Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2280 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981365--23168-3010658- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
| polen: 20 flroszyl Wien: Zum Abholen ln der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol d schmied, I.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien! und Oesterreich monatlich 5 Schilling ' T sch echo- Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bet P r e 1 *» erhfthangen Vorbehalten Nr. 2280 Wiener Momemettuna Men. Freitag. 26. Juni 1921 IPrels 20 gI England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: -Mon. 170 Lei. BuIgarien-Mon.lOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Fahrgang Verständigung zwischen Polen und Anden. Günstiger Abschluß der Verhandlungen »wische« der Regierung und dem Wischen Klub. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 25. Ju-ni. Die seit längerer Zeit geführten UnterhandlMMn zwischen der polnischen Regierung und den parlamentarischen Vertretern der Judenschaft Polens find zu einem günstigen Abschluß gelangt. Darüber wird folgendes Communiqne ausgegeben: „Gestern fand die letzte Konferenz zwischen de>n Deputierten Dr. R e i ch und Dr. Thon und den Vertretern der Regierung, den Ministern Stanislaw G r a b s k i und, Alexander S k r z h n s ik i, statt, welche bis 12 Uhr mitternachts währte. Auf der Konferenz kam es zu einer völligen Einigung, welche sich auf die Beseitigung von Mißverständnissen und Schwierigkeiten bezieht, die bisher zwischen der polnischen und jüdischen Gesellschaft bestanden. Das Resultat'. dieser vollkommenen Verständigung wird sich in realen Tatsachen zeigen, die bereits in der Nächsten Woche in Kraft treten werden." Die Verhandlungen betrafen eine Reihe von Fordernden der Judenschaft Polens auf wirtschaftliche m nnd natio nalkulturelIem Gebiete. In wirtschaftlicher Beziehung sind es insbesondere die Bestimmungen des Zwangsto n n t.a g s ruhe g e s e tz e s, . - wo die Judenschast Polens infolge. der ihr durch das Rel'tgionsgesetz gebotenen Sabbatvuihe Erleichterungen anstrebt, ferner die jüngst erflossene Verordnung über die Revision der M o n o p o l k on z e fs i o n e n, Lei deren Handhabung die bisherigen Konzessionsbesitzer, wel-che zumeist Juden sind, Berücksichtigung finden wollen. Die nationalkulturellen FordHrungen, welche die Judenheit der Polnischen Republik durch ihre 'parlamentarische Vertretung aufgestellt hat, beziehen sich auf die Regelung des jüdischen Gemeindewesens, ferner auf das Schulwesen und!bie Sprachenfragen. Bei den Schulifragen handelt es sich einerseits um die rechtliche Stellung des von der Jndenfchast Polens erhaltenen Schulwesens, andererseits unt die Zulassung der Juden zu den staatlichen Schulen. Insbesondere halben die jüdischen Vertreter die Forderung ausgestellt, daß die Verordnung des früheren Unterrichtsministers Glombinski, welche den polnischen Hochschulen nach freiem Ermessen die.Aufnahme von Hörern zugesteht und in ihrer dehn'baren Fassung mehrfach zum Ausschluß jüdischer Studenten vom Hochschulstudium geführt hat, aufgehoben werde. Die sprachlichen Forderungen der Juden hängen zum Teil mit dem Schulwesen zusammen, hauptsächlich aber beziehen sie sich auf den verfassungsmäßig und durch das Miuoritätenrecht gewährleisteten Gebrauch der jüdischen Umgangssprache in Versammlungen und öffentlichen Veranstaltungen, der von den Lokalbehörden in vielen Orten gehemmt wird. Die nunmehr zwischen den jüdischen Vertretern und den Vertretern der Regierung getroffenen Vereinbarungen werden im Detail erst bekanntgegeben werden, sobald sie von der ' interministeriellen Sektion für die Angelegenheiten der Randgebiete und der nationalen Minderheiten sowie vom Plenum des Ministerrates bestätigt sind. Die Minderheitssektion tritt heute, der Mmisterrat Dienstag zusammen. Die Veröffentlichung der Verordnungen, welche durch diese Vereinbarung erforderlich wurden, wird demnach frühestens Mittwoch erfolgen. Der deutsch-polnische Zollkrieg. Berlin, 25. Juni. (Tel.-Komp.) Die Reichsregierung veröffentlicht eine Darstellung über den gegenwärtigen Stand der deutsch-polnischen Handelsvertragsver Handlungen. In dieser Mitteilung wird auf die von der polnischen Regierung erlassenen jüngsten . E i u s u h r- Verbote hingewiesen und es werden Gegenmaßnahmen von deutscher Seite angMudigt, wenn die polnischen Einfuhrverbote tatsächlich durchgeführt werden sollten. Um den Völkerbund. , — y. Wien, 26. Juni. Die im englischen Unterhaus geführte Debatte über die äußere Politik hat sich in der Hauptsache mit dem Sicherheitspakt beschäftigt. Die Abstimmung ist vertagt worben, Wohl deshalb, weil das Haus über den gesamten Komplex der Außenpolitik sein Urteil äußern will und die Lage in Ostasien und in Nordafrika von einer Klärung noch weit entfernt ist. Die breitgesponnene Aussprache gab jedoch Gelegenheit für die Stellungnahme der großen Parteien zu der Frage von Schiedsgericht und Abrüstung und alle hoben die schweren Bedenken hervor, die der Sicherheitspakt in der bekannt gewordenen Abfassung erwecken muß. Minister Chamberlain, der den Entwurf verteidigen mußte, "tat dies in außerordentlich vorsichtiger Weise und vermied jede Festlegung, sei es, weil er den Gang der Verhandlungen mit Deutschland nicht stören will, fei es, weil ein Teil der konservativen Regierungspartei selbst gegen den Vertrag opponiert und seine unklare Diktion bemängelt. Lloyd George und Mac Donald, die diese Schwächen schärfer herausarbeiten konnten, hatten leichte Mühe, diesen Pakt als eine Gefahr für die Welt zu erweisen. Der Entwurf hat aber dadurch höheren Wert, daß er die Einleitung von Verhandlungen bildet. Der in Deutschland regierende Nationalismus gerät allerdings in eine böse Situation. In den Wahlen zum Reichstag und zur Präsidentschaft hatten die Rechtsparteien lediglich von der billigen und propagandistisch wirkungsvollen Revanchephrase gelebt, die sie des' Effektes wegen auch noch antisemitisch aufputzten. Sie kommen durch ihren Sieg in die Verantwortung für das Verhältnis zum Ausland und in die peinliche Notwendigkeit, alle ihre schmetternden Fanfaren selbst zu entkräften. Sie müssen sich mit Versailles ausföhnen, sie müssen die Grenzen im Westen und im Osten anerkennen und dies als Voraussetzung für die ihrer Regierung abgeforderte Aufnahme in den Völkerbund. Der Pakt kann nicht so Vertrag und Gesetz werden, wie er vorliegt. Er wird abgeändert und vor allem eindeutig textiert werden müssen. Aber er zwingt den in Worten tatendurstigen, ansonsten aber sehr bedächtigen Nationalismus zu einer klaren Entscheidung. Antisemitismus, die Verbreitung der „Weisen von Zion" und die Abfassung von judenfresserischen Zeitungsartikeln mag den Ansprüchen des geistig minderbemittelten Chauvinismus genügen, der den Völkerbund als jüdische Erfindung verwirft und alles, was er nicht versteht oder was in die positiv schaffende Politik gehört, als ' Emanationen einer jüdischen Weltverschwörung ausgibt. Die deutschnationalen Hetzer müssen Farbe bekennen und deutlich sagen, ob sie sich für die Republik, fiir den Völkerbund und für die Garantie des Friedens erklären, und ob sie dafür ausreichende Bürgschaft geben wollen. 'Der Pakt hat sicherlich sehr schwere Mängel. Er will zu viel auf einmal und das ist immer von Uebel. Er schließt den Krieg nicht aus. Das ist die Aeußerung des Mißtrauens in die Kraft des Völkerbundes, ein vielleicht unangebrachtes Zeichen der Schwäche. Der Pakt bezieht sich auf die Friedensverträge, das Völkerbundstatut und die Schiedsverträge. Die beiden ersten sind organisch miteinander verbunden, die letzteren bestehen noch nicht. Das Völkerbundstatut bildet einen integrierenden Bestandteil der Friedensverträge, kann demnach für sich allein nicht in Frage kommen. Dies geschieht nur dann, wenn Deuffchland in den Völkerbund eintritt. In diesem Falle muß das Statut abgeändert werden und es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß bei dieser Gelegenheit auch die ersten Schritte zur Revision des gesamten Vertragswerkes mit allen seinen Annexen getan werden. Sicherlich würde die Aufnahme Deutschlands auf die gesamte Konstruktion des Völkerbundes zurückwirken. Es ist deshalb sehr angezeigt, immer und immer wieder die weit in die Zukunft hineinreichende Bedeutung des Sicherheitspaktes und der sich um ihn entwickelnden Auseinandersetzungen zu betonen. Der Pakt ist veröffentlicht worden und die Parlamente wevden ihn besprechen müssen. Es wird infolgedessen möglich sein, ihn in allen seinen Entwicklungsstadien zu verfolgen. Das ist ein Erfolg der Demokratie, die den Kabinetten eine sehr wichtige Konzession abgezwungen Mzierrvitlfch in Saloniki. Paris, 25. Juni. Die Agence Havas meldet aus Saloniki: Das Blatt „Jndependant" teilt mit, daß die O f f i z i e re der Garnison Saloniki beschlossen haben, den sofortigen Rücktritt der Regierung Michaloko- Pulos und die Bildung einer militärischen Regierung unter dem Vorsitze des Generals Pangalos zu fordern. Die Offiziere besetzten die Räumlichkeiten des Generalstabes, das Rathaus, die Bahnhöfe sowie alle militärischen Institute. Für die Presse wurde die Zensur eingeführt. Admiral H a d j i k i r i a k o s hat sich der Bewegung' angeschlossen und an den Präsidenten der Republik ein Telegramm gerichtet, worin er die Athener Regierung s ü r ab ge setzt erklärt. General Pangalos hat die Militärdiktatur proklamiert. lieber Saloniki ist der Belagerungszustand verhängt worden. Wie aus Saloniki weiter gemeldet wird, habe General Kerulis mit der dritten griechischen Armee alle öffentlichen Gebäude der Stadt und den Hasen von Saloniki besetzt. Meldungen aus J a n i n a zufolge hat sich auch die Garnison von I a u i n a der Revolution angeschlossen. Auch Athen in der Hand der Offiziere. Athen, 25. Juni. (Havas.) Die militärische Belvegung, deren Führer General Pangalos zu sein scheint, ist in Saloniki und in Athen ausgebrochen. Trpppen besetzten das Athener Post- und Delegraphenamt und beherrschen die VerbinduniM mit den: Innern des Landes. Das Ministerium hat demissioniert. Der Führer der republikanischen Union Papanastasiu hat die Bildung des neuen Kabinetts übernommen und den Führern der militärischen Bewegung das Anbot gemacht, am Ministerium teilzunehmen. Balsour für eine zweite Palästina' dellaration. London, 25. Juni. („Nowh Dziennik.") In einer Sitzung der Parlamentskommission fiir die Angelegenheiten des nahen Ostens nahm Lord Balfonr das Wort und wies in längeren Ausführungen auf eine Reihe von Mißverständnissen hin, welche aus der jüngsten britischen Politik in der Palästina frage entstünden sind.. Diese Politik habe große Beunruhigung in jüdischen und zionistischen Kreisen hervorgerufen. Die Ausführungen des Lordkanzlers gipfelten in der Forderung, daß die britische Regierung ein Memorandum herausgebe, in welchem neuerdings das Verhältnis der britischen Palästinapolitik zum jüdischen Nationalheim formuliert wird. Dieses Memorandum solle so abgefatzt sein, daß es alle in der letzten Zeit anfgetauchten Zweifel zerstreut und neuerdings das Festhalten Englands an dem im Mandat vorgesehenen jüdischen Nationalheim im Sinne der Balfour-Deklaration kundtut. kxkönig Huffein aus Ktzpern. Port Said, 24. Juni. Hier ist der britische Dampfer „DeM" von Akaba angekommen. An Bord befinden sich Exkönig Hussein von Hedschas, seine Gatttn Gallabella und sein Gefolge. Der Exkönig wich nach Zypern' gebracht. -er Sultan von MaroNa ans Fes geflüchtet? Paris, 25. Juni. (Tel.-Koinp.) Nach Blättermeldnngen aus Marokko hat der Sultan Fes verlassen. Man nimmt an, daß der Sultan diesen Schritt aus Gründen dör persönlichen Sicherheit rmternomime.n hat,