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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-25 · Heft 2279 (25.6.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2279 (25.6.1925)
Date
1925-06-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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/ GEe r4 Men, Donners >— - —... Sie Süden «ad das Schulwesen in Polen.*). Um eine unzweifelhaft« Antwort darauf zu fin-en, ob gegenüber den Juden an den polirischen Universitäten die PvvMtnorrn angewendet wird und auf welchen FÄultüten dies der Fall ilst, mußte Mm die Zahlen der jedes Jahr neu aufgenommenen Hörer naher betrachten. Leider oder werden diese Zahlen nicht veröffentlicht. Die Gesamtziffern, welche veröffentlicht werden, geben kein exaktes BÄd, da sich au den Universitäten noch Studenten befinden, tvelche zu der Zeit immatrikuliert wurden, da die Tore der Hochschulen noch allen offen standen. Dir. haben nur Ziffern für die Warschauer Universität, aus denen hervovgcht, daß im Jahre 1923-Ä4 Juden am die verschiedemn FaLultäten, in ganz verschiedenem Ausmaß ausgenommen wurden. Tabelle 4. Fakultät Katholiken Juden Andere Jmistische ... 783 326 32 1091 29,9 Philosophische .566 369 30 965 38.2 Pharmazeutische 48 10 3 61 16,2 Veterinärkunde. 29 4 2 35 11.4 Medizin . . .192. 19 21 222 8.5 1.586 728 96 2.410 30.2 Diese Tabelle beweist am lbesten, welchen Wert die GesomtHiffern haben. Nach den Gesamtziffern wurden im Universitätsjahr 1923-84 an der Warschauer Universität 30,2 Prozent jüdische Hörer ausgenommen. Ist das vielleicht wenig? Ist das nicht der beste Beweis, daß der Numerus clausus, Mischer angeblich gegen die Juden an der Warschauer Universität angewendet wird, ebne Verleumdung ist? ^trachtet man aber die Zahl der Ausgeuommenen nach den Fakultäten, so erkennt man, daß au der inedizrueschen Universität der Prozentsatz der aufgenommenen jüdischen Hörer nur 8,6 Prozent betragt, also lveniger als in der ruffischen Zeit. An der philosophischen FMrltat wurden jedoch fast zwanzigmal so viel Juden ausgenommen als an der medizinischen. Leider ist es rms unmöglich, die Ziffern über die -Juden zu erhalten, denen die Aufnahme verweigert wurde. Der Grund liegt entweder .darin, daß die Juden die Verhältnisse gut kennen und ihre Gesuche nur an die Fakultäten richten, wo man sie ohne weiteres aufmmmt, oder darin, daß sie gleich ins Ausland gehen, um dort an der Fakultät zu «studieren, an welcher sie irollen, oder vielleicht dorm, daß sie Furcht haben, aus, der Adwoifung ein Wesen zu machen und sich so die Tore der Universität gänzlich zu verschließen. Es genügt aber Nnchl, die öden angeführten Tabellen anzusehen, um zur Uebevzeugung zu kommen, daß an den Universitäten Polens irgend etwas mit den Juden nicht in Ordnung ist und daß man an gewiffen Fakultäten gewisse besondere Mittel gegen sie amwendet, besonders dort, wo tvonig Platz vorhanden ist, Mittel, welche sehr stark die Erinnerung an die ehemaligen russisch-zaristischen Methoden erwecken. Betrachtet man noch die Statistik der Polytechnika und der Spezialhochschulen, so festigt sich diese Ueberzeugung. Tabelle 6. 'Hochschule o» CO es 8 es 06 ct eo CT CT CT ** CT ec 8 8 A Warschcmer Polytechnikum . 23,2 Lemberger Polytechnikum. . 14,3 Warschauer Handelshochschule — Aeterinärakademie .... — Bergakademie. — Kunstakademie. — Pädagogisches Institut . . — Institut für polittfche Wissenschaften . — Agrarhochschule Warschau . — Zahnärztliches Institut . . — Prozentsatz der Juden — 20.0 16.7 14.7 14,7 6.3 9,0 13,9 13,9 13,4 — 4,7 4,6 6,8 — — 14.7 14,0 13,22 — — 1.1 1,0 — — — 8,7 8.3 5,3 — — 2.7 0,8 2,2 2,8 3.8 — — 0,6 0.1 0,02 — — 62,9 62,9 46,7 Sogar am zahnärztlichen Institut fällt der ProMtsah der Juden; wer sich der russischen Zeit eviupert und nrciß, daß die Dentisten ein' ausschließlich jüdisches Gewerbe war, der merkt sofort, daß dieser Rückgang kein natürlicher ist. Ebenso ist der verschwindend Weine Prozentsatz >der Juden an der Handelshochschule und an der Agrarhochschule kein natürlicher. Gewöhnlich wurde das damit erklärt, daß die Juden diese Hochschulen nicht beä«:if}cu; aber die Vorfälle in Du blany, dessen agronomisches Institut eiu Teil des Lemberger Polytechnikums ist, haben auf diese Frage ein helles Licht geworfen mip die wirklichen Gründe des winzigen Prozentauteiles der -Juden an diesen Hochschulen aufgeklärt. Die Gesamtziffer für sämtliche polnischen Hochschulen einschließlich der freien Universität in Warschau, wo selbstverständlich das Verhältniszu den Juden ein besseres war und der Prozentsatz jüdischer Hörer im Jahre 19Ä-S2 auf 48,1 Prozent kam (im Jahre 1982-29 sank er auf 40,3 und 1923-84 auf 34,8 Prozent), bringt dar Gerücht hervor, daß die Zahl der Inden au den Hochschulen, welche den Prozentsatz der Juden unter der Gosamtbevölikerung übersteigt, den jüdischen Bedürfnissen nach höherer Bildung voll etvtspricht. Tabelle 6. Jahr &eetubenUnCt bet 3ubeÄ Prozent 1921/22 38.904 8.124 24,0 1922/23 38.268 9.196 34,0 1922/24 38.157 9.661 25,0 9500 jüdische Studenten, das sind 26 Prozent der (Äsamtzahl, ist eirre recht schöne Ziffer, lvemr sie auch *) Siche „Wiener Marge nzeitung" vom 23. unto 34. d. i Wiener MoeftenzeltnnA. Wittcilunflcn ans dem Publikum. Wieder *u Heben i | Bureau: 8rt|. fr»L .. JV/Ö nie, iiii.»o<i|iui ii/2 Schmutzige Wände und Plafonds in Lekelen, Bureaus und Wohnungen, gleichgültig ob gemalt. gestrichen. Stukkatur oder tapeziert, werden nach eigenem Speafat Trocken*-Verfahr an ohne Störung im Betriebe, ohne Unordnung fm Haus in wenigen Stunden -------- gereinigt! --------- Probe Vorführung und Kosteitvor» •nschläie kostenlos und ohne Verbindlichkeit SCHAUER B WINTER •1/tTZk.eiAM. €h«m. Wandun I. Hhnmeipforigasse -2 511 Telephon' OftONDLICHE WOHNUNGS-REIN QUNQ wiei fussbodenreiben, -Einlassen Abziehen. 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Doch sie -beweist nicht, daß gegen die Juden keine Prozentual.-m an verschiedenen Fakultäten angewendet wird. Daher muß diese'Ziffer zergliedert tvevden, und dann erst wird klar, wo die Prozentnorm herrscht, und wofür eiu Kamps zu führen ist. Sein Ziel ist einfach. Wir wollen in unseren Rechten auf höhere Bildung allen übrigen Bürgern Polens gleichgestellt sein; überdies wäre es selbstverständlich nur recht und billig, daß am den Universitäten Lehrstühle für jüdisches Wissen geschaffen würden. . 8u de« Ruinen von Samaria verirrt. Gin Abenteuer des Barons Edmund Rothschild. Die jüdischen Kolonisten von Evez Israel sprechen noch immer vom Besuch des „N a d i f H a j e d u a h", von dem „bekannten WohMler", wie Baron Edmund, d e Rothschild im Bolksmund heißt. Eine Anzahl hübscher Legenden ist bereits über Edmund de Rothschild und seine Gattin im Umlauf. Während der letzten Anwesenheit Rothschilds in Erez Israel erzählte ein alter Kolonist aus Sichron Jakob die folgende Geschichte: Es ivar zur Zeit des ersten Besuches, ku>z vor dem Lag-Baomer-Feste im Jahre 1887. Wir Kolonisten von Sichren Jakob wußten bereits, -daß der Baron in Judäa wellte, doch ivar es uns noch unbekannt, wann er Samaria und die Kolonie Sichren Jakob besuchen wtrde. Bavon Rothschild kam .damals auf den Gedanken, uns zu überraschen. In Jaffa mietete er einen einfachen Wagen und gab dein Kutscher den Auftrag, ihn nach Sichron Jakob zu bringen. Der Kutscher kannte sich nicht recht aus und, ohne jemanden zu fragen, fuhr er in die entgegengesetzte Richtung. Er irrte lange um die Ruinen des alten Samaria herum, bis der Abend hereinbrach und die Sonne hinter den ephraimitischen Bergen berscht,vand. In Erez Israel ist die Abenddämmerung von kurzer Dauer, ihr folgt bald die finstere Nacht', und der Kutscher fuhr, selbst schon ängstlich geworden, Planlos über die Felder, immer nach der Kolonie Sichron Jakob ausschauend, die aber nirgends sichtbar war. Ein kalter Wind setzte ein und nahm immer mehr an Kraft zu. Baron Rothschild, dem die Sache zu dumm wurde, stieg aus, um selbst den Weg zu suchen. Iw Wind verlor er den .Hut, nach Mitternacht fiel ein dichter kalter Tau und Baron Rothschild mit bloßem Kopf und der Kutscher suchten noch immer in der finsteren Nacht den Weg nach Sichron Jakob. Zum Glück brachte ein Mann aus Jaffa die Mit? teÄung. daß der Baron unterwegs nach Sichron Jakob fei, und da er noch immer nicht kam, ahnten wir sofort, daß er sich unterwegs verirrrt habe. Sofort wurden berittene K o l o n i st e n in die Berge und in alle Wegrichtiingen ausgesandt, um nach dom Baron zu suchen. Im Galopp ritten die jungen Kolonisten durch die Nacht und riefen seinen Namen. Erst beim Morgengrauen stieß eine Truppe aus den Baron, der in feinem Wägelchen ganz _25. Juni 1965_Nr. 2879 durchnäßt ii n d nt ü de faß und vor Wrattigkeit e in> gefchlafen war. Mit großem Jubel befreiten die Kolonisten den in die Irre gegangenen Baron aus feiner vor. zweifelten Lage und brachten ihn triumphierend nach Sichron Jakob, wo die Kolonie schon in Angst und Un. geduld seiner harrte. Mer Lerbimdslas des Preußischen Landesverbandes. Berlin, 24. Juni. (I. T. A.) Sonntag trat der aus der Wahl vom t. Februar b. I. hervorgegangene erste Verbands tag des Preußischen Landesverbandes jüdischer G c m e i u d e tt im ehemaligen Herrenhaust zu feiner ersten Session zusammen. Der Vorsitzende des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde, Kamurergerichtsrat Loo Wolfs, er öffnete die Tagung mit einer feierlichen Ansprache; er begrüßte die erschienenen Delegierten sowie den Vertreter des preußischen Kultusministeriums, den Vertreter der Stadt Berlin, ferner die Vertreter des jüdischen Gemoindebundes von Sachfen-4lmhalt und des hessischen jüdischen Gemcindebnndes, und -führte dann unter artbetam aus, tote Der sammiliung verkörpere die preußische Judenhcit; ihr Ziel ist der Zusammenschluß aller deutschen Juden in einer großem deutschen Organisation. Der LandeSvevbartd wird als eine öffentlich-rechtliche Körperschaft auch die Vertretung der preußischen Judenheit nach außen sein, bis zur öffentlich-rechtlichen Regelung wird sreilich noch einige Zeit vergehen. Die Organisationsarbeit nach innen ist bereits getan, hoffen Nur, daß die Arbeit mit den Reichs- und Staatsbehörden bald pit Abschluß gebracht wird. Der VerbandStag ist die erste jüdische R c p r ä s e n t a u z in Deutschland, die aus allgemeinen, geheimen und direkten Wohlen hervorging. Wir werden nach parlamentarischer Gopslageicheit öffentlich tagen. Nachdem der Präsident des deutschen RaLbmewerbandes Dr. Baeck und Stadtrat Treitel im Namen deS Bürgermevsters von Berlin sowie die Vertreter des jüdischen Genteindcbnndes von Sachsen-Anhalt und des hessischen Mischen Gcmeindebundes, welche zum Ausdruck brachten, daß die Judcnhert ihrer Länder die Schaffung einer einheitlichen Organisation der ganzen deutschen Judenheit begrüßen würde, Ansprachen gchalten hatten, wurde zur Wahl des PräiftdiumS geschritten. Die Fraktionen hatten sich aus die folgenden .Herren geeinigt: Präsident Justizrat Sonnen seid (Liberale Bereinigung), Vizepräsident R. 21. Kollenscher (Jüdische Dollspartei), Direktor Ist Kahn (Konservative). Die Wahl erfolgte durch Zuruf. Der Präsident schlug vor, daS Präsidium durch Rabbiner Dr. Brauuschweiger zu ergänzen. Doktor Braunschweiger wird durch Zuruf gewählt. Es wurde dann eine vorläufige Geschäftsordnung angenommen Ulitd ein ifünfzehngliedviger Ausschuß zur Ausarbeitung der definitiven Geschäftsordnung eingesetzt.. Der Vorsitzende des Komitees des Landesverbandes Doktor Jsmar Freund erstattete hierauf den Bericht Mer die bisherige Tätigkeit des Verbandes. Er schilderte die B e r h a ndlungen mit den Reichs- und Staatsbehörden. Es schien mrgcLviß, ob Art. 137 der Reichsvorfaffung schon die öffentlich-rechtliche Stellung des Landesverbandes sichert, oder ob ein besonderer Staatsakt notwendig sei. Die Entscheidung wurde vcrzögerl, es mußten zuerst M c inun gsversch redenheiten zwischen dem Reich und Preußen aufgeKärt werden. Es muß zunächst noch der Zivcifel geklärt werden, wie weit der heutige Staat in Relig-ionsanigelegenhviten zuständig ist. Sicher ist, daß Reich und Staat sich positiv verhalten und schon heute den Landesverband in der Praxis als öffentlich-rechtliche Körperschaft behandeln. Der Redner .ging dann zur Besprechung der inneren Lage der Gemeinden über, die er zum Teil als sehr prekär schilderte. Mehr als 650 GMeinden sind direkt unterstützungslbeduvstig. 800 preußische Gemeinden entbehren der geistigen Vorsorge. 286 Gemeinden haben keinen Lehrer, 310 keinen einzigen KultuAbeamten, 426 keine Institute nach dom jüdischen Gemeindegesetz. Hilfe muß kommen, aber ohne finanzielle Hilfe des Staates kann man nicht existieren. Der Landesverband muß einigvoifen, um das Bostchende zu erhalten und Fohlendes zu ersetzen. Es muß eine einheitliche Steuerorduung durchgefühvt werden. Der Verband muß eine öffentlich-rechtliche Organisation mit Umlagerecht sein. Das JmanMntiiftevium hat in der Inflationszeit einigegriffen und für alle GlaübenAbekenntiüsse die Gehaltszahlung für je einen Geistlichen auf 2600 Seelen bewilligt. Dem Landesverband wurden damals 6,8 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Seit der Stabilisierung wurden die Leistungen eingestellt. f Es wird erüvartet, daß in di,efem Jahre die Frage der Staa tsleistungen zur Erledigung kommt. Die Synagogengemeinden sollen das Recht erhalten, die Steuern durch den Staat ein zu ziehen und der Staat wird ihnen auf diese Steuern Vorschüsse gewähren. Der Redner beklagte sehr die Verzögerung der' Angelegenheit des Landesverbandes durch eine kleine Minorität" orthodüMr Gemeinden, die ihr Vetorecht ausübt.. (Hört-Hört-Rufe.) Es wird Aufga'be des Landesverbandes fein: 1. Eine gemeinsame Steuevordnung durchzuführen. 2. Die Gehälter der Lehrer uitd Beamten zu regeln, 3. Ein Pensionsgesetz zu schaffen. Um v Uhr begann die Plenarsttzunig mit der Wahl der Rabbinervertreter im Rat. Gewählt wurden Dr. Baeck, Dr. Horowitz und Dr. Seligmann. Ms Stellvertreter wurden gewählt Dr. Rosenthal (Köln), Dr. Levy und Rabbiner W ilde. Ms Vertreter der Hochschulen wurden durch Zuruf getvählt: Professor Dr. M. Guttman« (Breslau),. Rabbiner Dr. Weinberg (Berlin) und Professor Docktvr Elbogen (Berlin), 4709^5

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