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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-25 · Heft 2279 (25.6.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2279 (25.6.1925)
Date
1925-06-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8879 Men, DvnikMay Wiener Mornen^eilunn. 25. iJun: 1985;ctte S f i i 3tonißif4e Sutrtifeltion Heute Donnerstag nz Jüdisches Maffeameettng -olel Soatineatal, Wim, r. »er., Taborftrabe Nr. 4 Sie Schichalsftage des Zionismus »>«">« "«u «-«»«- Nahum Goldmann,»--«« - Sberbaurat Robert Stricker, «,.» «„.,«. ««» Ser Anschluß - eine Gefahr für den Frieden Europas. None Erklärungen Benesch* Wer das österreichische Problem. Prag, 24. Juni. Im Außenausschuß des Pavlaments wurde auch in der Debatte über das Expose des Außenmimsters Dr. Benesch' das Verhältnis zu Oesterreich berührt. tt. a. besprachen die Abgeordneten Kafka, Czech und Hajn die Anfchlußfrage. Ferner behauptete Abgeordneter Dr. Czech, es sei ihm bekannt, daß in der Angelegenheit der Ernonmmg Habrmans znm Gesandten in W i e n der österreichische Einfluß in außerordentlich hohem Maße mitgespielt habe und daß eine gewisse Stellungnahme des österreichischen Außenministers M a t a j a voeliege, daß man die Person des Ministers Habrman rn gewisse Beziehungen zu den politischen Parteien in Oesterreich gebracht habe und daß man in einem gewissen Zusaumrenhang mit der österreichischen Sozialdemokratie als Oppositionspartei die Unmöglichkeit der Bestellung eines sozialdemokratischen Ministers zum Gesandten in Wien hervorgehoben habe. (Amtlich wird darauf hingewiesen, daß die österreichische Regierung, als um das Agrement für den Abgeordneten Habrman angesucht wurde, dieses sofort erteilt 'hat.) Dr. Benesch erklärte hierauf in Beantwortung der an ihn gerichteten Fragen mit Bezug auf die Fragen des Anschlusses und der Donankonföderation, daß er schon von allem Anfänge an den Standpunkt formuliert hübe, den die Regierung zu diesen Fragen einnehme. Es liege kein Grund vor, ihn zu ändern. Der Minister stellr ausdrücklich fest, daß die Tschechoslowakei auf diesem ' Standpunkte ununterbrochen beharrt habe. Wenn einfach konkret gesagt wird, daß eine solche Situation vorbereitet iverde, daß mit Hilfe von Experten einzelner Länder konkret in einzelnen wirtschaftlichen Fragen seitens Oesterreichs, seitens der Tschechoslowakei, F t a l i e n s und später auch seitens a n d e r e r S t a atenfoie ' ' -- * - gegenseitigen Verpflichtungen und Bedürfnisse werden geprüft werden, und wenn konstatiert wird, daß wir sortschreiten wollen darin, wie wir den letzten Handelsvertrag mit Oesterreich durchzuführen begonnen haben, so ist damit genügend gesagt, wir wir uns die Entwicklung und die Zusammenarbeit vovstellen. Es ist unzweifelhaft, daß ans diesen: Wege auch alle S ch w i e r i g k e i t e u O e st e rr ei chs, von denen seit einigen Jahren gesprochen wird, 1 b efe i tig t werden. Entgegen der Behauptung Dr. Kafikas, daß der Widerstand gegen den Anschluß Oesterreichs an Deutschland weder durch moralische, noch prinzipielle Gründe motiviert sei, erklärte Dr. Benesch, daß die Gründe gegen diesen Anschluß sehr moralisch und prinzipiell seien,, Vt die Befürchtung bestehe, daß ms diesem Anschluß lehr ernste Folgen für den europäischen Frieden entstehen /önnten. Mit Bezug auf die Minderheitsverträge betonte der Außenminister, daß alle Bemühungen der Tschechoslowaten bei den Friedensvevtragsverhandlungrn in Paris dahin gerichtet gewesen seien, die Minderheit s v e r t r ä g e so zu formulieren, daß die Tschechos l o w a!k e'! ihren Minderheiten immer mehr geben könnte, als in den Minderheitsverträgen enthalten fei. Nach der Schlußrede Dr. Benesch' wurde das Expose de? Minister? des AÄlßevn genehmigt. Ile Besetzung der Wiener tschechoslowakische» vefandtenpoftenr. Der Konflikt zwischen Dr. Benesch und den Sozialdemokraten beigelegt. Prag, 24. Juni. (Tschech. Preß.-Bur.) Der Konflikt des Dr. Benesch mit den tschechischen Sozialdemokraten wegen der Besetzung der Wiener tschechoslowakischen Gesandtschaft wurde im Zehnerausschuß der koalierten Parteien bei gelegt. In der gestern stattgefundenen Sitzung des Zehnerausschusses der koalierten Parteien im Abgeordnetenhaus wurde folgende Erklärung angenommen: Der zehngliedrige Ausschuß der koalierten Parteien int Abgeordnetenhaus verhandelte in seiner gestrigen. Sitzung unter dem Vorsitz des Abg. S t a n e k und in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Svehla sowie des Außenministers Dr/ Benesch über den Fall H a b rmann und stellte fest, daß weder Abg. Habrmann, noch die sozialdemokratische Partei für ihn sich um den Gesaudtschaftsposten in Wien beworben haben. Der Ausschuß stellte weiters fest« daß Minister Dr. Benesch bona f i d e gehandelt hat. Schließlich konstatiert der Ausschuß, daß infolge des Versehens im Verfahren gegen die Person des Abg. Habrmann dieser in eine unangenehme Lage versetzt wurde, was der Ausschuß wegen der Bedeutung und der Tätigkeit des Abg. Habrman aufrichtig bedauert. 6aranffrf *dite Paf urbufter. 2 Allerfeinste CurJM« Mataja« Pariser Reise. Der Minister des Aeußern ist nicht, wie amtlich angekündigt wurde, Dienstag abends, sondern erst gestern nachmittags nach Paris abge rafft. Der kurze Verzug der Reise halte sich als notwendig erwiesen, 'b*a die Großdeutschen hinter .der Pariser Exkursion des Außenministers irgend welche auschlußfeindliche Pläne vermuteten und vorerst zur Ruhe gebracht werden mußten. Dies geschah in einen: Ministerrat, der gestern vormittags im Parlament in Anwesenheit des gewesenen Kanzlers Doktor Seipel und der großdeutschen Führer Dr. D i n g- Hofer und Dr. Frank abgehalten wurde. Doktor Mataja gab den besorgten Großdeutschen die nötigen AnMrungen. Unterdessen versammelte sich der Ausschuß für Handel, wo die Sozialdemokraten die Gelegenheit zu einem Vorstoß gegen Dr. Mataja ausnützten. Es sollte dort die Verlängerung des handelspolitische n E r m ä ch-, tigungsge setze 's beraten werden, das dem Außenminister die Möglichkeit gibt, bis Jahresende Verträge mit fremden Staaten über die Regelung 'der 'Handels- und Berkehrsbeziehungen, ohne ein jedesmal das Parlament befragen zu müssen, im Verordnungswege in Geltung zu setzen. Die Sozialdemokraten 'beantragten" nun die Zurückstellung der Vorlage, weil Dr. M a t aj a auf Grund dieses Gesetzes auch Vorzugszölle mit den Nachfolgestaaten im Zusammenhalt mit der Völkerbundexpertise veveinibcvven und in Kraft setzen könnte. Auf diese Weise könnte Oesterreich in einen handelspolitischen Gegensatz zum Deutschen Reich geraten, das die Vorzugszölle mit Retorsionszöllen beantworten würde. Der Ausschuß, stellte auch tatsächlich die Beratung des Ermächtigungsgesetzes zurück. Aus diesem demonstrativen 'Mt erwachsen der Regierung keinerlei Schwierigkeiten, ba itt der nächsten Zeit sich >ka'UM die Notwendigkeit ergeben wird, irgend welche Handelsverträge im Verordnungswege in Kraft zu fetzen. ' . * Gestern um 1 Uhr 35 Min. hat- Minister Doktor Mataja seine Reise nach Paris angetreten. Er trifft dort mit den beiden vom Völkerbund für die wirtschaftliche Expertise bestimmter: Sachverständigen Prof. Ri st und Mr. Lahton, Herausgeber des „Eeonomist", zusammen. Mister'Lahton wird sich von Paris zunächst nach Genf und von dort nach Wien begeben. Da« mazedonische Komitee in Wien. Die Aufgabe der Mcncia Carniciu. Belgrad, 24. Juni. (Tel.-Kornp.) Der hiesigen Polizei ist ein Brief des bulgarischen Hochschülers Stanislaus Teodorow aus Wien an seinen Freund in Belgrad, dessen Nanre rwch geheimgehälten wird, iit die Hände gefallen. Der Brief gibt interessante Aufschlüsse über die Tätigkeit des mazedonischen K o m i te es in Wien. Darnach soll sich die Mörderin des Komitatschiführers Todor Panitza, Mencia C a r n i c i u, im vergangenen Jahre durch zwei Wochen in B e l g r a d aufgehalten haben, mit der Aufgabe, den bulgarischen Minister Obow zu ermorden und eine Proskriptio.nsliste der jugoslawischen Polizeiagenten, die dem mazedonischen Komitee besonders gefährlich sind, anzulegen. Der RSuber Ganeff. Sofia, 24. Juni. (Bulg. Tel.-Ag.) Der Räuber Ganeff, der seit längerer Zeit die Gegend von Haskowo und Kirdschali beunruhigt hat, ist in der Nähe der Ortschaft Susan: zusammen mit neun seiner Genossen umzingelt worden. Da sie sich weigerten, sich zu ergeben, wurde ein Gewehrfeuer gegen sie eröffnet. Hiebei wurden Ganeff und sieben seiner Genossen erschossen, ein anderer wurde schwer verletzt und sestgenommen Die Autonomie der Hatenkreurer. Was der deutsch« Hochschultag anstrebt. Gestern nachmittags fand die Schlußsitzung >des Hoch« fchültages der deutschantisemitischon Studentenschaft statt. Es wurde eiinv Reihe von Resolutionen bech losten, in denen vollständig die vom Hochschultag 1923 — wie es so schön auf völkisch heißt — für die D e u ts che r hal tu n g des Charakters der öste r r ei chrsche rf H ochschulen ausgestellten Grundsätze akzeptiert wurden. Mit diesen — so heißt es in der Entschließung.— erschien es nach wie vor 'unvereinbar, daß die akademischen Behörden solche Persönlichkeiten zu „A m tsverwaIter n" wählen, die diesen Grundsätzen widersprechen. In einer zweiten Resolution heißt es: „Im Sinne der Ausführungen des Altbundeskanzlers Doktor Seipel sind die Hochschulen Eigentum des gesamten deutschen Volkes; kein Staat, keine Regierung und keine politische Partei hat ein Besttzrecht auf die innere Gestaltung nuferer Hochschulen. Ihre Verwaltung und wirtschaftliche Führung muß ausschließlich ihren a u t o nomen K ö r p e rschaften Vorbehalten bleiben. Der Hochschultag spricht sich im Sinne des Referates des Altbundeskanzlers Doktor Seipel dahin ans, Laß im Rahmen der Hochschule jede parteipolitische Betätigung unbedingt zu Unterlasten ist. Er ersucht die akademischen Behörden .der österreichischen Hochschulen, einer Bereinigung, die irgend einer Partei eingefügt ist oder deren Namen trägt, oder deren Mitglieder ausschließlich solche sein können, die zugleich Mitglieder bestimmter politischer Parteien sind, die Anerkennung zu verweigern und keine 'wie immer geartete Betätigung zu gestatten. Der Hochschultag erachtet es als notwendig, eine ideelle und organisatorische ,/B i n d u n g" zwischen den deutschen Professoren und den deutschen Studenten der österreichischen Hochschulen unter dom Namen Verband 'der deutschen Hochschulen in Oesterreick) zu schaffen, die sich ständig mit den Fragen studentischer und hochschulpolitifcher Natur zu beschäftigen hat. Einer ständigen Arbeitsgemeinschaft, aus P r of es sore n und S t u d e n t e n gebildet, der auch das Recht gükommt, mit direkten Vorschlägen und Anträgen an die entsprechenden akademischen Behörden heranzutreten, obliegt auch die Aufgabe, alle Fragen des akademische n" Lebens zu behandeln und zu gestalten." Würde die österreichische Regierung . diese Forderungen erfüllen, so wäre dies gleichtedeiütend mit der Auslieferung 'des gesamten Hochschulwesens an einen Klüngel antisemitischer Studenten und der von ihm abhängigen Professoren. Die Gesamtbevölkerung hätte zu all dom Unfug, der an den Hochschulen getrieben wird, zu schweigen, müßte aber für die Kosten aufkommen, woran schon der Unsinn des Autonomiegeschwätzes deutlich erkannt werden kann. Diese Staat-im-Staat-Spielerei' ans fremde Kosten, diese Geliehrtenrepublik -ohne Gelehrte, die ' da verlangt wird, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die jungen Herren von ihren Drahtziehern zu Dingen angestistet werden, die sie in einen unheilbaren Konflikt mit der ganzen bisherigen Entwicklung dieses Staates bringen müssen. Und dies Wohl alles nur zu dem Zweck, damit kein Jude eine Professur oder eine armselige Assistentenodl"' Demonstvatovstelle erhalten sann. Hakentteuz und Fremdenlegion. Das Wiener Tagblatt der Hakenkreuzler veröffentlicht Mitroilnngen eines angeblich von der Marokkofront desertierten Fremdeulegionäxs Fritz S e v e k i n g aus Amsterdam. Dieser Mann erzählt, daß sich in der Freindenlegion Oesterreicher in sehr großer Zahl befinden. Gegenwärtig kämpfer: sogar drei Kölonialregimenter, das sind gut 3000 Mann, an der Front, die aus österreichischen Mannschaften bestehen sollen. In Algier stehen etwa 2000 Oesterreicher iu Legionsdiensten. Seveking erzählt weiter, daß die Franzosen die Hakenkreuzler als ihre heimlichen und besten Verbündeten b e z e i ch n e n. Deshalb sei bei den Legionären niemand so verhaßt und verachtet als die Hakenkreuzler. — Wie gesagt, das schreibt das Hakonkreuzlerblatt selbst. Umgestaltung der Amtlichen Nachrichtenstelle. Stoch in der Solnmersession des Nationalrates soll ein Spezialgesetz über die Ulnwandlung der Amtlichen Nachrichtenstelle, die unter Leitung des Hofrates Wirth steht, in einen selbständigen Wirtschaftskörper beschlossen werden. An der Spitze des neuen Unternehmens wird ein von der Negierung ernannter Direktor als Exekntivorgan stehen. Zur Kontrolle der Gebahrung wird, analog den Verhältnissen bei dem Wirtschaftskörper der Bundesbahnen, ein Verwaltnngsansschutz eingesetzt, dem Vertreter der Börse, der Handels- und Arbeitexkamniern, der Zeitungsherausgeber sowie der Organisationen der Jonrnaliften angehören werben.

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