Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2277 (23.6.1925)
- Date
- 1925-06-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 8277 Men, MenNag MeUee Ms*-«UMk««<i* 23. IM 1925 Geile R Zionistisches Lokalkomitee Heute Dienstag, 23. Juni, halb 8 Uhr abends Olympiasäle // I. Rotgasse .mm über Die Verhandlung wurde erst am 20. b. beendet. Die Bevufungsstrafkammer bestätigte das Urteil gegen Schreiber in der Höhe von sechs Monaten Gefängnis sowie das gegen Domey wegen Beleidigung in der Höhe von 200 MarkGeldstrafe. Dagegen wurde das Urteil des Schöffengerichtes, das Bunkc zu drei Monaten Gefängnis verurteilt hatte, als nicht ausreichend angesehen und a u f s e ch s Monate erhöht. M a n k i ewitz, der freigesprochen worden war, wurde diesmal wegen Körperverletzung zu d r e i Monaten Gefängnis verurteilt, die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter wurde ihm auf drei Jahre abgesprochen. Die Freisprechung des Polizeihauptmannes D.ubbe von der Anklage der Beleidigung wurde b e st ä t i g t. Der Fremdenkrieg in China. Bedrohliche Lage in Hongkong. Hongkong, 21. Juni. (Reuter). Da die Lage einen bedrohliche u Charakter angenommen hat, sind F r c iw i l l i g e n a b t c i l u it (\ c n aufgestellt worden. Die Arbeiter haben eine geheim'e Gesellschaft unter deni Namen A r b c i t s k o m in i s s i o n gebildet, die der Regierung in Kanton mit Vollmachten für die Führung des Streiks bclgegeben werden soll. Die Kommission hat eine Reihe von Forderungen ausgestellt, von deren Erfüllung sie di« Wiederaufnahme der Arbeit abhängig macht, so Versammlnngs- und Preßfreiheit, Stimm- und Wahlrecht der Chinesen für den gesetzgebenden Rat, Verbesserung der Arbeitsbedingungen n. a. nt.; namentlich verlangt die Kommission die Erlaubnis für die Chinesen, im europäischen Viertel zu wohttert. Japanische Kviegsexklärunu an die Karrton- Negievung? Lonodn, 22. Juni. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung Ms Hongkong geht dort das Gerücht, daß Japan der süd- Hrnesischen Regierung, die ihrer: Sitz in Kanton hat, der: Krieg erklärt habe. Als Vorwand soll die Ermordung dines Beamter: des japanischen Spitals von Kanton angeführt werden. In Politischer: Kreisen wird dieses Gerücht kl-ls wenig unwahrscheinlich bezeichnet. Ae Arbeitslosigkeit iu England. London, 22. Juni. (Tel.-Komp. Nach einer Meldung land hat sich in den letzten Tagen um 110.0 0.0 Personen vermehr; sie beträgt gegenwärtig über 1,3 Millionen. Sonntag fanden in London und aller: größeren Städten der Provinz große D e n: o n st r a t i o n e r: der llrbei tsloseu statt. Die Versammlungen forb-ertcu die Regierung auf. sofort Maßnahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit zu treffen, sonst würden die Arbeits- As wenig wahrseinlnch bezeichnet. Maffollnl schickt das Parlament nach Hause. Rom, 22. Juni. Die Kammer hat das Ermächtigungsgesetz, durch welches der Regierung eine Reihe vor: g e s e tzg e b e r i s ch e n B e fug n i s s e n eingeräumt wird, a r: g e n o m in e n. Nachdem in einer Nachtsitznng das Preßgesetz nnt 261 gegen 5 Stimmen (bei Abstinenz fast der ganzen Opposition) angenommen worden war, vertagte sich die Kammer; sie dürfte erst im N o v e m b e r oder D e z e m b e r wieder zusau:mcntreten. Die Kampagne gegen Sforza. Rom, 22. Juni. (Tel.-Komp.) Alls dem N a t i o n a lk o u g r e ß d e r Fa s z i st e u in Rom hat die u it v e rsöhnliche Richtung einen vollen Sieg errungen. Fariuaeci wurde einmütig als Generalsekretär der Partei bestätigt. Mit Farilracci trat auch de B i c ch i für die Unversöhnlichkeit gegenüber allen anderen Parteie,: ein. Der Kongreß nahm weiters eine vom Turiner Abgeordneten Fedracci vorgeschlagene Tagesordnung an, in der verlangt wird, daß der ehemalige Minister des Aeußeru Graf Sforza, der der Preisgabe von Baloua und des Baros-Hasens von Fitune beschuldigt wird, v^r dem Obersten Gerichtshof des Senats wegen H o ch Verrates angeklagt werde. Der griechisch-türkische Vertrag unterzeichnet. Paris, 22. Juni. (Havas.) Wie der „Temps" ans Athen meldet, ist der Regierung die Nachricht zngekomntctt, daß der griechisch-türkische Vertrag gestern in Angora u n t e r z e i ch n e t worden ist. Ssimtliche Radic-Manvate verifiziert. Belgrad, 22. Juni. (U. T. K. B.) Die Mandate der Radie-Partei find heute von der Skupfchtimr verifiziert worden. Eine Kundgebung der ungarischen LegMmlfte«. Budapest, 22. Juni. Auf den: Schlosse des Fürsten B a t t h y a n i - S t r a t t ttt ci it tt in Körmend versammelten sich gestern die Führer der ungarischen Lcgitimistcn zu einer Kundgebung für ihre Ziele. Bei dieser Tagung hielt Graf A p P o n y i eine Ansprache, in der er unter anderen: ansführte, Ungarn stehe auf dem Prinzip dcr Rcchtskontinuität, welche in der Anhänglichkeit an das gesetzliche Königtum ihren Ausdruck findet. Wir wissen, erklärte Apponyi weiters, daß der tatsächlichen Wiederherstellung der königlichen Regentschaft derzeit unüberw : n d l i ch e S ch w i e r i g k e i t e n in: Wege stehen, die nicht aus den: Wege geräumt werden können, ohne die Existenz der Nation aufs Spiel zu setzen. Wenn wir Definitives schaffen wollten, so müßten wir uns auf das Gebiet der R e v o l u t: o n begeben, was wir verhindern wollen. Die ciltzige Chance für Ungarn ist die Wiederherstellung des Königtums und die E i n f ü h r u n g d e r D e m o k r a t i e. Wir wollen aber keine Ueberrasrhungen vornehmen. Wir wissen, daß der gegenwärtige Zustand ein Provis o r i u nt ist, den wir als solchen achten und schätzen und den jedermann achte:: mtb in Ehren halten muß, allein >vir wollen durch unsere Vorbereitungen verhindern, daß für die Zukunft eine Entwicklung nach einer Richtung erfolgen könnte, die nicht der Rechtskontinuität entspricht. Es sprachen sodann Graf Julius Andrassy, Stephan Friedrich u. a., welche die Heimkehr Ottos forderten. Kein Abaeordneteneid. Budapest, 22. Juni. (Tel.-Komp.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde nach dem Expose des Finanzuünisters Bud die Wahlrechtsdebatte fortgesetzt. Auf Antrag des Präsidenten wurde, einem Ersuchen des Grafen Albert Apponyi entsprechend, auf die Behandlung des Artikels 132 übergegangen, welcher vom Abgeordneteneid handelt. Graf Apponyi begründete in längerer Rede, daß viele Mitglieder der Nationalversammlung in Widerspruch mit ihrer Ueberzeugung geraten würden, wenn dieser Paragraph in Geltung bleibt. Solche Abgeordnete würden unter Umständen eher auf ihr Abgeordnetcnmandat verzichten, als den Abgeordneteneid in der von der Wahlrechtsvorlage vorgesehenen Fassung abzulegen. Nach den Ausführungen des Grafen Albert Apponyi erklärte rer Minister des Innern Rakovszkh, daß die Negierung dem Anträge Apponhis zustimme und den Paragraphen über den Abgeordneteneid fallen lasse. Ludendorffs Aufruf „An die Sidde« in Paulen". Eine neue Blamage des Koiegsverlierees Lurrdstvörn. Aus Breslau meldet I. T. A.: Das Große Schöffengericht!beim Amtsgericht Breslau verhandelte an: 17. d. einen BeleidigungSPvozeß, den der Vorsitzende der Breslauer Zionistischen Vereinigung, Herr Rechtsanwalt Jacobson gegen den Redakteur der „Schlesischen Volksstinnne", Dr. H e r r m a n n, angestrengt hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage erhoben wegen B el e i d i g u n g der deutschen Juden in ihrer Gesamtheit. Der Beleidigung lag folgender Sachverhalt zugrunde: Rechtsanwalt Jacobson hatte in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" einen Artikel „Ostjuden in Deutschland" geschrieben, in welchem unter anderen: die folgende Stelle vorkam: „Es ist kein edler Zug, wenn deutsche Juden dieselben Ostjuden von sich stoßen, die 1914-1915 jüdische Soldaten des deutschen Heeres als jüdische Brüder empfangen und dabei ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben." Unter Bezugnahme auf diesen Artikel veröffentlichte der Angeklagte in der „Schlesischen Volksstinnne" einen Aufsatz mit der Ueberschrift „Wir Juden waren Landesverräter", in welchen: er die Juden als „vaterlandslose Gesellen" bezeichnete und ausführte, es sei „ein starkes Stück, sich in der Oefsentlichkeit zu rühmen, daß schon 1914 — von den Juden hüben und drüben gemeinster Landesverrat vor dem Feinde betrieben worden sei". Der Angeklagte suchte sich damit zu entschuldigen, daß er nur die Schlußfolgerungen aus der Darstellung Jacobsons gezogen habe. Die polnischen Inden, welche die jüdischen Soldaten freundlich empfangen hatten, hätten ebenso Landesverrat begangen, wie die deutschjüdischen Soldaten, die von ihnen Liebesgaben annahmen, sich als Deserteure von polnischen Juden verstecken ließen und ihnen militärische Geheimnisse Deutschlands verrieten. Der Vorsitzende, Laudgerichtsdirektor v. Gatznie«, forderte den Angeklagten auf, für diese Behauptungen den Wahrheitsbeweis anzutreten. Der Angeklagte erklärte sich hierzu äußerst a n d e. Der Angeklagte überreichte dem Gericht einen Brief, den ihm General L u d e n d o r f f zun: Zwecke des Beweisverfahrens geschrieben hatte. Ludcndorff erklärt, daß der bekannte Aufruf „An die Jidden in Paulen" zwar erlassen worden sei, aber nur auf Betreiben des Feldrabbiners des Armeekommandos der 9. Armee; im übrigen habe weder er, General Ludendorff, noch irgend ein deutsch blütiger Soldat (!) irgendwelche L i e b e s d i c n st c von p o l n i s ch e n Juden jenwls angenommen. Der Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Färber, wies auf die vergiftende Wirkung solcher Artikel hin, die den inneren Frieden dauernd gefährden und das deutsche Volk nicht zur Ruhe kommen lassen. Er bezeichnete den Inhalt des Briefes des Generals Ludendorff von: politischen Standpunkte aus als geradezu kindisch und erklärte, der Vorwurf des Landesverrates sei nicht nur eine schwere Herabsetzung der jüdischen Gesanttheit, sondern eine schamlose V e r l e u m b u n g. Er beantragte, über die vom Staatsanwalt gestellte Strafe von 150 Mark hinauszugehcn und eine Freiheitsstrafe zu verhängen. Das Gericht schloß sich den Ausführungen des Vertreters des Nebenklägers an, sah nur mit Rücksicht auf die bisherige Straflosigkeit von einer Freiheitsstrafe ab, ging jedoch über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus und verurteilte Dr. Herrmann zu 500 M a r kG e l d st r a f? Wesentliche Abnahme der Arbeitslosigkeit. Der Stand der unterstützten Arbeitslosen in ganz Oesterreich betrug am 15. Juni I. I. 11 9.5 01. Hiervon entfallen mehr als b i e H ä l f t e, nämlich 65.354 aus Wien. Im allgemeinen ist seit Mitte Februar, wo noch rund 192.000 Arbeitslose in Unterstützung standen, eine wesentliche Abnahme zu verzeichnen, die in den letzten vier Wochen rund 20.000 betrug. Die Besserung auf den: Arbeitsmarkte ist auf den Beginn der Bautätigkeit, sowie auf die teilweise bessere Beschäftigung mancher Industriezweige zurückzuführen. So ist in der Metallindustrie, in der chemischen Industrie, in der Nahrungs- und Genußmittelindustrie, im Hotel-, und Schankgeiwerbe sowie bei den Friseuren eine leichte Besserung zu verspüren. Ueberdies ist es gelungen, durch verschiedene Notstandsarbeiten eine größere Anzahl von Hilfsarbeitern nnterzub ringen. Im Vergleiche mit dem Vorjahre sind in diesen: Jahre ungefähr 60.000 Arbeitslose in jedem Monat mehr in Unterstützung gestanden. Mitteilungen der Bureaus der 14. Siourftenkongreffes. Angesichts des Umstandes, daß die Gastkartenlbestellungen von einer Reihe weit entfernter Länder nicht termingerecht eingetroffen sind, sieht sich das Kongreßbureau veranlaßt, den Termin für die Entgegennahme von G a stk a r t e n b e st e l l u n g e u b i s z u m 3 0. I n n i z:t to e rl ä n g e r n. Die Zuweisung der Karten an die Landesverbände und deren Verständigung über die Zahl und Kategorie der zugewiesenen Karten wird au: 2. Juli d. I. erfolgen. Wir bitten alle Landesverbände und Landesbureaus der Sonderverbände, uns bis zum 30. d. sämtliche bei ihnen eingegangenen Bestellungen aufzugoben, da sonst die Karten unter jene Verbände aufgeteilt werden, die ihre Bestellungen rechtzeitig gemacht haben, und diejenigen Verbände, die später noch Bestellungen einsenden sollten, leer ausgehen müßten. Die neuen Telephonnummern des Kongreßbureaus sind: 91-1-65 und 91-1-66. Gastkarten für Besucher aus Oesterreich. Es ist den: Zionistischen Landeskomitee gelungen, beim Bureau des 14. Zionistenkongresses noch die Freigabe einer Reihe von Gastkarten zu erwirken. Diese Bestellungen werden im Sekretariat des Landestomitees, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, bis zum 27. d. entgegeugenommen. Es wird aber ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß der größt- Teil dieser Karten, die uns beim Kongreßbnrean noch zur Verfügung stehen, nur den Sitzkategorien 1, 2, 3 und 4 angehöreu. Auch werden die Bestellungen seitens des Landeskomitees nur ganz unverbindlich entgegengenommen. * Vierter internationaler Dentistenkongreß. In Gegenwart von mehr als taufend Teilnehmern aus fast allen europäische»: Staate»: fand Sonntag in: Feftsaale der neuen Hofburg die Eröffnung des Kongresses statt. Gestern wurde die Tagung mit m >e r i t o r i s ch e n Beratungen fortgesetzt. Es w»»rden Referate über die Stell»u:g »md Neveut»»»:g des Dentist/ in Wt: Knttnrstaaten gehalten. Dann winde eine. R e s o t tton über eine bessere gesetzliche Rogetnug des Dentifte». standes gefaßt. Heilte werden fachwissenichaftliche Referate erstattet.