Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2277 (23.6.1925)
- Date
- 1925-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrgang VORZÜGLICHEN Ji schwarzen und welssen ]inrt40Pmt 1111,1 Ersparnis an Kaffeebohnen erreichen Kaffeehäuser, Bors,Hotels etc. mit der „ETERNA-EXPRESS-KAFFEEMASCHINE“ jl GEFIAWERKE A.G.,WIEN,' rÄ“n.Nio Lang ist der Weg... b. Wie n, 23. Juni. In die Volkshalle des Wiener Rathauses ist vom Oesterreichisch-Deutschen Volksbund für heute abends eine Versammlung einberufen worden, in der, wie die Ankündigung besagt, Vertreter aller parlamentarischen Parteien Reden für den Anschluß Oesterreichs an das Deutsche Reich halten werden. Der ursprünglich in Aussicht genommene christlichsoziale Redner, Nationalrat Dr. Drexel, ließ wegen Unpäßlichkeit absagen; die Form, in der dies geschah, zeugt dafür, daß die christlichsoziale Partei als solche mit der ganzen Sache nichts zu tun haben will. Wenn der Oesterreichisch-Deutsche Volksbund sich als überparteiliche Organisation der Anschlußfreunde präsentiert, so bedarf diese Firmenbezeichnung des Kommentars, daß eben in allen Parteilagern, und dies gilt auch für die Großdeutschen, die Lösung des österreichischen Problems unter.der Parole „Heim ins Reich" nicht widerspruchslos akzeptiert wird. Daß dem so ist,, dafür bietet schon die eingangs erwähnte Absage des Dr. Drexel einen sehr bezeichnenden Hinweis. Im deutschnationalen Lager ist der Ruf nach dem Anschluß oft und oft nicht mehr als ein Lippenbekenntnis gewesen. Man spricht wohl offen von ihm, wo aber die Nationalen in der Camera caritatis unbelauscht beisammen sind, da wandelt sich der schwarz-rot-goldene Anstrich zur schwarz-gelben Zweifarbe. Bor mehr denn Wochenfrist gab es in Wien ein Wiedersehensfest der ehemaligen Reichsratsabgeordneten des Deutschen Nationalverbandes. Von deutschradikaler Seite wurde eine sehr langatmige Entschließung vorgelegt, in der von Rumpsösterreich als dem natürlichen Attraktionszentrum jenes Auslandsdeutschtums die Rede war, das durch den Zerfall der Monarchie unter fremdnationale Herrschaft gelangt sei; dieses Rumpfösterreich habe noch in dieser Hinsicht wichtige Aufgaben für das Gesamtdeutschtum zu erfüllen. lieber die Entschließung wurde nicht abgestimmt, aber die Reden in der Debatte waren in diesem Sinne gehalten. Nun muß die Frage gestellt werden: Welcher Anlaß liegt hör, um die Anschlußkundgebung des Oesterreichisch-Deutschen Bolksbundes zu rechtfertigen? Ist die Zusammenschlttßfrage spruchreif geworden, steht sie etwa dort, wo über das Schicksal der Staaten und Völker wirklich Gericht gehalten wird, zur Entscheidung? Soll Oesterreich etwa binnen kurzem in einen Ueberstaat eingezwängt werden, der die Vereinigung mit dem Deutschen Reich für immerwährende Zeiten verhindert? Sott dagegen ein machtvolles.-Aufbäumen der Gesamtbevölkerung dieses Staates aller Welt vordemonstriert werden? Nichts von alledem! Daß in einigen englischen Blättern zu lesen stand, es fänden sich im britischen Kabinett auch einige Mitglieder, denen die Vereinigung Oesterreichs mit Deutschland irgendwie in ihr politisches Konzept passe, verleiht der Anschlußfrage noch keine Aktualität. Wir haben da unsere eigenen Erfahrungen, welchen Wert theoretische Sympathien haben und wie weit der Weg bis dahin ist, wo solche sehr oft nur gefühlsmäßige Einstellungen englischer Negierungsmitglieder sich bis zu einer wirklichen Entscheidung verdichten. Aber die Notwendigkeit solcher Entscheidungen liegt auch nicht vor. Sie wäre wohl nur gegeben, wenn Europa zu einer völligen Neuordnung des durch die Friedensverträge geschaffenen kontinentalen Staatensystems schreiten wollte. Daran denkt man bei den Siegermächten doch ernstlich nicht. Wenn im Zusammenhänge mit der von Deutschland angeschnittenen Herbett Samuels Rechenschaftsbericht. 8in britisches Weißbuch Wer Srez Israel 1929-1928. Das britische Kolonienamt hat soeben der Oeffentlichkeit ein sechzig Seiten starkes Weißbuch übergeben, welches den Bericht des zurücktretenden Oberkommissärs für Palästina, Sir Herbert Samuel, über die Verwaltung Palästinas während seiner Amtszeit von 1920 bis 1925 enthält. Der Bericht, der an den Kolonialminister Mr. L. S. A m e r y gerichtet ist, besagt u. a.: Die Situation in Palästina wird beherrscht von jener Deklaration, die am 2. November 1917 der damalige Außenminister Lord Balfour im Namen der britischen Regierung veröffentlicht hat. Diese Politik wurde fixiert lind international garantiert. Was bedeutet aber der Ausdruck: „Ein Nationalheim für das jüdische Volk"? Juden, in der ganzen Welt zerstreut, inspiriert von zweitausendjährigen Hoffnungen, waren gleich voll Enthusiasmus über die sich ihnen eröffnende Aussicht und erwarteten eine sofortige Masseneinwanderung in das einst ihnen versprochene Land. In der Erregung des Augenblicks übersahen sie die S ch w i e r i g k e i t e n und Hindernisse. Sie. vergaßen, daß im Lande mehr als eine halbe Million Araber wohnt, denen der größte Teil des Bodens gehört. Sie verkannten die grundlegende Bedeutung einer Billigung und Unterstützung seitens der britischen Meinung. Die fieberhafte Einbildung sah schon eine schnelle Okkupation des Landes durch zahlreiche Juden, die aus den Ländern, in denen sie unterdrückt werden, in das Land eilen, um dort in wenigen Jahren den jüdischen Staat zu schaffen und das Wort dev Propheten zu'verwirklichen. Die Zionistische Organisation war darauf Bedacht, solchen übertriebenen Illusionen keine Nahrung zu geben; sie formulierte ihr Ziel so, daß dem jüdischen Volke Gelegenheit gegeben wird, nach bestimmten Formen und nach einer gewissen Zeit in das Heilige Land zurückzukehren. Die arabische Bevölkerung Palästinas fürchtete, daß sie mindestens durch einen Teil der Juden ausgenützt werden würde. Sie war sich nicht klar, über die tatsächlich in Angriff genommenen Versuche. Sie wußte nicht, wie weit sie zu derjenigen Bestimmung der Balfour-Deklaration, daß die Rechte der Urbevölkerung gesichert werden sollen, Vertrauen haben könnte. Sie befürchtete, daß eine jüdische Majorität im Lande die gesamte Regierung in die Hände nehmen würde. Viele der bekannteren arabischen und christlichen Palästinenser wurden die Wortführer dieser Befürchtungen und organisierten die Bewegung. Durch Propagandisten wurden viele Teile des Landes in einen Zustand der Unruhe versetzt. Dies gipfelte in den Ausschreitungen in Jerusalem zu Ostern 1920 und in Jaffa im Mai 1921, bei welchen 101 Personen getötet, 407 verwundet wurden und die Wirtschaft großen Schaden erlitt. Außerhalb Palästinas herrschte unter Juden wie Nichtjuden Ungewißheit über die wirklichen Absichten der britischen Politik. Man wußte nicht, wie das Wort „national" in der Balfour-Deklaration gedeutet werden sollte. Dieses Wort hat in verschiedenen Ländern verschiedene Bedeutung. Obwohl in der Balfour-Deklaration kategorisch fcstgestellt wird, daß „nichts unternommen werden kann, was die Rechte und die politische Position der Juden in anderen Ländern beeinträchtigen könnte", wurde der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß, wenn die Juden zu einer Nation erklärt werden, sic dann alle Bürger des jüdischen Nationalheimes werden müßten. Aus solchen Zweifeln heraus haben cs viele Juden, patriotische Bürger ihres Landes, in welchem sic seit Generationen leben, äbgclehnt, etwas für Palästina zu tun, ja, sie betrachteten zuweilen die zionistische Bewegung mit Feindseligkeit. Es war notwendig, daß allen diesen Zweifeln begegnet und die Situation geklärt werde. Dies konnte nur durch eine autoritative Mitteilung der britischen Regierung über ihre Politik in P a l ä st i n a geschehen. Nach zweijähriger Tätigkeit und Erfahrung in Palästina kehrte ich im Mai 1922 nach London zurück, um den Ministern die Notwendigkeit einer solchen autoritativen Mitteilung darzutun. Meine Anregung wurde akzeptiert, mit großer Sorgfalt wurde der. Bericht aufgesetzt und im Juni 1922 dem Parlament als'ein Teil des Commend Paper Nr. 1700 unterbreitet Dieser Bericht, das White-Paper vom Juni 1922, skizzierte den Weg, den die Palästinaverwaltung in Zukunft zu gehen hätte. An erster Stelle wurde, um Mißverständnisse aus der Welt zu schaffen, dargetan, daß die Balfour-Deklaration nicht so zu verstehen sei, daß ein jüdisches Palästina, sondern daß ein jüdisches Heim in Palästina geschaffen werden soll. Eliminierung oder Unterdrückung der arabischen Bevölkerung, "Sprache und Kultur war keineswegs beabsichtigt. Es wurde auch dargetan, daß die Z i o n i st i s ch e Organisation einen Anteil ander a l l g chm e i n e n Administration nicht w ü n f cf) t u n d nicht besitz t. Endlich wurde darüber Klarheit geschaffen, daß die „N a t i o n a l i t ä t" von allen Bürgern Palästinas, Juden wie Nichtjuden, im Sinne des p a l ä st i n e n s i s ch e n H e i m a t s r e ch t e s erworben werden kann. Dies kann die Rechte von Bürgern eines anderen Landes nicht nn geringsten tangieren. Dieser Bericht wurde an die Zionistische Organisation gesandt mit einem vom damaligen Kolonienminister Churchill Unterzeichneten Begleitschreiben. In dem Briefe wurde gesagt, man halte es für wesentlich, nicht allein, daß „Ihre Organisation mit der Politik der Re- Diskussion über die Sicherheitsfrage auch jenseits des Kanals da und dort das österreichische Problem in einer den Anschlußfreunden genehmen Beleuchtung gezeigt wurde, so geschah dies wohl nur aus dem Grunde, weil inan die Diskussionsbasis sehr breit gewählt hatte. Mehr Ivar es sicherlich nicht. Soweit die Friedensverträge einen Zusammenschluß Oesterreichs mit Deutschland zuließen, hätte manches geschehen können, was die beiden Staaten, deren Volksstämme sich derselben Schriftsprache bedienen, einander hätte annähern und so die durch die Friedensverträge gezogenen Grenzen kaum mehr fühlbar machen können. Aber auch diese Möglichkeiten sind in den letzten Jahren, jedoch weder durch diegroße noch durch die kleine Entente, verschüttet worden; in Oesterreich selbst wuxden Anschlußhindernisse in Fülle aufgerichtet. Man emanzipierte sich notgedrungen von der deutschen Mark und richtete eine eigene Nationalbank auf. Niemand hätte Oesterreich daran verhindern können, die Zollschranken gegen Deutschland niederzulegen; statt dessen wurde im neuen österreichischen Zolltarif Deutschland nicht besser behandelt als irgend ein Staat, dem wir auf Grund eines Handelsvertrages die Meistbegünstigung gewähren. Nicht einmal dazu konnte und wollte man sich verstehen, die kleinliche Schikane des Paßvisums zu beseitigen. Von der Rechtsangleichung wurde immer nur gesprochen, aber es blieb bei den Vorbereitungen. Der gesunden Idee des großen Wirtschaftsgebietes von der Nordsee bis zum Neusiedler See wollte man hüben und drüben keine Opfer seiner Eigenart bringen. Und nun kommen die Vertreter der parlamentarischen Parteien in der Volkshatte des Rathauses zusammen, jener Parteien, die für alle Hindernisse des Zusammenschlusses mit die Verantwortung tragen, um sich gegenseitig Mut zuzusprechen. Nicht etwa, weil der Zusammenschluß neuerdings von den Mächten verboten worden wäre, nicht weil der Anschluß an das Reich oder die Entscheidung über ihn vor der Tür stünde, sondern weil sie vielleicht einsehen, wie weit sie selbst sich von der Anschlußbasis entfernt haben und weil es gilt, nunmehr den Leuten im eigenen Lager, die für Oesterreich einen anderen Weg ins Freie suchen, ein Paroli zu bieten. Ob mit dieser Manifestation der Anschluß-fache ein Dienst erwiesen wird, mag dahingestellt sein. Erfahrungsgemäß haben solche Kundgebungen immer den: an dem jetzigen Zustand interessierten Ausland die Anregung geboten, neue Hindernisse für den Zusammenschluß aufzurichten. Und das soll doch wohl nicht der Ztveck der Uebung sein! Kleider-Voile in allen Dessins und Farben, per Meter mr 19.800 Ml Schiffmann II. Taborstraße 48 Telenhon 47»t*79 Bit gros Bit dmtiil