Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2278 (24.6.1925)
- Date
- 1925-06-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981363--23151-3010639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
\ Se8e 2 Wien, Dkrtttvocy Wiener MoLOe«ßett»«O. 24. Jun i 1925 Nr. 2278 8i#BT«JoÄt,eltio" Morgen Donnerstag ä Jüdisches Massenmeeting -viel Soottneittal, Mea. r. Bei» raborftrabe Ar. 4 etntrltt freit Rahum Soldmann, -«n« Sbttbamat Robett Stticker, «'» Eintritt freU Keine Partei, keine Regierung ist solchen Problemen gewachsen. Sie sind nicht aus'den Ländern allein enfftarchen, sondern aus der Gesamtheit. Ganz Europa verarmt und alle Systeme, die hier und dort auftauchen und den Marschallstab rm Tornister zu ^sitzen vermeinen, zeigen sich als ohnmächtiger Schwindel, nur aeekgnet, Menschen zu verderben, Minoritäten zu unterdrücken und immer neuen Haß zu verbreiten. Trotz des Rassismus sinkt die Lira, ider Kommunismus richtet Rußland, die Galgendiktatur Ungarn zugrunde. Keine Phrase kann die Tatsache wegschaffen, daß eine Weltwirtschaft besteht, in der ein Gebiet mit dem andern unlöslich verbunden ist. Alle arbeitenden Menschen verspüren es in den Knochen, daß gegen dieses Axiom gesündigt worden ist, erst durch den Krieg, dann:durch den Frieden. Ein Land nach dem anderen bezahlt es mit blutigem Geld, daß die Revision der Verträge durch einen Kongreß aller Völler, durch den Ausbau des Vollerbundes, immer wieder von der Trias des Nationalismus, der Hochschutzzöllner und /der Generäle sabotiert wird. Jetzt kommt Frankreich daran. -er WahrheUsbewek gegen Hegar zugelassen. Aus B u d a p e st wird uns gemeldet: Der Chefredakteur des „Vilag" war wegen zweier Artikel/ in denen er scharfe Angriffe gegen die Erwachenden Ungarn und gegen die Regierungen, welche die Pogrompolitik und' Mvrdpropaganda des Verbandes durch Duldung gefördert hatten, richtete, in dem einen Fall zu Zwei Monaten Gefängnis in dem anderen Fall zu einer Geldstrafe von 5 Millionen Kronen verurteilt worden. Gegen diese Urteile rekurrierte er an die Königliche Tafel. Das erstrichterliche Urteil, durch welches er zu ciner'zweimonatigcn Gefängnisstrafe verurteilt wurde, hat erst vor einigen Tagen die Königliche Tafel bestätigt. Der Rekurs gegen das Urteil im zweiten Falle wurde vorgestern vor dem D e g r e - S e n ä t der Königlichen Tafel verhandelt. Nach den Plardöyers verkündete der Vorsitzende den Beschluß auf Zulassung des Wahrheitsbeweises auf der ganzen Linie, wodurch, wenn die nächste Verhandlüng wirklich durchgeführt werden sollte, die gesamte Pogromgeschichte seit dem Niederbruch des Kommunismus in Ungarn vor dem Gericht aufgerollt werden wird. Es sollen s am t l i ch e . a u f d e n M a ss e nmörder. Ivan Hejjas bezüglichen Dokumente sowie die Akten aller Morde und Gewalttätigkeiten, die sich an seinen Namen knüpfen, zur Verlesung gelangen. Ebenso soll das gesamte Aktenm a t e r i a l über die Strafprozesse : der Mörder und Bombenwerser M a r f f y, Ladislause I l l y und aller übrigen bereits überführten Pogromhelden ausgehoben und dem Gericht vorgelegt werden. Mit einem Worte, dem Redakteur Feleki soll die Möglichkeit gegeben werden, den Beweis für seine Behauptung zu führen, daß der Verband der Erwachenden Ungarn durch planmäßige, konsequente Arbeit den Mörderkultus in Ungarn auszubauen bestrebt sei. Sv begrüßenswert der Beschluß der Königlichen Tafel auch ist, so muß doch auf Grund der bisherigen Erfahrungen an dem praktischen Erfolg gezweifelt werden. Derselbe Degre-Scnat hat bereits vor mehr als einem Jahr in einem Prozeß, in welchem gleichfalls Redakteur Doktor Feleki angeklagt war und der Präsident der Petöfi- Gesellschäft Julius Pckar als Privatkläger neben dem Staatsanwalt die Klage vertrat, das erstgerichtliche Urteil annulliert und der ersten Instanz den Auftrag erteilt, die Hejjas-Akten einzufordern und zur Grundlage der Beweisführung zu nehmen. Mit diesem Beschluß der Königlichen Tafel ist diese Angelegenheit eingeschlafen und bis zum heutigen Tage sind die Hejjas-Akten nicht eingefordcrt worden, Dasselbe Schicksal dürfte auch dem jetzigen Beschluß der Königlichen Tafel beschieden sein, denn die Person des Ivan Hejjas, des Mitwissers und Beauftragten Horthys in allen Mordaffären, ist noch immer unantastbar. kine Tag««« der jüdischen Kriegsinvaliden Kleinpolens. Ueber Anregung des Sejmdeputierten Heller fand, tote uns aus Krakau berichtet wivd, dort eine Tagung der jüdischen Äriegsinvaliden von Kteinpolen statt. Die Redner wiesen auf die Notwendigkeit der Gründung einer allgemeinen jüdischen Organisation zum Schutze der Kriegs invaliden und Kriegswitwen und -Waisen hin, da diese jüdischen Kriegsopfer in beit allgemeinen Jnvalidenschutzorgunisationen nicht die entsprechende Würdigung finden. Der Mangel einer solchen jüdischen Organisation habe in Polen zu dein Glauben geführt, daß es überhaupt keine jüdischen Kriegsinvaliden oder mu solche von verschwindend geringer Zahl gebe. Nach zweitägiger Beratung wnvde einstimmig die Gründung einer jüdischen Kriegsinvalidenfürsorgeorganifation beschlossen. Zum Schluffe wurde eine Anzahl von Resolutionen angenommen, die sich Painlever Marokko-Rede. Kommoolßen «ad Kadtzlea. - M Appell m die Sozialisten. »et „Otoict Morg-Nz-Itung".) Paris, 23. Juni. Ministerpräsident P a i n l c v e hielt heute nachmittags in der Kammer sein mit größter Spannung erwartetes Marokko-Expose. Er erklärte, er verstehe die Ungeduld der öffentlichen Meinung, über die Ereignisse in Marokko genau aufgeklärt zu-werden. Er könne gleich eingangs bemerken, daß über die Verluste und den Unlfang, der Operationen in gewissen Zeitungen ganz übertriebene Meldungen verbreitet worden seien. He-ute sei den Riskabylen der Weg nach Fes endgültig versperrt. Während einiger Zeit habe man wegen 'des Schicksals einzelner Vorposten lbennruhigt sein können. .Honte aber seien die modernsten Waffen in Bereitschaft gestellt und der Sanitätsdienst funktioniere bewunderungswürdig. Als der erste Angriff der RMabylen erfolgt sei,' habe man sich zurückziehen müssen, da sonst die Zivilbevölkerung massakriert , worden wäre. Frankreich habe nicht den Ehrgeiz, in das Rifgebiet einzudringen, cs wolle lediglich mit der friedlichen BevÄkermrg an der Guevfa Zusammenarbeiten. Man habe der französischen Regierung oft vorgeworfen, aus friedliche Vorschläge Abd el Krims nicht cingegangen zu sein. Solche Vorschläge seien der Regierung nie gemacht worden. Frankreich verteidige in Marokko nicht nur sein Prestige, sondern ' das Prestige ganz Westeuropas.' Der Widerstand Abd el Krims -werde die Stun de des, Friedens nur^hinansschkebeu. . . Paiulevc kam daun auf ' die kommunistische Propaganda zu sprechen. Er behauptete, daß Add ei Krim von den K o m m u n i st e n unterstützt werde. Dies gehe deutlich . aus einer Erklärung des B o l l z u g 's.a u ss ch u ss e s der D r i t ten I n te ru a t io na'lc hervor. Der Ministerpräsident verliest ein Telegramm, das der kommunistische Abgeordnete Doriot an' Abd el Krim gesandt hatte und-in dem er diesen zu seinem Siege über die Spanier beglückwünscht. (Die Kommunisten klatschen begeistert B e i f a l l, während die Rechte, und das Zentrum in Entrüftungsruse ausbtechen.) . Der Ministerpräsident stellt sodann die Behauptung auf, daß die Konmrünisten versucht hatten, A >b d c l K r i m zu informieren. Sie hätten sich im Elysce über die N a m e n d e r getöteten Soldaten und über die im Kampf stehenden Tr u ppc n e i n he ite n informieren .wollen, wahrscheinlich, um diese Nachrichten, Abd cl Krim zukommen zu lassen. In Marokko würden Broschüren in arabischer Sprache verbreitet, in denen die Dtarokkaner anfgefordert werden, zu Abd el Krim übechugehen.' - Zum Schluß seiner Rede wandte.sich Päinteve unter großer Bewegnna des .Hauses mit einem überaus eindringlichen Appell an die Sozialisten. Er sagte: „Ich bin gewiß, daß die Republikaner dieser Kammer, die Söhne Jaures', die Regierung nicht iin Stiche lassen werden. Ich lvcnbe mich an euch, Brüder von Jaures und Guesde!" Aus den Bänken der Opposition rief dieser Versuch Painleve's, den Zwist der Sozialistenmit dem Kartell von der Kaimniertribün-e zu lösen, allgemeine Verblüffung hervor. Auf den Bänken des uationalen Blocks ertönten Rust: ,/Es handelt sich hier um eine nationale A n ge lege nhe it und nicht um eine.Parteffcrche!" Painleve entgegliet, daß die Einigung aller Franzosen uotlvendig sei, wenn der Friede rasch erreicht werden soll. . Die Rede des Ministerpräsidenten fand starken Be tfall bei der Rechten, im Zentrum, bei den Radikalen und den rePuNikanischen Sozialisten. Die Sozial ist e n verhielten sich dagegen ablehnend. Handgemenge in der Kammer. Nach der Rede des Ministerpräsidenten beschloß die Kammer, gemäß der Anschauung der Regierung, sofort in die Debatte-übe r. die Jute.rpel.lati o neu ciuzugehen, Ms der Kommunist-Do riet die russische Zivilisation im Gegensatz zur kapitalistischen westlichen Zivilisation rühmte, eilte Oberst P i e e t auf die Rednertribüne und schlug auf Doriot los. Zwischen den beiden kam es zu einem H a n d ge meng e. Mehrere Abgeordnete eilten herbei und.trennten die beiden. Präsident Herrsrot unterbrach hierauf die Sitzung. Nach Wiederaufnahme der Sitzung - bat Oberst Picot .das Haus um Entschuldigung, worauf Doriot seine Rede sordsetzte., Sodann trat um 8 Uhr aberrds eine Pause ein. Aus Verlangen des Ministerpräsidenten Painleve wird, die Mavokkp-Debatte in einer Nachtsitzung,., die um halb 10 Uhr.abends begann, noch Heute zu geführt lverden. Die Sozialisten gegen eine weitere Unter, stützung des Kabinetts. Paris, 23. Juni. (Havas.) Bei der Abstimmung in der sozialist'.fchen Partei über die Anträge Comperc- Morcl und Reuaudel, welche die Beendigung der U nierstützungs-Politik und die Wiederherstelluug der Freiheit der Partei bemhalten, erhielt der Antrag Coinpere-Morel,60 Stimme n, der Antrag Renaudeil 47 S t i m m e n. Die Entschließung Bin-' ceut Auriol, die die Fortsetzung der Unterstützungspolitik verlangt,'erhielt 12 Stimmen. Der Antrag Compere-Movcl teilt für die! soso rti:ge Beendigung der Unterstützung^- pol i tik ein. Der Antrag. Renandcl ist gleichfalls für das Aufgeben der Unterstützungspolitik, sieht aber gegebenenfalls die Wiederaufnahme eines Zusammengehens mit den anderer: Gruppen der Maijoritätsparteien vor. Die Ent- Wveßung V'.neent Auriol spricht sich für die Fortsetzung der Untevstützungspolitilk unter gewissen Bedingungen aus. Keine neue Ausländsanleihe Frankreichs. Paris, 23. Juni. (Havas.) Finanzminister Ca illau x de me« tre rte die Nachricht eines englischen Blattes, wonach die französische Regierung die Absicht «hege, eine neue Ausländsanleihe aufzunehmeu. mit den allgemeinen Forderungen 'der Kviegsinväliden decken und überdies die Forderung enthalten, daß der jüdische Parlamentsklub den jüdischen Kriegsinvalidcn, -Witwen und -Waisen im Parlament nachdrücklichen Schutz oipgedeihen lasse; ferner wurde beschlossen, an die Regierung he rauzutreten, daß sie bei Verteilung von Konzessione n,an Kriegsinval ide im (Gegensatz zur bisher geübten Praktik es verhindere, daß Unterschiede nach Nationalität und Glauben genwcht werden. zionistische Tagungen. Die Konvention der amerikanischen Zionisten. Washington, 33. Juni. Am 38. d. beginnt hier die 38.. Konvention der wmerikanischen Zionisten. Sie wird drei Tage dauern. Die Schweizer Zionisten. . Bern, 23. Juni, Am 6. Juli findet hier der Delegierlentäg des Schweizer Zionistenverbändes statt. ß WerbetAbonnentensürdie f l „Wiener Morgeuzeituug" 1 Sie Sntlaftung der Verwaltung. Der Borfassuugsausschuß zog in feiner gestrigen Sitzung dos Verivaltuugsenitllaistungsgesetz -in der vom Unterausschuß vorgelegten Form in Beratmrg und erledigte es bis znm letzten Mchnitt, der die gesetzlichen Aendcrlu:-, gen betreffend das Heerwesen umfaßt. Zu längeren Debatten gaben die Artikel über die Aushebung der Feiertage vom 2. Februar, 29. März und 8. September, dann über das Wanderungswesen und über die zu schaffende BundesLichtbildstelle Anlaß. Zu dem Artikel, dev eim Einschränkung der PveiSPrüfmlgsstellen vorsieht, beantragte Abg. Dr. Eisle r eine Ergänzung in dem Sinne, daß die Bestimmungen dcs Preistreiberelgcsetzes auch auf die Geldgeschäfte ausgedehnt werden sollen. Dieser.Antrag wurde abgelehnt, Ka> Snde der Kahlenbergbah». Anläßlich der Verfügung Über den Bostalw der n -i ch t mehr in Betrieb zu setzenden Kalhlenberghcchn hat das Bttybesnüni-sterium für Händel und Derkchr in der „Wiener- Zeitung" den Verkauf des Ob er bau- und Brückenn: a t e r i a l s ausgeschrieben. Die Aübvte sind spätestens am 7. Juli dein: BundesnUnister für Handel und BvrWr einM», brirdgen (Mteilung 43), :vo auch nähere AuHünifte erteilt werden.