeinsam für eine bestnmnte Sache zu kämpfen, besonders geeignet, die zionistische ÖeffenÄichkeit zum Nachdenken auzurcgen. Das Zusalnnrengohen erprobter Zionisten als widernatürlich zu be-' zeichnen und zu ironisieren, ist absurd. Wenn man den geschmacklosen Ausdruck,-Schat-ncs" aber bovbehalten will, damr ist er eher auf diejenigen Zionisten anFukwenden, welche beständig von eigener Schwäche und lliMklänglichkeit schreien und um jeden Preis bedingurrgskps mit Nichtzionisteni gusammemgehen und ihnen die in 30jähriger nationaler Arbeit erkämpften Positionen definitiv einräumen wollen. Stricker lveist darauf hin, daß bei den eifrigsten Verfechtern der definitiven Erweiterung sich in der letzten Zeit eine bedeutende Wandlung bcnrerkbar macht. Die Zionisten Deutschlands haben auf ihrem Parteitag einen Beschluß gefaßt, welcher als Bedingung aufftellt, daß die Erweiterung der Jewish Ageney nur prov isorischen Charakter haben dürfe. Sie sind damit von den verhängnisvollen, hauptsächlich dank ihrer Unterstützung Austan-dege-komnlenen Beschlüssen der letzten Mionskomitoüsitzuno grundsätzlich abgegangen und shaben sich dem Standpunkte der Konferenzgomeinschast radikaler Zionisten stark angenähort. Wenn die deutschen Zionisten ihrem jetzigen Beschlüsse auf dem Kongreß treu bleiben werden, dann werden die -heftigsten Kampfe verrnie-den werden könucm Zunl Schlüsse spricht Stricker über das -Berihaltnis von Zionismus zu jüdischer Philanthrop i e. Jüdische Philanthropie, auf Palästina a-ngewendet, bedeutet keine Annäherung an den Zionismus, im Gegenteil, sie bedeutet eine große Gefahr für den Zionismus. Der jüdische Philanthrop verklangt nicht eine nationale Heimstätte für sich, sondern ein Asyl für Dritte. Er 'hat kein Recht, gerade Palästina zu fordern. Jüdische Philanthropie beinhaltet keinen Rechtsanspruch auf Palästina, ja sie schließt jeden Rvchtstitel auS. Das mögen alle jene bedenken, die den Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzi-onisten beseitigt glauben und in jedem Juden, tvcklcher unverbindliche Sympathien für Paläst i n a an den Tag legt, einen vollwertigen Mitarbeiter arn 'Ausbau des nationalen Heinres zu erblicken bereit sind. Keren Kasemech. Wien, 1. Bez., Karntnerstratze 28. Tel.-Mr. 77-4-85. 77-4-86. PMparkässenviKonio Sir. 100.208. Ab heute werden wir an dieser Stelle all w ö ch« ntt i ch in der Montag-Nummer der ,Mener Morgenzeitung" alle den Keren Kajometh betreffenden Ausweise, Berichte, Aktionen, Anregungen und dergleichennntevbvi-ng-en. Im Sinne eines Beschlusses der LandeSkommiffiou wechen tm ,üi .dtzx allernächsten Zeit in unseren GpMetl, _ Wlener MovaenMuns.__ ausweifen alle Spender von mindestens je 5 Schilling namentlich a n f ü h r e n. 1. Palästina. Die Nationalfondseinnahmen erreichen eine DurchschnittShöhe von über 20.000 ägypt. Pfund monatlich. Jnr Mai ergab die Einnahme des Keren Kajenreth die bemerkenswerte Höhe von 28.778 ägypt. Pfund. Damit werden die Gesamteinnahmen für die abgelausenen acht Monate des Jahres 5685 aus die Summe von 162.486 ägypt. Pfund gebracht, eine Zahl, die nie zuvor in dem gleichen Zeitraum erreicht wurde. Die durchschnittliche Monatseinnahme für den Keren Kajemeth stieg damit auf über 20.000 ägypt. Pfund. Es ist von besonderem Interesse, daß dieses. Resultat in erster Linie aus der gesteigarten Sammlung aus Büchsen beruht, deren Zahl und deren Loemngen fortdauernd vermehrt werden. 40 Prozent Zuwachs im städtischen Bodenbesitz des Keren Kajemeth. Ungeachtet der großen Summen, die der Keren Kajcmeth im letzten Jahre für ländlichen Bodenerwerb ausgegeben 'hat, hat er auch seinen städtischen Bodenbesitz vergrößert. Bor zwei Jahren gehörten dem Keren Kajometh 1.149.830 Qnadvatpik städtischen Bodens; heute machen diese Böden 1,622830 Q-uadratpik aus. Der größte Teil dieser Böden entfällt aus die Schechunath Borochow bei Tel-Awiw mit 660.000 Quadratpik. Der Zuwachs beträgt «in den letzten zwei Jahren allein 40 Prozent. Kerew-Kajemesh-Weltkonserenz. Wie üblich, ruft der Keren Kajemeth eine Konferenz seiner führenden Mitarbeiter in der ganzen Welt zusammen, die direkt vor dom 14. Zionrstenkongreß stotHuden soll. Die Konferenz, zu der die Vorsitzenden der^Landeskommissionen des Keren Kajemeth und die Sekretäre seiner wichtigsten Sammelistellen eingeladen worden sind, wird in Wien vom 11. bis 14. August abgehalten werden. Zur Beratung werden praktische Propagandas-ragen stehen sowie die zukünftige Tätigkeit des Keren Kajemeth und die Kongreßprobleme, die den Fonds berühren. 2. Oesterreich. * Kongretzarbeiten. Der bevorstehende Kongreß legt uns große Pflichten aus, gewährt uns aber sehr große Möglichkeiten, die Eingänge des Keren Kajemeth zu vergrößern. Wir haben -daher eine spezielle Keren-Kajemcth-Kongreß-Kmmniffion eingesetzt, die zusammen «mit dem Bureau -die ganze Arbeit vorbereitet und leitet. Der Kongreß gibt allen Selbst!onting entkern sowie allen Gr Uppen außerordentlich große Möglichkeiten, nicht nur ihr Kontingent her einzubringen, sondern auch vielfach zu überschreiten. Das zu erreichende Ziel ist 3000 Pfund! Dieses Ziel ist zu erreichen, wenn die Erwachsenen und die Jugcmdgruppen ihre Pflicht tun. Berichte. Zionistischer Mädchenbund Mirjam". Der vor einem halben,Jahve von Frau Marie Pollak geschaffene und von ihr bis-nmr umsichtig geleitete Mädchenbund „Mirjam" hat neben seiner aus die zionistische Erziehung seiner Mitglieder gerichteten Tätigkeit bereits Ersprießliches für den Keren Kajemeth geleistet, so daß es ihm in dieser kurzen Zelt gelang, sich einen Platz unter den aktivsten Gruppen zu erri-ngen. 3. Weltkongreß zionistischer Studenten. Vom 16. bis 16. August d. I. findet in Wien der dritte zionistische S-tudenten-Weltkongreß statt, zu welchem Delegierte von 20 verschiedenen Universitätsstädten bis jetzt ungesagt sind. Die Wahlen von Delegierten müssen bis spätestens 15. Juli gemäß dem den einzlenen Landesverbänden mitgeteilten Wahlmodus erfolgen. Mit der Durchführung der Wahlen ist in Wien der Seniorenkonvent der wehrhaften Verbindungen und. der zionistisch-akademische Landesverband betraut. Zionistische Studenten, welche keiner Korporation angehöven, Wunen sich bei einem der obgenannten Verbände in die Wahlliste melden und daselbst ihr Wahlrecht ausüben. Um dorr ausilvartigen Studentendelegierten und Gästen den Aufenthalt in -Wien auch während des ganzen Zronistenlkongresses zn ermöglichen, ist es der Exekutive gelungen, zu besonders mäßigen Preisen für Unterkunft und Verpflegung Vorsorgen. Diesbezügliche und sonstige Anfragen sind an das Sekretariat des WeUverbandeS zionistischer Hochschüler in Wien, 9. Bez., Liechtensteinstraße 11» zu richten. Sine Hamdmchsuchung bei Trotzkir Snkel ln Pari». Paris, 29. Juni. (Tel.-Komp.) In der vergangenen Stacht hat die Polizei in der Wohnung des Onkels TvotzkiS, I a n o t o w s k i, eine .Hausdurchsuchung vorgenommen. Di« -Hausdurchsuchung, die sehr g r ü n d 11 ch gefi'lhrt wurde, da-n-erte die ganze Nacht. Heber die Gründe uub über das Ergebnis der Haussuchung wird st re ngst« s Stillschweigen betvahrt. Zn gleicher Zeit nahm die Polizei auch bei einer Reihe anderer russischer K o m in u n i st e n, die in Paris loben, Hausdurchsuchnngen vor. Der Onkel Trotzkis befaßt sich in Paris mit a ll s gedehnten Handelsgeschäften im Aufträge der Sowjet reg iernn.g und verfügt über einen zahlreichen Stab von MüarWtzrW. _30. .Mni im_ &ffe 1 Sie UnntOen in Shina. London, 27. Juni. (Del.-Kornp.) Nach einer MeLmng ans Schanghai befürchtet der englische Konsul in S o n t ch o u einen Angriff aufständrscher Chinesen auf die dortige englische Kabelstation und hat von de>nr MAitärgouvernenr Schutzvorkehrungen gefordert. In Schnen-Kiang und in der Umgebung der Stadt haben sich sämtliche japanische Einwohner auf drei japanische Kriegsschiffe geflüchtet, weil die japanforndlichen Kundgebungen in bedwhlichem Maße zuge-nommen haben. Die Polizei hat im Hasen von Schanghai zwei rufstsche Kommunisten verhaftet. Sine S-ineienversnmminng in Berlin. BeÄin, 29. Juni. (Wölfs.) Samstag fand in der hiesigen chinesischen Gesandtschaft eine Derfamrnllung statt, die vonr Ausschuß der chinesischen nationalen Freiheitsbewegung einberufen worden war, einer Organisation, welche die Berliner Chinesen unabhängig von der politischen Einstellung der oinKÄuen umfaßt. Der Zweck der Versammlung ivar, beim 'hiesigen chinesischen Gesandten gegen die Anwesenhoit des Generals Hsu in Deutschland zu pvotostieven. Nach längerer Aussprache unterschrieb der Gesandte ein Schriftstück, in dem er die Versicherung abgab, daß General Hsu in Deutschland weder Munition kaufe noch irgend welche Anleihen abschließe, «noch sonstige China schädigende Abmachungen treffe. ~_ Sin Klnderwohlsahrtskongrrß. Bern, 28. Juni. (Schweiz. D.-A.) Bour 24. bis 28. August findet in Genf im »Palais Electoral" der Erste Allgemeine Kindwlrwhlsahrtskongveß statt. 325 Teilnehmer aus 29 Ländern sind bisher eingetragen, darunter Vertreter von 22 verschiedenen Regierungen. Der Bundesrat hat dieser Veranstaltung seinen Schutz zugestanden. Als Vertreter für die Schweiz sind Pros. Delaquis und Prof. B e r n h e i m - K a r r e r ernannt worden; außerdem hat der Bllndesrat beschlossen, seinen Vizepräsidenten, Bun-!desrat Häberlin, Chef des Eidgenössischen Just^- und Polizeidepartements, zur Eröffnungssitzung zu entsenden. krdbebenkataftrovbe in Nordamerika 65 Tote in Los Angeles. Washington, 29. Juni. (Tell-KomP.) Die Staate« Montana, Wyoming, Oregon, Washington «nid Idaho wurden am Samstag spat abends, Montana nochmals am Sonntag nachmittags von heftigen Erdstößen heimgesncht, die einen in die Millionen gehenden Schaden anrichteten. Zahlreiche Gebäude ivnrden durch Berglawinen zerstört, Eisenbahnlinien unterbrochen. Ein Tunnel stürzte völlig ei«. In dem berühmten Yellowstone Park gerieten schwere Felsmasse» ins Wanken und stürzten zu Tal. , JmLos Angeles wurde gestern eine Reihe heftiger Erdstöße verspürt. Das Beben dauerte dreißig Sekunden. In der Stadt Barbara, nördlich von Los Angeles, nahm das Erdbeben katastrophalen Umfang an. 65- Personen wurden getötet und Viole lebensgefährlich verletzt. Die Telephon- und Telegraphenlettungen sind unterbrochen, so daß Einzelheiten noch nicht bekannt sind. Mchrere Hilfszüge sind von Los Angeles und San Francisco nach Barbara abgegangen. ' Amnndsen» Pliine. Oslo, 28. Juni. (Wolfs.) »Mstenpoften" hat heut« A m u n d s c xi radiotalegraphisch, interviewt. Aus den Antworten Anmndsens geht hervor, daß er zunächst eine B o r- »ragsreise nach Amerika untevn-chmen werde. Ellsworth begibt sich sofort nach Amerika zurück. Larsfen und Dietrichson werden ebenfalls in Amerika Vorträge Hallen. Der noMändifche Lu-stfahrtverein wird die weitere Verfügung über die von Amnndsen beim Polflug benutzten Maschinen treffen. Ueber* die Au^ichten der Flieger in arktischen Gegenden erklärte Amündsen: Für weite Strecken ist der Flug mit Aeroplanen unter Eisverhattmssen, wie wir sie antrasen, zu gewagt. Das Navigieren bereitete nicht größere Schwierigkeiten als wir vor dom Start angenommen hatten. Amundfen ließ die Frage, ob er im nächsten Jahre die Fahrt des Zeppelin mitmachen werde, unbeantwartet. Das Blatt deutet an, daß' man dies dahin aus* legen könne, daß an den Gerüchten über die Zusamtnenarboit zwischen Anmndsen und Dr. Eck euer ettvas Waides ist. __ Sine Lustschiffervedition Sven -edin». Berlin, 29. Juni. (Tel.-Komp.) Nach eirmn Stockholnrer FunksPruch des „Berliner Tageblatts" Plant Sven H e d i n eine LuftfchiffexPedition nach Jnnerasien. Sven Hodin trifft bereits Vorbereitungen, um mit einem Zeppelin die noch unbekannten Gebiete Jnnemstens zu erforschen und hat bereits BevhaMungen mit Doktor Ecke ne r angoknüpst. Dr. Sven Hedin evklärte es als eine Hauptbsdingnng des Fluges, den er nach Asidn unternchmerr will, daß Dr. Eckener selbst die Fühvung des LU'fdschiiffes übevnehnre, und rechnet damit, -daß die Expedition bedeuten-de Schwierigkeiten, Cyklon-e, große Regengüsse Mp HM ln AsMl M MM^lden HMn wird.

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