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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-26 · Heft 2280 (26.6.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2280 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Leite 2 Wien, Freitag .—IW!■»... ■ . — ....— — . hat. Die Demokratie Wirt» diesen Zivang verstärken müssen, um auch für die Zukunft jede Geheimniskrämerei zu unterbinden. Denn es geht jetzt in Wahrheit um den Frieden und um seine Verankerung im Völkerbund. Sie Union der SMttdnndligen. Warschau, 21 Juni. Di« neunte Plenarverfammluwg der internationalen Union der BAkevbundligen tritt hier am 5. Juli zusammen und wird vier Tage dauern. Dom Kongreß liegen hauptsächlich Fragen der Minoritäten vor. Der (von der „Wiener Morgenzeitung" am 10. d. mitgeteilte) Antrag der jüdischen VöHerbu ndliga in Oesterreich aus Bildung einer gemischten Kommission zur Schlichtung von MmovitätSbeschwerden desselben StaatSwestnS ist vom Äeneralsekretariat aus die Tagesordnung gestellt worden. Di« Delegation der österreichisth-jüdisthen Liga wird aus den Herren Dr. Baron und Dr. Karbach bestehen. Die britische Liga legt eine Resolution vor betreffend eine gerechte Behandlung der Ausländer, Auswanderer und Durchwanderer. Auf der Tagesordnung der Versammlung stehen u. a.: Das Genfer Protokoll, insbesondere der sogenannte Bierer- Pcckt, die Frage der Ein- und Auswanderung, die Frage der nationalen Minoritäten nach dem Vorschlag des Professors M a g y a r h (Ungarn), betreffend das für den Schutz der nationalen Minoritäten anzuwendende Verfahren, bk Frage des Numerus elaufuS und mehrere andere Fragen betreffend die Intensivierung der Propaganda zugunsten des VvllerbundeS und einer friedlichen Regelung internationaler Konflikte. Die österreichische DMerbmÄ>ligai wird duiG Dr. Du-Mtba und Dr. Kunz vertreten sein,, Die Schrecken der Sistgaskriezer. Abg. Dr. Seipel hat gestern dem Prasidervtrn des Nationalrates, Millas, eine an den Rationalrat gerichtete Petition der Oeisterreichischen Völkerbundl i g a überreicht. Die Petition betrifft den Abschluß des Abkommens betreffend das internationale Verbot des Gifigask-rieges und ersucht den Nationalrat, die Regievung auchu-fordevn, ehemögilichst zur Ratifizierung des Protokolls der letzten Konferenz zur internationalen Uebevwachuing des Handels mit Waffen und Munition, die in Genf ragt«, zu schreiten. In der Anlage zu dieser Petition wird unter anderem ausgeführt: Die Giftgastechnik hat sich seit dem Kriege so stark entwickelt, daß man heute mit Giftgasen rechnen muß, deren Wirkung die stärksten der im Kriege verwendeten um ein Hundertfaches übertrifft. Zwölf große Bomben, die über eine Millionenstadt durch Flugzeuge abgeworfen werden, vermögen alles Leben dieser Stadt in kürzester Frist zu vernichten. Nicht einmal die Keller bieten hier Rettung, denn das Gas ist schwer, sinkt zu Boden, dringt in die Tiefe und folgt den Ab- ZugsTanalen -unter der Erde. Selbst das pflanzliche Leben erlischt, Quellen und Grundwastax werden vergiftet. Die entsetzliche Konklusion, zu der die MAttars gelangten, ist die, daß in dem nächsten Kriege der Angriff und die Ze rstörung der großen, vol-ksreichen Städte, insbesondere der feindlichen Hauptstadt als des Sitzes der Regierung und der obersten Behörden, den schnellsten Erfolg versprechen. Die wehrlose ZivAbevAkkerumg, unschuldige Frauen und Kinder würden also die ersten Opfer des neuen chemischen Krieges sein und in grö ßerer Gefahr schweben als die bewaffnete Front. Lefteneich will jüdische Studenten ausschtteßen. Anträge des bÄrgerNch-demokVMschen Hoffmeister. *Auf dem eben beendeten Hochschultag hat der Rektor der Hochschule für Bodenkultur, der ehemalige Kandidat der bürgerlich-demokratischen Arbeitsparter Dr. Hoffmeister, eine Reihe von Anträgen gestellt, die ein offenkundiges Bekenntnis zum Hakenkreuz darstellen. So sollen nicht deutsche Studenten aus dem Ausland nur im RezipryzitatSvevhAtnis hinsichtlich der Studiengebühren, Laboratorien- und -JnftitwtStaM behandelt werden. „Es wäre auch zu erwägen, ob die Zulaffung einzelner Gruppen von solchen nichtdeutschen Studierenden aus dem Ausland nicht überhaupt unerwünscht ist, zumal einer Ueberfremdung der österreichischen Hochschulen nicht Vorschub geleistet werden darf." Es ist klar, daß sich ,-diest Erwägungen" nur auf die jüdischen Höver beziehen werden. Dieser Rektor hat ferner beantragt, zur Schaffung neuer Stipendien an alle an einem akademischen Nachwuchs interessierten öffentlichen und privaten Körperschaften einen Aufruf um neue Zuwendungen zu richten. Um die in diesen akademischen Kreisen gern gezeigte Anwendung des praktischen Antisemitismus zu verhindern, machen wir auf die freundliche Absicht eines neuen Schnorrfeidguges 'bei den reichen Juden schon jetzt aufmerksam. Arbeitslose im Grazer Gemeinderat. Während der gestrigen Sitzung des Grazer Gemeinderates versuchten etwa 70 Arbeitslose und Kommunisten, die sich auf der Galerie des Sitzungssaales befanden, die Verhandlungen des Gvmeinderates zu stören. Sie riesen Schimpfwort« iu den Saal mtd verlangten Arbeit und Lebensmittel für die Arbeitslosen. Der Bürgermeister ließ die Galerie durch AHze-i räumen. Wiener Moraen-ettrmg. /VSA/WWV Bequeme wwww Teilzahlungen! _ Efhmtnch nur ln Lüden mit diesem Schild Tflllllllllinilllllll Zentrale: Wien, I. Llebltfgaooe Slllllllinllllllllllfr Painleves Schwierigkeiten. Die Sozialisten bestehen auf der Vermögens' abgabe. Paris, 2S. Juni. (Tel.-Komp.) Haute nachmittags haben sich die Delegierten der vier Kartellfraktionen versammelt, um eine Erklärung der Sozialisten anzuhören. Diese haben darauf hingewiesen, daß das Referendum über die Fortsetzung der U n t e r st ü tz u n g s p o l i t i k negat i v ausgefallen ist. Die sozialistische Partei will insbesondere die gegenwärtige Finanzpolitik der Regierung nicht billigen. Falls sich die Regierung nicht zur Einführung einer Vermögensabgabe entschließen könne, fo müste das Kartell als ans gellöst betrachtet werben, Ser neue Rathenau-Prozeß. Küchenmeister und Brandt vor Gericht. (EigeNdienst der „Wiener Morgenzeitung".) Leipzig, 25. Juni. Vor dem Staatsgerichtshof begann heute der zweite Prozeß wegen der Ermordung Rathenaus. AngeKagt sind der Fabrikant Küchenmeister aus Freiberg i. S. und der Student Günther Brandt. Der erste re wird beschuldigt, das bei der Ermordung Rathenaus benützte Automobil geliehen zu haben. Die Anklage gegen Brandt lautet gleichfalls aus Beihilfe zum Mord, weil Brandt das Automobil Küchenmeisters den Mördern zuführte. hinter den. Zeugen ibefindet sich der im ersten Rathenau-Prozeß zu einer langen, Zuchthausstrafe vorurteWe Student Werner Techow, der in seiner braunen ZuchthauSkleidnng vorgesührt wird. Die beiden anderen direkten Mörder Kern und Fischer hatte» sich auf der Verfolgung in der Rudels bürg erschossen, die anderen Mörder konnten entwischen. Einigen gab Horchy Unterschlupf. Nach einer kurzen Vernehmung KücheittmisterS und Brandts, der sein politisches Glaubensbekenntnis ahlegte, wurde di« Oefsentlichkek ausgeschlossen, iveil er mit Rücksicht auf die Staatssicherheit nur unter Ausschluß der OeffenMchteit über die kameradschaftliche Besprechung ehemaliger Marineoffiziere, die Pfingsten 1923 stattfand, berichten wollte. Nach Wiederherstellung der öffentlichen Verhandlung gab Brandt eine Davstellung über seine Verhandlungen mit iKüchenmeifter wegen Ucbe rlassnng des Automobils, wozu Küchenmeister angab, daß er aus nationalen G r ü n d en Brandt und dessen Genossen nicht im Stiche lasten zu dürfen glaubte. Brandt will kurz 1 nach Abschluß des Rapallovertrages den bereits damals geplanten Mordanschlag auf Rathenau persönlich vereitelt haben. Er gibt an, daß er versuchte, d!« Mörder Rathenaus von ihrer Movdabsicht ab» gubringen, und daß er sich an den Kapitänleutnant Thyleffen wandte, in der Ueberzeiugung, daß dieser durch seine Autorität den Mord verhüte» werde. Ms er dann die Nachricht von dem Morde erMt, fei er aufs tiefste erschüttert gewesen.* Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er dann plötzlich noch Süddeutschiland verschwunden sei, 'behauptete Brandt, Norddeutschland hätte ihn dazu veranlaßt. Auf weiteres eindringliches Befragen gab er dann an, die Erstchvung, daß nach jeder solchen Affäre die Behörden zunächst nach den EhrhardEeuten fahndeten, habe ihn zu seiner plötzlichen Abreise bewogen, Drr-i deutsche Terrovstudenten vor dem Gowjetgericht. Berttn, 26. Juni. (Tel.-Komp.) Wie die Blätter aus Moskau berichten, begann gestern abends vor dem Obersten Gerichtshof der Sowjetrepublik der Prozeß gegen die drei der Organisation ,/^onsul" angehörenden deutschen Studenten Kindermanit, Dittm a r und W o l s ch t, die am 26. Oktober vorigen Jahres unter dem Verdachte der Spionage und der Vorbereitung terroristischer Akte auf dem Gebiete der Sowjetunion verhaftet avurden. Nach der Anklage waren die drei Burschen beauftragt, Attentate auf Stahlin und Trotzky auszuführen. Als Sachverständigen für die Tätigkeit politischer Geheimorganisationen in Deutschland hat das Gericht de« im Leipziger Tschekapvozeß zum Tode verurteilten deMchen KoWMUnisten sHe-inz RenWann VSWlapen. 26. Juni 1926 Nr. 2206 l.^r« .. ..... .. ... Set Srpreffer rannen,apf. Berlin, 25. Juni. Der .HauPtgcwährSmann der dentschnatioiialen Presto für ihre Enthüllungen über die Barmat-Affäre. ein früherer Angestellter der zmn Bavmat- .Konzevtt gehörigen Mevkurbank, namens Tannen zapf, wurde in der gestrigen Mendsitzung des Untersuchungsausschusses des preußischen Landtages als Erpresser' entlarvt. LS wurde in der Verhandlung des Untersuchungsausschusses folgendes ftftgestellt: Dannenzapf wurde am 15. Jänner 1925 von der Merkuvbank wegen feines Verhaltens fristlos gekündigt. Er stellte darauf hohe Geldfordcrungen und gab der Merkurbank bis zum 3. Februar Frist. Ms er das Gold bis dahin nicht erhalten hatte, ging er am 4. Februar zum Chefredakteur eines deutschnationalen Blattes und ^am folgenden Tage begann dieses Blatt eine Kampagne, offeü-- bar auf Grund der von Dannenzapf zur Verfügung gestelltest Mitteilungen, die sich seither zum großen Teil als unrichtig erwiesen haben. Ser Freund Ludendorffs. Die rühmliche Selbsthlographie des «Chinesen" Trebitsch» Lincoln. New-Aork, St. Juni. Seit einigen Wochen erscheint int „Wor^ eine Artikelserie aus der Feder des bekannten Hochstaplers Ignatius Trebitsch-Lincoln. Trevitsch-^Lincolbn war eine ZerÄang Mitglied des erAischen Unterhauses, später einer der Organisatoren des Berliner KaPP-Putsches, werktätiges Mitglied einer ganzen Reihe von nwnarchiistischen Verschwörungen, und wird auch beschuldigt, an der Ermordung MatteottiS teÄgenommen zu haben. Nun stellt er sich hu Morld" als Ratgeber Wu-Pei-Fus und als Ovg<nttsator der fremden--, namenttich englandfeindlichcn Propaganda in China vor. Im ersten Artitell erzählt er seine Karriere. Er entstamme einer armen jüdischen FamMe aus Paks in Ungarn rlnd hieß urlspvünglich Isaak Schlesinger. Er ging seinen Eltern nach London durch, wo er sich taufen ließ. Später st,Edierte er in Deutschland Theologie, dann kam er nach Kanada, wo er zmn Göttlichen gowähllt , wurde, und schließllich nach England. Während des Krieges gehörte er der eng-, lisch en Zrnsnrbehörde an. Hier erfuhr er Krivgsgche'immsie, die er dann den Deutschen verkaufte. Aber auch die Deutschen verriet er an die Engländer. Ms ihm der Boden in EnOaiw zu heiß wurde, fluchtete er ibach Amerika. Jngwffchon kam man in England seinen Wechselsälschungvn auf die Spur. Er wurde in Nvw-Nork ausgeforscht, verhaftet und au England ansgeiliefert, wo er zu drei Jahren verurtM wurde. Trebitsch lebt jetzt unter dem Namen Chee Lan in Chungjkinig und behauptet, der politische Ratgeber der AufftändSschen zu sein. In ChiMgking habe er den Berlchterstatter des ,MoÄd" kennen gelernt, dom er sich verpflichtete, fünf Artikel über seine Schicksale schveihen. ♦ tzeffas' Lobredner. Eür wildes Gericht für KaMar. Budapest, 26. Jwni. (Tel.-Komp.) Im November 1920 evmordeten Ovgova-nyer Gendarmen unter der Führung des Wachtmeisters Johann Zbona die Jzfaker jüdischen Bürger Alexander Bäck, Zoffan Paezel und Arpad Schmidt. Bor dem Mrliiärgevicht verantworteten sich im Juni 1928 die Mörder damit, -daß sie die Dat auf direkten Befehl des Oberleutnants Ivan H «j j a s verübt hätten, wa's auch gerichtsovdnungsgeMß als richtig feftgestellt wurde. Aus diesem Anlaß schrieb der rastenschützklerische Mgeordnete Lehol Kadar im rechtsradikalen Organ ,-Szoza.t" einen Artikel, worin er Iva« Heffas M Nationalheldeu pries, weil er die Ausrottung der Juden auf so nachdrückliche Art in die Wege geieitst habe. Me Staatsanwaltschaift erhob die Anklage gegen Le.hol Kadar wegen Lobpreisung eines Verbrechens und von Verbrecher«, Der Straffenai des Budapefter Gerichtshofes verham, delte heute diesen Prozeß des Abg. Kadar und vemrteküel den Angeklagtm wegen des Vergehens der Lobpreisung eines Verbrechers unter Berücksichtigung Mildernder Umstände" zu eineis Geldstrafe von — 500.000 K r o n e n. Sowohl der Verurteilte als anch der Staatsanwalt segtzn gegen das Urteil Berufung ein, Chinas Fordernngen. ' Zwei Note» der Pekinger Regierung. Peking, 24. Juni. (Reuter). Das M'misteriunr für auswärtige Angelegenheiten hat den diplomatischen Vertretern zwe i Noten überreicht. In der ersten werden die von den chinesischen Delegierten in Schanghai zur Regelung des Konflikts formulierten Forderungen, so insbesondere auf Schadenersatz, Gntschuldigtlng seitens der ouvo« päischen Behörden und Wiederansteillung der Streikenden neuerlich aufgenomnren, während in der zweiten Note die Aufhebung der Verträge gefordert wird. Blutige ZusMNmenstöffe in Hongkong. London, 26. Juni. Das Reutersche Bureau meldet aus Hongkong, daß dort bei einer Schießerei, ob-. 'wohl sich nur Chinesen an den Ausschreitungen beteiligten^ dreißig Chiuejeu getötet Md füebzig per-. LE MM», ..V

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