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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-22 · Heft 2276 (22.6.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2276 (22.6.1925)
Date
1925-06-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2276_Wien. Montag M»EBkKzett«OO. Mittettungen aur Sem Publikum können ltnö wollen. Ob sic gut doran tun, soll hier nicht untcrsucht werden. Die Opposition hat sich ralliiert. Zuerst geheim, dann ganz offen. Jabotinsky und Genossen haben sogar einen kleinen Kongress nach Paris einberufen, Referate abgehaltcn, Beschlüsse weitestt ragender Natur gefaßt, sie sofort in der ganzen jüdischen Presse veröffentlicht, ihre Emissäre in die Länder ge-' schickt und diese scheinbar beauftragt, nunmehr mit der regen Propaganda für dieses „Pvogramm" auch die Vorbereitung für den Kongreß zu besorgen. Die zweite oppositionelle Gruppe, die sich um ttlrünbaum schart, die seit dem letzten Kongreß schon wieder zerfallen schien, hat neuen Zuzug unzufriedener Elemente ans mehreren Ländern bekommen und hat ebenfalls eine Konferenz in Berlin einberufen, die zu Pfingsten tagte und auch weittragende Beschlüsse gefaßt hat. Diese Konferenz der Grünbaum-Gruppe hat unter anderen! aber einen noch bedeutenderen Beschluß gefaßt, nämlich den der „Konferenz' gcmeinschaft" mit der Jabotinsky-Gruppe, auf deutsch: beide oppositiouellen Gruppen vereinigen sich im Kampf gegen die augenblickliche Leitung oder gegen Weitzmann und seine Politik. Das find Tatsachen, die man festhalten muß. Freunde von einst werden politische Gegner von morgen und Gegner von einst versöhnen sich im Kampf gegen den gemeinsamen Widersacher. Es wird gut sein, diese Angelegenheiten noch vor dem Kongreß denk großen Publikum bckanntzumachcn, das ja aus den Wählern besteht, die ihre Vertreter ins große jüdische Parlament entsenden. Die Wähler sollen vielleicht dieses Mal beim auch ein Wort mitreden und die Delegierten zum Kongreß sollen nicht auf Vorkonferenzen einzelner Gruppen bestellt werden. Wir haben ein freies, demokratisches Parlament, wir wollen von keiner Seite ein Diktat, wir wollen fchori gar nicht eine Demagogie, die schon heute von ,-va banque" und „Selbstmord" spricht und schreibt und so eine Atmosphäre schafft, die denr weitaus größten Teil der mitschaffenden Juden und Zionisten nicht entspricht und die nur das erwirken kann, daß auf Grund ihrer gezahlten Schekel Äbcr nicht ihrer Wahl Delegierte zum Kongreß kommen, die andere Interessen vertreten als die ihrer Wähler. 'Wir warnen gerade die ruhigen und arbeitsamen Zionisten davor, sich, angewidert von so einer Straßenpolitik, zurückzuziehen und den Ereignissen ihren Lauf zu lassen, respektive die Entwicklung denjenigen zu überlassen, die heute die zionistische Luft mit Anklagen aller Art erfüllen. Unsere Worte richten sich aber nicht an diese Zionisten, sondern sollen sich an die oppositionellen Zionisten richten, die sich zum Kampf vereinigt haben. Wir wollen sie davor warnen, die zionistische Politik des kommenden Kongresses auf die Spitze zu treiben. Es ist nicht ganz richtig, daß Gefahr für die heilige jüdischnationale Sache in Sicht ist. Eine solche Behauptung läßt sich leicht aussprechen, sehr schwer begründen. Wie soll Man sie aber entkräften, wenn mall kein Prophet sein kann und will. Wir wissen sehr wohl, genau wie die Herren der großen Opposition, daß der Völkerbund noch lange nicht die berechtigten Forderungen der Zionisten anerkennt sind erfüllt Und wir stimmen im Kampfe für die Durchsetzung dieser Wünsche vollkommen überein. Zn diesem Zwecke braucht man keine organisierte Kampfvppofition. Wir wissen, daß unsere diplomatischen Vertretungen erweitert werden müssen und manche Positionen verstärkt, respektive verlegt werden sollen. Wir wissen, daß es gilt, einzelne geheime und offene Kräfte, die unser Wenk behindern wollen, zu paralysieren. Wir wissen, daß unsere Stellung zu. den Arabern eine Klärung erfahren muß und müssen den Weg zu diesem Ziele in Ruhe und Ausdauer verfolgen. Aber diese Ruhe und Ausdauer darf nicht von der hohen Opposition als Schwäche oder Feigheit angesehen werden. Es scheillt, daß zu diesem Zwecke Ortskenntnisse und Bedachtsamkeit notwendig sind, die aber dltrch Geschrei und Hetzartikel ilicht ersetzt werden können. Wir wissen, daß in Erez Israel die Bodenpolitik das größte und bedeutsamste Problem geworden ist. Daß die Art der Ansiedlung, die Landwirtschaft ilnd der Städtebau Fragen voll ungeheuerer Bedeutung sind, ebenso die Regelung der Immigration und der Wanderung. Aber diese Fragen werden sich bei einem derartigen Tempo, wie es heute der Fall ist, nicht immer in Axiome und Paragraphen zwingen lassen und der beste Wille und der ehernste Beschluß wird oft durch die nackte, ungewollte Tatsache für den Augenblick um» gestoßen werden und Situatiollen vorübergehender Natur schaffell, die keinem Zionisten recht sind. Wir fürchten ebenso wie die Herren der Opposition, daß, wenn in der Jewish Agency Männer sitzen werden, die die zionistische Erziehung nicht genossen haben und die dem uationaleu Gedanken nicht ergeben sind, öfters Reibungen elltsteheu werden, die die Reinkultur schädigen könnten, die das Schulwerk gefährden können. Aber darum können wir nicht allf diese Mitarbeit verzichten, sondern uliissen unsere materielleli und ideellen, unsere aktive und propagandistische Arbeit in verstärktem Maße ausnchmen. Wir müssen, den Tatsachen Rechnung tragend, alle unsevo Kräfte anspannen, um unsere Idee zu verfechten. Nicht den augenblicklichen Vorteil krampfhaft festhaltend, niemanden zur Mitarbeit zulasse»t, weil, .ex ideell noch nicht mitkann und so das Werk iu Gefahr bringen, dafür aber dasx verbriefte Recht festhalten. Dann wird Wietftrau haben' IMQ Bureau: BfH.luni.ZigaretleHgapliir wo WM.mimituHM unsere Jewish Agency eben nur ein Stück Papier sein, mit denr wir nirgends eilt jüdisches Heim wer Den aufbanen können. Meine Herren vo« der großen Opposition: Sie können den Gang der Geschichte und der Ereignisse im Lande nicht mehr mit Worten anfhaltcn. Sic können aber entscheidend eingreifen und richtunggebend sein, wenn sie cinspringen mit ihrer positiven Mitarbeit, mit Propaganda und Geldsammeln den ideellen und materiellen Aufbau Palästinas sicherstellen. Nur eine endgültige Bereinigung aller zionistischen Kräfte, aber nicht eine Bereinigung der oppositionellen, unzufriedenen Elemente derselben, kann noch ein Wörtchen in der Entwicklung der jüdischen Geschichte von heute mitreden. Zn diesem Zwecke gehört vor allem die Wiederaufrichtung der großen zionistischen Organisation, wie sie in den Plänen der deutschen Zionisten, zu denen sich noch manches sagen läßt, festgelegt ist. Unter Reorganisation verstehen wir die Belebung der Keimzellen dieser Organisation. Eine Landcsorganisation und ihre Bestandteile, die Ortsgruppen und Sektionen, soll die zionistische Arbeit wie ehedem aufnehmen. Die Propaganda im großen ititb kleinen ist heute mehr denn je geeignet, große jüdische Kreise, die uns ja heute näher stehen als vor zwanzig Jahren, die vor allem unseren! Rufe jetzt folgen, für den zionistischen Gedanken zu interessieren. Bei diesen Juden wird der umgekehrte Weg als bei den Zionisten von einst cingeschlagen. Zuerst haben wir von ihnen Geld für unsere Sache verlangt und jetzt wollen wir ihnen sagen, wofür wir cs gefordert haben, jetzt wollen wir sie überzeugen, daß cs für die Juden von heute keinen anderen Weg gibt. Der 14. Kongreß, der in Wen tagen soll, wird nur dann erfolgreich arbeiten, den großen Problemen gewachsen sein können, wenn die Opposition an den Arbeiten mitwirkt. Die oppositionllen Gruppen sind ja eigenkilch eine Bereinigung von zionistischen Persönlichkeiten, die mit Recht oder Unrecht über die eine oder andere Tätigkeit der Organisation nicht zufrieden sind. Eine Revolution, die geplant ist, wird s i e selb st aus den Reihen der Zionisten stoßen. Es wird sich wieder das Schauspiel ereignen, daß zionistische Potenzen der großen Arbeit verloren gchen werden, Werl die Majorität ihren Weg nicht gehen kann. Wenn die Vorarbeiten zum Kongreß werter so betrieben werden, wenn die Opposition nicht den Weg des .Friedens wird gchen wollen, und zwar noch vor Beginn des 14. Kongresses, dann wird sie den Wag der Verständigung nicht mehr finden. Die Herren Politiker der großen Opposition, der vereinigten Kongreßgemelnschast, mögen daran denken, daß auch Männer der Arbeit, des täglichen Berufslebens, Delegierte des Kongresses sein werden, die dom nüchternen Alltag Rechnung tragen, die im augenblickliichon Stadium der palästinensischen Entwicklung, wenn sie auch bisher noch so große Idealisten nnd Utopisten' Iva von, sich nicht mehr von demagogischen Phrasen werden einfangen lassen. Und die große jüdische Oessen tli chkeit, die heute schon den regsten Anteil an den Beratungen der zionistischen Kongresse nimmt, die wird nie zngeben, daß eine Agmcypolitik Weidmanns, eine Versöhnungspolitik gegenüber den Arabern und ein langsamer Ausbau des Landes, wie die Opposition meint, ein Ba-bcmgue- Spiel oder eine selbstmörderische Politik davstellen. Zum Schlüsse kann man der Opposition nur zurusen: Eaveat consu'les... Mögen sie nur, wenn sie die Sache, wenn sie Zion lieben, mit Bedacht kritisieren und opponieren, aber an die Mitarbeit nicht vergessen, denn nur die zionistische Arbeit wird auf dem 14. Kongreß siegen! Nacht r a g. Erst nach dem Fertigwerden dieses Artikels konnten wir das „Programm" der Berliner Opposition kennen lernen. Es muß in aller Eile festgestellt iverden, daß die Aermlichteit dieses Programms schon so viel gegen sich spricht, daß es eigentlich überflüssig ist, darauf näher eingngchen. Um derartige Wünsche auszusprechen nnd dnrchznsetzen, dazu braucht man wirklich nicht den schweren Apparat einer Koniferen.; und einer großangelegten Oppositionspartei. Die Beschwerden, die da vorgebracht werden, reichen wahrlich nicht aus, um sich mit der JabotinÄY-Grnppe vereinigon zu müssen oder man ist im Bewußtsein eigener Schwäche gGvungen gewesen, sich mit einer bestehenden OPPositionSgvupPe zu vereinigen. Aber einige Worte zu den Untovzeichnevn dieser Deklaration, soferne sie die österreichische Landsmannschaft betroffen. Soweit mau in hiesigen Kve-isen Kenntnis hat, werden die präfumptiven Vertreter Oesterreichs zu ihrer Gänze Oppositionelle sein. Als dies von der hiesigen Opposition vor Jahresfrist konstatiert wurde, wurde man als Ketzer verschrien, noch vor Monaten hätten einzelne dieser Herren sich entschieden dagegen verwahrt, als Gegner der offiziellen Politik zu gelten. Jetzt ist plötzlich die gesamte offizielle Leitung der österreichischen Organisation, scheinbar weil sie unter de>m Druck von London nicht hat für den Mischnationaleil Gedanken, für Erez Israel, Keren Kajemeth und Keren Hajessöd arbeiten können, zur Opposition übergegangen. Es wird ivot tun, die große zionistische Oeffentlichkeit Oesterreichs mit diesen Tatsachen in öffentlichen Versammlungen bekanntznrnachen, um di« wirkliche Stimmung unter den österreichischen Zionisten zu wissen, last, not least, lveil der Kongreß in Wien stattfiudet. _SS. Juni IW " Zionisten und Non-vartisans. Mn Vorschlag. Von Dr. Mayer Ebner. Die Verteidiger der Jewish Agency sind in sehr tos drangier Defensive und es hat den Anschein, daß der Vorstoß S o l o we i t s ch i ks den Ring derer, die sich um sie geschart haben, gesprengt hat. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, daß auch der 14. Kongreß sich dem Macht- Worte des erfolgreichen Führers beugen und das lebensunfähige Gebilde einer Jewish Agency nach den Vorschlägen der Amerikaner schaffen wird. Wir werden aber dann das Schicksal der siamesischen Zwillinge erleben, von denen kein Teil vom anderen loskommen konnte, ohne Lebensgefahr für beide Teile. Diese Jewish Agency wird viele Füße, viele Hände, viele Herzen und in Wahrheit nicht einen, sondern so viele Köpfe haben, als cs in der Jewish Agency Führer von Fraktionen geben wird. Die Anhänger dieser Jewish Agency verteidigen einen verlorenen Posten, und verloren ist er, weil er technisch und juristisch unmöglich ist. Ich will nicht wiederholen, was andere und namentlich Soloweitschik in so scharf logischer Weise ausgeführt haben, um -'t beweisen, in 'welch groteske Situationen wir kämen. Nein, so kann die Jewish Agency wirklich nicht gemacht werden, nnd cs wäre hoch an der Zeit, daß wir aufhören, auf diesem Leichnam herumzutveten, rmd daß wir uns lieber bemühen, einer! Weg zu finden, der znm Ziele führt, und das Ziel heißt: Wie zieht man die großen Kreise der unpolitischen Palästinafreunde für den Wiederaufbau von Erez Israel heran, ohne die Zionistische Organisation und den Zionistenkongreß zu erschüttern, deutlicher gefügt: ohne ihn wesentlich zu erschüttern? Bevor ich diese Frage beantworte, will ich sagen, daß unter allen Argumenten gegen die Jewish Agency eines auf mich den stärksten Eindruck gemacht hat, und zwar, daß die Vom Zionistenkongreß in die Jewish Agency delegierten Vertreter aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht hinter dem Präsidenten der Zionistischen Organisation stehen werden, sondern daß viele von ihnen Anschluß suchen und ^finden werden bei verwandten Gruppen der anderen Hälfte der Jewish Agency. Es wird eine vollständige Umgruppierung stattfinden und die Zionistische Organisation mitsamt ihrem Kongresse wird nullifiziert sein. Mein Vorschlag will nun diesen grundlegenden Fehler vermeiden. Er ist einfach, vielleicht so einfach wie das Er des Kolumbus, nnd er knüpft an an eine Institution aus der deutschen Reichsnnd Rechtsgeschichte, an das Kurienshstem der Ständevertretung und an die Jtio in partes, das heißt, es wurde nicht nach Personen abgestimmt, sondern nach Kurien, und vor jeder Abstimmung im Plenum zog sich jede Kurie zurück, um nach einer Beratung das einheitliche Votum der Kurie abzugeben. In unsevm Falle repräsentiert der Zionistenkongreß die Kurie der Zionisten, während die Vertreter der Nonpartisans die Kurie der nicht politischen Palästinafveunde bilden. Wie sich diese Non-partrsans organisieren, ist im Augenblicke nicht unsere Sache, und diese Frage soll vorläufig die Entwicklung meines Gedankenganges nicht stören. Nehmen wir an, die Non-Partisans betrauen eine gewisse Anzahl von Personen mit ihrer Vertretung in der Körperschaft, die wir, um bei der Nomenclatur des Mandates zu bleiben, Jewish Agency nennen wollen. Der Zionistenkougreß betraut seinerseits die gleiche Anzahl von Personen mit seiner Vertretung in dieser Jewish Agency. Uebevdies führt der Präsident der Zionistischen Weltorganisation den Vorsitz. Wünschenswert wäre, daß die Jewish Agtzney im ganzen eine Körperschaft von geringer Zahl wäre, und daß sie ihren ständigen Sitz in Palästina hätte. Von Vorneherein wird festgelegt, daß die Jewish Agency nur über die Verwendung der von beiden Teilen gesondert gesammelten und zur Verfügung gestellten Fonds zu entscheiden hat, und zwar nur sofern es sich um den wirtschaftlichen Aufbau von Erez Israel handelt. Die Tagesordnung wird im Plenum der Jewish Agency verhandelt. Vor jeder meritorischen Beschlußfassung aber wird eine itioin partes vorgenommen. Die Delegierten der Zionistenkurie 'beraten untereinander ebenso wie die Delegierten der Kurie der Non-Partisans. Jede Kurie ist das Spiegelbild ihrer Organisation, sie setzt sich aus der Vertretern der verschiedenen Parteien, nach ihrer zahlen mäßigen Stärke zusammen, und genau so wie der Kongrc schließlich zu einer resultierenden Meinung gelangt, gen« so faßt jode Kurie ihren Beschluß, der sodann im Plonst bekanntgegeben wird. Ein rechtsverbindlicher Beschß kommt nur bei Uebereinstimmung fceif* Ku rien zustande. Mein Vorschlag enthält gar nichts Ungewöhnliche-'^ ist im Wesen ähnlich der Konstitution eines jode» der großen, parlamentarisch regierten Länder. Ein Gesetz MNt nur dann zustande, tvenn Oberhaus und U ier-. Zionistisches Lokalkomitee Morgen Dienstag, 23. Juni, halb 8 Uhr abends Olympiasale // I. Rotgasse irrati&inßrsDr.ti.P.CIIfltS über

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