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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-24 · Heft 2278 (24.6.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2278 (24.6.1925)
Date
1925-06-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. SS73 men, Mittwoch OTTO OTTO Zur Ausübung meiner Tätigkeit habe loh miah in Berlin niedergelassen und behandle In dem ärztlich geleiteten «MüsslLck, Bstolalirin Tel. BUm. sasa G. «. b. H. Tel. BUm. sasr Berlin,KurfUrttendamm62 Behandelfwerden mit ärztlich nachgewiesenen Erfolgen selbst SHMAklUk — k « a - » . Voruntersuchung durch ärtzl. Autorität täglich von 10-1 Uhr Qemttts*Lelden Ifdiias / Neuralgie Neurosen Nervöse Koptfditnerzen Lähmungen usw. Meine Brosdtflre „Die Heilung der Seele4* 1094 Ist zum Preise von M. 2.— bei obiger Adresse beziehbar La« Hakenkreuz aus den Berge«. Der Wiener Gemeinderat beschloß gestern, idem Arbeitertouvistenverein Die Naturfreunde eine Subvention von 10.0 0 0 Schilling zu widmen. In der Debatte bemängelte der Christlichsoziale Wawerka, daß der TouristenUulb, de>r Alpenverein und der Gebirg-sverein leer ausgehcn. Der Sozialdemokrat Hieß erwiderte: Solange die bürgerlichen Tonristenvereine den A r i e rparagraph haben und andere nach den Schönheiten der Natur sich sehnende Menischcn von der Benützung der Schutzhütten ausgeschlossen werden, können wir diesen Vereinen keine S u b v e n t i o n der Ge »winde gewähren. Es gibt eine Reihe von Schntzhütten der bürgerlichen Vereine, die m i t d e m Hakenkreuz geschmückt sind, wo offiziell Ansichtskarten mit dem Halenkreuz verkauft werden und wo streng darauf geachtet wird, daß kein anders denkender Tourist hinkonmit. Solche Organisationen kann die Gemeinde' nicht unterstützen. Ae erste Generalversammlung des österreichischen Hechalnz. In der Zeit vom 30. Mai bis 1. d. tagte in Wien die erste Gcneratveriammlung des österreichischen Hechalnz. Etwa 70 Delegierte sowie zirka 1'50 Gäste nahmen an der Tagung teil. Der deutsche Landesverband Hechalnz hatte Dr. Eli Ascher als seinen Vertreter delegiert. Nach der Begrüßung crstatt-ote Leo Kaufmann den Generalbericht über die aibgelansene Arbeitsperiove. Der Bericht gab ein Bild über die Entwicklung, die der österreichische Hcchaluz im letzten Jahre zurückgolegt hat. Die Organisation, die vor einem halben Jahre 160 Mitglieder umfaßte, zählt heute 67 0 Chaluzim. Ta in der Zwischenzeit über 100 C h a ln z i m n a ch P a l ä st i n a abgeschickt werden konnten, sind in dieser Zeit über 500 Chaluzim neu in die Organisation ausgenommen worden. Int Mittelpunkt der Arbeit stand die landwirtschaftliche B ernfsa u s>b ildu ng. In der Berichtszeit hat der Hechalnz an über 250 Chaluzim lan dwirtschaftliche L e h r ste l l e n vermittelt.' Für weitere hundert gelang es, Arbeitsstellen anszusiuden, die noch im Laufe des Monates Juni zur Besetzung gelangen. Einen breiten Raum nahm arrch die geistige B o r b e r e i t u n g ein. Insgesamt .wurden im äbgelanfenen Halbjahr 121 Borträge über allgemeine und sachliche Themen veranstaltet. Es hat im Laufe dieser Zeit eine starke Kwnzah -G ewe gn ng eingesetzt, so daß heute über 350 Ehalugim (über 53 Prozent der Gesaintzahl) in 19 Kwuzoth organisiert sind. Jur äbgelausenen Halbjahr wurden 262 Chaluzim in den der Chaluzovganisatibn zur Verfügung stehenden Räumen nntergeibracht, darunter befanden sich 8 Kwuzoth mit 147 Mitgliedern. Zirka 39 Prozent aller Mitglieder haben somit von der Challuzorganisation kostenlos Wohnung erhalten. Eine große Zahl von ihnen wurde ferner mit Kleidung versehen. Insgesamt sind zirka 60 Chaluzim für die Hachscharah ond Aliah eingekleidet worden. Alle diese?lrbeiten wurden mit sehr geringen finanziellen Mitteln durchgeführt. Das monatliche Budget der Chalnzorganifation betrug zwölf Pfund. Nach einer eingehenden Debatte über den Bericht wurde der bisherigen Leitung mit Dank nnd Vertrauen die Decharge erteilt. Der folgende Teil der Tagung war der Besprechung über die Richtlinien für die zukünftige Arbeit gewidmet. Es wurden folgende Resorate gehalten: Ing. agr. I. Hute rer: Die landwirtschaftliche Hachscharah: Ing. Engelberg: Die handwerkliche (städtische) Hachscharah; Fanny Wechsler: Die Hachscharah der Mädchen; Kurt D e tt t \\ ch: Die Arbeit der Wirtschaftsstelle; Leo Kaufmann: Die Zionistische Weltsitnation und das Wesen nnd die Ausgabe des Hechal»z; Israel Kohn: Geistige Erzichung; Menachenr Schapira: Die Anfgaben Kwuzoth und Kibuzim im Hechalnz; S chn i t tl i ch: Die Aufgaben der Jugendbünde im Hechalnz; Sanl W e i n r e b: Die Lage in Erez Israel und die Prinzipien der Aliah. Die Tagung faßte sodann die Resultate ihrer Beratungen in einer Reihe von Beschlüssen zusammen, nnter denen der Beschluß hervorzuhe'ben ist, daß die laliMvirtschastliche nnd handwerkliche Hachscharah nnd Aliah nach Möglichkeit in Kwuzoth und Kibuzim erfolgen soll, ferner wurde die 'neue Konstitution des Hechäluz angenommen, in der festgelegt wnrde, daß Mitglied der Chaluzorganisation nur derjenige iverden kann, der sich.verpflichtet, nach seiner Ankunft in Palästina in die Gesamtorganisation der jüdischen Arbeiterschaft Erez Israels einzutreten. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurde folgende Zeitung gewählt: Leo Kaufmann, Ing. I. Hnterer, Ing. N. Eng elb erg, Israel Kohn, Dow H i rs ch, Robert Grad, Stella Denker, N«than Tennenbaum, Helly Käufer, Anny Zetkin. Wiener Moraenzettims._ ~ 24. Juni 1025 _<Ie«e 3 M Tschechoslowakei wird fich wehren. Benesch über die Hakenkreuzhetze. Das 'Expose des tschechischen Außenministers Benesch über die Genfer Beratungen des Bölikevbundes enthält nebst einer gehauen pragmatischen Darstellung der Verhandlungen über die öste'rveichische Frage.auch eine scharfe Erklärung an die österreichische O e f f e n t l i ch k e i t, an der keine Regierung Vorbeigehen kann. Der Minister hat ausführlich dargelegt, wie sehr er sich in Bukarest und in Genf, in den Verhandlungen mit Italien und nnt dem österreichischen Außenminister M a t a j a um die Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen nnd nm d i e S: ch e t u ngdesSanieru n g swerkes ibemüht hat. Seine Darlegungen bestätigen nur die Auffassung, daß Benesch sich immer als Freund der österreichischen Republik bewährt hat und daß er in der Herstellung eines normalen Vertragsverhältnisses zwischen den Snkzession'sstaaten nnter Einbeziehung Oesterreichs die unbedingte Voraussetzung für ein Gedeihen Mitteleuropas erblickt. Das alles ist nicht neu. Der tschechische Minister hat dafür wenig Dank gefunden. Die großdeutsche Regierungspartei hat ihn durch ihre führenden Männer beschimpfen lassen und die Wiener Hakenkreuzler hatten durch ihre Drohungen den Besuch Benesch' in Wien h i n t e r t r i e b e n. Selbstverständlich haben sie damit auch ihren Gegenspielern auf der tschechischen Seite die notwendige Unterlage für eine ausgebreitete 'Kampagne gegen Oesterreich geliefert. Alle Korrektheit der ö st e r r e i ch i sch e n Regierung konnte es nicht verhindern, daß das Gastrecht in Wien in schändlicher Meise besudelt wurde.' Dr. Benesch hat nun die Gelegenheit wahrgenommen, das vornehme Schweigen, das er bisher beobachtete, fallen zu 'lassen nnd nach Wien eine Erklärung zu richten, die leider verdient ist. Er erklärt, daß sich weder die Dschecho-Slowakei noch ein Minister es in Zukunft gefallen lassen wird, „für unser Darlehen, für unsere Arbeit im Völkerbund an ge griffen zw w e r d e tt". Die Tschechoslowakei wird sich in Zukunft ans das entschied c tt st c dag eg c n lvc h r e n. Der Minister schließt mit den Worten, daß datz Verhältnis beider Negierungen durch nichts getrübt wurde. Leider ist das Verhältnis zwischen bei d e n Staate n getrübt worden. Einzig und allein die Loyalität Benesch' kann es verhindern, daß daraus ein Schaden für die Bevölkerung Oesterreichs entsteht. Man muß feststellen, daß in solcher Weise noch niemals über Oesterreich gesprochen worden ist. Was natürlich die Hakenkreuzler und ihre Protektoren in der Regierungskoalrtion -nicht hindern wird, die „tschechischen Hochverräter" weiter mit ihrer giftigen Bosheit zu verfolgen. ... . - Prag, 23. Juni. (Tfchechoslow. Pveß-Bur.) In seinem im Außenausschuß des Abgeordnetenhauses abgehaltenen Expose über die internationale Lage kam Minister des Aeußern Dr. Benesch auch auf die. Beratungen in Genf mit Oesterreich zu sprechen. Dr. Benesch erklärte hiebei unter anderem: Die ö st e r r e i ch i s ch e Fragehat iit der letzten Zeit die Aufmerksamkeit wieder auf sich gelenkt, ich glaube mehr infolge der journalistischen Kundgebungen als aus tatsächlicher Notwendigkeit, iuic es sich tu G e n f zeigte. Die drei Staaten der kleinen Entente haben in Bukarest die Möglichkeit und Notwendigkeit einer engeren wirtschaftlichen Znsamm e n a r 'b e i t m i t O e st c x x c i ch beraten und für diesen guten Willen hat die feindliche Agitation entweder aus Unverständnis oder aus schlechtem Willen bns angegriffen. ' Alle diese Mißverständnisse oder Unstimmigkeiten wurden jetzt definitiv, wie ich hoffe, durch die Beratungen in Genf beigelegt..Die österreichische Frage wurde dort folgendermaßen formuliert: Im Laufe der vergangenen zwei Jahre hat der Völkerbund die finanzielle Satt i e r n ng s a k t i o n >i-n Oesterreich durchgeführt. .In der letzten Zeit begann man darüber zu sprechen, daß diese Aktion mißlungen fei. Es ist nicht wahr, daß die Finauzaktion. des. Völkerbundes mißlungen ist. Gerade das Gegenteil ist der Fall, wie dies richtig und entschieden Dr. Mataja in Genf erklärt hat. Der Zweck der Aktion, die Stabilisierung der Währ u n g und .das B n d g e t g l e i ch g e w i ch t, ist erreicht worden. Es ist allerdings lvahr, -daß nach der Durchführung der finanziellen Sanierung in Oesterreich nicht alles gelöst ist, sondern nur die erste Etappe. Damit, 'was in Genf erfolgte, wurde die zweite Etappe eingeleitet, die wirtschaftliche Sanierung. Ihr Ziel ist, durch Zusanimenarboit unter der Kontrolle und mit Hilfe des Völkerbundes die innere Produttion und die Handelsbedingungen in , Oesterreich zu bessern und einen mehr oder minder n o r m a l e n Gang des öffentlichen und des privaten Wirtschaftslebens zu erzielen; ferner daß die Zusammenarbeit m i t d e n N a ch b a r n sich intensiver gestalte und alles beseitigt werde, was bisher künstlich .de» Lauf der Güter und einen geregelten internationalen Handelsverkehr erschwerte. Die handelspolitischen Tarife und die Handelsverträge werden revidiert iverden, allerdings nur so weit, als dies die inneren Berhaltn'.sse der Nachbarstaaten gestatten. Die Tschechoslowakei hat diese Entwicklung und diese Politik immer gefördert und wird sie mit der notwendigen Nücksichtnahlne auf die Interessen des eigenen Staates weiter durchführen. Von diesent Gesichtspunkt ans hat sich der Minister mit Mataja über das Vorgehen völlig geeinigt. Mit .dem Minister Mataja hat Benesch ohne irgend.welche Verpflichtung vereinbart, daß die wirtschaftlichen Fachleute im Geiste des letzten ^Handelsvertrags weitere Wege und Möglichkeiten für ein wirtschaftliches, Zusammenarbeiten nach den angeführten Prinzipien suchen sollen. Eine ähnliche Vereinbarung sei mit der italienischen Delegation getroffen worden. Zur Entkräftung der Nachrichten von einer tschechisch-italienischett Rivalität führt der Minister an, daß bei der letzten Völkerbundtagung alle diese Fragen mit der italienischen Telegation verhandelt worden sind und daß für die Zukunft bestimmt wurde, in allen diesen Änge-legenheiten i» voller Einigkeit im Geiste der Loyalität und im Sinne des italienisch-tschechschen Freundschaftsvertrages vorzugehen. Praktisch wurde dann mit den Vertretern Frankr e i ch 's, Englands u n d I t a l i e n s die Entsendung einer Fachkommission, bestehend aus den Wirtschaftlern Layton und Rist. vereinbart, die die Aufgabe hat, ohne politische Denidenzen, objektiv und fachgemäß die inneren wirtschaftlichen Verhältnisse Oesterreichs und dessen wirtschaftliche Beziehungen zu den Nachba^rn zu prüfen und hierüber dann dem Völkerbund genau z.n berichten. Der V ö l k e r b u n d hätte dann nach Einvernehmen mit den Regierungen hieraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Mit Minister Dr. Mataja habe ich außerdem ohne irgend welche v.orhergehende Berpflichtungett vereinbar daß auch unsere wirtschaftlichen Fachleute im Geiste unseres letzten Handelsvertrages . weiter die Wege und Möglichkeiten einer weiteren! wirtschaftlichen Zusammenarbeit prüfen werden. Die gleiche Vereinbarung litt Hinblick auf die österreichischein Verhältnisse haben wir m i t d e r italienischen D e l e gation getroffen. Dem füge ich noch folgendes wichtiges .Faktum bei: Durch lange Zeit wurde von unserer Rivalität mit Italien in den österreichischen Fragen gesprochen. Anläßlich der letzten Sitzung des Völkerbundvates haben tvir alle diese Fragen mit dein Delegierten Scialoja und -dem Gesandten Bordouare durchbesprochen, und wir. sind für die Zukunft übereingekommen, daß wir in diesen Dingen stets in -vollem Einvernehmen und ht voller Zusammenarbeit Vorgehen 'werden, im Geiste der Loyalität und Freundschaft sowie es eben unser Vertrag über die freundschaftliche italo-tschechoflowakische Zusammenarbeit vorschreibt. Ich konstatiere dies gern und unterstreiche es, denn e's wird beiden Ländern und der österreichischen Sanierungsaktion nützen sowie die Arbeit im Völkerbund erleichtern. Dadurch werden auch verschiedene Intrigen beseitigt werden, die von Zeit zu Zeit an diese sogenannte Rivalität geknüpft wurden und die sich bemühten, das freundschaftliche -Verhältnis zwischen der -Tschechoslowakei und Italien zu trüben. Als -Anfang -dieser zweiten SattierungsetaPPe in Oosterrei-ch wurden der Regierung die ttotwendigen Kapitalien zum Beginne der Elektrifizierung der Bahnen gegeben, damit die innere Intensivierung des Wirtschafts lebens Oesterreich wirtschaftlich gesünder mache. Zum Schluß erwähne ich, daß alle Verhandlungen im Geiste eines wahrhaft guten Willens und der Bereitwilligkelit zur freundschaftlichen Zusammenarbeit aller Beteiligten vor sich gingen. Ich glaube, daß diese Mitteilungen alle die heißen Köpfe beruhigen und abkühlen werden, die noch bis vor kurzem durch die unrichtig geschilderten Ereignisse berührt oder aufgeregt waren. Demgegenüber füge ich bei, daß es natürlich ist, daß, wenn di e tsch e cho slo wak isch e Reg i e r u n g, die Tschechoslowakei überhaupt oder der M i n i st e r dafür, was wir in diesen Dingen in den letzten vier Jahren .unternommen haben, für unser Darlehen, für unsere Arbeit im Völkerbund angegriffen werden, wir uns entschieden wehren und auch in Zukunft auf das entschiedenste wehren wer.Pen. Ich 'kann nur feststellen, daß die . oft erreich «sche'Regierung in diesen Dingen loyal und korrekt war und .daß das Verhältnis beider Regierungen durch nichts getrübk wurde. Mataja nach Paris abgereist. Die beiden vom Völkerbund und für die wirtschaftliche Expertise bestimmten Sachverständigen Prof. Rist und Mr. Lay ton, Herausgeber des „Economist", treffen morgen in Paris ein. Prof. Rist, der soeben von einer Reife in Amerika zurückkehrt, dürfte nach eine Woche in Daris vechleiben. Mr. Layton wird fich von Paris zunächst nach Genf und von dort nach Wien begeben. Bundesmi'nister für die auswärtigen. Angelegenheiten Dr. Mataja >vst gestern abends nach Paris abger e i st, um dort mit den beiden Sachverständigen über die Expertise zu konferieren.

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