Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2279 (25.6.1925)
- Date
- 1925-06-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sek« > Men, DonnerZteg JUWELIER MORIZ OESTERREICHER I# WlppilngmlraB« 29 Steter Etmgmng besondere oreüwerter Juwelen und Sltberwaren Grone* Uhrenlager 5! 12 Eigene» Atelier nur, den Sumpf von Kabarra sowie benachbarte Sanddünen urbar zu machen. Trotzdem aber der Bodonpreis zwei- bis dreimal höher als in der Vorkriegszeit ist, -wird noch genug Boden angcboten. Cs ist der tiefste Wunsch der jüdischen männlichen und ioerMchen Jugend unter den acht Millionen Juden Osteuropas, sich vn Palästina produktiven Berufen zu rvidmen, ein Volk von Bauern zu werden. Es bestehen heute mehr als hundert Mische Dörfer in Palästina, die sich von der syrischen Grenze im Norden bis nach Gaza im Süden erstrecken. Sie sind im Wachsen begriffen, mvd neue Siedlungen werden gegründet. Wie sind nun die finanziellen Aussichten? Ruht die landwirtschaftliche Kolonisation auf einer gesunden Basis oder ist sic ein künstliches Produkt der Philanthropie und wie ähnliche idealistische Gründungen zum Scheitern verurteilt? Darauf ist zu sagen: Me, die den neuen Typus der Kolonisation, den die Juden. pflegen, unmittelbar beobachtet haben, rühmen den Arboitscistr und die Froudigkcit des Volkes. Die jüdischen Siedler find 1. eng mit Natur und Boden verwachsen; 2. von geistiger Höhe; 3. durchdrungen von dem Bewußtsein, .daß sie der Vorposten der Bodonauslösung und die wirkende Kraft der ganzen Judenheit sind; daß sie das Prophetonwort und die Gebete von Millionen erfüllen/ Ihre Arbeit wird erleichtert durch geistige's Mitfchaffcn, veredelt durch das patriotische. Ideal. Die sind glücklich und sicher, daß sie nicht scheitern werden. Die Entwicklung bcx Industrie, obwohl nicht von gleicher Wichtigkeit wie die Landwirtschaft, geht doch schneller vorwärts und ist darumein größerer Faktor im Wachstum der Bevölkerung. Fast die gesamte noue Industrie in Palästina ist ein . Beitrag zum Aufbau des Jüdischen NatioElheims. Eines ihrer Resultate ist das staunenswerte Wachstum Tel-Awiws, der einzigen nur allein van Juden bewohnten Stadt der Welt. Infolge der Gründung.neuer Industrien ist auch die Zahl der Juden in Haifa von weniger als 2000 im Jahre 1920 auf mehr als 8000 im Jahre 1926 Miegen. Ta sich die jüdische Bevölkerung aus verschiedensten Ländern rekrutiert, wurde , ftüh erkannt, daß keine Einigkeit sein würde ohne eine gemeinsame Sprache, Dies^Sprache konnte nur die h e >b r ä i s ch e sein. So ist Hobra^ch endgültig als di» Sprache des jüdischen Volkes in Palästina festgesetzt worden. Die gesamte jünger« und der größte Teil der älteren Generation spricht hebräisch. Es ist die Unterrichtssprache in fast allen jüdischen.Schulen. Alle jüdffchen Zeitungen sind hebräisch geschrieben. Laut dem Palastinamandat ist Hebräisch ebenso wie Englisch und Arabisch eine offizielle Landessprache. Die hebräische Universität wurde dunch Lord Balfour am 1. April 1926 feierlichst eröffnet und bildet einen der wesentlichsten Teile des Jüdischen Nationalheims. Das sind, sästot Sir Herbert fort, im Umriß die Resultate^der bisherigen jüdischen Anstrengungen in Palästina. Sie sind beträchtlich Man geht nicht fehl, wenn man die jüdischen Investitionen im Lande aüs sechs Millionen englische Pfunjv beziffert. Bedeutsamer noch sind die geistigen und die moralischen Resultate, die sich quantitativ nicht abschätzen lassen. Die Mensche-nkräfte stammen meist, aus Osteuropa, die Gelder meist aus den' Vereinigten Staaten. - Das Mandat sieht das Bestehen einer Jewish Agency vor, die die Juden der gangen Welt und alle dem Wiederaufbau Palästinas sich widmenden Kräfte repräsentiert. Bi's eine solche Agency vorhanden ist, wird die Zionistische Organisation diese Funktion auSüben. Es scheint jetzt möglich, daß die Jewish Agency sich M> definitiv konstruieren wird. Einige arabische politische Führer hören nicht auf zu versichern, daß die Regierung Palästinas ihre Hauptanstvengung der Errichtung des Jüdischen Nationalheims widmet und die Juden in der Zuteilung von Land, in Zlingelegerrheiten der Erziehung, Beamtenernonnung usm. begünstigt. Bon jüdischer Seite wird Klage geführt, daß die Regierung den Artikel des Mandats betreffend Aufbau des Nationalheims sehr ungenügend erfüllt und alle Anstrengungen allein den Juden überläßt. Man mutz zugeben, daß die Klage der Juden mehr Berechtigung hat als die der Araber. Aus den angegebenen Gründen konnte die Regierung die Bestimmung der Zuteilung von öffentlichem Boden an Juden nicht erfüllen. Die ganze Bürde der Erziehung des jüdischen Kindes ruht allein auf den Schultern der Juden, auch tragen sie ihr Teil für da's arabische Erziehungswerk in Form von Steuerlefftuug bei. Bon den vielen sehr fähigen Juden, 'die sich für Regierungsstellen angeboten Haben, konnte nur . eine kleine Anzahl angeftellt werden, tveil man den Arabern gegenüber nicht ungerecht sein wollte, 1 Wiener MsvRrnzeltiMO. Die Folge alles dessen ist, daß die jüdische B c - w e g u n g eine s e I b st b e st i m mende geworden ist. Was nian ihr gegeben hat, war allein die moralische Ermutigung durch die - Balfonr - Dekkaratio >n und di« osffizielle Anerkennung der hebräische n Sprache, ferner die Möglichkeit, sich auf die Regierung Palästinas betreffend die Aüftechterhaltnng von Ruhe -und . Ordnung zu stützen. Im übrigen hat sich die jüdische Bewegung auf ihre eigenen innere« Hilfsquellen, ihren eigenen Enthusiasmus, ihre eigenen Opfer und eigenen Menschen verlassen nrüflen. Niemand kann Vorhersagen, was die Zukunft bringen wird. Es sind zu viele Faktoren wirkend, als daß man mit Sicherheit Voraussagen konnte, wie tveit die jüdische landwirtschaftliche und industrielle Kolonisation erfolgreich sein würde, welche Unterstützung aus anderen Ländern kommen, wie wirksam die eigene innere. Verwaltung im.Zusammenhang mit der Zunahme von Menschen sein wird. Cm. Fakwr spricht zugunsten des Z-MniftSerfolgeS; , der Aufbau des Jüdischen Nationalheims ist nicht die Arbeit einer Regierung gewesen; er ist nicht eine lünst« liche Konstruktion von Gesetzen und offizieller Fürsorge? er ist das Ergebnis der Energie, «ad.der Arbeit des jüdischen Volkes selbst. Sir Herbert Samuel schließt seinen Bericht mit einer Darstellung der gegenwärtigen Position der Arckber. Er stellt fest, daß das arabische Volk allmählich eingesehon hat, daß man es mit Geispenstevn, goschreckt hat. Es «kamen. keine bewaffneten Angriffe auf Dörfer seitens der Jungzionisten, cs schifften sich nicht 100.000 Jachen an einenr Tage aus, idäs Land wurde ihnen «licht fovtgenammen, Moscheen wurden nicht in Synagogen verwandelt, sondern im Gegenteil, es spielte, sich ei« friedlicher Aufbau ab, bei -welchem der arabische Bauer gewinnt, in-, >dom er durch Verkauf eines Teiles feines Bodens m die Lage versetzt wird, dan restlichen Teil gut zu bebaue« und Kapitalien anzulegerr. Mes wurde durch die Araberpresse und durch eine ihr befreundete englisch« Presse ungeheuer aufgebauscht. Die Amber verstehen endlich, was die Balfour-Döklaration will und was - sie nicht will, es ist keine Ursache mehr zu neuem Warm. Noch wurde eine Mitarbeit der Araber an' öffentlichen Angelegenheiten nicht erzielt, und es ist nicht vorauszusehen, wann diese Haltung geändert wird. Schuld ist auch. die politisch un.i nterc ssier te Haltung eines großen Teiles des arabischen Volkes. Leputlerter Grllnbaum bei Herbert Samuel. R. Jerualem, 22. Juni. Der hier weitende Deputierte des polnischen, Schms, I. G r ü n b a u m, iyurde ' vom Obevkommistär Sir Herbert Samuel in Audienz empfangen. In der Unterredung, die über eine halbe Stunde dauerte, wurden aktuelle Siedlungs- und E i n w a n d e r u n g s f r a g c n besprochen. Nachmittags war Herr Grünbaum Gast im Haust Sir Samuels, wobei die Besprechungen fortgesetzt wurden. Gvünbaum stattete auch dem Mitglied des Obersten Gerichtes für Erez Israel, Mr. B e n t w i ch, einen.Besuch a!b. Auch bei diesem. Anlaß wurden mehrere aktuelle Fragen, die mit der Kolonisation und Einwandeningsbeivegung in Verbindung stehen, besprochen. Stelgrube Aurwaudemug aus Mesopotamien »ach kre» gsrael. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Fast jede Woche verläßt eine beträchtliche Anzahl jüdischer Familien Bagdad, um nach Erez Israel auszuwand e r n. Die Hauptursache dieser Wanderungen liegt in der ständigen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Juden in Bagdad im Laufe des' letzten Jahres. Der größte Teil der Auswanderer gehört dem Mittelstände an. Wie die Dinge heute in Mesopotamien liegen, wird mit eurem weiteren Ansteigen der Ueberwanderung nach Erez Israel gerechnet. Ein Teil der Auswanderer verläßt auch deshalb Bagdad, weil den Juden dort nicht die Gelegenheiten geboten sind, ihren Kindern eine h e b r ä i s ch e E r z i e h u n g angedeihen zu lasten. Die Fortschritte auf diesem Gebiete in rez Israel ziehen immer größere Kreise von Juden des Orients außerhalb Erez Israels an. Ler Auskvhr in ßhina. Blutige Zusammenstöße in Kanton. Kanton, 23. Juni. (Reuter.) Eine nach Tausenden zählende Menge von chinesischen Studenten, Arbeitern, Bürgern und Soldaten durchzog heute die Stadt. Als der, Zug zur englischen Niederlassung kam, wurde seitens der Demonstranten das F e ü e r eröffnet. Englische und französische Marineschützen erwiderten' mit Maschinengewehrfeuer. Ein französischer Kaufmann wurde g e t ö 1 e t, ein englischer Zollkonrmistär und drei andere wurden verwundet. Der amevitanischc Koirsul in Kanton hat an all« - An»erikan«r die Arfffordevung gerichtet, die Stadt 31t verlasst«. Ernste Lage in Schantung. ' London, 24. Juni. (Tel.-KomP.) Nach Meldungen aus Schanghai spitzt sich die Lage in S ch a n t u n g immer mehr zu. 500 europäische Frauen und Kinder sind nach Hongkong abgereist. 26. Inn! 1926 Bfe. SCT r rGUMMISCHUHE_, Gummimäntel, Spielbälle und Gummiwaren alter Art zu Fäbriksprelsent SPIRMANN & HOROWITZ Wien, If. Bez.,Taborstrasse Nr. II b — Telephon Nr. 47*0-86 ßbamberlain über den Sicherheitspatt. Die Erklärungen des Außenministers im Unterhaus. London, 24. Juni. (Tel.-Komp.) Chamberlain hielt heute nachmittags vor einem dicht besetzten Haus seine angekündigtc Rede über die Genfer Sicherheits- Verhandlungen. Chamberlain erklärte: Mae Donald habe das Reparat iousproblem einer befriedigenden Lösung entgegengeführt. Als der Boden auf diese Weise vorbereitet gewesen sei, habe Mae Donald die Sicherheiten durch das Genfer Protokoll retten wollen. Das Genfer Protokoll hätte keine Lösung der Sicherheitsfrage gebracht. Es sei nur ein Schritt auf dem Weg zur Stabilisierung des europäischen Friedens und vor allem nur auf kontinentale Verhältnisse zugeschnitteu gewesen. Die Sicherheit des Kontinents interestiere auch England. Die Verpflichtungen Englands müßten sich aber auf die West grenze beschränken. Es dürfe sich nicht um eine einseitige Allianz handeln, die gegen eine oder mehrere Nationen gerichtet wäre, sondern um einen g e g e n s e i t i« genGarantievertrag, an dem alle Mächte beteiligt sein müßten, die früher im Kriege standen. Um neue Kriege zu verhüten, sei es wesentlich, daß Deutschland mit allen Rechten und Pflichten der anderen Mitglieder dem Völkerbund beitrete. Was die Garantie Englands anlange, so würde diese sofort in Kraft treten, wenn in Verletzung der Schiedsgerichtsvertrage und des Volke rbundv ertrag es eine der Parteien zu den Waffen greifen wüÄe. Die Rede Chamberlains fand ungeteilten Beifall bei der Regierungspartei, begegnete aber bei der Opposition eisigem Schweigen. Mac Donald ergriff unmittelbar nach Cham» berlain das Wort. Er erklärte, wenn England die westliche Grenze garantiere, so könnte das gleichbedeutend sein mit einer Kr iegs gar a ntie. Diese Behauptung suchte Mae Donald an Hand konkreter Kriegsmöglichkeiten zU beweisen, unter anderem mit der Eventualität eines russisch-polnischen Krieges, bei dem die Neutralität Deutschlands verletzt würde. Neutralität Englands gegenüber Chsmr. Bor seiner Rede Hatte Chamberlain Verschiedene Fragen beantwortet. Er erklärte, daß er Beweise dafür habe, daß die Wirren in China mit ausländischem Geld unterstützt würden. Was England anlange, werde es gegenüber den inneren Unruh c** Chinas strikte Neutralität wahren. Las Bertmuensvotum für Painleve. Die Mehrzahl der Sozialisten stimmt für die Marokkopolitik der Regierung. Paris, 24. Juni. In der Nachtsitzung der Kammer ergriff Mmistevprasident Painleve nochmals das Wort; er erklärte, der bon Franikreich an g e st rebte Frieden in Marokko werde der tverktätigen Bevölkerung des Rifgebietes die Mittel sichern, sich wieder zu erholen, und dabei Fez gegen jeden Angriff schützen. Die Rede Painleves «lachte gvoßen Eindruck und ihr ist es offenbar zuzuschreiben, daß die Mehrzahl der Sozialisten der vom Linkskartell erngebrachten Tagesordnung, die sich mit den Ausführungen Painteves im wesentlichen deckt, zustimmte. Die Tagesordnung wurde Mit 494gcgen 31 Stimmen angenommen. 37 Sozialisten enthielten sich der Mstrmnmng, zwei Sozialisten stinunten gegen die Reg'verung, Leon Blum stimmte für Painleve. Llr Schwirrigketten der deutschen Regierung. Di« Erhöhung -er Tahaf- und Btersteuer abgelehnt. Berlin, 24. Juni. (Wolff.) Im Steuerausschuste des Reichstages wurde heute die Finanzvorlage auf Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer mit 15 Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten, Kommunisten, BöMschen und Mrtschaftsparteiler gegen 13 Stimmen der übrigen Parteien abgelehnt. Finanzminister v. Schlieben hatte sich noch einmal für die Anuahme seiner Vorlage eingesetzt und erklärt, daß er im Falle einer Ablehnung nicht in der Lage sei, bcu Etat der Finanz- Verwaltung vorzulegen. Der Zolltarif. Im Plenum des Reichstages begann heute die erstd Lesung der Z 0 l l v 0 r l a g e.'Finanzminister Dr. S ch l i e- Kn begründete die Vorlage. Die Einfuhrverbote, erklärte der Minister, müßten verschwinden, wenn die Versuche, Deutschland wieder in die Weltwirtschaft einzureihe-n, Erfolg haben sollten. Deutschland müste eine Grundlage zu Larifverhandluntgen mit anderen Ländern erhalten. Die Regierung lege daher Wert darauf, daß die Vorlage mit aller Beschleunigung erledigt werde. Der Minffter spricht sich sodann für die Einführung der Getreidezölle sowie für den EiNheitStarif ans. . G