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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-27 · Heft 2281 (27.6.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2281 (27.6.1925)
Date
1925-06-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, SamStag Wiener MornenzeitunA 27. Jum 1926 gilt Brief Balsams. In der in Beirut erscheinenden hebräischen Zeitung „Hvvtam HajisraeU" veröffentlichte Herr Elijah nach den peinlichen Zwischenfällen in Beirut ein offenes Schreiben an Lord Balfour, in welchem der Entrüstung über die Taktlosigkeiten der arabischen Nationalisten Ansbruck gegeben -v-urde. Lord Balfour antwortete mit einer längeren Zuschrift an die Redaktion des genannten Blattes, in welcher er nach einigen Dankesworten für die Shmpathiekundgäbung ausführtt ,^Jch umß hier nochmals feststellen, daß die unter dem Namen ,Dalfonr-Deklaration" bekannte Kundgebung nicht, wie ein großer Teil der Bevölkerung Erez Israels, Syriens und Libanons anninunt, die Meinung eines einzelnen Man ms, noch bloß die Meinung der englischen Nation allein, sondern den W i l l e n d e r R e g i e r u ngen ausdrückt, tvelche den Versailler Vertrag unterzeichnet haben. Möge es nun alle Welt zur Kenntnis nehmen: eher werden Himmel und Erde vergehen, als daß — trotz aller Aendernngen der Bedingnngen und der Regierungen — auch nur e i n Wort der Deklaration geändert würde." Balfour erwähnt in seinem Schreiben, daß er als er vor seiner Palästinareisc in England eine antizionistische Zeitung gelesen habe, den Eindruck hatte, daß alle Araber in Erez Israel geschworene Feinde der Juden; seien. Seine Erfahrungen im Lande haben ihn j jedoch überzeugt, daß „mit Ausnahme der Extremisten, die - i m Trüben fischen möchten," die überwiegende Mehrheit der arabischen Bevölkerung von dem ehrlichen Willen beseelt ist, mit den Juden in Frieden zu leben und an dem Aufblühen des Landes mitzuarbeiten. „Das sind wahre Tatsachen" — schreibt Lord Bal-; ifmix — „die ich während meines Aufenthaltes im Heiligen Lande mit meinen eigenen Augen wahvgenommen habe. Der Streik einiger Araber, die Proteste, Demonstrationen und Umzüge haben weder in England noch in Europa oder Amerika auf die öffentliche Meinung den Eindruck geübt, den sich die Veranstalter davon versprochen halben. Sie haben aber auch der arabischen Frage nichtden geringsten Nutzen gebracht, sondern lieferten den untrüglichen Beweis und schufen die Ueberzeugung, daß die Araber noch unreif sind für eine Selbständigkeit und Autonomie. Wollen die -fanatischen Araber in Evez-Jsrael gegen die Zionisten und den Zionismus kämpfen und sich die Zuneigung der Welt erwerben, so brauchen sie sich nur jener weißen Waffe ' bedienen, deren sich die Juden bedienen, um das Land zu - erobern und den Kampf mit der Bevölkerung auszunehmen. Ich gebrauche den Ausdruck „weiße Waffe", um zu sagen: wenn die Juden eine Universität in Jerusalem errichten, so müssen die Araber eine größere und schönere Universität gründen. Errichten die Zionisten verschiedene Fabriken im Lande, so mögen die. Araber es ihnen nachtun. Besitzen die Juden in allen Gegenden des Landes Kolonien, Gesellschaften für Handel, . Gowevbe und Landwirtschaft, so mögen sich doch die Araber bemühen, noch bessere zu schaffen. Nur bei einem solchen Konkurrenzkampf wird das Land einen Fortschritt und eine Enilwicklung, wie die europäischen Länder sie aufweffen, erreichen können. Dann aber wird die Blüte des Landes den Arabern und den Juden in gleichem Maße zustatten kommen." Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Wien, 27. Juni. * Eine 103 Jahre alte Fr«w. Am 24. d. feierte in Roschitz (Bezirk Horn) die gewesene Hausgehilfin Johanna Fleischer ihren 103. Geburtstag. Johanna Fleischer wurde am 24. Juni 1822 in Framersdovf in Mähren geboren Die Greisin ist geistig noch sehr frisch. Johanna Fleischer dürfte die älteste Einwohnerin Niederösterreichs sein. E * Ein idealer Aufenthalt ist die Hotel-Pension „Rudolfshöhe" in Bad Ischl. Schönste Lage, von herrlichen Nädelwaldungen umgeben. Täglich Künstlevkonzerte. Mäßige Preise/ * Das Wetter. Gestern -morgens war es meist trüb und kW, vereinzelt regnete es. Aus den Bergen bei HoMstein fiel Sch nee. Die Wetterlage zeigt noch immer ke in Mzeichen einer Besserung. Die Voraussage meldet: Im wesentlichen u nverändert. E * Erholungsbedürftige suchen mit Borliebe die bestrenommierte Pension LehnerinBadJschl. Brennerstraße 19, auf. * Bersckleißzeit der Trafiken am Montag. Wie uns der Reichsvevbano der Trafikanten milteilt, haben die Wiener Trafiken am Montag den 29. d. um 12 Uhr mittags zu schließen. E Viel Geld und Zeit sparen Sie, wenn Sie Wohnungen, Bureaus, Geschätshäuser, Kaffeehäuser usw. durch die epochale Erfindung „A b s o r!b i n e" reinigen lassen. Insbesondere für die Reinigung von verstaubten und rauchMchwärzten Tapeten, Wandmalereien und Stukkaturplasonds ist „Absorbine" ganz vorzüglich und unentbehrlich. Die Reinigung kann ohne Störung -des Geschäftes zu jeder Zeit staubfrei durchgeführt werden, so daß die ursprüngliche Malerei wie neu erscheint. Putzproben und Kostenvoranfchläge gratis. Anmeldungen sind zu richten an Karl Müller, 2. Bez., Nordlbahnstraße 19. Tsl. 40-8-76. * Rund um den Prater. Dieses Fest beginnt heute mn 4 Uhr mit Freikonzert auf verschiedenen Plätzen des Botts-. Praters. Die Konzerte in sämtlichen Etablissements beginnen um 5 Uhr nachmittags. Um 10 Uhr wird ein großer Zapfenstreich, von der Ausstellnngsstraße ausgehend, durch den ganzen Volksprater veranstaltet. E * Familienpension Grabner, Bad Ischl. Brcnnerstratze 21. Besteingeführtes Haus, erstklassige Verpflegung, schönste Lage, von herrlichen Nadelwäldern umgeben große, luftige Speise- und Gesellschaftsräume, aufmerksame Bedienung, zivile Preiie. * Veronalvergistngn. In einem Hotel im 2. Bezirk wurde gestern vormittags der aus Ka 1 towitz zugereiste Konzipient Henrik Sidon'iak in seinem Zimmer mit Zeichen einer schweren Veronalvergiftugn bewußtlos aufgefunden. Er wurde ln das Spital der Barmherzigen Brüder gebracht. Mitteilungen au» dem Publikum. WIENER & Co' BERLIN NW 7 UNTER DEN LINDEN 69 1099 Ankauf vor» Grundstücken Beschaffung von Bar- Hypotheken Wieder zu haben! | WH Bureau: Orig.frani.Zigareltenpapier JwD i»/r Die schönsten Grissonchevreaux-, Krokodil• und Eidechse-Sommermodelle ru besonderen Preisen lM Schuhhaus 661 Wien, I., Tuchlauben Nr« 16 fgtT Flechtschuhe in allen Farben und Kombinationen Gegr. 1884 Ältestes G«Ör- 1»»4 Wiener Restaurant KRZIWANEK Kfessveiier - Hölscher 1088 BERLIN NW 1 Friedrichstrasse — Ecke Mittelstraße 57/58, I, Nur eine Treppe Vorzügliche echt österreichische Küche, Pilsner Urquell, österreichische und deutsche Weine. Bürgerliche Preise rTMES-FMRIl I Telephon 89-1-23 Telephon 69-1-23 I H. 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I WerbetAbonneiltenfürdie I 1 „Wiener Morgenzeitung"! * Das Denkmal des Attentäters. Am 16. Juni vorige, Jahres wurde im Ballsaale des Viktoriahotels in Kanton eiu Attentat auf dem Generalgmwerrwur von Französisch Jndochina versucht. Der Generaksgouderneur, M. Marlin, bucl am Leben, doch büßten einige der Gäste ihr Lsben ein. Dei Attentäter entkam unerkannt und blieb verffch-wunden. Wie setz; erst bekannt wird, war es ein Annamit, der nach dom miß' glückten Atteniatsverfuch Selbstmord verübte. Seine Leich wurde von chinesischen Freunden verborgen gehallten. Boi einilger Zeit wurde sie beigesetzt und ei n De nkmal über dem Grabe errichtet. Die Inschrift auf diesem Denkmal hat kein ge ringes Aufsehen erregt, denn sie verherrlicht den Attentäter nnt Preist ihn als einen Märtyrer der Sache seines unterdrückte,, Bottes. * Ein verhängnisvoller Tellschuß. Wie das „Berliner Tageblatt" aus Rom meldet, hat sich in Filettode bei Genua eine an den Tellschuß gemahnende Tragödie abgespielt. Infolge einer Wette im Kasino machte sich der B-ürgerme'ifter des Ortes, ein früherer Offizier, anheischig, einem Freunde den Hut vom Kopfe zn schießen. Der Freund war einverstanden. Der Schuß ging aber fehl. In den Kopf getroffen siel der Mann tot zu Boden. Aus Furcht vor der Rache des Büvgerme-isters, der als ein überaus brutaler Mann bekannt ist, bewahrten die Zeugen der Tragödie strengstes Stillschweigen und man glaubte zunächst an einen Selbstmord, bis die Wahrheit an dm Tag kam. Der Bürgermeister von Filettole wurde verhaftet. _ Vereine, Vorträge und Versammlungen. M a i m o n i d e S - I n st i t n t, 3. Bez., Hetzgafse 40. Heute. 4 bis 5 Uhr, Rabbiner Dr. A. K a m i n k a, Sprüche der Väter. Montag, Vs7 bis 7,8 Uhr, Rabbiner Dr. A. K aminka, Koheleth (Schluß des Sommersemesters). — S e p h a rdisch-akademischerVereinEsperanza. Heute, 7a9 Uhr, „Parteiengruppierung im Judentum und die politische Lage im Zionismus". Hi Zionistische Ortsgruppe Baden. Aufführung des Palästina, film» „D a S L a n d derVerheißung" und die Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem durch Lord Balfour. Referat: Herr David Nebenzabl. Baden, Restaurant Stern, AntonSgasse 15, 27. d., 7-9 Uhr abends. Verein fiir imentgeltlichen Arbeitsnachweis, 2. Bez. Taborstratze 53. Tel. 40-3-16. In der Zeit vom 21. bis 20. d. waren angemeldet: Männliche Stellensuchender 964 aus den verschiedensten Branchen. W e i b» licheStellensuchende: 644 aus den verschiedensten Branchen. Männliche offene Stellenr 8 Vertreter, 1 Laufbursch, 1 Verkäufer, 3 Lehrburschen, 20 Praktikanten, 4 Herrenschneider, 1 Damenschneider, 1 Diener. Weibliche offene Stellenr 2 Stenotypistinnen, 7 HauSgehilfinnen, 6 Hilfsarbeiterinnen. 3 Lehrmädchen. 1 Stickerin, 1 Praktikantin, 3 Köchinnen, 1 Wirtschafterin, 2 Schneiderinnen, 1 Verkäuferin, 3 Serviererinnen. In derselben Zeit wurden vermittelt: Männliche Stellen: 1 Vertreter, 1 Laufbursch, 2 Lehrburschen, 3 Praktikanten, 2 Herrenschneider, 1 Damenschneider, 1 Diener. Weibliche Stellenr 1 Stenotypistin, 2 Hausgehilfinnen, 2 Hilfsarbeiterinnen, 1 Lehrmädchen, 1 Stickerin, 1 Köchin, 1 Wirtschafterin, 1 Schneiderin, 3 Serviererinnen. Die P. T. Arbeitgeber werden höflichst ersucht, sich im Bedarfsfälle an obige Adreffe zu wenden. Bühne und Kunst. „Der üReiftertom'. Schwankpremrere im Lustspieltheater. Stellen Sie sich vor, meine Damen und Herren, daß eia Pantoffelheld, der Marmeladefabrikant Breitenbach, von seiner Frau vegetarisch gefüttert, um auszuttreifm und seine Magenfrühest genießen zu können, sich für den echten Moisterboxer Breitenbach ausgibt, und seinen Freund, den Kanzleirat Wipperling, zu Extratouren verführt, wonach selbstverständlich nach deutschem Schwankrezept durch eine exotische Tänzerir: Verwicklungen hervorgerufen werden und schließlich Herz sich zum Herzen findet, das Ganze zuerst mit Spinat und Bitterwasser, zum Schluß mit Schweinskottelets und Bowle garniert, dann habt -ihr den Schwank von Otto Schwartz und Kar! Mat Hera, genannt „Der Meislerbvxer", fix und fertig. Leichte Sommerware, die iim Lustspiel-cheater tüchtig geklopfr wird, damit keine Motten sich e-imvisten können. Der Komiker Karl Knaack bummelt und bramarbasiert flo-tt durch die drei Atte, er ist wiEich lustig, denn er versteht sein Handwerk »md ist mit allen Salben der Berlegenhcitskomik geschmiert. Durchaus angenehm das ältere Paar Neffy Pu che r und Paul M ahr, idas jüngere Paar Emmh Pfeifer und Hans Kammauf, brillant poinrtterend das reizende, eben erst importierte Fräulein Stefa Bernhard als italienische Tänzerin. Eine Gestalt von rührender Einfachheit und Herzensgute Else Schilling, eine Schauspielerin. großen Stils, der nur die Rollen fehlen. Schade, daß man sie nicht auf einer großen Wiener Bühne sehen kann. Sie wäre «ine vortreffliche Ibsen- und Sirindberg^Jnterpvetin. o. r, mit Max Strang und Direktor I. Deutsch Zur Aufführung gelangt: „Dar Schneider als Qamelndarat** Eintritt frei 8206 Eintritt frei Hauta Samstag und morgen Sonntag um */,9 abends Jüdisches. Künstler-Kabarett (Astorla) Lustige Abende A«s Den Theatern. Burgtheater. Morgen, ’/a8 Uhr abends, „E i st Sommernachtstraum. Akademiethoater. Morgen, lA8 Uhr abends, ,K l e i n D o r rl t". B u r g g a r t e n (bei ungünstiger Witterung im Festsaal der Hofburg). Heute, 8 Uhr abends, Wohltättgkeitsakademie zugunsten des VenkionSkouds des Deutsche» SiolkStheaterS.

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