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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-21 · Heft 2275 (21.6.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2275 (21.6.1925)
Date
1925-06-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ur. 2275 Wen, Sonntag fSitntr 5i. E) MM'» Der alte Fußschmerz wird zum Spaß, Trägst du nur Beka-Sanitas! Er stillt dein Leid und saugt den Schweiß — Und alles um den Einheitspreis! Mischen Nationalfonds die ergebenste« Dienste geleistet. Mit den Zionisten der Tschecho-Slowakei wünscht die gesamte Organisation beiden Sechzigern alles Glück und Lankt ihnen für ihre unerschütterliche Tktzue. Jb.ltifug" erscheint wieder. Unlev geändertem Ditel. Budchiest, 20. Juni. (Tel.-Komp.) Die Interventionen ibeim Ministerpräsidenten in der Angelegenheit des Berbgtes des „Az Ujsag" haben zu einem Erfolg geführt. Das Blatt dürfte entweder schon morgen oder spätestens Dienstag wieder erscheinen, allerdings unter geändertem Titel und als Nr. 1 des ersten Jahrganges. Der beleidigte Nerchsverweser. Vor einigen Tagen kaufte der Kaufmann Emanuel AItkorn einen größeren Posten grüner Erbsen, die er in einem Fuhrwerk in sein Magazin auf dem Garai-Platz überführen ließ. Unterwegs fiel ihm zufällig ein Exemplar der konfiszierten Pfingstnummer des „Az Wag" mit der bekannten Aussage des gewesenen Innenministers Beniczky gegen den Reichsverweser in die Hand. Der Kaufmann las diese Veröffentlichung des Blattes und bemerkte sodann zu dem Fuhrwerker und dessen Frau: ,^Jetzt weiß ich wenigstens, wer der Mörder Somogvis und Bacsos ist." Als es bei der Bezahlung des Fährlohnes zu Differenzen zwischen Altkorn und dem Fuhrwerker kam, lief die Gattin des Fuhrwerkers zur nächftgelegenen Polizeitvachstube und erstattete gegen Altkorn die Anzeige wegen Beleidigung des Reichsverwesers. Altkorn wurde auf der Stelle verhaftet und der Staatsanwaltschaft eingeliefert. Der Untersuchungsrichter verfügte Wohl die Enthaftung Altkorus, die auch gegen den Rekurs des Staatsanwalts von der Königlichen Tafel bestätigt wurde, doch nimmt das Strafverfahren seinen Fortgang. . - Die Kektrifirkermig. Gestern fand eine Sitzung der Verwaltungskommiffion der Oesterreichifchien Bundesbahnen statt, bei. welcher der Präsident der Verwaltungskommission, Dr. Günther, über die Verhandlungen in Genf behufs Erwirkung eines Kredites für die Fortführung der Elektrifizierung der Oesterreichischen Bundesbahnen Bericht erstattete. Die Elektrifizierung der Strecke Sa!lzburg—In nsb ru ck und der anschließenden Strecken werde nunmehr sofort in Angriff genommen werden und es sei Hoffnung vorhanden, sie Ende 192 8 zu vollenden. Die Vorteile werden sich vor allem in einer -wesentlichen AbküM-ng der Reisedauer in der Strecke Wien—Buchs, aber auch darüber hinaus in einer Belebung der industriellen Tätigkeit und V e r mind e r u u g d e r A r b e i t s l o s i gkeit äußern. heiraten. Der Hasenfuß brauchte nämlich 1000 Franken, um Rose, die Klette, abzustößon. Den ganzen Abend sprach man von Flaquard, der zwar keinen Mut besaß, aber ein schöner Mensch war — Heirat und Glück bedeutete. Anr anderen Morgen, als-der Alte fort war, sagte Juliette zu Turko, während sie den Haushalt besorgte: „Ich bin zufrieden." Turko verstand sich auf diese Art vertraulicher Mitteilungen. Er witterte das Glück, dieses edelste Parfüm. (Nur die Hunde sind begnadet, es wahrzunehmen.) Sie erzählte ihm, daß sie mit den: großen Flaquard glücklich sein würde, da dieser nun sein Verderben, die Rose, dieses Anhängsel, los wurde. Ohne die tausend Franken — was wäre geworden? Sie sang, betrachtete sich in: Spiegel und legte um ihren .Hals ein blaues Band. Turlos Augen folgten ihr treulich; er nahm von allem, was sie sagte, eil.uas in sich auf. Einst jung wie'sie, war er jetzt noch älter als der Großvater. Sein schwarzes Fell war durch die Jahre häßlich geworden, sein Rücken so verrunzelt wie eine Hehlerhand. Aber Juliette war stolz auf seine schönen, kastanienbraunen Augen, die ihr mehr und mehr ins , Herz zu blicken verstanden. Sie zeigte ihm den Taus-endfrankenschein, dessen Borhandensehr die Lage der Dinge veränderte. Rasch legte sie ihn, für Turko unerveichbar.auf den Deckel des Salzkistchens, das sehr hoch neben der Tür hing. Dann plauderte sie von anderem, trällerte, liebäugelte mit dem Spiegel. Während der FvüWücks-pause trieb es sie.ans Gartengeländer; sie hoffte, vielleicht Flaquard vorübergchen zu schon, der draußen an der Beschotterung der Straße arbeitete — sie wollte es ihm verkünden . . .; . Ein so heftiger Windstoß traf sie, daß sie stehen bleiben mußte. Unmöglich, dagegen aufzukommen. Wild wirbelte der Sturm ihre Haare um ihr niedliches Gesicht. — der dünne Rock schmiegte sich an den zarten Wuchs ihres Seipels HochfchMeorie. Im Festsaal der Universität wurde gestern der sogenannte ordentliche Hochschultag, eine Vertrete rversamm-- lung der deu-tisch-antisemitischen Studentenschaft der österreichischen Hochschulen, eröffnet. Die Regierung war .durch Dr. Waber sowie durch Beamte des Handels- und des HeereSrninfftevrums vertreten, Bogrüßungstelegramme hatten unter anderen Bundespräsident Hai ursch und Hindenburg gesendet. Dr.'Seipel erstattete ein Referat über „Die Aufgaben der deutschen Hochschule in Oesterreich gegenüber dem deutschen V-olke"u-nd untersuchte zunächst die Frage, wem die Hochschulen eigentlich angehören, der Natron oder dem Staate. Er entschied für die Nation, unbekümmert darum, wer die Kosten für sie anfbvinge. Er sprach daun von den nationalen, sozialen und politischen Aufgaben der Hochschulen und meinte, die deutschen Hochschulen in. Oesterreich müßten die. wertvollen Elemente in der Eigenart des österreichischen Deutfchtums Pflegen, um durch deren Eingliederung in das gesamtdeutsche Weisen dieses zu bereichern. Politik im weitsten Sinne des Wortes könnte von den Hochschulen nicht ferngehalten werden. Doch müsse man jedes Hi neintragen der reinen Parteipolitik sowie jede gewaltsame Demokratisierung der Hochschulen vermeiden. Dr. Seipel hat in seinem Vortrag eigentlich nur die Tatsache bestättgt, daß ihm und feinem Anhang an den Hochschulen die Synthese zwischen Kreuz und Hakenkreuz geglückt ist. Er ist diesmal national gekommen und hat die Hochschule für die Nation in Anspruch -genommen, als ob es niemals in Oesterreich einen Kampf um die Errichtung einer katholischen Universität in Salzburg gegeben hätte. Er reklamiert die Universitäten für die Nation, die doch, wie schon der Name Universitas besagt, eiu allgemeines Gut sein sollten. Nationale Wissenschaft ist, um ein schon ziemlich abgegriffenes Wort zu gebrauchen, ein ebensolches Unding wie zum Beispiel nationale oder katholische Arithmetik. Die These, daß die Hochschulen der Nation zu dienen hätten, bedeutet an und für sich schon eine Beschränkung des wissenschaftlichen Wertes dieser Institute, die, unvoreingenommen, nicht beschwert von den Rücksichten eines Dienstes für die Nation, für den Staat usw., «der Forschung und der Lehre gewidmet sind. Dr. Seipels Worte sanktionieren ziemlich eindeutig den Geist der deutschen Hochschulkammern, in denen sich eine Minderheit der Studenwnschaft zu Herren der Hochschulen aufgeworfen hat. Unterrichtsmimfter Dr. Schneider, derselbst ein Parteigenosse Dr. Seipels ist, hat diese Kammern abgelehnt und ein Gesetz über die Errichtung allgemeiner Hochschulkammern in Aussicht gestellt. Es ist bei dem Versprechen geblieben. Den Grund hiefür kann man deutlich aus der Rede Dr. Seipels herauslesen. Dr. Schneider ist der Tagung ferngeblieh en. Körpers. Der Zaun schwankte. Das magere Bäumchen in der Ecke stand gebeugt da wie ein vom Unglück Betroffener. Und die Bö hatte die von ihr angelehnte Haupttür weit aufgerissen; durch die Scheiben sah man das Flattern der vom Sturin hin- und hergeworfenen, baumwollenen Vorhänge. — ,Zurko!" rief sie, „wo steckst du?" Er -war an der Schwelle geblieben und spielte mit einem Stückchen Papier. Eine Ahnung durchzuckte sie. Sie stürzte auf ihn zu. Bei ihrem Hinblick schnappte der Hund nach dem Papier, verschlang es, -dann äugte er sie beruhigt an. Verzweifelt packte sie ihn, stieß seine Kiefer auseinander; ihre Finger griffen in das heiße Maul, das er jetzt, so weit er konnte, öffnete. Nichts mehr da! Sie ließ ihn los, brach in Tränen ans, lief, die Hände ringend, im Zimmer auf und ah, tvährend Turko es für seine Pflicht hielt, sie scharf zu beobachten, um sich keine ihrer Bewegungen entgehen zu lassen. Ach, sie wußte Wohl, was bevorstand. Der Großvater konnte jede Minute heimkehren: es war feine Zeit. Sowie er-es erführe, würde er Turko töten, um 'den Geldschein wieder zu erlangen.. . ., In solchem Falle gibt's kein anderes Mittel. Man weiß das; ihm etwas eingeben, nützt nichts. Man muß das Tier töten, und zwar sofort. Ja, der Alte, der entschlossen und hart gegen andere war, würde mit Turko gleich ein Ende machen. Mit dem Stock oder einem Messer. Anbinden würde er ihn, dann Niederschlagen, erwürgen und den armen Körper nach dem Schein durchwühlen. Sie richtete'sich plötzlich auf, erschüttert wie noch eben vom Sturm: Schritte nahten. Der Großvater bog aufs Haus zu. Der schöne Flaquard kam mit und man hörte sie lachen. Ganz außer sich sah sie auf Turko und der betrachtete sie mit seinen braunen, verwunderten Augen, welche feine ganze Güte offenbarten. Freudig traten die Männer ein. Lperette oder komische Lp«? Ein Steuerstreit um Strauß* „Fledermaus". Die Lustbavkeitssteuer für die Dheator ist -bekanntlich ittv zwei Kategorien eingeteilt, die eine für die Pros-a- und Opernbühnen, wo'die Steuer knappe 10 Prozent beträgt, die andere für die Qperettenbi'chnen, für welche ein Steuersatz von 30 Prozent gilt. Ein plausibler Einteilun>gsgMnd für diese verschiedenartige Steuerbehandlung konnte nur fein, -daß Operetten -rn Serienaufführungen gegeben werden, wodurch sich die Betriebskosten vermindern. Daß die Abteilung des Sta-dtrates Breitner diese Steuereinteil-u-ng derart motiviert, geht schon daraus hervor, daß Herr Breitner jetzt auch für alle Sprechstücke, die-eine Aufführungsls-erie von 60 erreichen, die erhöhte Lustbarkeitssteuer verlangt. Offenbar um wieder einmal im Verlauf des lustigen Krieges zwischen Bund und Gemeinde dem Bund eins auszuwischen, verlangt Herr Breitner jetzt von der Staatsoper, welche 'bekanntlich vom Bund erhalten wird, für ihre Aufführungen der Straußschen Operetten ,Me Fledermaus" und „Der Ziyeunevbaron" die erhöhte Lustbar -k e i t s st e u e r. Gegen diese Steuerbemesiung hat der Bundestheaterkommissär im Unterrichts-Ministerium die Büschwer.de an. den Magistrat erhoben mit der Begründung, daß Strauß' „Fledermaus" eine komische Oper fei und auch vom Komponisten selbst als solche geschrieben und bezeichnet wurde. Der Wiener Magistrat hat etliche Gutachten eingchol-t, darunter auch eines vom Stawtsoperndirektor Schalk. Dessen nichtssagende Erörterungen, welche u. .a. „Die Fledermaus" dem .Parbier von Sevilla" an die Seite stellen und diesen wieder in einem Atem mit dem verstaubten ,-Schwarzen Domino" von Ander nennen, zeichnen sich lediglich durch den anmaßenden Satz aus, daß die Aufführungen der Oper das Werk mit erstklassigen Sängern besetzen und überhaupt erstklassig feien. Dies ist entschieden arg übertrieben, denn die Abführungen. der. sogenannten neuem- , studierten .Fledermaus" an der Staatsoper sind, künstlerisch genommen, weit unter dem Niveau einer Provinziellen Qperettenbüihne, soviel Raum und Ausstattung auch verwendet wird. , Der Magistrat, vor dem die ,-Fledevmaus"-Be.schwerde gestern verhandelt wurde, hat diese ab gewiesen, indem er plötzlich den Einteilungsgrund feiner zwei .Steuevkategovien künstlerisch färbte. Ws-o müssen für ,^Die Fledermaus", wenn sie an der Oper -aufgeführt wird, 30 Prozent Lustbarkeitssteuer bezahlt werden. Eine ähnliche Beschwerde der Bundestheaterverwaltu-ng bezüglich des. ,Ligmn«Laron?, .• die noch nicht - erledigt wurde, dürfte dasselbe - Schicksal erfahren. Was zur Folge haben dürfte, daß „Die' Flederinaüs" an der 'Staatsoper nicht mehr gespielt werden wird. Einmal, unter Mahler, wäre das zu bedauern gewesen. Grundsätzlich ist zu bemerken, daß „Die Fledermaus", welche von Mahler opernfähig gewacht wurde, und von ihm in feiner etwas selbstherrlichen Art die Bezeichnung einer komischen Oper erhielt, natürlich eine Operette ist und daß sie, musikalisch genommen, der komischen Qpenrlrtevatur -rvicht angehövt. Solche Doktorfragen sind jedoch wirklich nebensäch- Sich aufreckend, als wollte sie ihnen den Weg versperren, stammelte sie ängstlich, weinerlich den Blick zu Boden schlagen: ,-Großvater, Großvater! Das Geld! . . . Ich war auf die Straße gegangen . . , mit Turko. Während -der Zeit find Leute eingedvungen . . . haben -das Geld gestohlen . . . Ich fah sie fliehen. . ." Die beiden stießen einen rauhen Schrei aus und blieben vor Schreck wie angewurzelt stehen. Der Großvater wurde blaß und warf, sich jammernd — sein Atem ging stoßweise wie eine Ma-. schine — auf einen Schemel, während der schöne Flaquard seine Haltung ganz und gar verlor und verlegen immer von einem Fuß auf den andern trat. ,^Verzeihen Sie," sagte er endlich mit seiner wohlklingenden, tiefen Stimme, ,/tber, aber . . f Er zog ab, ohne seinen.Satz' zu vollenden, ohne die beiden noch eines Blickes zu würdigen. Als er verschwunden war, wagte Juliette nicht, sich dem Großvater zu nähern, der noch immer wie betäubt dafaß. Mer sie trat zu Turko und instinktiv streckte sie ihre Arme nach ihm aus. Der Hund richtete sich an ihr empor, mit den Pfoten auf ihrer Brust. Sie drückte ihn fest an sich, heftete ihre in Tränen schwimmenden Augen auf ihn, Augen, aus deren tiefem Schmerz sich der Gedanke lüste: ,Ach habe dir doch das Leben gerettet!" Eine Träne Juliettes rann über das Haupt Turkos. Er fühlte, wie ihr Blick ihn traf. . . Und antwortete mit einem Ton, der sich wie ein. kurzer Klagelaut anhörte. Er antwortete ihr auch mit der wohligen Wärme seines sich an den Busen des jungen Mädchens anschmiegenden Kopfes. Dann bellte er zweimal und sagte nichts mehr, Er war ein großes Herz und fand das alles ganz einfach. (Berechtigte Uebertragurig von I. Kunde.) i 4

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