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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-25 · Heft 2279 (25.6.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2279 (25.6.1925)
Date
1925-06-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Sn&rgang 2 VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen KAFFEE iii ■ miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiii 40Prozent Ersparnis an Kaffeebohnen I erreichen Kaffeehäuser, Bars,Hotels etc. . mit der || „ETERNA-EXPRESS-KAFFEEMASCHINE" I^GEFIAWERKE fl.G.,WIEN,' Mandat und Verantwortung. —y. Wien, 25. Juni. Die Mandatskommission des Völkerbundes tritt morgen in Genf zusammen, um ihre Anträge fiir die Septemdersession des Plenums vorzubereiten. Die Tagesordnung steht noch nicht.fest und die Kommission wird sich zunächst nur mit den innerafrikanischen Mandatsgebieten zu befassen haben. Es ist allerdings evident, daß alle Beschlüsse, zu denen die Kommission.des Völkerbundes gelangt, b in dem gegenwärtigen Stadium der politischen Entwicklung nur provisorischen Charakter haben können. Eine Festlegung auf bestirmnte, für die nächsten Jahre unabänderliche Linien kann nicht erfolgen, da ja im Herbst dieses Jahres die endgültige Entscheidung über den Eintritt Deutschlands in den Pölkerbund zu erwarten ist. Dringt Frankreich mit seiner diesbezüglichen Forderung durch, dann wird Deutschland auch eine Vertretung im Rat des Völkerbundes anstreben und erhalten. In diesem Falle bekommt die Angelegenheit der afrikanischen Mandatsgebiete, die ja die ehemaligen deutschen Kolonien sind, ein von Grund auf geändertes Aussehen. Es wird, immerhin als möglich bezeichnet, daß sich die Kommission auch mit der Palästinasrage beschäftigen wird, da ihr eine Vorlage des englischen Kolonialamtes über die Gewährung einer Reichsbegünstigung fiir Palästina und ferner eine arabische Protestschrift zugegangen ist, die an das im Oktober des Vorjahres behandelte Memorandum anknüpst. Danrals wurde beschlossen, die Einwendungen des Persönlich anwesenden Oberkommissärs Sir Herbert Samuel, die nicht weniger als dreizehn handgreifliche Umvahrheiten feststellten, den Verfassern der- Eingabe mitzuteilen. Die arabischen Nationalisten haben nun neue Beschwerden vorgebracht. Bei ihrer Durchberatung wird der Kommission der Rechenschaftsbericht sehr-zustatten kommen, den Herbert Samuel aus Anlaß des Abschlusses seiner Dienstzeit als Oberkommissär seiner Vorgesetzten Behörde er- ■ stattet. Diese Bilanz spricht laut und deutlich — sagen wir gegen die Proteste der Araber und sie reiht sich sinngemäß den Erklärungen Amerys an die arabischen Abordnungen an. Was der Minister bei dieser Gelegenheit als ratio legis hinstellte, idas bekräftigt der Oberkommissär, der Leiter der englischen Verwaltung. England hat, so lautet sein Bericht,, für die, Juden nicht das geringste getan'. Der wirtschaftliche Aufschwung des Landes, den Herbert Samuel in so warmen Worten preist, ist ausschließlich der zionistischen Arbeit zuzuschreiben und jeder, der idiesen Bericht liest, muß von Respekt erfüllt werden für diese Leistung, die vollbracht wurde, obwohl sie auf keinem Punkt die Unterstützung der Mandatsmacht fand und obwohlalles Wohlwollen der britischen Administrative oritf den „anderen Teil der Bevölkerung" gerichtet waL. Es ist ja aus einem früheren Referat bekannt, daß die Palästinaregierung einmal in der Woche für die zionistische Vertretung Zeit zu einer Beratung hat. Wenn man nun liest, was alles für die Araber geschah, so hätten die. Juden, wie es scheint, einigen Grund zur Beschwerde auch in dem: Falle, wenn Palästina eine britische Kolonie wäre. Aber dieses Palästina ist Mandatsgebiet, ein Land, in welchem.England eine gewisse politische Funktion übernommen hat. Nach der eng- Herbert Samuels Rechenschaftsbericht. Sie Srsebniffe der Mischen Bollsencrgle. London, 23. Juni. (I. T. A.) Der Bevicht Sir Herbert Samuels Mer seine sünWhvige AlMtstütigkert in Palästina, den die britische Regierung foefoen als Weißbuch heransgegeben hat, behandelt nach den Erklärungen über das Ehurchillsche Weißbuch vom Jahve 1922 (siehe ,/Wiener MovgenAeitung" vom 23. Juni) die jüdische Einwanderung. Zur Zeit des Abschlusses des Waffenstillstandes zählte die jüdische GevALerung, die sich im Kriege offenlbar stark vermindert hat, etwa 55.000 Seelen. Es begann damals unter den Inden in der Welt ein Drang nach Palästina wirksam zu werden, der bis zum heutigen Tage anhäilt. Ein starkes seelisches Gefühl für Palästina herrschte unter den Juden all die Jahrhunderte hindurch; es vererbte sich von den Vätern auf die Söhne. Als erster Niederschlag des Gefühls wurden vor etwa vierzig Jahren dank der Energie und Qpfevwrlligkeit des Barons Gdmond de Rothschild.die ersten jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien in Palästina begründet. Gegenwärtig wird die Einwanderung durch Beitrage der Zionisten in der ganzen Welt finanziert. Der Antagonismüs und die Bersolgungen, denen die Juden in vielen Ländern Osteuropas ansgefetzt sind/ verstärkt den Strom nach Palästina, der, wenn er nicht geregelt werden würde, >das kleine,- unentwickelte' Land 'wirtschaftlich zerbrechen würde. Der PaWstmav erwaltung oblag die Ausgabe, diesen Strom der Lage gemäß einzuschränken. Diese Ausgabe, ist nicht leicht, da man nie -präzis den Arbeitsimarkt abschätzon kann. Die in der Welt herrschende wirtschaftliche Depression im -Jahre 1923 hatte zur Folge, daß in Palästiua damals ■ etwa 2000 .jüdische Arbeitslose gezählt wurden. Im folgenden Jahre hatten alle diese Beschäftigung und es herrschte Bedarf nach weiteren Arbeitskräften. Zwischen dem 1. September 1920 «nd 28. Februar 1925 wanderten insgesamt 48.252 Personen in Palästina ein; von diesen waren 46.225 Juden und 2027 Nichtjudeu. Bon dm 31.542 Juden, die zwischen 1. Jänner 1922 und 28. Februar 1925 einwanderten, waren 12.944 Männer, 10.119 Frauen und 8479 Kinder unter 16 Jahren. 32 Prozent der seit Jänner 1922 Eingewanderten gehören der Arbeiterklasse an. Die jüdische Bevölkerung, die nach dem Waffenstillstand 55.000 Seelen zählte, war im Oktober 1922 auf 84.000 . und im Marz 1925 auf 108.000 angewachsen. Die Inden Palästinas weisen verschiedene Typen auf. Sie unterscheiden sich in ihrer religiös-orthodoxen Auffassung, in der Charakterbildung, die von den verschiedenen Herkunftsländern beeinflußt ist, sowie in ihrer Stellungnahme zu sozialen und politischen Problemen. Es sind dort Juden aus Buchara, Persien und Irak, akademisch gebildete Männer und Frauen aus New-Aork und Chikago, Juden aus Jemen, die sich in Silber- und Elfenbeinarbeit sowie in der Lan-dwirtschast auszeichnien, landwirtschaftliche Sachverständige aus dem College de. France, Ingenieure aus Deutschland, Bankiers aus Holland, Fabrikanten und Kausleute aus Polen und Rußland. Es sind dort Studenten, Schriftsteller, Merzte, Rechtsanwälte, Architekten, Musiker, soziale Funktionäre ans Ost- und Westeuropa, aus Asien und Amerika. Wenigstens die Hälfte der gesamten jüdischen Bevölkerung stammt ans Osteuropa und ist in der Mehrzahl streng orthodox. Drei Viertel der Juden lebten in Städten, ei« Viertel in den landwirtschaftlichen Kolonien. Die zionistische Bewegung legt das -meiste Gewicht die landwirtschaftliche Kolonisation und 'hat auf diesem Gebiet größte Anstrengungen gemacht. In der ganzen Welt wird zum. Fonds für La-ndkaus bei- . getragen. Die gesamte L a n d f l ä ch e P a l ä st i n a s wird auf. i.ÖTO ÖO Quadrat M eilen geschätzt. Große Strecken entfallen auf Berge und Dünen, rm Süden auf Saudwüsten. Bor dem Kriege waren 177 Quadvatmteilen! in jüdischem Besitz, jetzt sind es 319 Quadratm eilen. Das sind 6 Prozent des anbaufähigen Bodens. A r i i k e l 6 d e s M a n.d a t s schreibt der Administration vor, .„ohne die Rechte und Öe« Wohlstand der übrigen Teile der Bevölkerung zu schmälern, die jüdische Einwanderung zu erleichtern und zu ermutigen, sowie zusammenhängendo Siedlungen der Juden aus dem Lande, einschließlich Staatslaud und Qedland, do!s für öffentliche Zwecke nicht gebraucht wird, zu fördern". - Es wirr nicht möglich gewesen, die Bestimmung zu verwirklichen« Auf dem größten Teil des S t a a t s l a n d e s haben sich a r a b t s ch e Siedler niedergelassen, man kann nicht ohne Härten und ohne den ersten Teil der Klausel zu verletzen, der zu ihrem Schutze angerufeu werden kann, die arabischien Siedler von diesem Boden entfernen. Der Rast des StaatÄandes «ist aber unbowässevt und steinig. Möglich war lischen Version soll in Palästina ein jüdisches Nationalheim errichtet werden, nach der Meinung des jüdischen Partners soll Palästina zum jüdischen^ Nationalheim gestaltet werden. Zwischen diesen beiden Auffassungen besteht ein sehr großer Unterschied, den einmal der Völkerbund wird aufklären müssen. Aber selbst wenn man die britische Version, die inzwischen Amery bis zum kulturellen Heim verwässert hat, akzeptieren würde, so hätte man ein Recht, eine tatkräftigere Förderung des jüdischen Werkes durch England zu verlangen. Staatsdomänen bekommen die Juden nicht, die Legionäre erhalten kein Land, die Einwanderung wird kautschukartig von den „Verhältnissen des Arbeitsmarktes" abhängig gemacht, Subventionen werden nicht gegeben, das Schulwerk und die sanitäre Fürsorge besorgen sich die Juden selbst. Artikel 2 des Mandates sagt: „Der Mandatar soll dafür verantwortlich sein, daß das Land unter solche politische, administrative und wirtschaftliche Bedingungen gestellt wird, welche die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte sichern." Der Bericht des scheidenden Oberkommissärs läßt erkennen, daß erstens die Definition Amerys unrichtig ist und daß zweitens die Verantwortlichkeit Englands von «den entscheidenden Stellen nicht ganz richtig aufgefaßt wurde, wenn man dies nämlich vom Boden des Mandates aus betrachtet. Aber wo ist das Mandat hingeraten? Wir wissen wohl, daß England die verantwortliche Mandatsmacht ist und wir sind mit den Schwankungen der. weltpolitischen Verhältnisse zur Genüße vertraut, um zu erkennen, daß nicht alles unseren Wünschen untergeordnet werden kann. Aber so genau wir dies er-, kennen, ebenso genau müßte die britische Regierung erkennen, daß das Mandat ein Vertrag ist . und daß der Vertragspartner die Zionistische Organisation, die laut Artikel 4 anerkannte Jewish Agency ist. Wenn man von ihr Vertragstreue fordert, und mit Recht fordert, so kann diese Zionistische Organisation auch ihrerseits die möglichste Einhaltung, des Artikels 2 verlangen. Palästina ist nicht Togo o,der Kamerun. An Palästina ist eine Nation interessiert, die in allen Ländern lebt und deren Freundschaft kein wertloser Glasscherben ist. Diese Nation hat gezeigt, daß sie staatsbildende und staatsbauende Kraft besitzt. Wenn Lord Balfour enthusiastisch erklärt, daß Palästina in einer bisher unbekannten Wohlfahrt lebt, wenn Herbert Samuel feststellt, daß der hohe Stand der Wirtschaft von den Juden allein gesichert wurde,. so ist das ein Beweis dafür, daß das Judentum ein politisches Kraftzentrum bereits besitzt, für dessen Energie alle jüdischen Bolksteile mit Nerven und Gehirn sich einsetzen. Sie wevden unter der Anleitung der Zionistischen Organisation dafür wirken müssen, daß diese verheißungsvollen Ansätze nicht unter - Wasser gesetzt werden. Kleider-Voile mr X 9.800 M Schiffmann II. Taborstra8e 48 Talanhon 47*1-7» Kn «ros in datail A

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