Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2283 (30.6.1925)
- Date
- 1925-06-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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E dien, DstnSkag Wiener MordenzeiinNst. 36. Juni 1928 ‘ S sBu hBr Da‘lNe” dGi Konfereniaemeinscliaft radikaler Zionisten g» ^:,band*ha,m MASSENMEETING V«. K«ni9.e99a„a WAS WOLLEN WIRT ■intriii fr«ii Redner: Nahum Goldmann, Berlin — Oberbaurat Robert Stricker, Wien »esu sonen, die im Bezug eines staatlichen Ruhe- oder Versorgungsgenusses stehen, die Znst i :nmung des Finanzministeriums erforderlich. Für den Kreis der in Betracht kommenden Personen hat folgendes zu geilten: Die von der Entente mit den drei genannten Nachfolgestaaten geschlossenen Minderheitenschutzverträge sind in Kraft getreten für Pole u anr 10. Järruer 1920, fiir Iugoslatvien am 10. Juli 1920, also anr gleichen Tage, au den: der Friedensverlrag von Saint-Gerrnain für Oesterreich ivirksani geworden ist. Bei Rumänien konnte noch nicht festgestellt werden, ob der Vertrag anr 16. Juli oder am 4. September 1920 in Kraft getreten ist. Es behalten also zweifellos ihre österreichische Staatsbürgerschaft alle Personen, die nach diese n a ngegebenen Stichtagen die österreichische Staatsbürgerschaft en.vorben haben. Ferner tverden von diesen drei Verträgen nicht b e r ii h r t alle Personen, die nicht irr Polen, Jugoslawien oder Rumänien geboren sind. Es Habel', dagegen solche Oesterreichcr ihre Staatsbürgerschaft verlöret:, die an den angegebenen Stichtagen ill Polen, Rmnänien oder Jugoslawien g e w o h n t haben oder die von Eltern stammen, die z u r Z e i t d e r G eburt des Kindes in Polen, in den netten Teilen Rumäniens oder in Jugoslawien wohnhaft gewesen sind. Hiebei wcrden verheiratete Frauen mtb Kinder unter 18 Jahren (entscheidend der Stichtag) nach ben staatsbürgerlichen Verhältnissen des Gatten, beziehungsweise der Eltern. behandelt. (Aus der Sonntagsuuminer tviederholt, da nur in einem Teil der Auflage enthalten.) Kn Protest gegen die amerikanische Knwandernngsdrosseinng. JaHreskonfereNz des Ordens Brith Abraham. Aus New-2)ork wird berichtet: Der unabhängige Orden Brich Abraham hielt dieser Tage in Atlantic City seine 39. Jahveskonfevenz ab, an welcher 915 Delegiere, die 497 Logen mit insgesamt 135.000 Mitgliedern veritraten, teilgenommen haben. Der Orden Britih Abraham repräsentiert die größte jüdische Brüderschaft der Vereinigten Staaten. Den Vorsitz führte der Großmeister des Ordens, Mr. Adolph Ster w. Es wurde die folgende von Richter Sanders emgebrachte Resolution einstimmig angenommen: „In Anbetracht dessen, daß das Emwaudemngsgeisetz von 1924 unsagbare Härten enchält und Ursache dessen ist, daß Frauen von ihren Männern, Kinder von chren Eltern, Schwestern von ihren Brüdern getrennt werden, beschließt der unabhängige Orden Bvi'th Abraham, den Kongreß >der Bereinigten Staaten zu ersuchen, eine Verbesserung des Gesetzes in der Weise vorzunehmen, daß Frauen,. Männer, Kinder, Eltern, Geschwister von Bürgern der Vereinigten Staaten oder solchen Einiwohmevn>, die erklärt haben, Bürger dieses Landes werden zu wollen, sofort die Erlaub -it t s erhalte n, außer der Quote in 'das La>nd komrnen zu dürfen." In einer zweiten Resolution wurde jeder Bill, die eine Zwangsregistrierung der Fremden Vorsicht, im voraus Kampf angesagt, da die Zwangsregistrierung ungerecht und unanrerikanisch sei. In einer weiteren Rede trat der Großmeister Adolph Stern der Behauptung der auttjüdischen Gcheiiuorgauisation Ku-Klux-Klan, daß die jüdischen Brüdevschaftsorgauisationen Gehermbünde seieu, entgegen. Der uu? abs'äugige Orden Britlh Abraham, sagte er, ist keine Geheimorganisation, seine Tätigkeit spielt sich in vollster Oeffentlichkeit ab. Wir sind für vollste Loyalität gegenüber der RepubM und für Gehorsam gegenüber den Gesetzen des Landes. Als treue Söhne Judas stehen wir keinem int amerikanischen Patriotismus nach. Geheim ist bei uns n " " d i e H i l s e l e i st u n g, die wir zahlreichere Menschen gewähren. Die Tagung beschloß, die jährliche Beisteuer fiir den a nt e rika n i s ch - j ü d i s ch e n Kongreß in der Höhe von 10.000 Dollar weiter zu leisten und alle Mitglieder M Brich Abraham mit k zwei Cent zugunsten der Gesellschaft fiir jüdische Landwirtschaft und jüdisches Handwerk Ort und ein Cent zugunsten der medizinischen Organisation Hadassah zu besteuern. Es wurde ferner betreffend Palästina die folgende Resolution angenommen: Der Aufbau und die Entwicklung Palästinas ist eine erste Notwendigkeit. Dort haben d i e F H't chtlinge unseres Volkes Gelegenheit, ihr Leben in Frieden und Arbeit fortzufi'chren. Der Keren Hajessod, der diesen Aufbau fördert, verdient alle Unterstützung. Wir empfehlen allen unseren Mitgliedern, dom Keren Hajessod freie Spende n zuzufi'chren, außerdem besteuern wir jedes Mitglied mit zwei Cent zugunsten dieser Institution. Ser Israelitische Gemeindebund in der Schweiz. Zürich, 29. Juni. (I. T. A.) Im Rathaussaal der Stadt Luzern tagte kürzlich die Delegiertcnversammlung des Schweizer Israelitischen Gemeindebundcs. Fast alle jüdischen Gemeinden der Schweiz tvaren vertreten. Auch die w e st s ch w e i z e r i s ch e n Gemeinden Genf und Lausanne, die bisher dem Gcmeindebund nicht angehört hatten, sind ihm beigetreten und hatten ihre Delegierten entsandt. Der Präsident des Gcmeindebunde's, Herr D r c y f n ß -B r o d s k y (Basel), cröffnete die Tagung mit einer Begrüßungsansprache, in Welcher er hervorhob, daß der Gemeindebnnd zun: erstennml in der historischen Stätte des Luzerner Ratsaales tage, in dein auf der einen Seite das Bild Moses' mit den Gesetzestafeln aug^racht sei und auf der anderen Seite das Bild des salomonischen Urteils, welches bekundet, I daß die Juden nach Recht und Gerechtigkeit urteilen, j Die Jahresrechnung pro 1923 bis Ende 1924 schloß mit einem Aktivsaldo von 22.4t5 Franken ab, das Budget für 1925 in: Betrage von 19.200 Franken wurde von der Bersaiunilung genehmigt. In der Debatte kam die Genugtuung zun: Ausdruck, daß der Gcmoiudebund in aufsteigender Entwicklung begriffen ist. 8>u deutsch-französischer Metalltruft. Paris, 29. Juni. Nach der Information" enthält die zwischen den M e. t a I lind u st riellen Deuts chl a n d s u n d F r a n k r e i ch s am 16. Juni in L u x e mb u r g abgeschlossene Vereinbarung folgende Bedingungen: 1. Frankreich erhält das Recht, jährlich 1,700.000 Tonnen Eisenerz und Halbfabrikate aus Elsaß-Lothringen, dem Saargebiet und Luxemburg n a ch D e u t s ch l a n d einzuführen. 2. Die großen französischen und deutschen Metalliudustriellen behalten die v o I l ständige K o ntr olle über die einheimischen Märkte. 3. Ein Syndikat lwird durch Ueberwachung der Produkten sowie der Durchführung von Kontrakten für die Lieferung der französischen Eisenerze an deutsche Hochöfen einerseits und von Rnhrkohle an französische Fabriken andererseits geschaffen. _ Daudet durchgefallen. Angers, 29. Juni. (Havas.) Bei der Ersatzwahl für den Senat wurde im zweiten Wahlgang der gemäßigte Republikaner Monceau mit 494 Stimmen gewählt. Der Antisemitenführer Leon Daudet blieb mit 356 Stimmen in der Minderheit. Ae Ausländer kn Ungarn. Budapest, 28. Juni. (U. T. K. P.) Eine Verordnung des Ministers des Innern bestimmt, daß vom 1. August bei Erteilung des Visums an Ausländer, die zum Zwecke des Besuches, der Zerstreuung, der Kur oder zu anderen ähnlichen Zwecken reisen, folgende Bemerkung in die Pässe einzutragen ist: „Der Inhaber des Passes und der im Paß nauihaft genrachte Begleiter können auf dem Gebiete Ungarns keine Anstellung oder Arbeit übernehmen." Die Einreisebewilligungen für Ausländer behufs Anstellung oder Uebevnahme einer Arbeit werden mit einem besonderen Erlaß des Ministers des Innern geregelt, wobei bezweckt wird, die vorhandenen Arbeitsgelegenheiten in erster v Reihe ungar i s ch e n Staatsangehörigen zu sichern. Um die Einreisebewilligung hat der Arbeitgeber einzukommen. Künstler rmd Sportlcute brauchen behufs kürzeren Aufenthaltes im Lande keine Einreisebewilligung zu verlangen. Das Wohnung sz ertifikat kann ausländischen Arbeitskräften nicht abgeis-prochen tverden, sofern sie seit dem 1. Jänner 1914 ununterbrochen auf dem gegenwärtigen Gebiet des Landes wohnen oder wor dem 1. Juni 1926 eine Wohuungslizenz erhielten, falls sie in ständiger Verwendung stehen. _ Verschärfte Grenzkontrolle in Bulgarien. Sofia, 29. Juni. (Bnlg. Tel.-Ag.) Die Präfekten der Bezirke Petvie und Küstendil - sowie einige andere Funktionäre sind durch Verordnung des Ministers des Innern ihres Amtes enthoben worden, da sie in der Beobachtung der Instruktionen betreffend die Sicherheit der Grenzzone Nachlässigkeit gezeigt haben. Die Negierung hat die erwähnten Instruktionen erneuert und die Lokalbehörden ausgefordert, scharfe Maßnahmen zu treffen, um den Uebertritt bewoffne t e r G r u p p e n über die Grenze unmöglich zu niachen. Gesandter Frank. Berlin, 29. Juni. (Wolfs.) Der Reichspräsident hat heute mittags den neuernannten österreichischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Dr. Frank zur Entgegennahme seines Beglanbig u n.g s s ch r e i b e u s empfangen. Bei den: E:npfang war der Reichsminister Dr. Str^semanu zugegen. Die Expertise über Sefterreich. Heute treffen die vom Völkerbund ernannten Sachverständigen, die Herren Walter Tho:nas L a y t v n und Charles N i st, aus Paris in Wien ein. Herr L a h t o n, der Chefredakteur der Londoner volkswirtschaftlichen Wochenschrift „The Economist", steht im 41. Lebensjahre und las in den Jahren 1909 bis 1912 über Volkswirtschaft an dev Londoner Universität. Nach dem Krieg wurde er der Leiter des Verbandes der Eiscn- und Stahlindustrie, einer der :nächtigsten industriellen Organisationen Englands, die gegenwärtig durch die Forderung von Schutzzöllen viel Aufmerksamkeit erregt. Charles R i st, ein Enkel des russischen Freiheitskämpfers Alexander Herzen, ist Professor der Nativnalökonomie an der Sorbonne. Er hat gemeinsam -mit Charles Gide ein Buch über „die Geschichte der nationalökonomischen Theorie" und ein Werk „Die Deflation in der Praxis" geschrieben . Wiener Katholikentag. Am Sonntag fanden die Hauptveranstaltungeu des Katholikentages der Wiener Diözese statt. In der Delcgiertenversammlung im Sophieusaal wendete sich der ehemalige Minister für soziale Verwaltung Schmitz gegen den Mißbrauch der Preßfreiheit durch die S k a u d a l p r e s s e, die leider auch in katholischen Kreisen Abnehmer finde, während die christliche Presse einen schweren Daseinskampf zu führen habe. Nachmittags fand ein Festzug und eine religiöse Feier auf de:u Heldenplatz statt, an der unter anderen auch Bundeskanzler Dr. R a m e k sowie die Minister Dr. R e s ch und Dr. Schneider teilnahmen. Kardinal Piffl hielt die Festrede, die durch acht Lautsprecher, die rings um den Komplex der Burg aufgestellt waren,, allen Teilnehmern deutlich zu Gehör gebracht wurde. In >der gestrigen Versammlung der Vertrauensleute der katholischen Organisationen behandelte Pater Wilhelm Schmitt das Thema: D i e K a 't h o l t ken u n d die Presse. Er verlangte die Unterstützung der christlichsozialen Presse und sprach sich dagegen aus, daß Kath-oliken, 'und r-n 'sb e so nd e r e Plolitiker. in gegnerischen Zeitungen Artikel schreiben. Buudespräsident Dr. Ha i n is cl) hatte sein Nichterscheinen bei der iFeftvemnstaltung mit dienstlicher Abwesenheit von Wien entschuldigt. Dv. Seipel in Knelsbnd. EMnzler Dr. Seipel ist gestern . mittags nach Znaim abgereist, wo er am dortigen Katholikentag eine Rede hält. Anschließend daran 'hält Dr. Seipel heute Dienstag im Deutschen Haus in B r ü u n einen Vortrag in einer Katholikenversamntlung und begibt sich sodann von dort zu einem vierwöchigen Kuraufenthalt nach Karlsbad. __ Seife in Paris. >. Paris, 29. Juni. (Del.-Komp.) Ministerpräsidenk Painleve empfing heute den Bürgermeister von Wien, S e i tz, der von dem österreichischen Gesandten Dr. G r ü nb e r g e r begleitet war. Bürgermeister Seitz wird an der Eröffnung des österreichischen Pavillons der internationalen Kunstausstellung in Paris teilnehnien. Für die AMebaag der Biehzölle. In der gestrigen Vollversamn:lung des Reichsver« lbaudes der Genossenschaftsverbände der fleischverarb.'iteuden Gewerbe führte Präsident S ch e d l die hohen Preise für das aus dem Anslande eingesührtc Vieh, auf^die großen Spesen zurück, die mit der Einfuhr verbunden sind. Ein rumänisches Mastrind von 788 Kilograuun Einkaufs- und 730 Kilogramnl Berkaussgewicht hat bis z.u dem Eintreffen au der österreichischen Grenze bereits 345,10 S. au Spesen, wozu uvch die hiesigen Auslagen in der Höhe von 195,04 S. komucen. Davon entfallen auf den Einfuhrzoll allein 62,60 S. und 26.28 S. auf die Wavenumfatzsteuer. 64 S. kostet die Fracht, der Rest entfällt auf sonstige Gebühren. Es verteuert sich also der Einkaufspreis um rund 7 4 Groschen für ein Kilogramm Lebendgewicht. Bei einem ungarischen Rind von 648 Kilogramm Einkaufsrmd 600 Kilogramm Verkaufsgcwicht stellen sich die Spesen bis zum Wiener Markt auf 212,58 S., bei einem jugoslawischen Rind von einem EinkanfLgewicht von 550 Kilogramm und einem Verkaufsgewicht von 500 Kilogramm, betragen die Spesen 180,70 S. Es Wurde schließlich eine Resolution angenommen, w der die Regierung anfgefordert wird, sofort eine S u s p e n d i e r u n g der Zölle a u f. L e b e n dv ieh für die Dauer der Wirtschaftskrise vorzunchmen, die Warenumsatzsteuer zu reduzieren, die Frachten Kr Lebeudvich zu revidieren, die zollfreie Einfuhr der Fettprodnkte sofort zu sistirren und die Ausfuhrsperre für Häute und Felle aufzuhöben.