Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2278 (24.6.1925)
- Date
- 1925-06-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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-t IPrals 20 gl Wien: Zum Abholen in der Spedition, IL Taborstr. 1-3, oder in etnerVerschleisstelle rrrafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gold Schmied, 1., Wollseile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-SIowakel: Mon. K 22. Jugoslawi en: Mon.Din.60. Polen: Mon. 4ZIoty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 NtthMhltmi erhfihnai M ** Preis* ea vorbehaliea Wiener orsmsettung England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. BulgarienrMon.IOOLewt. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Urtlvers|tätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 9tr. 2278 Wie«, Mittwoch. 24. 8««l 1928 7. Jahrgang Das Werl zionistischer Enthusiasten. Lord Balsam Mer die Lage l« PaiSstina. (Eigeudienst der „Mener Morgenzeitung".) London, 83. Juni. Lord Balfour hielt gestern vor dem Parlamentsausschuß für Völkcrbundftagen einen Bortrag über das Palastinamandal. Er sagte, Palästina befinde sich trotz der jahrhundertelangen türkischen Herrschaft, trotz der Verwüstung und Verarmung des Landes heute in sehr guter Lage. Die Finanzen seien geordnet. Unter der Bevölkerung herrsche eine gewisse Wohlhabenheit. Straßen würden gebaut und man könne von der Mittelmeerküsle bis zum Jordan einige Male'am Tag fahren. Fm ganzen Land seien Schulen gebaut worden, nicht nur jüdische, sondern auch arabische. Man habe neue Industrien gegründet und LandwirtschastS- sowie Forstschulen geschaffen. Die jüngste Geschichte Palästinas widerlegt vollkommen die Legende, daß ein Jude unfähig sei, erfolgreich ein Land zu bebauen. Besinn der RnbrrSvmnnn. Paris, 23.Juni. (Havas.) Der Ministerrat hat heute die Maßnahmen, die Ministerpräsident Painleve und .Außenminister Briand bezüglich der Durchführung der für die Ikäumung des Ruhrgebietes Abeviwmmeuen Verpflichtungen beschlossen haben, genehmigt. Die Räumuttgs'operationen werden in kürzester -Frist beginnen. Die Schwieriokeiten des Kabinetts Luther. Die Dentschnatiottalen wollen ausspringen. Berlin, 23. Juni. (Tel.-Komp.) Um den Zolltarif sind heftige parlamentarische Kämpfe zu erwarten. Die Sozialdemokraten und die Kommunisten haben beschlossen, alle geschästsovdnungsmäßigen Mittel anznwenden, irnt .das Zustandekommen der G etr e id ezLlle wenn nicht ganz zu verhindern, so doch möglichst lange hinausznischieben. Infolgedessen wird auch daran gezjweifelt, daß der heutige Beschluß des Aeltestenrates, die Zollvorlage bis spätestens^ 18. Juli zu erledigen und dann den Reichstag in die Ferien zu schicken, durchgeführt werden kann. Die Situation werde sich aller Wahrscheinlichkeit nach so gestalten, daß entweder die Sessionsdauer über den 18. Juli hinaus verlängert wird oder aber daß die Erledigung der Zollvorlage aus den H e r b st verschoben werden muß. Gegen letzteres wehren sich vor allem die D e u t s chnationalen aufs hastigste, toett sie nach der Erledigung der Zollvorlage die Verantwortung für die auswärtige Politik nicht mehr den deutschnationalen Ministern überlassen wollten. Andererseits hält der Reichskanzler an der Durchführung der außenpolitischen Aktionen fest und besteht auch auf der Mitarbeit der Deutschnationalen. Die Auschlußbewegung. Die vom - Oesterreichisch-Deutsche-tt Bolksbund für gestern <ns Rathaus einlberuifene Anschlußkirndgelbunig nahm ihren programmgemäßen Verlauf. > Kommunisten, die sich durch Störungsderisuche bemerkbar machten, wurden energisch zur Ruhe Verivielsen. Es sprachen für die Chrisilichscgialen ein gewisser Dr. Eibl, für die Großdeutschen Bundesrat Bierbaum e r, für die Sozialdemokraten General Körner, Bezirksrat Scho «Wetter für die bürgerlichen Demokraten und schließlich Dr. Stolper. Vor dom Rachause wurde eine Parallelvevsanrmluug ■ abgchalten. Es lvurde widerspruchslos eine Resolution angenommen, in der sich die Versammlung gegen jede Lösung des östV-reichischen PrMems verwahrt, welche Oesterreich den Weg zum Deutschen Reich versperrt. Der Passus der Euischlleßung) die die Leitung des Oesterreichisch- Deutschen Volksbundes beaustragt, die Resolution den: Bundeskanzler De. Rämek und dem Außenminister Dr. Mabaja zu überreichen, wurde mit stürmischei Heiterkeit und Zwischenrufen gegen Dr. Mataja alifgetlomnten. Mit der Msingnng des Dettlicbsan.>lii'^es winde die Versammlung geschlossen. Niemals seit den Tagen der Römerherrschaft habe in dem Lande eine solche Wohlfahrt wie heute bestanden. Cs werde von einem System von Straßen durchzogen, wie es in dem nahen Osten unerreicht dastehe. All dies sei das Werk zionistischer Enthusiasten, deren Geld und Fleiß diese wirtschaftlichen und industriellen Triumphe davongetragen haben. Es gebe nirgends in der Welt eine Parallele für die Begeisterung und Opferfreudigkeit der Inden. Balfour wandte sich zum Schluß gegen die Auffassung, daß der Zionismus die Araber bekämpfe. Er sei der Ansicht, daß die V Inden und Araber sehr wohl miteinander in Frieden leben könnten. ffo SgMlfcher Sirdar? Ein Beschluß der ägyptischen Regierung^ .London, 23. Jmvn melden aus Koiiro: Dem Blatt „Ahrjam^ zufolge beschloß' die ägyptische' Regierung, eiyen ägyptrschen'Offizier.züm-Sir^ darund Oberbefehlshab et des'ägyptischen Heeres zu ernennen. Als Kandidaten für diesen Posten werden Schehata Pascha Kemal und'Mahmud Pascha^ .A my gemnnt. Notenwechsel mit China. Bedrohliche Meldungen. London, 23. Juni. (Tel.-Komp.) Die Gesandten der Mächte haben der Regierung von Peking auf die letzte chinesische Note vom Samstag geantwortet. Sie weisen in ihrer Antwort auf die Unvereinbarkeit der gegenseitigen Auffassungen hin und bedauern, daß die chinesische Regierung auf einer Haltung beharre, die die Lösung des Konfliktes erschwere. Nach einer Reuter-Meldung aus Peking hat das diplomatische Korps den einstimmigen Beschluß gefaßt, direkte Verhandlungen mit der chinesischen Regierung zu eröffnen, um biey Verantwortlichkeit für die Ereignisse in Schanghai festzustellen und einen Versuch zur Regelung der Lage zu machen. 4000 Mann der Truppen Tsang-Tso-Lins sind in Schanghai eingetroffen. Im Europäerviertel von Schanghai wurde der Ausnahmszustand proklamiert. Alle Versammlungen und Kundgebungen sind verboten, ebenso das Tragen von Waffen. Die Brief- und Telegrammzensur wurde eingeführt. Alle, im Hafen eintreffenden und auslaufenden Schiffe werden untersucht. Die Streikbewegung in Hongkong nimmt an Umfang zu. In Tsiukiang wurde der japanische Konsul mit Steinen beworfen. Der Konsul forderte eine Entschuldigung seitens der Behörden und drohte andernfalls mit Repressalien seiner Regierung. In W u - T s ä u ist der japanische Polizeikommissär ermordet worden. Zwei seiner Untergebene»! wurden schwer verwundet. Die Lira wieder gefalle«. Rom, 23. .Juni. Die Blätter beklagen es, daß die Besserung des Lira-Kurses vom Samstag gestern- und heute nicht angehalten hat, sondern vielmehr ein kleiner Rückschlag zu verzeichnen war, indem der Dollar gestern mit 27,70 und heute mit 26,85 begann. In Bankkreisen wird versichert, daß angesichts der heiklen Lage keine unmittelbare Aktion möglich sei, man vielmehr nur ein allmähliges Wirken der Gegenmaßnahmen zu erwarten habe. Der Dollar schloß heute mit 86,86, das Pfund mit 130,10, der französische Franken «tt 126,76. Selchwaren ä la PRAHA billigst II für Wiederverkäufer WEDO, III., Hennarkt 6 Telephon 95-4-38 5096 8« der Brandung der Welt, krlse. —y. Wien, 24. Juni. Auch Frankreich, der Siegerstaat, muß dem Kriegsfrieden seinen bitteren Zoll zahlen. Immer wieder bricht die schleichende Krise aus, immer wieder stehen Volk, Parteien und Regierung vor der säst unmöglichen Aufgabe, die große Zeit zu liquidieren. Das reiche, große, rückenfreie Frankreich, zittert um seine Währung, , um seine Lebenshaltung, um seine innere und äußere ' Ruhe. Die Friedensverträge, die unter dem bestimmenden Eindruck Frankreichs ihr problematisches Dasein begannen, wenden sich mit der gleichen Schärfe gegen die Sieger und die Besiegten, hindern die Aussöhnung und zwingen alle in den Bann des Rachegefühls. Der Nutznießer dieses Zustandes bleibt ewig der raubgierige Nationalismus, der innerhalb der Gruppe der Unterlegenen den Verlust des Krieges nicht verwinden kann und bei den Siegern mit dem Vorwurf arbeitet, daß der Triumph nicht voll ausgenützt worden ist. In Frankreich stand, jetzt vor einem Jahr, die Partei der friedlichen Arbeit auf und drängte den kaltherzigen Poincareismus aus der Macht. Diese Stimmung hat noch -immer die Mehrheit. Erst vor kurzer Zeit hat das Volk in den Generalratswahlen die Politik Herriots bestätigt. Trotzdem konnte die Regierung. das Vertrauen ihrer Parteien nicht, festhalten. Die Sozialisten verlassen das Kartell der Linken. Damit verliert das.Kabinett Painleve den Boden unter' den Füßen. . Frankreich steht im Kriege In den Kämpfen.in Marokko handelt es sich um mehr als um ein, wenn auch schweres koloniales Engagement, um mehr als um das militärische Prestige. Es geht um die Geltung Frankreichs als Macht. Es ist der Militarismus, der diese Spannung erzeugt hat; die Politik des Generalstabes hat sich die Verlegenheiten Spaniens zunutze machen wollen und sinnlos, grundlos in ein Wespennest gegriffen. Die Verhandlungen, zu denen die Berber bereit waren, wurden hochmütig abgelehnt.- Das Hinterland hat Geld,- Europa liefert in seinen Desperados Kononenfutter in Hülle für die Fremdenlegionen und den Demagogen im Parlament und auf den Boulevards, den rohalistischen Augendvereinen und den Faszisten kann ein frischer, fröhlicher Feldzug, an dem sie ja nicht persönlich beteiligt sind, politische Unterstützung bringen. Also Krieg! Nun läßt sich die Asfaire genau so wie die Serajewoer Musikkapelle, Modell 1878, an. Schon ist Fez bedroht, die Operationsbasis des Marschalls Liautey gefährdet, das Hinterland sieht keine Siege, hört von Truppennachschüben, von neuen Militärkrediten. Die Regierung der Demokratie hatte keine Zivilcourage. Sie hatte sich vor den Hurra-Generälen widerstandslos treiben lassen. Sie muß den Krieg führen, weil sie ihn nicht rechtzeitig. abgebrochen hat ltnb sie kann heute nur dann zurück, wenn sie zu Friedensverhandlungen mit Abd el Krim gelangen kann. Aber in welcher Situation! Fällt Fez, dann ist Nordafrika verloren, dann ist Frankreichs'Schwäche offenbar. Wie muß dies auf seine anderen Kolonien, wie muß dies in Deutschland wirken, von dem Frankreich die Garantie der Rheingrenze verlangt. Werden die Alliierten in Prag und Warschau auch dann fest bleiben, wenn Frankreichs militärische Stärke angenagt scheint? Die Generäle, die Drahtzieher der Rechtsparteien, haben Marokko provoziert. Die Kommunisten korrespondieren mit ihm. Die Sozialisten lehnen den Feldzug ab. Die Regierung kann ihn nicht beendigen. Sie wird also nach-rechts getrieben, in die Kreise jener Parteien, deren politische Richtlinien von jenen der aus demokratischen Wahlen hervorgegangenen Regierung diametral abweichen. Dazu gerät auch die französische Wirtschaft in den Strudel der Krise, die Europa zerstört-. In dem sparsamen, blühenden Reich herrscht Geldnot unk Kapitalsflucht. Frankreich hat am 1. Juli, also in der nächsten Woche, vier Milliarden Schatzscheine einzm lösen. Wenn der Franken weiter schwankt, wird ein sehr großer Teil dieser Scheine eingefovdert werden. De» Krieg verschlingt riesige Summen. Eine innere Anleihi ist säst ausgeschlossen. 3$ ■ V'i ■ ■! "i < n