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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-23 · Heft 2277 (23.6.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2277 (23.6.1925)
Date
1925-06-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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€eU« S Wien. Drenskag gierung Seiner Majestät nvcrcil,stimme, sondern auch daß diese Identität oes Zieles sowohl der Bevölkerung Palästina als auch Großbritanniens und der ganzen Welt bckanntgcgebcn werde . . . Ich würde froh sein, von Ihnen eine formelle Versicherung zu erhalten, daß Ihre Organisation die in der bcigelegten Erklärung bekanntgegebene Politik anninrmt und sich darauf vorbereitet, 'ihre, eigene Arbeit in UebereinstimMung mit dieser Politik zu führen." Die Organisation gab die Versicherung in dem gewünschten Sinne und fügte hinzu, es wäre immer ihr aufrichtiger Wunsch gewesen, mit allen Teilen der palästinensischen Bevölkerung in Harmonie zusammenzuhalten. Sie hätte es in Wort und Tat wiederholt bekundet, daß nichts ihren Zielen ferner liegt, als die bürgerlichen und religiösen Rechte oder die materiellen Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung irgendwie schmälern zu wollen. Zu jener Zeit weilte in London eine Delegation der palästinensisch-arabischen Exekutive, einer Körperschaft also, die damals eine organisierte öffentliche Meinung in Palästina vertrat. Bei dieser Körperschaft wurde eine Aenderung in der Haltung nicht erreicht. Dennoch war die Wirkung der Definition der britischen Politik auf die arabische Meinung in Palästina sehr beträchtlich. Der Bericht enthält weiters Abschnitte über jüdische Einwanderung, jüdische Bevölkerung, die landwirtschaftlichen Aussichten, industrielle Aussichten, kulturelle Lage, und eine zusammcnfaffendo Darstellung der Arbeit für das jüdische Nationalheim, die wir morgen veröffentlichen. Aus Srer Israel. Colonel Symes tittcrtmtftffdjct Overkorrnnissär. Jerusalem, 21. Juni. Bekanntlich verläßt O»bovkonunissär Sir Herbert Samuel am 3V. d. feinen Porten und auch .das Land. Derneue Obevkommissär Lord P l u m e r wird sein Amt erst a nfa n gs Augastübernehmen. In der Zwischenzeit wird der neu ernannte ZiviMrctär der Pailästinarcgicrrmg Kokonal Sy mcs die Leitung des Oberkommissariates für Erez Israel innehabcn. Die Schiestnffärc bei Afuteh. Jerusalem, 21. Juni. <J. T. A.) Wie erinnerlich, kam es im 2wvcm<b>er vorigem Jahres bei Afuleh zu einem Zusammenstoß zwischen Arabern und Juden, weil Araber, die Ansprüche auf den Boden machten, die jüdischen Pflüger an der Arbeit verhinderten. Im Verlaus des Streites M ein Schuß, durch den ein Araber getötet wurde. Nirnmchr verurteilte das Gericht den Inden Segal zu zwölf Jahren Gcsäirgnis unter der Beschuldigung, daß er den Schuß abgegeben hätte. Der Jude Paz erhielt sechs Monate Gefängnis. Bekanntlich hatte die Regierung entschieden, daß der strittige Boden den Inden gehört. Die Krise im Stadt rat von Tel-AwiN» beiqelegt. Tel-Awiw, 21. Juni. Wie berichtet ivurdc, hat Bürge r - Meister Diesen goff von Tel-Awiw kurz nach seiner Wiederwahl wogen des obstruktioncstischen Verhaltens der ^Arbeiterpartei im Gomeillderat sein Amt niedergelegt. Die Resignation der verdienstvollen Bürgermeisters hat eine schwere Krise jitt Folge gehabt und es'drohte eine Lahmlegung der gesannen städtischen Verwaltung. Sämtliche Parteien, emschlietzlich der Arbeiterpartei, welche erklärte, mit ihrer scharfen Kritik nicht den Sturz Diosengoffs beaibsichtig: zu hqben, kamen dahin überein, gemeinsam auf Dieseugoss eiuzMvivken, daß er seine Demission zurückziehe. Nachdem in der Konferenz der Parteisichrer sich sämtliche.Parteien verpflichtet hatten, die Fortführung der Arbeiten im Gemeinderat;u ermöglichen, zog Dieseugosf seine Demission zurück, womit die Krrsc in der Stadtverivallung der ersten jüdischen Stadt in Ercz Israel vorläufig beigelsgt erscheint. Die jüdischen Mitglieder der Jerusalemer Sladlvertretnng verbleiben nnf ihren Posten. Jerusalem, 21. Juni. HI. T. A.) Die beiden Mischen Miiglieder der Jerusalemer Stadtverwaltung, die wegen der Ablehnung hebräischer Sitzungsprotokolle ihre Mandate niederlegtcn, haben mit Zuist invurung der Mischen Gomeinüe erNärt, auf ihren Posten zu verbleiben. Durch die Vermittlung ->cs Distriktsgouverneurs wurden die jüdischen Forderungen -um Teil bewilligt. Neuwahlen zur jüdischen Nationalveesanrmlung. — Sezession der Orthodoxen. Jerusalem, 21. Juni. (I. T. A.) Die gegenwärtig in Jetitfcriem tagende Nationalversammlung der palästinensischen Juden (Ässefat Haniwcharim) hat nach der Sezess Lande, orthodoxen Abgeordneten wegen des FraueMvahlrechtes das neue Wahlgesetz angenommen und beschlossen, die Neuwahlen zur Natianälvovsammlung noch vor donr 11. Zrouisteukongreß stattfinden zu lassen. Die Misvachisten und anderen orthodoxen Gruppen der Assosat Hauiwchariinr, die wÄhvond der Debatte über das Fraueuwah'lvecht die Tagmrg der NatiouaLversammlung verließen und sich in einer Sondertagung zu einer Nationalversanr-»tuug der unaBhängigen orthodoxen Inden ronstituierten, beschlossen, Wahlen für eine Nationalversammlung i' r thodoxer Juden abzühalten. Die provisorische Nationalversammlung wählte aus ihren Reihen einen provisorisch e n N a t i o n a l r a t (Waad Leumi), der als das repräsentariuc Organ der orthodoxen Juden die Wahlen vor-bereiren und leilen wird. Es wurde ferner beschlossen, zum 14. Zionistenlongreß in Wien eine eigene Abordnung zu senden, die die Forderuilgen der paiastineusisch-orchodoxen Judenheit vertreten wird _____ Wiener Mve^enzettung._ Wer beeiuflicht die aMionWchen Politiker in tzagland? Rew-Aork, 21. Juni. „Morning Journal" veröfsentlicht folgende Depesche ihre- Londoner Korrespondenten N. Lazanus: Das Unterhausmitglied F o x e r o s t, einer der schärfsten An tizion istenirn englischen Parlament, erklärte, -aß eine Deputation der Agudas Jisroel ihn ausgesucht und gebeten habe, den Kampf gegen den Z i o n i sm u s zu führen. Mr. Foxerost erklärte ferner, daß die Agudah gemeinsam mit einigen englischen Juden bemüht war, den Völkerbund und die englisch« Regierung gegen den Zionismus zu beeinflußen (Diese Enthüllungen des englischen Parlamentariers ist so schwerwiegend, daß die Leitung der Agudah sich unbedingt dazu wird äußern müssen. Die Red.) Die arabischen Nationalisten und ihre Drahtzieher. Jerusalem. 21. Juni. (I. T. A.1 Die zu Bethlehem tagende arabische Nationalversammlung sandte ein Begrüßmlgsschreiben au den «neuen Oberkommissär von Palästina, Foldinarschall Lord Pin m er, in uwlchom der Hoffnung A»sdrllck gegeben wird, daß der u««c Oberkvwlnissär die Sache der palästinensischen Araber gegen die „zionistische Invasion" fordern werde. Lord Plumer sandte ein kurzes Amworttelegramm, in ivekchsm er für die freundliche -Begrüßung dankte. Zur Zeit der Tagung weilte der sp a n ische Ä a r b i nak Gazanova in Bethlehem. Die 'Araber sandten zu ihm eine Abordnung, die den Kardinal ersuchte, seinen Einfluß geltend zu machen, daß die christlichen Nationen mit Spanien an der Spitze einen D r u rf -auf Großbritannien und -den Völkerbund ansü-ben, daß die BalsourDeklaration annulliert werde. Sie Gehetzten. Verzweifelte Lage der jüdischen Emigranten in Lettland. Riga, 21. Juni. (I. T. A.) Das Rigaer Bureau der Emigrantenhilfsgcsellschaft Hias sandte ein Telegramm an die Z i o n i st i s ch e Exekutive i n Palästina, in welchent die dringende Bitte ausgesprochen wird, sich alle Mühe zu geben, daß den in lcttländischen Häfen gestrandeten mehr als 500 jüdischen Emigranten Zertifikate für die Einreise nach Palästina bewilligt werden. Alle diese Emigranten, die sich bereits aus dem Wege nach A m c r i k a befanden, mußten, als das cnnerikanische Einwandcrungseinschränkungsgcsetz in Geltung trat, in Lettland Zurückbleiben. Da sie alle im Besitze von Amerika-Visen waren, lebten sie noch immer in der Hoffnung, daß ihncrl in absehbarer Zeit die Einreise in die Vereinigten Staaten gestattet werden würde. Vor einigen Tagen erklärte der amerikanische Konsul, es bestehe keine Aussicht mehr für die Emigranten, nach Amerika kommen zu können. Daraufhin teilte die lettländische Regierung mit, daß sic nicht in der Lage sei, die Emigranten länger im Lande ztt behalten. Es besteht also die Gefahr, daß diese zwangsweise an die russische Grenze gebracht werden. Demütigende Perlustrierungen in Ellis Island. Aus New-Dort wird uns berichtet: Die demütigenden Untersuchungen und Prüfungen, mit denen die ausländischen Passagiere der dritten Klasse bei ihrer Landung in Ellis Island geplagt werden, haben in letzter Zeit solche unangenehme Formen angenommen, daß die gesamte Presse eine Aktion gegen diese Behelligung der Einwanderer in Angriff genommen hat. (Bis jetzt war es vornehmlich die jüdische Presse, welche die Vorgänge auf der Tröncninsel aufdeckte.) Seit einiger Zeit werden auch Reisende, die nur auf kurzem Besuch oder aus geschäftlichen Gründen nach Amerika kamen, genau so behandelt, wie Einwanderer. Dieser Unlstand veranlaßtc auch die englisch geschriebene Presse, gegen die Beamten von Ellis Island und ihrem Auftraggeber, den Einwanderungsminister Davis, in schärfster Weise Stellung zu nehmen. 500 jüdische Emigranten in Adexiko gestrandet. Rew-Uork, 21. Juni. „Rew-Nork Times" veröffentlicht eine Depesche aus Mexiko, wonach dort 500 jüdische Emigranten, welche mit der Absicht, sich auf dem L a n d e anzusiedeln, nach Mexiko kamen, sich in verzweifelter Lage befinden. Um ihr Leben fristen zu können, haben sie bereits alle ihre Habseligkeiten veräußert. In einer Protestversammlnng stellten die Gestrandeten fest, daß sie auf Grund falscherJnfor mationen über die Kolonisationsmoglichkeiten in Mexiko, welche an die jüdischen Gesellschaften in Amerika gelangt waren, nach Mexiko gekommen seien. Obgleich der größte Teil dieser jüdischen Einwanderer junge, auch zur schwersten physischen Arbeit fähige Menschen sind, sind sie gezwungen, als Straßcnhändler und Hausierer sich notdürftig fortzubringen. Sonderbarerweise haben die amerikanisch-jüdischen Gesellschaften, auf deren Rat sie nach Mexiko ausgewandert waren, jede weitere moralische und finanzielle Unterstützung versagt. Die Gestrandeten verlangen entweder entsprechende Hilfsmittel, um sich in Mexiko endgültig ansiedeln zu können, oder die Möglichkeit, nach Europa zurückznkehren. Die mexikanische R e g i e r u n g hat eine Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet. 23. Juni 1925 Nr. 2677 Painleve vor der ßntscheidmig. Der Ministerpräsident drängt auf eine Lösung der Kartellfrage. Berlin, 22. J'um. (Tel.-Komp.) Nach einem Pariser Telegramm der „BossAschen Zeitung" scheint es, daß das Kabinett Painleve ein« Kare Entscheidung der politischen Lage erzwingen Will und sich nicht mit einer unklaren Regelung der Kartellfrage begnügen will. Painleve ist angeblich fest entschlossen, irr der Kammer eine Marokko-Debatte zu eröffnen, der eine entscheidende Abstimmung folgerr soll. Falls nicht neuerdings etivas Unerwartetes eintritt, rvird die Frage des Kartells und damit die schleichende Regierungskrise nunmehr gelöst werderr. Die Abstimmung iiber die sozialistische Rogievuugstaktik. Paris, 22. Juni. (Tel.-Komp.) Das vollständige Resultat dr» Abstimtuung in der sozialistischen Partei bezüglich der weiteren Unterstützungspolitik liegt noch nicht vor. Bis jetzt haben sich 40 Stimme n für die Entschließung Compere-Morels, das heißt gegen die Unterstützungspolitik ausgesprochen, 35 Stimmen fielen auf die Entschließung RenaudelL, das heißt für eine bedingte Unterst ü tz u n g, und 11 S t i m m e n sprachen sich für die Entschließung Auriols, das heißt sür die Fortsetzung der Unterstützungspstlitik, aus. 22 Resultate sind noch anständig. __ Der Marollokrieg. Friedensvorschläge Abd el Krims an Frankreich? Paris, 22. Juni. ,/Tally News" berichten, daß Add e I Kr lim durch die Vermittlung einer bekannten Persönlichkeit Frankreich Fr»edensvorschläge nnterbveiten ließ. Wie der Krrieg geführt wird. Paris, 21. Juni. (Wolfs.) Jur gestrigen Verhör ivegeu des in der ,?Humanite" veroffeMichten Brieses des Chefs des Zivilkabinetts des Marschalls Liautey, der nichts in die Hände des Adressaten gelangte, erklärte der kommunistische Abgeordnete Dvriot, das Original des Brieses befinde sich noch irr seinen .Händen. Der Brief sei ihm in einem nnsnmkierten Umschlag, an die ,Humanste" advessiert, zugegangen. Die Adresse sei mit Bleistift geschrieben. Bezüglich der bei einer Hausdurchsuchung in seimr Wohnung beßch'lagnahmten Dokumente^ lehnte Doriot ab, anzugeben, von welcher Seite sie ihm übermittelt wurden. Unter diesen Dokumenten befmdei sich, wie die „Humanste" mitteitt, ein von Colombat unterzeichnetes Telogramm, in dem empfohlen wird, die an der Arbeit befmdlichen Nifleute durch Flugzeuge bambardieren zu lassen. Gm zweites Telegramm, unterzeichnet ,^Zerrand", schreibt vor, weder das Alter noch das Geschlecht der den Bomben zum Opfer ge,Menen Zivilpersonen zu erwähnen. __ Znternatümaler Polizeischutz gegen den Bolschrwismnr. Paris, 21. Juni. Wie „Figaro" ureldet, hat der Leiter der französischen Sicherheitspolizei angesichts der Ausdehnung der b o l s ch e w i k i s ch e u Propaganda auf Ersuchen des Außen- und des Innenministeriums die Schaffung einer Art internationalen Polizeigürtels entworfen. Dieser Plan sei angenommen, und alle europäischen Polizei behörden sotvie diejenigen Chinas und Japans würden zum Zwecke der Durchführung dieses internationalen Polizeigürtels Zusammenarbeiten. 2)ie Schutzpolizei beim Berliner Pogrom. Aus Berlin berichtet I. T.-A.: Bor der zweiten Strafkammer des Landgerichtes 1 als Berufungsinstanz begam: am 16. Juni der seit langer Zeit die Gerichte boschästigende, immer wieder vertagte Prozeß gegen die Schutzpolizeibeamten Domey, Makiewitz, Bunke und Schreiber sowie Poligeihauptmaun D ub b e wegen fortgesetzter Körperverletzung undBele idigung. Es 'handelte sich um die pogromartigen Älusschreitungen des Mobs am 5. November 1923 im Scheunenviertel. Mitglieder des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten hatten den Schutz der jüdischen Bevölkerung übernomrnen, wurden aber von der S ch u tzpolizei v e rha ft e t, aus einem Lastautomvbil in die Alexander-^Kaserne gebracht und dort beschimpft und schwer m: ß h a n d e l t. Dem Zeugen Dr. Bernhardt wurden sogar durch einen Schlag mit dem Gewehrkolben die Knochen der rechten Hand zertrümmert. Einem der Zeugen wurde die Uhr entwendet. In der Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte am 28. August 1924 wurden Hauptmann Dubbe und Wachtmeister Makiewitzfreigesprochen, Schreiber zu sechs Monaten. Domey zu drei Monaten Gefängnis und Bunke M 200 Mark verurteilt. In der BerusungsverhaMuug führte Landesgerichts- Direktor Boettcher den Vorsitz, die AnKage vertrat Staatsanwalt Wasmnndt. Die als Zeugen einvernommenerz Frontsoldaten schilderten eingehend die Vorgänge am 5. November 1923, tvähreild die Angeklagten ihre Mittäterschaft bestritten und die als Zeugen einvernommenen Polizei beamten nicht zugeben wollten, etwas gesetzen oder gehört zu haben.

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